David Kokas

„Jeder normale Freizeitkonsument der vernünftig damit umgeht und mal einen „kifft“ hat für mich seine medizinische Berechtigung. Ich würde es Stressausgleich nennen.“

Der 34 jährige Österreicher hat es am eigenen Leib erfahren:

Cannabis kann das Leben erst wieder lebenswert machen! Denn im Gegensatz zur Schulmedizin hilft Cannabis ihm nahezu nebenwirkungsfrei.

Der medizinische Aspekt war schließlich auch der Grund für ihn, sich für eine Legalisierung einzusetzen.

Wir freuen uns sehr, dass David sich als österreichischer Aktivist in unsere Intereview – Serie einreiht.

Hanfverband Hamburg : Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

David: In der ersten Berufsschule brachte mich ein Freund in eine Seitengasse wo ein

MC Donald´s war und meinte, „Rauch dir eine Zigarette an und lass uns hier kurz warten.“ Es hat nicht mal zwei Züge an der Zigarette gedauert und schon wurden wir angesprochen. Ich konnte es nicht fassen und das auf einem sehr belebten großen Hauptplatz.

Hanfverband Hamburg : Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

David: Ja am Anfang half es mir sehr, da mein Vater sehr jung mit 42 verstorben ist. Leider nahm ich dann auch noch andere Drogen und Medikamenten zu mir, die ich aber zum Glück schnell wieder durch Entzüge, Therapien und mit der Unterstütztung meiner Freundin loswerden konnte.

Es ging sogar so weit, dass ich mit Cannabis von einem Tag auf den anderen aufgehört habe und ich kaum Entzugssymptome hatte. Das konnte ich von den anderen Medikamenten und Drogen gar nicht sagen.

Ich wurde dann leider immer kränker und hab mich Jahre lang auf die Schulmedizin verlassen. Durch diese Medikamente schlief ich buchstäblich im Stehen mit der Zigarette in der Hand ein.

2012 habe ich dann mit einer Cannabinoid Therapie angefangen und plötzlich hatte ich eine komplett andere Sicht auf Cannabis und dessen medizinische Wirkung.

Hanfverband Hamburg : Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

David: Ja leider, 2006 wegen Konsum, war eine Geldstrafe. 2017 wegen medizinischen Anbaus. Wurde zu 18 Monate Haft auf 3 Jahre Bewährung verurteilt, da ich leider jahrelangen Anbau zugegeben hatte. Ich hoffte auf Gerechtigkeit.

Hanfverband Hamburg : Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

David: Mein eigenes Leben. Ich habe mich jahrelang auf die Schulmedizin verlassen und hab gesehen wo das hinführt…. in eine Benzoabhängigkeit. Auch die Antidepressiva und Schmerzmittel haben mein Leben stark eingeschränkt.

Cannabis hat mir mein Leben wieder zurückgegeben.

Hanfverband Hamburg : Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

David: Ich habe 2012 eine Facebook Gruppe gegründet (Erfahrungen mit medizinischem Cannabis)

2012 war ich auch bei legalize.eu (Mario Danne) als Ansprechpartner für die Steiermark in Österreich. Ich war auch als ehrenamtlicher Patientenberater tätig. Seit 2014 bin ich jetzt ehrenamtlich bei der Arge Canna als Patientenberater verfügbar.

Ich erarbeite Flyer wie, Dronabinol in Österreich oder einen Flyer über Krebs. Diese Aufklärungsbroschüren kommen sehr gut an.

Ich bin auf vielen Messen, Veranstaltungen, Seminaren und Vorträgen. Ich bin bei den Videos auf Youtube über Cannabis auf dem neuesten Stand und natürlich lese ich viele Bücher über das Thema, das mein Wissen darüber immer mehr erweitert.

Ich bin auch in vielen anderen Cannabis Patienten Gruppen und auch als Moderator tätig.

Ich versuche kostenlos 24 Stunden erreichbar zu sein.

Hanfverband Hamburg : Bist du Cannabis – Patient?

David: Ja seit 2012 Dronabinol Patient in Österreich und seit 2018 in Deutschland.

Hanfverband Hamburg : Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert?

David: Mein Leben ist kein Vergleich zu vorher. Ich war auf den anderen Medikamenten nicht mehr ansprechbar. Ich hatte von den starken Medikamenten viele Nebenwirkungen, man konnte mit mir gar nichts machen. Ich hatte die Lebensfreude verloren und hielt mich in sehr viele Kliniken auf in der Hoffnung, Hilfe zu finden. Bei den plötzlich auftretenden Schmerzattacken wollte ich nicht mehr Leben. Das sieht mit der Cannabinoid Therapie ganz anders aus. Ich sag immer, ich geh viel besser mit den Schmerzen um.

Hanfverband Hamburg : Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

David: Für mich ist Alkohol eine der schlimmsten Drogen! Ich finde, es sollte alles legal verfügbar sein… Fakt ist, die Drogen sind sowieso im Umlauf, auch wenn man das nicht sehen möchte. Somit könnte der Staat es kontrollieren und sogar noch Geld damit verdienen.

Hanfverband Hamburg : Wie siehstdu die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

David: Ich sehe für Deutschland eine bessere Zukunft als wie für Österreich. Allein schon der medizinische Bereich. Wenn man bedenkt das in Österreich die AGES schon seit vielen Jahren erfolgreich Cannabis anbaut und im eigenen Land aber gar nichts passiert, ist das schon mehr als traurig. In vielen anderen Ländern hat medizinisches Cannabis die Türen für eine Legalisierung geöffnet.

Hanfverband Hamburg : Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

David: Ja, als die Polizei vor der Türe stand und meine Medizin mitgenommen hat. Mit der Schulmedizin würde es zwar auch gehen, aber das ist KEIN LEBEN!?

Mich motiviert mein viel gesünderes Leben und viele positive, glückliche Rückmeldungen von Patienten, Ärzten, Apothekern und natürlich das wichtigste die Familie.

Hanfverband Hamburg : Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

David: Naja die alten Verurteile. So wie beim Führerschein. Ich finde es nur eigenartig, das bei Einnahmen von Morphinen, Methadon, Antidepressiva niemand etwas beanstandet und hier ohne Probleme das Auto gelenkt werden darf – BIS ETWAS PASSIERT!

Hanfverband Hamburg : Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

David: Unbedingt aufklären und immer wieder darüber sprechen! In meiner Familie fand ich jahrelang keine Akzeptanz, bis einige Familienmitglieder selbst schwer krank wurden. Ich bat meine Hilfe mit CBD ÖL und Cannabiscreme an und es wurde schnell bemerkt, dass diese Medizin wahre Wunder bewirkt.

Hanfverband Hamburg : Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

David: 12-14 Jahre, mein bester Freund ist auch schwer krank. Er erklärte seinen Kindern das es Medizin ist und er hoffe, dass die Kinder es nie brauchen werden.

Hanfverband Hamburg : Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

David: 18-21 Jahre würde ich für sehr sinnvoll halten. Dazu gehören aber auch Aufklärung in den Schulen und nicht nur eine plumpe Altersbeschränkung.

Hanfverband Hamburg : Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

David: Ich finde ganz wichtig das es Werbebschränkungen gibt und nicht befristete, lizenzierte Verkaufsstellen. Aber ich rede von sehr vielen Lizenzen.

Das Problem bei Alkohol ist einfach das er fast überall verfügbar ist und das auch noch 24 Stunden das macht es einen alkoholabhängigen gerade nicht leicht davon weg zu kommen.

Ganz wichtig finde ich das Cannabis Social Clubs von der Regierung unterstützt werden wie ein ganz normaler Verein für Konsumenten und Patienten, ich finde so etwas extrem wichtig sich mit Gleichgesinnten zu treffen und gerade für ältere oder allein stehende Menschen/Patienten könnte das gegen Depressionen vorbeugen.

Es sollte staatliche Anmeldeformulare für Cannabis Social Club, ofizielle Verkaufstellen, Apotheken, Produzenten, Labore usw. geben. Somit kann der Staat Stichproben von Qualität, Hygiene, Pestizide usw. nehmen. Ich finde das sehr wichtig!

2007 wurde eine Massenvergiftung durch mit Blei gestrecktes Marihuana im Leipziger Raum aufgedeckt. Mehrere Personen mussten wegen einer akuten Bleivergiftung in den Krankenhäusern behandelt werden. Auch Europol wurde dazu eingeschaltet. Leider kommen diese Verunreinigungen viel zu oft vor, nur um mehr Geld rauszuholen.

5 bis 10 Pflanzen sollte jeder Haushalt ohne Strafe anbauen dürfen.

Hanfverband Hamburg : Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

David: Pedanios 22/1-Ghost Train Haze. Ich hab damit einfach viel weniger Rückenschmerzen, Spastik, weniger Athrose-Gonathrose, Depressionen. Es macht mich mega aktiv, gut gelaunt und ist somit ideal für den Tag. Amnezia Core Cut wirkt bei mir gleich wie Pedanios 22/1 und alle Peace Naturals Medikamente sind super gegen meine sehr starken Schmerzen. Leider nur 1 bis 2-mal im Jahr in der Apotheke verfügbar.

Hanfverband Hamburg : Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

David: Man kann sehr viel im Hintergrund machen. Zum Beispiel: Anonym Flyer erarbeiten. Hanf Logos mit Text erstellen – sprich Aufklärungsarbeit ohne Gesicht zu zeigen, Videos schneiden, Ehrenamtlich in Vereinen arbeiten oder diese mit Spenden unterstützen. In der Arbeit offen darüber reden. Man kann auch in Betracht ziehen, in die Hanfbranche zu wechseln.

Hanfverband Hamburg : Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

David: Mir persönlich wäre es in einem Shop lieber, da ich leider zu krank für Eigenanbau bin.

Hanfverband Hamburg : Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

David: Ich würde fragen wofür sie es konsumieren und würde sagen dass es noch zu früh dafür ist. Der Körper könnte in diesem Alter wahrscheinlich in Mitleidenschaft gezogen werden. Ich würde vorschlagen etwas anderes zu machen. Fussballspielen, Computerspielen, oder andere Aktivitäten. Wenn der Drang zum Konsumieren trotzdem noch weiter besteht, würde ich ihm eine CBD reichere Sorte empfehlen.

Hanfverband Hamburg : Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Nicht wirklich. Nur eine Sache die mir gerade einfällt

Die Politiker sprechen immer davon, dass wir keine 3. Volksdroge brauchen. Nur warum bekommt man Cannabis dann überall?! Die 3. Volksdroge ist längst da.

Tv Auftritt: https://www.puls4.com/cafepuls/Videos/Das-Magazin/Cannabis-vom-Arzt-Ist-das-wirklich-legal-in-Oesterreich

Vielen Dank David, dass du mit dabei bist.

Daniela Kreher

Daniela Kreher

Daniela lebt seit vielen Jahren zwischen Europa und Südamerika pendelnd.

Sie wuchs in Bad Berleburg  in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Argentinien auf.  Ihr Theologie,- und Psychologiestudium verbrachte sie in Córdoba, Buenos Aires und Leipzig.

Bis 2011 war sie in der Stadtjugendpflege in Bad Berleburg tätig, danach für den Kirchenkreis Wittgenstein, bis es sie schließlich nach El Salvador in Zentralamerika zog.

Dort arbeitete Daniela als Pfarrerin und kam als Seelsorgerin in Kontakt mit vielen Menschen, die durch den Drogenkrieg und die Gewalt der Kartelle alles verloren haben.

Für diese Menschen setzt sie sich seit jeher ein und durch ihr Engagement, auch was die Rechte von Frauen und die Legalisierung von Verhütung und Abtreibung  angeht, machte sie sich viele Feinde in konservativen, katholischen Organisationen.

Als sie schließlich sogar Morddrohungen erhielt, floh sie nach Uruguay.

Viele werden das Gesicht der sympathischen  41 jährigen im Zusammenhang mit dem Knowmad Institut (https://knowmadinstitut.org/de) kennen, wo sie Mitgründerin ist, oder auch von LEAP Deutschland  ( https://leap-deutschland.de) , wo sie sich um Mitgliederbetreuung und internationale Beziehungen kümmert.

Daniela hat schon viel Gutes getan und wird sicher nicht damit aufhören, für eine bessere Welt und die Menschenrechte zu kämpfen. Darum freuen wir uns sehr, dass auch sie sich bereit erklärt hat, bei unserem kurzen Interview mitzumachen.

„Mein Weg zu Cannabis kam durch die Jugendseelsorge und die Seelsorge mit Menschen die Drogen konsumieren, ich bin also nicht als “Konsumentin” unserer Lieblingspflanze näher gekommen, sondern weil ich gesehen habe wie es Menschenleben positiv verändert hat… andererseits ist kein Rumkommen um den Drogenkrieg und was im Namen dieses gescheiterten Krieges täglich angerichtet wird… in den Ländern wo Hanf in der Natur am besten wächst. „

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten Mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Daniela: Die erste Pflanze, die ich kennenlernen durfte, war eine bolivianische Sorte und wuchs über 3 Meter hoch, man konnte sich mit mehreren Leuten drunter stellen, es war wie eine kleine grüne Höhle. Bei der Ernte durfte ich auch ein paar Wochen später helfen. Sie wurde von einer Familie ausgesät, die Cannabis für therapeutische und meditative Zwecke anwenden. (Am Ende ergab sie, getrocknet, 36 große Marmeladengläser voll. So war die ganze Familie lange versorgt). Das war schon ein besonderes Erlebnis. Das komplette ab-ernten und aufhängen war sehr Naturverbunden, ein mehrstündiges Ritual mitten in einer Großstadt wie Buenos Aires.

Seit meinem 13. Lebensjahr gab es in meinem engen Umkreis Leute die Cannabis geraucht haben. Ich war aber nie daran interessiert, ich habe “ganz normal”, viel  Alkohol getrunken und Zigaretten geraucht”, habe mich “brav von Drogen ferngehalten”. Den ersten Kuchen mit Cannabis habe ich mit 21 in Amsterdam im Urlaub probiert. Fand ich eine interessante Erfahrung.

Hanfverband Hamburg:  Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Daniela: Ja, ich rauche keinen Tabak mehr und ich trinke nur sehr selten, bei ganz besonderen Anlässen.

Ich habe Cannabis auf verschiedene Arten probiert und genutzt am ekligsten finde ich es mit Tabak gemischt. Pur (vaporisiert) kann man den Geschmack und die Sortenvielfalt am besten genießen. Es gab verschiedene Etappen, aber Zugang war immer eine Schwierigkeit. Egal ob Medizin oder zum Freizeitzweck. Egal ob man Samen, Blüten oder Tinkturen erhalten wollte. Nicht weil es kein Cannabis auf dem Schwarz-Markt gab, sondern weil es hochgefählich war/ist. Denn das Risiko in Lateinamerika, ganz schnell direkt an gewalttätige, bewaffnete, kriminelle Banden und Narcos zu kommen, was gar nicht angenehm ist, wie man sich vorstellen kann, ist sehr groß. Oder dass man von der Polizei erwischt wird, was auch höchst unangenehm ausgehen kann. Mit Strafen von bis zu 3 Jahren Haft wegen Besitz von Hanfsamen… Besitz von Blüten gibt noch ein paar Jahre mehr.

Diese beiden Faktoren machen es ziemlich gefährlich, wenn man Cannabis medizinisch braucht oder konsumieren, oder für andere Zwecke anbauen möchte. Diese Kriminalisierung ist erbarmungslos und sinnlos. Ich habe gemerkt, dass dort, wo die meisten Drogen konsumiert werden weniger Menschen sterben, als dort wo die Pflanzen und illegalisierten Substanzen in der Natur wachsen, dort wo der Drogenkrieg tobt und jeden Tag Blut vergossen wird.

Deshalb ist es wichtig sich bewusst zu sein, woher das kommt, was man konsumiert. Egal welches Produkt, und bei einer Substanz die vom Schwarzmarkt kommt sollte man sich das noch ernster Fragen, wegen der Risiken eben. Da vergeht einem die Lust das eigene Geld den kriminellen Organisationen in die Tasche zu schieben. Aktuell freue ich mich wenn ich mal ein paar Blüten geschenkt bekomme, ich setze mich auch für den Eigenanbau und Social Clubs ein, der Zugang zu der Hanfpflanze und den Produkten aus ihr, sollte nicht in exklusivem Handel von Großunternehmen bleiben.

Hanfverband Hamburg:  Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Daniela: Ja, ich habe ein großes Problem mit dem Gesetz, die Prohibition ist einfach verkehrt!  (grins)

Nein, ich hatte noch nie Probleme mit der Polizei oder einem Prozess vor Gericht oder so.

Hanfverband Hamburg:  Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Daniela: Die Seelsorge mit Patienten, die Seelsorge mit Menschen die Cannabis Anbauen, die ungerechte Gesetzgebung. Ich bin in Argentinien aufgewachsen, habe in Paraguay, El Salvador, Uruguay gearbeitet. Es ist erschütternd, wie viele junge Leute dort in unwürdigen Haftzuständen oder sogenannte “Therapien” kriminalisiert und gefoltert werden. Die Menschenrechte werden mit Füßen getreten.

Es ist unfassbar unfair, dass in manchen Ländern sicherer Zugang normal ist, und in anderen Ländern ist die Gefahr da, dass man von Staatssicherheitskräften erschossen werden kann, wenn man nur von jemandem anonym  als “Drogenkonsument”  angezeigt wird. Oder wenn man Medizin braucht und sie wird einfach verwehrt. Zwischen den Extremen gibt es noch viele andere Beispiele.

Hanfverband Hamburg:  Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Daniela: Auf vielen Wegen. Hauptsächlich setze ich mich auf internationaler Ebene ein, wie zum Beispiel bei den Vereinten Nationen oder der Weltorganisation für geistiges Eigentum.  Um eine Stimme der Zivilgesellschaft dort hinzubringen, die gegen den Drogenkrieg und für eine weltweite Reform der aktuellen Drogenpolitik spricht.

*Ich stärke die internationalen Beziehungen bei LEAP-Deutschland e.V. (Law Enforcement against Prohibition)

Die Erste Demo für eine neue Drogenpolitik habe ich in El Salvador, 2012 mitorganisiert.

*Mein Team (Knowmad Institut) hat bei verschiedenen Aktionen hauptsächlich in Lateinamerika aber auch in Europa an verschiedenen Projekten, Publikationen, Konferenzen etc. mitgewirkt und bleibt weiterhin auf internationaler Ebene tätig, soweit es geht in dieser Pandemie-zeit, da unsere Aktivitäten z.B. in Wien, auch erstmal alle ausfallen mussten.

Daniela Kreher

Hanfverband Hamburg:  Bist du Cannabis – Patient?

Daniela: Vielleicht würde es bei einiger meiner Krankheiten u. Schmerzen helfen, aber ich habe bis jetzt noch keinen  Arzt in Deutschland gefunden, der das Wissen und die Zeit hat sich um neue Patienten zu kümmern.

Hanfverband Hamburg:  Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert?

Daniela: Eine Zeitlang habe ich eine Behandlung für Nervenschmerzen damit gemacht und es war sehr erfolgreich. Auch mein Asthma hat sich damals verbessert. Heute nehme ich wieder Asthma Medikamente.

Hanfverband Hamburg:  Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Daniela: Wir alle konsumieren den ganzen Tag, von morgens bis abends irgendwelche psychoaktivierende Substanzen, viele von Ihnen machen auch abhängig. Das fängt ja schon morgens mit dem Kaffee, Tee oder Kakao, oder Zucker an und endet abends mit dem Feierabendbier, Schokoriegel, Zigarette, etc. Dazu kommen noch die normalen Medikamente. 

Alle sind Pflanzen die für verschiedene Kulturen als  “heilige Pflanzen / Heilpflanzen” gelten oder daraus gewonnen werden.

Ich denke wir brauchen dringend eine humanitäre Drogenpolitik wo die Lösung der Probleme nicht der gewalttätige Drogenkrieg ist. Die kann nur aufgebaut werden wenn die illegalisierten Substanzen nicht verboten bleiben, sondern wenn man es verantwortungsvoll reguliert. So zeigen es viele Beispiele in verschiedenen Ländern. Es braucht noch viel Aufklärung dazu, besonders bei den Entscheidungtreffern und der Legislative. (Ich denke nicht dass das wichtigste ist, “die Gesellschaft davon zu überzeugen”, sondern zu schauen, wo sind die Mechanismen um die aktuellen Gesetze zu ändern. Man kann nicht erwarten, dass alle Leute in der Gesellschaft sich mit Drogen auskennen, da es ein sehr weites Feld ist, aber die Gesetzesgeber sollten sich schon gute Berater zur Seite holen und dann entscheiden, und zwar nach wissenschaftlichen Kenntnissen und nicht nach moralischen Ansichten oder politischen Ideologien.

Hanfverband Hamburg:  Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Daniela: Bald… nicht wirklich, das ist Wunschdenken. Wir werden erst in den nächsten 5 bis 10 Jahren sehen in welche Richtung es geht.

An manchen Tagen bin ich voller Vertrauen, dass es sich zum Positiven ändert, aber oft bin ich eher pessimistisch. Das ist dann immer noch kein Grund um aufzugeben, im Gegenteil. Es wird weiterhin Engagement und Aufklärung notwendig sein.

Hanfverband Hamburg:  Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Daniela: Oh ja, als ich Die kennenlernte die, die Gesetze schreiben und Länder regieren… da fehlt noch soo viel Aufklärung…

Und… Der Drogenkrieg geht weiter, jeden Tag sterben tausende Menschen durch die aktuelle Nekropolitik, die auf Tod, Repression und Verbote basiert. Da kann ich nicht einfach dastehen, an den See fahren und gemütlich das Leben genießen. Wirklich gezweifelt habe ich erst als ich sooo viele Corona-Leugner und politisch Rechtsextremorientierte in der Cannabis Community entdeckt habe. Für solche Menschen die nicht auf die Gesundheit anderer achten, für die die “Ihre individuelle Freiheit” mehr Wert ist, als Gesundheit andere Menschen; für die die glauben Nazi sein ist eine Meinung und kein Verbrechen, für solche Leute möchte ich nicht mehr kämpfen, aber dann denke ich wieder an alle die in den Gefängnissen sitzen wegen Drogen, an die Familien die ihre verschleppten Töchter und Söhne und Freunde suchen, an die vielen Patienten die Cannabis Medizin brauchen, an die Vorteile die die Hanfpflanze mit sich bringt, und dann bin ich wieder motiviert. Auch die Angst demotiviert, z.B. wenn man es mit Drohungen organisierter Kriminalität zu tun bekommt, etc.

 Aber…nicht vergessen:  Es gibt Wichtigeres in diesem Leben als unsere individuelle kleine Angst.

Daniela Kreher

Hanfverband Hamburg:  Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Daniela: Nicht wirklich, ist aber auch eher sporadisch.

Hanfverband Hamburg:  Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Daniela: Als erstes, ist es ein Thema was die Eltern zu entscheiden haben.

Ein offener Umgang wie mit Alkohol zum Beispiel, oder Medizin je nach Fall, ist extrem wichtig.

Die fehlende Kommunikation dient eher dem problematischen Konsum, als der offene Umgang / Information mit Substanzen.

Hanfverband Hamburg:  Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Daniela: Es ist vor allem wichtig die Pflanze zu normalisieren. So wie man Kindern Rosen, Tomaten, Brennnessel oder Minze zeigt, und erklärt, “das kann man Essen, das nicht, dass ich gefährlich, die Rosen riechen gut, das entspannt, Tomaten sind für Salat lecker(da isst man aber nicht die Blätter) und Minze für Tee, wenn man Kopf oder Magenschmerzen hat, Brennnessel und Rosen sind mit Vorsicht zu genießen, etc. etc. so kann man auch mit der Cannabis Pflanze einfach ganz normal umgehen.

Hanfverband Hamburg:  Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Daniela: Ab 18. für den “Freizeitgebrauch oder Erwachsenengebrauch”.

Bei Medizin ist es aber auch für Minderjährige wichtig, zB bei refraktärer Epilepsie, da zeigt es ja sehr positive Effekte und erleichtert das Leben ganzer Familien, nicht nur des Kindes. Oft denkt man gar nicht daran dass es extrem anstrengend ist, für die Geschwister, die Eltern und das Umfeld, wenn Ihre Kinder zwischen 30 und 300 Krampfanfälle täglich bekommen.

Hanfverband Hamburg:  Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Daniela: Ich wünsche mir eine verantwortungsbewusste Regulierung, die den Freizeitgebrauch und nicht nur den medizinischen Gebrauch abdeckt und sich auf die Stärkung des Mittelstands und der Genossenschaften konzentriert. Jedes Land, jede Region hat ihre Besonderheiten, man kann also kein Rezept für alle gleich machen. Man muss sich die Bedürfnisse und Probleme vor Ort anschauen und dann Regulierungsmodelle suchen die passen, oder anpassen. Eigenanbau und Social Clubs müssen auch unbedingt beachtet werden.

Vom “Beispiel Oregon”, ist interessant, dass Menschen die nicht gewalttätigen Delikte mit Cannabis verübt haben, haben Vorrang bei Arbeitsstellen in der Hanfbranche.

Hanfverband Hamburg:  Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Daniela: Ich freue mich, wenn ich verschiedene, am liebsten lokale Sorten probieren darf. Ich mag gerne fruchtige Sorten vom Geschmack her.

Hanfverband Hamburg:  Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Daniela: Das Problem ist viel Grösser als nur der Konsum.  Es geht nicht um den Konsum. Es gibt viel wichtigere Gründe für die Legalisierung aktiv zu werden als nur der Konsum. Stichwort Drogenkrieg, Waffenhandel, Menschenhandel, Europäische Werte, Biodiversität, Patientengerechtigkeit, Gesundheit/Medizin, Menschenrechte, Nachhaltigkeit  etc, etc, etc.  Ich würd sagen: “Ihr Lieben, wir haben alle mal Befürchtungen oder Ängste, aber es gibt wichtigeres als unsere  Angst, und unser aller Einsatz wird gebraucht. Man kann auf vielen Weisen helfen.”

Hanfverband Hamburg:  Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Daniela: Beides, die eigenen Pflanzen sind nicht immer so ergiebig wie manche Sorten in den Tropenländern. Oder man muss wegen der Arbeit viel verreisen, oder man versaut die Ernte ein paar Wochen vorher, oder Schimmel verbreitet sich, etc..… es kann vieles passieren warum eine Ernte ausfallen kann ….da sind Shops genau richtig, man kann sich an einem vertrauensvollen Ort beraten lassen, die Qualität ist garantiert,  sei es zu den Pflanzen selbst und dem Anbau, oder auch für den Gebrauch, es ist ja ein sehr komplexes und weites Feld.

Hanfverband Hamburg:  Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Daniela: Wenn Minderjährig, erklären, warum es sinnvoll ist noch zu warten bis man 18 ist (bei Männern z.B. ist die Gefahr Hodenkrebs zu bekommen höher, wenn sie Cannabis geraucht haben vor dem 18. Lebensjahr z.B.) soll sich auch erkundigen zu der Pflanze, wenn Pflanzen in der Familie vorhanden sind, mit dem Anbau vertraut machen.

Bei Erwachsenen ist “Set und Setting” das Ein und Alles.

Rev. Martin Diaz, Jean-Luc Lemahieu

Hanfverband Hamburg:  Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Daniela: Als wir 2013 in El Salvador die erste Demo für eine neue Drogenpolitik organisiert haben.

Wir hatten sehr wenig Ressourcen, um genau zu sein 600 USDollar und ein paar tolle Leute die Alles gegeben haben, in dem Orga-Team.

Es war extrem anstrengend, wir haben viel gearbeitet, dann kam der Tag. Die Demo sollte um 9 Uhr morgens beginnen (ist hier vielleicht eine unübliche Zeit für eine Demo, in El Salvador war sie “spät” angesetzt. Als wir alles vorbereitet hatten, fing es an zu regnen. Unsere Befürchtung dass noch weniger Leute kommen würden… hat sich nicht bewahrheitet. Plötzlich kamen von überall hunderte von Leuten her grün und bunt angezogen, mit Schildern und Musikinstrumenten. 3000 Teilnehmer*innen haben wir gezählt, Presse war da, sogar ein Hip Hop Video wurde aufgenommen. Es war ein voller Erfolg und wirklich motivierend. Hier könnt ihr das Video sehen, bedenkt bitte, es ist schon sehr lange her 🙂

 AKA Lion  – “Ya no vo y a callar” (dt: ich werde nicht länger schweigen”)

Vielen Dank Daniela, dass du mitgemacht hast. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und alles Gute auf deinem Weg!

Bernd Schmidt

Bernd Schmidt

Bernd hat allen Grund sich für die Legalisierung von Cannabis einzusetzen.

Der IT – Mitarbeiter  leidet seit der Amputation seines linken Unterschenkels an Phantomschmerzen, welche er sonst nur mit starken Schmerzmitteln ertragen konnte.

Durch Cannabis konnte er diese reduzieren und teilweise sogar absetzen, was ihm eine gehörige Portion Lebensqualität wiedergab.

Bernd engagiert sich seit Jahren in der Duisburger Ortsgruppe des Deutschen Hanfverbandes und organisierte 2016 den ersten GMM in seiner Stadt mit.

Außerdem leitet er die Duisburger Selbsthilfegruppe „Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“.

Bernd, schön dass auch du bei unserem Interview mitgemacht hast!

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Bernd: Das war schon relativ früh mit 16, also 1985.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Bernd: Bis 2014 habe ich gelegentlich konsumiert, es gab auch immer mal Pausen dazwischen. Geändert hat sich das erst, als ich den medizinischen Nutzen erkannt habe.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Bernd: Ja, wegen Eigenanbau.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Bernd: Da muss ich etwas weiter ausholen.

Bis ich 2014 mit einer Sepsis im Bein ins Krankenhaus kam, war ich ja nur Gelegenheitskonsument. Durch die ganzen offenen Stellen im Bein bekam ich Unmengen an Schmerzmittel. Da Holland nicht weit war und das Auto vorm Krankenhaus stand, bin ich dann zwischendurch mal abgehauen nach Holland und habe mir Cannabis gekauft um die Zeit im Krankenhaus erträglicher zu machen.

Ich merkte dann auch schnell, dass ich von den Schmerzmitteln weniger brauchte. Natürlich blieb das nicht lange unbemerkt von den Ärzten und dem Pflegepersonal. Da ich aber die ganze Zeit vorher gegenüber den Ärzten ein richtiger Stinkstiefel war, wurde es geduldet weil ich seit dem auch umgänglicher den Ärzten gegenüber war. Also befasste ich mich in den folgenden Wochen im Krankenhaus erst einmal mit dem Thema Cannabis als Medizin. Dabei bin ich dann auch auf den DHV aufmerksam geworden. Da es in Duisburg noch nichts in dieser Richtung gab, versuchte ich Gleichgesinnte zu finden. Anfangs war das gar nicht so leicht, zumal dazu kam, dass mir am Ende des Jahres 2014 dann mein Bein am Unterschenkel amputiert wurde.

Somit war mein Plan 2015 in Duisburg einen GMM zu veranstalten erst einmal auf Eis gelegt. Die Zeit im Krankenhaus und der Reha nutzte ich dann dazu, mich weiterhin in das Thema einzuarbeiten. Parallel dazu vernetzte ich mich online. Das führte letztendlich dazu dass mich einer von den Jusos aus unserem Stadtteil anschrieb, der damals sehr engagiert in dem Thema drin war. Es dauerte nicht lange, und wir hatten einen weiteren Mitstreiter. Schnell einigten wir uns darauf, dass wir in Duisburg auch einen GMM haben wollen. Um zu schauen wie aktive Arbeit vor Ort aussieht, haben wir dann auch die DHV Ortsgruppe in Düsseldorf sowie Cannabis Colonia e.V. in Köln besucht.

Mit aktiver Hilfe der Vorsitzenden von Cannabis Colonia und einem Redakteur der Grow organisierten wir dann in innerhalb von ein paar Wochen unseren ersten GMM. Mit dem Stadtteilladen Syntopia in Duisburg bekamen wir dann auch eine Anlaufstelle in der wir uns monatlich treffen können. Von da an haben wir bis heute jedes Jahr einen GMM veranstaltet. Im Jahr 2020 mussten wir unseren GMM im Mai ausfallen lassen, haben ihn aber im September nachgeholt. Aktuell planen wir jetzt schon für das Jahr 2021.

Neben dem GMM sind wir regelmäßig in der Fußgängerzone mit einem Infostand vertreten.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Bernd: Ja

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert? Oder hat es das, auch ohne dass du Patient bist?

Bernd: Auf jeden Fall ein klares ja. Als Beispiel, mir wurden nach der Amputation auch Psychopharmaka verabreicht. Ich fühlte mich damit wie eine Marionette. Da ich aber innerhalb weniger Tage in der Lage war mit Rollstuhl wieder raus zu fahren, habe ich sie ab dem Moment wo ich wieder Cannabis konsumieren konnte abgesetzt. Das Resultat, mir ging es besser und die Ärzte haben bei der Visite gestaunt als ich ihnen gezeigt habe wie viele bunte Pillen ich gesammelt habe. Hauptsächlich bekämpfe ich mit Cannabis aber meine Phantomschmerzen.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Bernd: Neben der Regulierung von Cannabis würde ich auch eine Entkriminalisierung anderer Substanzen begrüßen.

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Bernd: In dieser Legislaturperiode sehe ich gar keine Chance mehr. In der nächsten Legislaturperiode sehe ich bei den möglichen Koalitionen durchaus Chancen.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Bernd: Die gibt es regelmäßig nach jedem GMM 😂. Wenn man sieht wie viele Kiffer es in Duisburg z.B. gibt und dann kommen vielleicht mal 150 Demonstranten zum GMM, dann kann man schon mal verzweifeln. Aber ich halte das dann immer so: Aufstehen, Krone richten und weitermachen.

Bernd Schmidt

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Bernd: Eigentlich nicht, ich bin auch zu meiner Zeit als Genusskiffer schon sehr offen damit umgegangen. Ich achte auch mit darauf, dass der Freundeskreis nicht nur aus der Filterblase besteht.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Bernd: Als ich meine Lebensgefährtin kennenlernte, waren Ihre Kinder im Schulalter. In den 90er Jahren war das Thema Cannabis natürlich noch verpönter als heute. Ich habe immer Rücksicht darauf genommen, dass ich nicht in den Räumen konsumiert habe wo sch die Kinder aufgehalten haben. Generell bin ich auf jeden Fall für einen offenen Umgang Kindern gegenüber.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Bernd: Aus meiner eigenen Erfahrung her würde ich sagen relativ früh. Man sollte den Kindern dann eben nahebringen, dass Cannabis wie Alkohol nur für Erwachsene ist.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Bernd: 18 Jahre

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Bernd: Fachgeschäfte, Eigenanbau und Cannabis Social Clubs. So wäre für alle Bedürfnisse etwas dabei.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Bernd: Jein, Strawberry Haze ist schon nice von Geschmack und Wirkung. Es gibt aber genug andere Sorten die auch die gewünschte Wirkung haben.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit  sie trotzdem aktiv werden?

Bernd: Man muss nicht unbedingt Konsument sein, um sich für eine Legalisierung einzusetzen. Leider ist die Angst vor dem Arbeitgeber tatsächlich bei vielen Leuten groß. Ich müsste jetzt aber auch auf den Spickzettel schauen, was wir Leuten an den infoständen dann sagen würden.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Bernd: Ich würde selbst anbauen.

Bernd Schmidt

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Bernd: Das ganze vorsichtig angehen zu lassen und erst einmal mit einer Sorte anzufangen die nicht zu viel THC hat.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Bernd: Die gibt es tatsächlich. Vor ein paar Jahren war ich auf dem Sommerfest von einem Grow Großhandel in NRW. Dort war unter anderem auch der Stand von einem Bekannten Dabbing Online Händler. Den Nachmittag über bin ich ca einmal pro Stunde an den Stand gegangen und habe jeweils eine etwa Stecknadelgroße Menge verköstigt. Abends probierte ich dann gefühlt die Zehnfache Menge. ich bemerkte dann auch relativ schnell dass es mit dem Zug nicht mehr nach Hause geht. Glücklicherweise waren auch Bekannte von mir da die mit dem Auto angereist waren. Auf dem Weg nach Hause musste der Fahrer zweimal auf dem Seitenstreifen der Autobahn halten, weil ich kotzen musste. Dummerweise erwähnte ich beim Telefongespräch mit meiner Lebensgefährtin den Beruf des Fahrers (Polizei). In der Zeit setzte bei mir zu Hause hektische Betriebsamkeit ein. Mit Hilfe eines Nachbarn wurde alles was auf einen grünen Daumen hinwies abgebaut und woanders eingelagert. Als ich dann doch nicht im Streifenwagen abgeliefert wurde, war meine Frau erst etwas wütend und fühlte sich verarscht. 😂

Vielen Dank Bernd, dass du mitgemacht hast. Wir wünschen weiterhin alles Gute!

Maximilian Plenert

Maximilian Plenert

Geboren wurde Maximilian im hessischen Heppenheim. Schon in seiner Schulzeit und vor seinem Physikstudium interessierte er sich sehr für Politik, was ihn schließlich im Alter von 18 Jahren dazu bewegte, Mitglied der Grünen zu werden. Hier engagierte er sich im Fachforum Drogen der Grünen Jugend sowie des Arbeitskreises Drogen der Grünen Jugend Hessen und des Bundesnetzwerkes Drogen (BND). Kurze Zeit später wurde er Leiter des Arbeitskreises Drogen der Grünen Jugend Hessen und Mitglied des Kreisvorstandes der Grünen im Kreis Bergstraße. Außerdem wurde er 2003 drogenpolitischer Sprecher der Grünen Jugend Hessen. Im Jahr 2004 wurde der 39 jährige Aktivist zusätzlich zum Sprecher des Fachforums Drogen der Grünen Jugend Bundesverband gewählt, wo er hauptverantwortlich ein Modell für die Einführung von Drogenfachgeschäften erarbeitete, welches als Modell für eine alternative Drogenpolitik dienen sollte.

Maximilian, lebt heute mit seiner Familie in Berlin. Von 2009 bis 2017 arbeitete er hier beim Deutschen Hanfverband in verschiedenen Bereichen, danach bis heute bei Sens Media. Inzwischen ist Max Geschäftsführer des KCG Kompetenzzentrum Cannabis GmbH. Als Experte im Bereich Cannabis als Medizin organisiert er regelmäßig Treffen von Patienten in Berlin. Zusätzlich schreibt er regelmäßig in verschiedenen Blogs zu den Themen Drogen, Drogenpolitik, Psychonautik und Cannabis als Medizin und betreibt einen Youtube – Kanal.

https://alternative-drogenpolitik.de
https://besserlebenmitcannabis.de
https://www.youtube.com/user/bewusstseinsbeweger

Damit nicht genug. Maximilian ist Mitglied im Bundesvorstand von akzept e.V. , Gründungsmitglied von LEAP Deutschland (https://leap-deutschland.de) und Mitglied im Schildower Kreis (http://schildower-kreis.de).

Doch nun wollen wir den vielbeschäftigten Legalizer endlich selbst zu Wort kommen lassen. Vielen Dank Maximilian, dass du bei unserem kleinen Interview mitmachst!

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Maximilian : Erst relativ spät, 10 Klasse. Habe auch die Raucherphase in der Schule boykottiert.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Maximilian: Ich habe als Probier,- und Wochenendkonsument angefangen und bin inzwischen Patient geworden.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Maximilian: Nein. Ich begegne der Polizei meist nur auf dem Podium. Als Patient bin ich immer sehr offen damit umgegangen, keine Probleme.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Maximilian: Ich weiß noch in der Oberstufe kam ich auf das Thema. Ich habe mir die Fakten angeschaut und habe dann eine Email an einen Aktivisten geschickt a la „Müsste dann ja morgen legal sein.“ Das es das bis heute noch nicht ist, hat mich nicht losgelassen, diese Unlogik.

Hanfverband Hamburg : Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Maximilian: Im Fachforum Drogen und dem Bundervorstand der Grünen Jugend, sowie dem Bundesnetzwerk Drogenpolitik bei Bündnis 90 Die Grünen. Ich konnte die grüne Programmatik wesentlich mitgestalten. Ebenso habe ich Kontakte zur LINKEN und der SPD, z.B. über die Friedrich Ebert Stiftung.

https://hanfverband.de/nachrichten/news/veroeffentlichung-entkriminalisierung-und-regulierung-evidenzbasierte-modelle-fuer-einen-alternativen-umgang-mit-drogenhandel-und-konsum

Ich bin Gründungsmitglied von LEAP, einer von zwei nicht „Law Enforcer“ (im Sinne der LEAP Satzung) unter den Anwesenden. Außerdem Bundesvorstand von akzept e.V. – Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik ( https://www.akzept.org ), darüber hinaus Mitherausgeber und immer wieder Autor des Alternativen Drogen und Suchtberichts https://alternativer-drogenbericht.de. Desweiteren bin ich Mitglied im Schildower Kreis und betreibe meinen Blog http://alternative-drogenpolitik.de. Es gibt wenige Hochzeiten auf denen ich nicht tanze.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Maximilian: Ja. Ich habe die Diagnosen ADHS, Depressionen und Restless Leg Syndrom. Dazu kommt noch Autismus. Dank Cannabis kann ich ein besseres Leben führen.

Hanfverband Hamburg : Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation

verbessert?

Maximilian: Cannabis ist – zusammen mit den konventionellen Arzneimitteln – ein wesentlicher Bestandteil meiner Therapie. Ich will weder das eine noch das andere missen. Cannabis hilft mir u.a. Probleme die ich mit oder wegen ADHS habe zu managen, auch wenn ich weiß wie wenig wir eigentlich wissen bzgl. Wirkung, Sorten oder wie beschränkt auch mein Zugang ist. Die Cannabis – Apotheke der Zukunft wird mir noch deutlich besser helfen können.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Maximilian: Die Prohibition ist gescheitert, teuer und schädlich. Das Verbot löst kein Probleme – egal bei welcher Droge. Ich habe hier schon zu Grüne Jugend Zeiten das Konzept des Drogenfachgeschäfts entwickelt. Siehe auch

https://hanfverband.de/nachrichten/news/veroeffentlichung-entkriminalisierung-und-regulierung-evidenzbasierte-modelle-fuer-einen-alternativen-umgang-mit-drogenhandel-und-konsum

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Maximilian: Meine Prognose waren lange 8-12 Jahre – basierend auf einer Fortschreibung der Umfragedaten die es in Deutschland gab und der Erkenntnis, dass sich in den US Bundesstaaten etwas bewegt hat als lokal eine Mehrheit erreicht wurde. Vermutlich wird es aufgrund von Ergebnissen wie der Legalisierung in Kanada und den guten Erfahrungen in den USA schneller gehen. In den USA war der Tipping Point, ab dem man wusste es ist nur eine Frage des „Wann“ nicht des „Ob“ die gescheitere Abstimmung um California Proposition 19 im Jahr 2010. Ich denke wir hatten unseren „Tipping Point“ als Christian Linder die Verhandlungen mit CDU, CSU und Grünen über eine mögliche Jamaika Koalition aufgekündigt hat. Denn zu diesem sehr späten Zeitpunkt der Verhandlungen war die Cannabis – Reform weiterhin im Spiel, zwar als strittiger Punkt, aber ganz klar auch von der CDU als Verhandlungsmasse angesehen.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Maximilian: Ich mache weiter weil ich überzeugt bin auf der richtige Seite der Geschichte zu stehen. Zeit und Wahrheit sind auf unserer Seite. Mit meiner Arbeit im Bereich Cannabis als Medizin kann ich ganz konkret das Leben von Menschen lebenswerter machen. Für meine persönliche Karmabilanz glänzende Voraussetzungen.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Maximilian: In meinem „grünlinksversifften“ Milieu war das kein Problem 😉

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Maximilian: Ich bin froh, dass ich frühzeitig mit meiner Ausnahmeerlaubnis ein legaler Patient wurde und in Berlin wohne. Damit konnte ich immer offen und ehrlich damit umgehen und es nicht verheimlichen wie so viele es tun (auch wenn nicht alle es so müssten).

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Maximilian: Deutlich bevor sie alleine mit Drogen in Kontakt kommen – womit wir im Kindergartenalter sind. Wie? Gute Frage. Das würde hier zu weit führen. Damit ließe sich sicherlich ein ganzer Ratgeber füllen, es wäre auch mal an der Zeit für einen eben solchen….

1. „Nein“ ist keine Antwort, wenn es um Fragen zu Drogen geht.
2. Ich empfehle die Bücher von Carl Hart und David Nutt.
3. Für Sens Media habe ich in der Infused dazu einen Beitrag geschrieben: https://in.fused.eu/just-say-know/

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Maximilian: Ich denke wir sollten hier ähnlich wie bei Alkohol nicht nur legale Angebote an über 18 Jährige haben. Es ist durchaus möglich gefährlichere und weniger gefährliche Formen von Cannabis zu definieren und entsprechend unterschiedlich zu regulieren – so wie wir Bier nicht mit Strohrum gleichsetzen.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Maximilian: Ich denke ein ganz wesentliches Element eines funktionieren Marktes ist dass – so wie in Uruguay – sowohl der kommerzielle Handel, als auch der Eigen- sowie der Gemeinschaftsanbau legal sind. Der Anbau für sich alleine oder in einer Gemeinschaft wird nie einen großen Marktanteil besitzen, ist aber ein wichtiges und wirksames Instrument um die Qualität des kommerziellen Handels zu beeinflussen. Wenn Konsumenten eine Alternative bei ihrer Versorgung haben und engagierte Hanffreunde zeigen was möglich mit Cannabis ist, dann ist der kommerzielle Handel deutlich mehr im Zwang ordentliche Produkte anzubieten. Im gemeinsamen Anbau und Konsum in Social Clubs oder anderen Gemeinschaften sehe ich auch ein großes Potenzial für die Prävention. Der Einfluss meiner Peers, meiner Kollegen im Club auf mein Konsumverhalten ist viel größer, als der von Gesetzen oder staatlichen Maßnahmen. Dort können Erfahrungen weitergegeben und aktiv Drogenmündigkeit vorgelebt werden.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Maximilian: Ich brauche mit meinen zahlreichen Symptomen eigentlich eine Vielzahl unterschiedlicher Sorten. Wenn ich mich auf eine Sorte festlegen müsste, nachdem ich das erste Mal in der Apotheke war und alle Bedrocan Sorten durchprobieren konnte, fand ich das Bedica bemerkenswert anders war als vieles was ich kannte. Es hat mich beruhigt und ich konnte ein Gang runterschalten ohne dass ich davon müde wurde. Insgesamt sind die Sorten die auch CBD enthalten für viele Patienten im Alltag empfehlenswert, auf dem Schwarzmarkt gibt es diese leider nur selten.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Maximilian: Für politisches Engagement alleine bekommt man keinen Ärger. Wenn man Regeln übertritt, sollte man dies bewusst tun und sich der Konsequenzen davor klar sein. Lasst die Finger von illegalen Geschäften mit Cannabis oder sonstigen Scheiss – der ist meiner Erfahrung nach der häufigste Grund warum Aktivisten heftigen Ärger bekommen haben.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Maximilian: Sowohl als auch. Growen kann für Patienten eine sehr positive Ergotherapie darstellen.

Hanfverband Hamburg : Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Maximilian: Wenn du Drogen gebrauchst, sei dir klar wieso und warum du es tust.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Maximilian: Nein, spontan gerade leider nicht. Aber vielleicht passt das hier: Als ich vor 2 Jahren beim Deutschen Hanfverband nach über 10 Jahren Tätigkeit aufgehört habe, davor war ich noch einmal so lange ehrenamtlich im Bereich Drogenpolitik aktiv, dachte ich, ich hätte eine ganz solide Kenntnisse darüber was Cannabis ist, wie es wirkt, welche Gefahren und Möglichkeiten es mit Cannabis gibt. Heute weiß ich, dass ich damals kaum etwas wusste. Seitdem ist mein Wissen ebenso gewachsen wie das „Dunkelfeld“, also das, was ich nur erahnen kann. Es gibt noch soviel mehr zu wissen…

Wir bedanken uns recht herzlich für das spannende Interview! Danke für deine Arbeit und weiterhin alles Gute!

Karl Huber

Karl Huber

Karl Huber alias Shorty kann ohne zu übertreiben sagen, dass Cannabis ihm das Leben gerettet hat, denn dank Cannabis hat er seine Alkoholsucht in den Griff bekommen und ist heute seit Jahren trocken.

Der Alkohol bestimmte über Jahrzehnte sein Leben. Es folgte eine Entgiftung auf die nächste, doch das einzige, was ihm wirklich half, war Cannabis.

Doch der Weg, bis ihm die Medizin vom Arzt verschrieben wurde, war alles andere als einfach für ihn.

Für viele Ärzte ist Cannabis auch heute noch eine gefährliche Droge und kein probates Mittel, um Alkohol zu substituieren.

Letzten Endes hat der 55 jährige Aktivist aus Rosenheim aber den Kampf gewonnen und engagiert sich heute mit viel Herzblut für die Legalisierung, hält Vorträge, oder hilft Patienten in einer Selbsthilfegruppe.

Shorty, schön dass auch du bei unserem kurzen Interview mitgemacht hast!

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten Mal mit Cannabis in Berührung bekommen?

Karl: Eigentlich erst sehr spät mit 21. Und wir waren betrunken, sonst hätte ich nie am ersten Joint gezogen.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert.

Karl: Ja natürlich ist ja klar. Anfangs hat man nur am Wochenende mal geraucht. Dann mit 30, als ich festgestellt habe dass es mir gegen Alkohol hilft, habe ich natürlich viel mehr zu konsumieren begonnen. Momentan brauche ich am Tag so zwischen fünf und sechs Gramm. Aber das nach 35 Jahren, ist ja klar dass ich das ein bisschen vermehrt.

Hanfverband Hamburg: Hattest du im Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Karl: Ja schon öfters. Das erste Mal hat jemand behauptet, er hätte bei mir ein Gramm gekauft. Das hat gar nicht gestimmt. Trotzdem hatte ich eine Hausdurchsuchung und musste für 7 ca. 10 bis 15 cm hohe Pflanzen fast 1000 D – Mark bezahlen. Das war 1994.

1998 hatte ich auch eine Hausdurchsuchung. Man fand 7 Gramm. Dafür und für ein paar verlogene Aussagen bekam ich 2 auf 4 Jahre Bewährung. Daraufhin habe ich meinen ersten Alkoholrückfall nach 4 Jahren gehabt und habe mein Heimatland Bayern verlassen müssen da ich sehr schwere Auflagen, Drogenscreening und so weiter bekam.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Karl: Als ich erfuhr dass es Ausnahmegenehmigungen für Cannabis als Medizin gibt habe ich mich sehr darum bemüht, viele Aktivisten getroffen, Gleichgesinnte kennengelernt und setze mich seitdem für die Legalisierung ein.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagiert du dich für die Legalisierung von Cannabis.

Karl: Ich bin auf Demos und Messen und habe hier und da schon Vorträge gehalten. Wir haben eine Selbsthilfegruppe für Cannabispatienten gegründet. Dort helfe ich Patienten und berate.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis Patient?

Karl: Ja bin ich und zwar seit April 2015, denn da bekam ich meine Ausnahmegenehmigung und hatte den langen Kampf gewonnen. Ich habe sieben Jahre lang gesucht um einen Arzt zu finden der mit mir den Antrag bem BfArM gestellt hat.

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert ?

Karl: Also mir hat Cannabis schon immer geholfen. Ich habe in der Jugend alkoholisiert viel Scheiß gebaut und dank Cannabis hat sich das geändert. Mann war nicht mehr aggressiv, keine Schlägereien mehr. Seitdem ich Cannabis konsumiere, hatte ich nur noch deshalb Probleme mit der Polizei. Früher als ich noch kein Cannabis konsumierte, hatte ich viel öfter Probleme mit der Polizei. Fahren ohne Fahrerlaubnis, Trunkenheit im Verkehr, Körperverletzung und andere Sachen die man betrunken einfach als dummer Jugendlicher anstellt.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Karl: Also ich bin für die Entkriminalisierung, man braucht sich nur Portugal anzusehen. Die haben in meinen Augen alles richtig gemacht.

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen das mit der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Karl: Also ich glaube, solange die christlichen Parteien das Sagen haben und diese Bier – Gesichter regieren, wird sich nicht viel ändern.

Hanfverband Hamburg: Gab oder gibt es Momente in deinem Aktivisten Leben wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiter zu machen.

Karl: Nein ich habe auch wenn es Rückschläge gab noch nie daran gedacht aufzuhören.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabiskonsum, auch ob des gesellschaftlichen Stigmas, Auswirkungen auf Partnerschaften Freundschaften?

Karl: Natürlich, jeder geht anders damit um. Es hat Freundschaften gebracht aber auch Freundschaften gekostet.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir eine Legalisierung vor?

Karl: Gibt doch genug andere Länder die es vormachen. Portugal, USA einige Bundesstaaten, Holland also auf alle Fälle gehört kein Mensch eingesperrt der Cannabis konsumiert.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung von Cannabis einzusetzen, weil sie fürchten, Probleme im Job und so weiter zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Karl: Denen sage ich, durchs Verstecken wird es nicht besser. Man muss sich outen. Nur so wird’s besser! Man sollte auch die Demos besuchen. Hanfparade und so. Wenn man überlegt, dass wir in Deutschland vier Millionen Kiffer haben und man besucht eine Demo oder die Hanfparade und dann sind 5000 oder 6000 Leute da, dann macht mich das traurig. Wenn alle zu Hause auf der Couch sitzen bleiben und diese Veranstaltung nicht besuchen, wird sich nie was ändern.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Karl: Ich würde gerne selbst anbauen und natürlich auch manchmal im Shop einkaufen.

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemanden mit auf dem Weg geben vielleicht jedoch die Jugendlichen wenn er sie zum ersten Mal Cannabis konsumieren möchten.

Karl: Na mit erfahrenen Cannabiskonsumenten die sich auskennen würde ich zum ersten mal probieren. Dann nicht zu viel her nehmen und nicht bevor ihr 18 seit.

Hanfverband Hamburg: Hast du noch eine lustige oder spannende Cannabis Anekdote.

Karl: Ja die habe ich. Nach meiner ersten Kontrolle am Rosenheimer Bahnhof im Jahr 2015 sagte ein Rosenheimer Zivilpolizist zum anderen: „Ja gib ihm den Joint wieder.“ Wenn ich darüber nachdenke muss ich jedes mal wieder lachen, denn wenn dir das passiert, dass ein bayerischer Zivilpolizist zum anderen sagt, „Gib ihm den Joint wieder“, dann weißt du, dass du gewonnen hast.

Karl, herzlichen Dank, dass du hier mitgemacht hast.

Mario Danne

Mario Danne

Den 53 jährigen Wahl – Österreicher kennt sicher jeder, der sich schon einmal mit Cannabis beschäftigt hat.

Als freier Journalist berichtet er bei CIA TV ( ehemals Blun TV ) seit mehr als 11 Jahren von den unterschiedlichsten Orten über die unterschiedlichsten Themen rund um die beste Pflanze der Welt.

http://cia-tv.eu

Dabei ist der gelernte Berufskraftfahrer und Dtp – Systemtechniker stets darauf bedacht, dem Hanf die Bühne zu geben, die ihm gebührt. Als Medienpartner von „Legal Europe“ befasst sich CIA TV hauptsächlich mit Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Selbstbestimmung und Freiheit gerade in Bezug auf Cannabis & Hanf.

https://www.facebook.com/cia420tv/

https://www.youtube.com/user/TheBlunTV

Wir freuen uns sehr, ein bisschen mehr von Mario zu erfahren und sind gespannt auf dieses kurze Interview.

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?


Mario: Ich habe eine sehr schwierige Kindheit hinter mir, in der es auch Missbräuche gab, worauf ich aber hier nicht näher eingehen mag. Meine Mutter war Sozialempfängerin und Alleinerziehend, deshalb musste ich schon früh auf eigenen Beinen stehen. So war ich mit 15 Jahren schon geschäftstüchtig und habe in der Innenstadt von Dortmund an erwachsene Menschen Haschisch verkauft.
Das erste mal hat mich wohl mein Bruder neugierig gemacht, weil ich nicht verstanden habe, wieso man einen Hasenkötel mit sich trägt, der aber irgendwie anders roch.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?


Mario: Absolut, zum einen habe ich in Deutschland 15 Jahre lang im Grunde nur Haschisch gekannt und geraucht, außer man fuhr öfter mal nach Holland, wo man auch gutes Weed bekam. Aber Haschisch prägte meine ersten Erfahrungen mit dem grünen Wunderkraut, sicherlich war es aber so, das es zum einen nur darauf ankam dass es schnell und viel knallte.

Also eher ein missbräuchlicher Konsum, Mischkonsum mit Tabak und gleichzeitig Alkohol mit dem Ziel sich schnell aus der Umlaufbahn zu schießen. Als dann aber die späte Jugend vorüber war, die erste feste Beziehung funktionierte und dann auch noch Nachwuchs die Welt erblickte, wurde auch der Umgang und der Konsum verändert. Von kleineren Mengen der Einnahme oder auch Pausen des Konsums war dann alles mit dabei. Später wurde ich dann Patient, weil ich die gute und heilsame Wirkung erkannte und meine Symptome nicht mit Medikamenten verbessern wollte, solange die Natur so wunderbar hilft.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?


Mario: Da ich wie viele früher die gute Ware aus den Niederlanden holen musste, hatte man auch unweigerlich mit der Polizei zu tun, allerdings war es früher auch noch irgendwie einfacher und es wurde auch oft nur nach Alkohol kontrolliert. Ich baute mir natürlich meine Medizin auch öfter selbst an, schließlich gab es das damals nicht in Apotheken, also entweder Schwarzmarkt oder selbst anbauen war angesagt. Bis auf kleinere Anhaltungen im bayrischen Raum, saß ich unter anderen mal 8 Wochen in Untersuchungshaft, weil ich meine Lieblingspflanze mit anderen Menschen geteilt habe.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Mario: Ich habe mich schon seit den 90ziger Jahren im sozialen Bereich eingesetzt, unter anderem in einem Arbeitslosenzentrum. Darüber hinaus habe ich mich viel für das „bedingungslose Grundeinkommen“ eingesetzt, was ich immer noch tue, aber nicht mehr so aktiv in diesem Thema. Ich bin schon immer ein Revoluzzer, gegen Kirche, gegen ein ungerechtes System und unmenschliche Bedingungen, unnötige Gesetze und so weiter …

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?


Mario: Ich habe dann in Österreich angefangen ISI – Europa, später „Legal – Europe“ zu gründen, ein Kreativ – und Kulturverein der sich für die Hanfpflanze einsetzt. Später übernahmen wir den Job des „ Dachverbandes der CSC´s, zu erreichen unter www.Cannabis-Social-Clubs.at und in diesem Zuge installierten wir auch die ersten Cannabis Social Clubs in Wien, Salzburg, Linz, Kärnten uvm.
Leider sind durch das harte durchgreifen der Exekutiven die aktiven arbeiten der Clubs überwiegend eingestellt worden.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?


Mario: Seit ungefähr 3 Jahren bin ich privater Cannabis Patient, um mir ein wenig Sicherheit zu verschaffen, allerdings ist es unleistbar solange man es selbst finanzieren muss, warum ich wieder auf zur Eigenversorgung übergehen musste. Leider wohne ich selbst nicht in Deutschland, was eine Kostenübernahme unmöglich macht.

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert?


Mario: Es hilft mir in mehreren Situationen, zum ersten als Schmerzmittel, für die täglichen, chronischen Rückenschmerzen. Es fällt mir schwer hier meine Symptome zu erklären, aber ich leide unter anderem an Ameisenlaufen (Nervenkitzeln), innere Unruhe, PTBS, soziale Phobien wobei mir Cannabis wirklich gut hilft. Wenn es um wiederkehrende Zeiten der Depression geht, welche gerade in der dunkleren Jahreszeit auftauchen, so können auch Pausen des Konsums durchaus Hilfe bringen! Jedoch mindert das nicht die restlichen Symptome wofür ich dann zur Pharmaschublade greifen muss.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?


Mario: Auch wenn ich erst mal nur für die Freigabe von Cannabis an Erwachsene bin, sollte man im Grunde jegliche Substanzen freigeben bzw. regulieren und nicht unter Strafe stellen. Ganz im Gegenteil brauchen wir hier Hilfen und Auffangstuben, in denen aufgeklärt und vielleicht sogar verabreicht wird. Es gibt viele Möglichkeiten, man muss nur bereit sein, darüber nachzudenken.

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?


Mario: Es geht nicht um die jetzige Politik, es geht mir eher um das gesamte politische System welches seit Jahrzehnten installiert ist.

Ist es schlau zig Millionen für Parteien auszugeben, die nicht mal Wahlversprechen einhalten müssen und die einfach über die Meinung des Volkes Entscheidungen treffen? Brauchen wir eine Politik, welche uns alle 2-4 Jahre mit Gesichtern und Wahlsprüchen matert welche wir selbst bezahlen?

Wir brauchen ein modernes, schlankes und vor allem bürgernahes politisches System und auch dafür habe ich Ideen und Konzepte die wohl nicht neu sind. Ich kann mir sogar vorstellen dass es mit dieser Regierung noch eine Verschlechterung des Zustandes geben könnte. Auch wenn wir alle seit Jahrzehnten hoffen und behaupten, bald ist es soweit, bald wird legalisiert.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?


Mario: Ich habe immer aus Überzeugung und Herzblut gehandelt. Ich habe viel Zeit und Geld investiert und oft habe ich schon gedacht, „nur Laberköpfe, alle wollen nur kiffen und so wird das nichts“. Aber es gibt tolle Leute in der Bewegung die was weiterbringen, Schritt für Schritt und mein positives denken hat mich dazu ermutigt weiter zu machen. Das bin einfach ich.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?


Mario: Ja leider hat meine erste lange Beziehung mit Kind darunter gelitten, sie hatte während und nach der Schwangerschaft aufgehört Cannabis zu konsumieren, ich nicht, dass hat unsere Beziehung belastet. Oft wurde man beleidigt wenn man zum Thema steht oder zugegeben hatten das man konsumiert …“Du Haschgiftspritzer“ und was man nicht alles für tolle Sprüche zu hören bekommt von Menschen die sich nicht mal mit dem Thema annähernd beschäftigt haben.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?


Mario: Man sollte nicht vor seinen Kindern konsumieren oder sie gar mit einbeziehen. Wenn die Kinder ins richtige Alter kommen, sollte man sie schon ehrlich aufklären, mit dem Ziel das mein Kind zu mir kommt wenn es Drogen nimmt oder nehmen will und weiß das es mir vertrauen kann.

Bei meinem Sohn, welcher nun 20 Jahre alt ist, hat es wunderbar geklappt. Er nimmt keine Drogen außer Alkohol und Zigaretten, weil ich ihn frühzeitig richtig und ehrlich aufgeklärt habe!

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?


Mario: Ich denke je nach Kindesreife zwischen 9-14 Jahren, es sollte auch nicht direkt alles erklärt werden, sondern in Häppchen verpackt werden, man sollte weder neugierig machen, noch Horrorgeschichten erzählen. Über die Gefahren berichten und worauf man besonders achten sollte, oder wie man damit umgeht wenn einem jemand etwas anbietet!?

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Mario: In Ausnahmefällen mit Einverständniserklärung der Eltern (beim ADHS etc) ab 16 Jahren, im Normalfall erst ab 21 Jahren.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?


Mario: Legalisierung ist leider zu allgemein, daher plädiere ich für eine gute Regulierung und diese sollte mehrere Möglichkeiten anbieten, von der Abgabe in der Apotheke, über Coffeeshops für volljährige Besucher/Touristen über kostengünstige Cannabis-Social-Clubs und für Patienten auch der Eigenanbau.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?


Mario: Zu viele um diese alle aufzuzählen, aber ich liebe alte Kultsorten wie Super Skunk, Northern Lights, NYD, Amnesia aber auch neue Kreuzungen wie Gorilla Glue.

Ach es gibt so viele leckere, geschmacklich unterschiedliche und in der Wirkung potente Sorten, dass mich die Frage überfordert 😉

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme imJob, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?


Mario: Eier kaufen!

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?


Mario: Ich würde zum Teil selbst anbauen und es auch selbst verkaufen wollen, ein Bauer mit Shop wäre mein Traum und das mit Besuch der Polizei, welche mit mir mein geiles Weed testet!

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?


Mario: Ich würde fragen, warum sie es konsumieren möchten. Sie sollten etwas schönes dabei tun und es bewusst genießen. Das sie es nur tun sollten wenn sie es wirklich selbst wollen und nicht weil man cool sein will oder seinen Freunden etwas beweisen möchte. Man sollte vorsichtig sein und in kleinen Dosierungen vorgehen und sich bei Bedarf langsam steigern, statt anders herum.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Mario: Lieber Gras rauchen, als Heu schnupfen 😉
Wenn es einen Gott gäbe und dieser wüsste dass der Mensch in weiten Teilen der Welt diese wunderbare Pflanze unterdrückt um chemische Mittel verkaufen zu können, dann würden einige viele in der Hölle landen!

Danke Mario, dass du mitgemacht hast!

Sofia Cugusi

Sofia Cugusi

Sofia ist Vorsitzende von Cannabis Colonia e.V. wo sie sich seit 2011 für die Belange von Patienten und Konsumenten einsetzt.

https://www.facebook.com/CC.e.V.Koeln/

Dies tut die 44 jährige Pharmazeutisch Technische Assistentin (PTA), trotz ihrer krankheitsbedingten Einschränkungen mit viel Herzblut.

Infotische, Unterstützung in Führerscheinfragen und Anträgen, oder die Organisation des alljährlichen Global Marijuana March sind nur ein Teil ihrer Arbeit für die Legalisierung und Rehabilitierung von Cannabis.

Wir freuen uns, dass auch sie sich die Zeit genommen hat, bei unserem Interview mitzumachen.

Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Das erste Mal Cannabis war kurz nachdem ich nach Köln gezogen bin. Da war ich 18. Dosenrauchen beim Chillen am Baggerloch.. Hat mir nix gebracht, die weiteren Male auch erst mal nicht.

Irgendwann ein paar Jahre später mit so´n paar verrückten Italienern nach Holland gefahren…1. Lachflash in meinem Leben..hat meiner Seele gut getan.

Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

War nie ein großer Kiffer. Mein Verbrauch ist sehr übersichtlich. Es gibt Zeiten, da brauch ich den Kopf klar, da würde Cannabis mich behindern. Aber in all den Jahren gab es auch immer mal Zeitfenster.

Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

2006 bin ich von Polizei in Zivil bei „Rock am Ring“ aufgegriffen worden, während ich mir doch tatsächlich mal ne Tüte ansteckte. Die haben das Corpus Delikti sogar eingetütet und mir ne Strafanzeige geschrieben, die natürlich wegen der extrem hohen Menge eingestellt wurde.

Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

2011 wollte ich endlich mal zur Hanfparade. Hatte rausgefunden, dass ein Bus von Köln nach Berlin fahren sollte,da hab ich mir für 50Euro n Ticket gekauft und dachte mir, „Hey,n ganzer Bus voller lustiger Leute,da bin ich dabei!“  

Leider kam es nicht dazu. Ich erkrankte sehr ernsthaft, musste in ne Klinik. Intensivstation statt Hanfparade.

Der Veranstalter machte dann aber später in der Eifel n Treffen mit denen die mitgefahren sind. Da bin ich dann so halb wieder fit hin.

Die 50 Euro wollte er mir wiedergeben, ich wollte es dann aber lieber für n neues Projekt, was er starten wollte, spenden. Das war der Start von Cannabis Colonia e.V. . Wir trafen uns irgendwann später im AZ Köln.. und viele tolle Mitstreiter kamen dazu.

Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Auf viele verschiedene Art und Weisen, auch wenn ich mittlerweile durch noch mehr Krankheit dann doch auch etwas langsamer machen muss.

Wie gesagt, seit 2011 bei Cannabis Colonia e.V. Wegen uns ist die Region hier rund um Köln definitiv was grüner geworden. Ab sofort gab es Infotische, Beratung in Führerscheinbelangen, Beratung für Patienten und Treffen.

Dann die Dampfparade (bis 2016) die zugunsten der Patienten stattfand, vor dem Bfarm in Bonn waren wir in Zusammenarbeit mit dem SCM. Gelegentlich haben wir Prozesse begleitet, von Patienten, die in Köln ihren Prozess gegen die Bfarm hatten.

In nächtlichen Telefonaktionen ausgeklüngelt hab ich mit zwei anderen Mitstreitern auch den ersten Antrag auf einen Coffeeshop in Köln.

Den GMM machte Cannabis Colonia bis 2016 in Köln, danach im Umland. Also z.B in Euskirchen und Bergisch Gladbach. Immer wieder mit großem Erfolg und großartigen Beiträgen wofür ich allen Beteiligten herzlich nochmal danken möchte! Immer gab es auch tolle Gespräche am Infotisch.

Ich persönlich bin immer für Vernetzung gewesen, so war ich in verschiedenen Orgagruppen auch als Gasthörer unterwegs, z.B. Frankfurt, wo ich auch auf dem ein oder anderen GMM mitgeholfen habe.

Düsseldorf hat bei uns doch auch viel mitgenommen, weswegen ich mich auch super wohl bei den lieben Düsseldorfern fühle. Toller GMM! Und da in Duisburg definitiv immer Leute fehlen, bin ich seit 2016 beim GMM 2016 in der Orga und auf der Straße mit den Hanfaktivisten Duisburg anzutreffen.

Bist du Cannabis – Patient?

Ja, aber erst seit meiner letzten schweren Erkrankung, die es mir unmöglich macht, normale Medis gegen meine Migräne einzunehmen. Hilft mir prima.

Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Entkriminalisierung ist wichtig, egal um welche Drogen es geht.

Wie siehstdu die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Pffff…schlecht.. Man diskutiert gern mal drüber, aber es tut sich nicht wirklich was.

Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Natürlich. Insbesondere Einzelpersonen lassen einen dann doch auch schon mal (ver)zweifeln.

Es gibt ja aber dennoch auch all die anderen lieben Mitstreiter und Freunde mittlerweile für die es sich lohnt sich einzusetzen.. wieder und wieder und wieder..

Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Mit den Kindern muss man sprechen. Aufklärung hilft. Am besten am Anfang der Pubertät.

Wenn die Kinder so im Dunst mit drin sitzen finde ich das nicht gut. Sind die aber schon im Bett und man selber gönnt sich n Feierabendtütchen, sollte das kein Problem sein.

Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

18 eher sogar 21. Aber 18 wäre denk ich, wenn man´s nicht übertreibt ok.

Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Ich wünsche mir Drogenfachgeschäfte, wo Leute versorgt werden, die keinen grünen Daumen haben.

Für die, die einen grünen Daumen haben natürlich ne Anzahl Pflanzen mit denen man zurecht kommt, legal, zuhause angebaut.

Alle Patienten sollten es von der Kasse bezahlt bekommen. Wenn man zusätzlich noch Pflanzen braucht, sollte das natürlich auch kein Problem darstellen.

Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Amnesia oder Silver Haze

Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Bitte engagiert euch! Ihr könnt auch im Hintergrund agieren ohne erkannt zu werden..

Sprecht mit Leuten, wenn ihr euch traut. Erzählt ihnen von den positiven Eigenschaften von Cannabis.

Wir wären so viiiiele, wenn alle auf die Straße gehen würden.

Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Apotheke reicht mir schon..

Vielleicht aber dann doch mal n Balkon begrünen.. oder auch mal in nen tollen Shop.

Früher wollt ich immer selber so n Shop haben. Mittlerweile nicht mehr, ich bin einfach nicht mehr fit genug für solche Aktionen…

Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Viel hilft nicht immer viel..

Also erst mal langsam angehen die Sache.

Am besten immer wen dabei haben, der halt immer nüchtern ist.

Danke Sofia, dass du mitgemacht hast. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg bei deiner Arbeit für die Legalisierung.

Ingrid Wunn

Ingrid Wunn

Wenn ihr aus Frankfurt kommt, habt ihr Ingrid vielleicht schon auf ihrem Trike, dem „Wiesel“, mit der obligatorischen Hanfflagge durch die Stadt fahren sehen.

Ingrid weiß aus Erfahrung, wie sehr Cannabis das Leben wieder lebenswert machen kann, denn Cannabis hilft ihr massiv, ihren Alltag zu bewältigen.

Doch nicht nur aus diesem Grund setzt sich die 59 jährige für eine Legalisierung ein. Die maßlose Ungerechtigkeit, welche unser Betäubungsmittelgesetz auszeichnet wäre auch ohne ihre Krankheit Grund genug für sie, gegen das Verbot zu kämpfen.

Die Sprecherin der Hanfinitiative Frankfurt (https://www.hanf-initiative.de/), welche es seit 2003 gibt, kümmert sie sich um den alljährlichen Global Marijjuana March, organisiert Infotische und ist natürlich 24/7 auf Aufklärungs – Mission.

Als studierte Sozialarbeiterin arbeitet sie außerdem 2 – 3 mal wöchentlich im Nachbarschaftsbüro Platensiedlung in Ginnheim (https://www.facebook.com/nbb.platensiedlung.ginnheim/)

und engagiert sich im Ortsbeirat der Frankfurter Linksfraktion politisch.

Wir freuen uns, dass sie sich für und Zeit genommen hat!

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Ingrid: Aus Neugierde.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Ingrid: Anfangs habe ich aus Genussgründen nur ab und an konsumiert. Heute, da aus medizinischen Gründen, täglich.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Ingrid: Ja, Ende der 1970er in Hof/ Bayern. Danach nicht mehr.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Ich lernte einen Menschen kennen, der wie ich der Meinung ist, dass Cannabis und andere Substanzen legal sein sollten. Kurze Zeit später gründeten wir die „Hanf-Initiative Frankfurt“.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Ingrid: Als Sprecherin der Hanf-Ini melde ich seit 2004 jedes Jahr den Global Marijuana March in Frankfurt an. Ich organisiere Infostände (meist in der Innenstadt) und setze mich vor allem auf kommunaler Ebene für eine fortschrittliche Drogenpolitik und die Legalisierung von Cannabis als Medizin und Genussmittel ein (Gremienarbeit, Teilnahme an Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen). Außerdem bin ich Mitglied beim DHV und bei E.N.C.O.D.

(https://encod.org/)

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Ingrid: Ja, aber nach wie vor illegal! Ich war schon Cannabis-Patientin, da gab es diese Bezeichnung noch lange nicht.

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert?

Ingrid: Früher erleichterte ein Joint meine Regelschmerzen (diese Erfahrung hatte ich schon in den 1980ern gemacht und alle sagten, ich wolle damit nur meinen Konsum rechtfertigen), heute hilft es mir weiter zu laufen.

– Unmedicated: 100/200 Meter

– Medicated: ca. 1000 Meter

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Ingrid: Ich bin ausschließlich Cannabiskonsumentin, bin aber für eine Entkriminalisierung und Regulierung aller Drogen.

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Ingrid: Es wäre überraschend, wenn sich vor der nächsten Bundestagswahl etwas grundlegendes ändern würde.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Ingrid: Natürlich gab es solche Momente, in denen ich dachte, dass sich nie etwas ändert und es drängte sich die Frage auf, warum das Alles. Doch dann dachte ich an meine und unsere Erfolge und dass es nötig ist, dass sich die Vernunft durchsetzt. Denn die Situation aller Cannabisliebhaber*innen muss sich verbessern. An der Sache selbst hatte ich nie Zweifel.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften?

Ingrid: Zum Glück, nein.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Ingrid: Mit der nötigen Rück- und Umsicht ist das kein Problem.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Ingrid: Wenn das Kind nachfragt und Interesse zeigt; idealer Weise im Grundschulalter.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Ingrid: Ich persönlich halte 16 für sinnvoll, denn das ist ein sehr experimentierfreudiges Alter. Niemand sollte für das „‘rumprobieren“ bestraft werden. Wenn 16-jährige wählen dürfen sollen (Kommunalwahlen), sollten sie auch darüber bestimmen können, ob sie konsumieren. Bier kann ab diesem Alter ja auch gekauft werden.

Da sich die Mehrheit der Legalizer nicht ohne Grund für die Legalisierung ab 18 entschieden hat, und da ich mich als Teil der Bewegung begreife, habe ich mich dieser Forderung angeschlossen.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Ingrid: Auf der einen Seite sollte es eine flächendeckende Versorgung in Drogenfachgeschäften zu angemessenen Preisen geben, auf der anderen Seite sollte jede*r, die/der will oder kann für seinen Bedarf anbauen können. Cannabis Social Clubs sollte es in den Städten und auf dem Land zusätzlich geben.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Ingrid: Eher nicht, obwohl es schon „Leckerlis“ gibt; ich bevorzuge Dope.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Ingrid: Sich für die Legalisierung einzusetzen ist nicht illegal und je mehr sich engagieren, desto weniger wird der Einzelne beachtet. Niemand muss sich ungewollt in die erste Reihe oder ans Mikro stellen.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Ingrid: Da ich wg. meiner Behinderung nicht mehr anbauen kann, würde ich eine*n Freund*in für mich anbauen lassen und/oder einem CSC beitreten. Aber auch dann wäre mein Dealer mein Freund.

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Ingrid: Das erste Mal mit lieben Freunden und in angenehmer Atmosphäre und vielleicht nicht, wenn Mensch noch ‘was vor hat.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Ingrid: Lustig, eher nicht – meine Begegnung mit der dritten Art.

Ich cruiste auf meinem Trike, natürlich Hanf beflaggt, Richtung Innenstadt und war ziemlich überrascht, als mir plötzlich ein Freund und Helfer den Radweg versperrte. Im selbem Moment beugte sich sein Kollege zu mir herunter: „Wir haben Ihre Fahne gesehen, und jetzt will ich Ihnen in die Augen schauen! … Haben Sie ‘was dabei? … Sie wissen ja, dass …“ Da meinte ich nur: „Und sie wissen sicher, dass es Menschen gibt, die Cannabis verschrieben bekommen.“ Das interessierte beide. Nach kurzem Gespräch gaben sie mir dann den Weg frei.

Wegen einer Hanffahne von den Bullen angehalten – und das in Frankfurt! Kontrolle und Personalien – Feststellung haben sie sich gespart, was aber darauf hindeutet, dass sie wussten, wen sie da vor sich stehen hatten. Schon denkwürdig und irgendwie kein gutes Zeichen.

Ingrid, schönen Dank, dass du mitgemacht hast!

Stephan Stemmann

Stephan Stemmann

Der Aktivist aus Plauen an der tschechischen Grenze, welcher vielen auch als „Hanf Panda“ bekannt sein dürfte, setzt sich seit vielen Jahren für unsere Lieblingspflanze ein. Er gründete den Cannabis Social Club Plauen und leitete ihn einige Jahre.

Und er hat gute Gründe, etwas an der jetzigen Situation ändern zu wollen, hat der Staat ihm doch in der Vergangenheit sehr übel mitgespielt.

Heute ist er freiberuflicher Berater für Patienten. Er hilft beispielsweise bei der Antragstellung für Medizinal – Cannabis usw.

Auch für Vorträge und Lehrgänge zum Thema Cannabis kann man den „Panda“ buchen und man sieht ihn auf Messen und natürlich auf den Demos.

Der 27 jährige braut außerdem sein eigenes CBD Bier, das „Panda – Bräu“. Dies tut er auch nach Auftrag. Wenn man eine Idee hat und nicht die Möglichkeit, diese umzusetzen, dann braut der Panda individuelles „Wunsch – CBD – Bier“. Eine wirklich interessante Sache!

Das ständige Aufklären und Informieren der Menschen ist für Stephan Lebensinhalt, denn so wie es jetzt läuft, selbst für Patienten, kann es nicht weitergehen.

Danke, dass du beim Interview mitgemacht hast!

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Stephan: Mit 12 durch die Drogen – Aufklärung von der Polizei an der Schule wo ich war. Klar kannte ich Jungs die älter waren und wo man öfter was gehört hatte, aber das Interesse auszuprobieren kam nach der „Aufklärung“ der Polizei. Ich saß unruhig in der ersten Reihe der Turnhalle und hatte ständig neue Fragen an die 2 Polizisten (Mitte der 50 und 60) mit Bierbauch und UFO-Glatze.

Es wurden nur ganz viele Horrorgeschichten erzählt und die übliche Tour. Weil ich keine Ruhe geben wollte und der eine Polizist die Stimmung etwas auflockern wollte holte er mich auf die Bühne und erklärte das die Brille die er mir gab den Erstkonsum simulieren soll.

Ich war überzeugt ich könne ohne Probleme die Linie entlang laufen… nachdem ich aber 3 mal bei jedem Schritt 1 Meter daneben gelandet bin, kam mir die Frage, ob das in echt wirklich so viel Spaß macht… es sah sicher ulkig aus und alle haben sich gefreut die die Brille mal probiert haben. Das gab mir den Anreiz mich damit näher zu beschäftigen und mein Interesse war geweckt.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Stephan: Ja, der hat sich sehr verändert.. Früher viel Tabak geraucht und mit viel Tabak bebaut, heute nur noch pur und selten mal ne Zigarette, aber immer separat. Vor 10 Jahren gab es noch ganz andere Preise fürs Gras und die Qualität war entschieden besser als das Zeug welches oft mit Spray und Co verkauft wird.

Ich liebe die Auswahl. Jeder Tag oder jeder Moment hat sein spezielles Cannabis, mit der genau passenden Mischung für die optimale Unterstützung im Leben. Es ist nicht „ballern“ sondern die passenden Terpene mit den passenden Cannabinoiden zu kombinieren. So kann ich seit vielen Jahren auf jegliche Pillen verzichten. Über die letzten 7 Jahre habe ich viel Wissen und Erfahrung im Kochen mit Hanf gesammelt und empfinde Bonbons in der Öffentlichkeit in Deutschland angenehmer.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Stephan: Ja, mehre Hausdurchsuchungen und ständige Diskussionen mit den Herren in Uniform. Mir sind viele Beamte von Grund-auf unsympathisch.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Stephan: Ich hab mit 12 schon kapiert was Henry Ford damals cooles geschaffen hat und dass Hanf mehr ist als die Tüte am Abend wie ich immer sage. Viele Umweltprobleme sind mit Hanf zu beheben und zu vermeiden. Hanf würde so viele Probleme lösen, wenn man ihn nutzt wie es uns gegeben ist: als Pflanze.

Und ein Grund waren natürlich Hausdurchsuchungen und Repression.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Stephan: Habe viele Jahre einen CSC gegründet und geleitet und war informativ präsent. Seit dem ich offiziell Patient bin habe ich mich freiberuflich und kleingewerblich selbstständig gemacht. Ich berate Patienten und mache Vorträge auf Messen, Seminaren und vieles mehr. Ich arbeiten daran Projekte für die Substitution mit Hanf entstehen zu lassen und vieles mehr.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Stephan: Ja, offiziell seit 2017

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert? Oder hat es das, auch ohne dass du Patient bist?

Stephan: Dank Cannabis kann ich meine Cluster – Kopfschmerzen und vieles mehr behandeln. Dank Cannabis konnte ich im Oktober 2019 in 2,5 Wochen von Stuttgart nach Barcelona mit dem Fahrrad fahren. 1500km mit 6000hm hoch und 5000 runter. Ohne Cannabis könnte ich nicht mal aufs Fahrrad steigen und fahren. Auch wären mir die Reize in der Stadt und im Verkehr viel zu hoch und die Aufnahmeleistung lässt ohne Medikamente stark nach.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Stephan: Es sollte alles legalisiert werden.

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Stephan: Schwierig… Wenn sich was ändert, dann nur eine gefakte Entkriminalisierung, da das Material weiter beschlagnahmt wird. Auch besteht weiterhin das MPU Drama und so weiter um damit viele Steuergelder zu generieren.

Die Straße bleibt 3 Euro günstiger als die Shops die weit weg sind… das kanadische Modell hat auch seine Schattenseiten… die Preise sollten wie Uruguay sein.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Stephan: Ich habe viele Jahre den CSC geleitet. Vielen Menschen stand der Konsum im Vordergrund und sie hatten Angst Gesicht zu zeigen, kauften aber bei Leuten ein wo die Zivis Streife ums Haus laufen…

Ich will dem Hanf ein neues Image geben, denn Hanf kann unser aller Leben verbessern und das auf vielerlei Art.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Stephan: Als Jungendlichter auf dem Dorf war ich mit Hanf etwas der Außenseiter, denn alle haben frei getrunken, was nicht mein Fall war. Man bekommt Ärger mit der Polizei und Schocks fürs Leben. Und oftmals wird man als Junky hingestellt, obwohl die Leute selbst eine Pille nach der anderen werfen.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Stephan: Das kommt ganz auf das Kind an und auf dessen Reife… aber offen und ohne Druck würde ich an das Thema ran gehen.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Stephan: Mit THC über 1 % ab 18 Jahre, mit unter einem Prozent THC und bis 10% CBD ab 16. Viele nutzen es zur Substitution vom Tabak etc.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Stephan: Auf jeden Fall Eigenanbau. Die Preise wie Uruguay und den Erlös an Kinder und Jugendeinrichtungen für Bildung Freizeit und Prävention.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Stephan: Generell liebe ich Indicas, denn die lassen meinen Körper und Kopf zur Ruhe und ins Gleichgewicht kommen. Ich fahre auf bestimmte Terpene und deren Kombination total ab. Cheese oder K2 sowie Critical und Variationen und vieles mehr.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Stephan: Probleme gibt’s immer… wenn die kommen dann kommen die. Wenn man sich aber dafür einsetzt kann man anderen helfen keinen Ärger zu bekommen und Patienten wird viel Geld erspart und Leid genommen.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Stephan: Alles selbst anbauen. Permakultur mit guten Chilis und Tomaten. Eigene Sorten züchten und anderen Patienten zugänglich machen um wissen und Erfahrungen zu sammeln.

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Stephan: CBD als sanfter Test ist immer zu empfehlen. Gerade Jugendliche die mich ansprechen denen rate ich immer den Tabak weg zu lassen und lieber etwas CBD Blüte dazu oder generell mit CBD den Konsum umzustellen. Es wäre verlogen und würde nichts bringen den Kids Ammenmärchen zu erzählen. Hätte mir das damals jemand so nett und aufgeschlossen erklärt wie ich es heutzutage versuche wäre mein Konsum viel eher anders gelaufen.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Stephan: Mitte Februar bin ich aus Paris mit dem ICE und Fahrrad sowie einem Haufen Gepäck zurück nach Deutschland.
Ca. 100km nach der Grenze hat mich die Bundespolizei Offenburg im Zug angequatscht…

Es hieß Personenkontrolle…

Habe Schengenpapiere und Rezepte dabei gehabt also sagte ich auf die Frage ob ich Polizei – relevante Sachen dabei habe nein…
Hätten sie Zoll Kontrolle gesagt hätte ich es angesprochen.. Mein Ausweis wurde eingesteckt und mein Rucksack ohne mich zu fragen geöffnet sowie durchsucht…
Die Polizistin (bekannt durch TV weil sie ihre Arbeit auf Instagram postet, was ich übrigens als Effekthascherei sehe..) fand meine medizinischen Blüten und ging Spitz wie ein Spürhund…
Als ich meine Rezepte zeigte wurden die auch einfach eingesteckt ( Illegales verhalten der Beamten) und es hieß ich müsse zur Kontrolle mit kommen, das ich Anschluss hatte um weiter nach Hause zu kommen war denen egal.
Meine Bitte, das Rezept einfach (wie gesetzlich richtig wäre) mit nem Anruf an die Apotheke zu untersuchen war denen egal..
Vor dem Revier wurde mir der Arm auf den Rücken gedreht und sich über mein Schreien wegen der Schmerzen lustig gemacht mit „Achtung Achtung Polizeigewalt…“.

Dann landete ich in der Zelle und wurde naggisch gemacht und mit Bodycam gefilmt… Abartiges Machtspiel gegen Patienten…
2,5 Stunden war ich eingesperrt… Bis nach all dem Erbrechen und Kreislaufabstürzen mein Körper völlig am Ende war… Auf meine bitten nach Medis würde ich belächelt und es kam der Spruch “ sie können gar kein Patient sein denn sie hatten 2016 ne Anklage wegen Anbau und Besitz von Cannabis..“

Meine Antwort :

Nur weil ich eher als die Bundesrepublik Deutschland wusste dass mir Cannabis als Medizin mein Leben am Laufen hält und meine Beschwerden halbwegs im Griff, kann man mich nicht ein Leben lang als kriminell abstempeln!
Und es kamen Sätze wie… Naja, wir haben jetzt die Nummer vom Arzt, da holen wir uns auch Cannabis als Medizin, dürfen aber erst nach der Arbeit konsumieren..sonst müssten sie ja die Waffe abgeben…!!!
In der Zwischenzeit wurden all meine Dreckwäsche und Sachen durchsucht anstelle die Apo anzurufen…
Und ohne die Handschuhe zu wechseln wurden meine Medikamente angefasst und gewogen.. Und ohne dass ich dabei war… Und ohne Beschluss vom Richter ?.
Die Medizin darf nur in meiner Anwesenheit und von mir geöffnet werden… Ansonsten nur ein Labor, wofür aber feste Gründe sowie Durchsuchungsbeschluss dafür da sein muss.. Alles andere ist Beugung des Rechtes!
Alle Dokumente und EC Karten sowie Rezepte wurden kopiert… Alles illegal…

Als ich mit Kreislaufabstürzen aus der Zelle kam und kurz drauf gehen durfte hieß es „sie müssen Verständnis dafür haben, sie waren der erste der kontrolliert worden ist…“

Erstens ist das KEINE ENTSCHULDIGUNG UND KEINE BEGRÜNDUNG FÜR AMTSMISSBRAUCH, KÖRPERVERLETZUNG UND NÖTIGUNG, sowie ein paar Sachen mehr, nein, das ist auch einfach ne kackfreche Lüge gewesen, denn 20 min später hörte ich bei meinen Recherchen von andren Patienten denen es auch so erging.

Die Medis darf ich nicht mehr verwenden, da wer weiß was damit gemacht wurde… Habe 2 Tage später davon was probiert, komplette Nebenwirkungen und der Körper wie unter Strom mit Haufen Adrenalin das versucht hat den Körper wieder zu reinigen und die Fremdstoffe aus dem Körper zu spülen…

Die haben zum wiegen irgendeine Schüssel genommen… Wer weiß was da drin war vorher…

Anzeige ist raus und das wird gerichtlich geklärt! Die Begründung für die Aktion war der Wahnsinn…

Die „Instagram Polizistin“ meinte, ich könnte ja mit leeren Dosen nach Frankreich zum schmuggeln fahren… Das war deren ganze Motivation warum ich grausam schikaniert wurde..

Wie bitte ? Leute die Ibuprophen bei haben ohne Rezept (innerhalb von Deutschland) werden auch nicht so gequält weil sie ihre Medis mit haben und einfach gegen als Pille gepresstes Koks oder Cristal hätten austauschen können..!!!

3 Jahre Cannabis als Medizin und es wird immer noch von den Polizisten gemacht was sie für richtig halten… So was darf nicht passieren! Dafür müssten die Beamten ausgebildet sein! Ist ja genug Zeit vergangen und so „schwer“ ist das ja nicht. Es wird nur einfach nicht akzeptiert das Menschen Cannabis als Medizin nutzen und es Gesetze dafür gibt.

Belehrung zum Thema CBD und wo die flüssigen Tester sind um das max 0,2% THC zu testen habe ich auch angesprochen… Alle Länder ringsherum testen so was..Die Beamten der Polizei und der Bundesregierung sind einfach fachlich nicht belehrbar und die Anweisungen des Bundesverfassungsgerichtes werden gekonnt ignoriert oder umsegelt…

Es wird Zeit aufzustehen und Veränderung zu fördern !!

Das sehen wir genauso. Vielen Dank Stephan, dass du mitgemacht hast!

Tobias Pietsch

Tobias Pietsch

Tobias ist sicher den meisten aus der Szene, neben seinem Engagement für die Legalisierung, auch durch seine Hanfnah – Läden, ein Begriff.

https://www.hanfnah.de

An drei Standorten verkauft der 35 jährige Lahrer mittlerweile alles, was das Hanfherz begehrt und bekam dafür Anfang 2019 den Lahrer Gründerpreis für Innovation, Nachhaltigkeit, Nutzen und den Einsatz moderner Technologien.

Umso trauriger und unverständlicher ist es, dass er sich dafür ab dem 5. Mai 2020 vor Gericht verantworten muss. Ihm wird „gewerbsmäßiger Handel mit Betäubungsmitteln“ zur Last gelegt, was, genau wie bei allen anderen laufenden „CBD Verfahren“ nur als blanker Hohn bezeichnet werden kann.

Tobias engagiert sich auf verschiedenste Weise für eine Änderung unserer Drogenpolitik, u.A. ist er Mitglied der frisch gegründeten DHV Ortsgruppe Ortenau, er ist auf Social Media stark präsent und natürlich auf den Demos dabei.

Wer ihn noch nicht kennt, dem sei ans Herz gelegt, sich auch den Youtube – Kanal „hanfnah – natürlich legal“ einmal anzusehen, denn auch hier verschafft sich der sympathische Lockenkopf Gehör.

https://www.youtube.com/channel/UCK2p7lPRA-o8qVmZItjFXsw

Unvergessen ist auch sein, wenn auch nicht sehr erfolgreicher, aber dafür umso sympathischerer, Auftritt bei „Wer wird Millionär?“

So kam Günter Jauch endlich mal in den Genuss von leckeren Hanfplätzchen.

Wir freuen uns sehr, dass Tobias sich die Zeit genommen hat, uns ein paar Fragen zu beantworten.

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Tobias: Ich war ein ziemlich junger Schüler und viel mit Älteren unterwegs, mit 13 nach der Schule war der erste Konsum. Leider verdammt früh. Da nichts Schlimmes passierte, ist dieser Mythos „Droge“, der in der Erziehung und der Gesellschaft aufgebaut wurde, sofort verpufft. Das fand ich spannend. Leider…

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Er stieg leider relativ schnell rasant an, ich war schon immer sehr impulsiv und es half mir, mindestens unbewusst, die Balance zu halten. Mit allen – für mich normalen – jugendlichen Eskapaden war ich mit mir immer sehr zufrieden. Ich verstand immer weniger, warum Cannabis verboten ist. Bis auf Abstinenzzeiten konsumiere ich inzwischen seit fast 20 Jahren regelmäßig. Leider rauche ich immer noch, dazu mit etwas Tabak. Unglücklicherweise die wohl ungesündeste Konsumform.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Tobias: Nein. Erst jetzt als Verkäufer von Nutzhanfblüten in meinen Shops. Verfahren startet bald. Es wurden über 4 Kilo beschlagnahmt mit einem Gesamt-THC-Gehalt von 4,5 Gramm. Alle gemessenen THC-Werte waren unter 0,2 % – im Schnitt 0,11 %, dennoch werde ich mit einer Mindeststrafe von einem Jahr angeklagt. Ein Witz. Leider kein guter…

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Die Ungleichbewertung in der Gesellschaft war mir wie vielen anderen schon immer ein Dorn im Auge. Mein Gang in die Selbstständigkeit und das damit verbundene gesellschaftliche „Coming Out“ waren sicher der Türöffner. Vor wem sollte ich mich als Hanf-Fachhändler noch verstecken?

Doch so richtig Aktivist wurde ich dann erst im Laufe der Tage und Wochen in meinem ersten Laden. Ich erfuhr, dass ich mit meiner persönlichen Lebensgeschichte, die mir immer wieder aufzeigte, dass unsere Gesetzgebung und Moralvorstellungen schlicht falsch sind, noch ganz schön Glück hatte. Ich erfuhr jeden Tag, wie viele Menschen unter diesem Verbot leiden. In einer Vielzahl und Vielfalt, dass mich das abends noch beschäftigte.

Durch den aufkommenden CBD-Markt, wir haben seit Eröffnung im Oktober 2015 CBD-Produkte im Sortiment, wurden es neben strafrechtlichen, gesellschaftlichen und persönlichen Problemen zunehmend gesundheitliche Leiden, die an mich herangetragen wurden.

Bei mir im Laden konnte man reden. Es gab Verständnis. Genau da herrschte in den letzten Jahrzehnten zunehmend ein Vakuum. Wenn man mit dieser vergleichsweise harmlosen Droge Probleme entwickelte, gab es keine Ansprechpartner. Keine Reflexion. Nur Angst, Stigma und Verstecken. So ein Quatsch. Natürlich bekommen Menschen Probleme durch Cannabis-Konsum, auch da habe ich leider viele Erfahrungen sammeln müssen, aber sollte man diese mit Strafen bedrohen? Mit gesellschaftlicher Ächtung? Oder sollte man Ihnen Hilfe anbieten? Oft macht nämlich genau die Angst vor der Strafe alles viel Schlimmer. Cannabis ist hauptsächlich psychisch gefährlich, der größte psychische Druck als Cannabiskonsument ist aber die Kriminalisierung.

Mein Vater hatte hohe Moralansprüche, ich bewundere ihn heute noch dafür. Aber er hat mangels Erfahrung auch Drogenkonsum geächtet. Denn der war illegal und mein Vater hielt sich treu an das Gesetz. Das war meine Zerrissenheit. Ich wollte ihm das nicht kaputtmachen als haschender Sohn. Ich bin sehr froh, dass ich ihn vor meiner Eröffnung überzeugen konnte, dass das nicht mehr zu kritisieren ist als unser ritualisierter Rum-Cola. Ich ärgere mich heute, dass ich mich nicht viel früher getraut habe. Denn alle Argumente waren doch auf meiner Seite. Nur war ich dazu noch nicht in der Lage, die zu präsentieren.

Aber ich hatte es geschafft. Er hatte mich nicht nur verstanden und akzeptiert, er war sogar zuversichtlich, dass ich mit meinem Einstieg in die Hanfszene eine gute Entscheidung getroffen hatte. 3 Tage nach Eröffnung verstarb er. Das war natürlich sehr hart und ist es heute noch. Dieses – Entschuldigung – Scheißverbot hat mich viele Momente und sogar Jahre mit ihm gekostet. Im Nachhinein bereue ich jede Sekunde, die ich mich nicht früher getraut habe.

Doch dann hörte ich jeden Tag, dass ich ein verdammter Glückspilz bin. Ich hörte jeden Tag schlimme Schicksale, die durch die Prohibition entstanden sind. Leider sind selbst die meisten dieser Menschen nicht bereit, darüber zu sprechen. Sonst kommt ja weitere Ächtung dazu. Aufarbeitung ist dann auch immer schwierig.

Mit Cannabis verbunden waren etliche entzweite Beziehungen, zerstörte Träume, kaputte Familienstrukturen, vernichtete Karrieren, wachsende Leiden bis hin zu eventuell vermeidbaren Todesfällen. Entstanden allerdings nicht durch den Konsum, sondern durch das Verbot, das Verstecken, das Verfolgen, das Bestrafen. Niemand profitiert von diesem Verbot. Niemand wird beschützt. Alle werden bestraft, durch unnötige Steuerausgaben, fehlende Steuereinnahmen und am Schlimmsten ist, dass wir 4 Millionen tolle Menschen aussperren. Die müssen sich in toleranten Kreisen bewegen, meist endet das dann in Kellerräumen oder verdunkelten Wohnzimmern.

Und je mehr Menschen ich kennenlerne, desto mehr werde ich zum Aktivisten. Ich sagte neulich in einem Bankgespräch, dass mir mein Geschäft momentan leider zweitrangig ist. Hier leiden unglaublich viele Menschen im Versteckten und niemand traut sich, seinen Mund aufzumachen. Für jeden dieser Menschen werde ich jeden Tag noch ein bisschen lauter, denn es muss jetzt endlich etwas passieren. Die beiden Banker haben glaube ich fast in die Tischkante gebissen, aber ich habe dennoch gespürt, dass sie mich auch ein wenig verstehen.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Tobias: Ich hielt auf dem Global Marijuana March in Freiburg 2016 meine erste öffentliche Rede. Zum ersten Mal ein Mikro in der Hand und dann stehen da 700 Menschen. Ich bin fast gestorben, aber ich merkte, dass diese gesamte Demo eine Menge bewegt hat.

Aktivismus lohnt sich. Nicht am nächsten Morgen, aber Stück für Stück. Wir können alle ein Stück dazu beitragen. Ich sagte mir früh, ich überzeuge jeden Tag einen Menschen – das gehört auch zum Shopkonzept, die „bösen Sachen“ findet man erst auf den zweiten Blick – irgendwann werden es genügend gewesen sein. Und das können wir alle tun. Wir alle haben Menschen in unserem Umfeld, die uns trotzdem noch mögen, wenn sie wüssten, dass wir Cannabis konsumieren. Einfach mal in ein Gespräch gehen und diskutieren. Es gibt so viele Ansätze. Die unnötigen Anklagen, Polizistenmangel und – Hass, den fehlenden Jugendschutz. Man kann so eine Diskussion auch mal anfangen, ohne sich gleich zu outen. Und dann kann man immer noch zurückziehen. Weniger Verstecken, es tut verdammt gut und befreit, das kann ich garantieren.

Anschließend gab es verschiedene Möglichkeiten, im Fernsehen oder Radio, aber auch in Printmedien, für die Sache einzustehen. Ich nutze jede davon, um mehr Menschen zu überzeugen. Sie sollen mir in die Augen sehen und mir sagen, dass ich ein schlechter Mensch bin. Dann wird es nämlich schwierig, wenn die anonymen Haschgiftler auf einmal Toby, Onkel Edmund oder Pfarrer Müller heißen. Du willst mir sagen, dass ich ein Krimineller bin? Warum denn? Wem tue ich denn etwas?

Gerade die Menschen, die am meisten Angst haben, sollten viel mutiger sein. Ihr steht mitten im Leben. Ihr seid mit Euch zufrieden und im Reinen. Wollt Ihr Euch ein Leben lang verstecken? Oder wollt Ihr einmal sagen: Ich kiffe – na und? Die Leute, die sich deswegen von Euch abkehren, die wollt Ihr doch nicht wirklich in Eurem Umfeld haben, oder? Kiffen ist nichts Tolles, aber auch nichts, wofür man sich schämen muss.

Ich bin in verschiedenen Verbänden aktiv und mache in den sozialen Medien viel Aufklärungsarbeit und schreibe auch Politiker ganz direkt an. Dies hat mir auch schon eine Einladung in den Bundestag beschert, wo ich direkt Argumente austauschen konnte.

Ich setze inzwischen mehr Zeit für das Aktivistenleben ein als für hanfnah. Das bringt zwar manchmal Probleme, aber ich kann nicht mehr anders.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Ja, ich bin seit 2018 anerkannter Cannabis-Patient. Das hat dem ganzen ja nochmal eins drauf gesetzt. Früher konnte man da vor Stigmatisierung kaum drauf kommen, dass man nicht nur relativ wenig Schaden, sondern gar einen Nutzen aus dieser doch scheinbar bösen Pflanze zieht.

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert?

Tobias: Für mich war es ein Alltagsbegleiter. Es bereitete mir bei vernünftiger Dosierung noch nie große Einschränkungen, aber ich kam weniger emotional und dadurch sogar besser und motivierter durch den Alltag. Das ist sicher nicht bei jedem gegeben, für manche ist ein seltener Konsum vielleicht schon nicht mehr vernünftig, bei mir fand er fast durchgehend von morgens bis abends statt.

Im Nachhinein betrachtet hat es das aber schon immer auch bei meinen chronischen Krankheiten. Vor allem leide ich an Asthma und Neurodermitis und Cannabinoide haben bei Beidem ein großes Potenzial.

Vor meiner Eröffnung lernte ich auf einer Messe zum ersten Mal CBD-Kosmetik kennen. Man erklärte mir, dass CBD doppelt so entzündungshemmend sei wie Kortison. Da wurde ich sehr neugierig, da ich für meine Hautprobleme schon immer auf Kortison zurückgreifen musste.

Nachdem nicht nur ich, sondern auch meine damals noch hanfunerfahrene und absolut neutrale Mama komplett auf CBD umsteigen konnten, war mir zum ersten Mal der Zusammenhang so richtig bewusst. Ich wusste natürlich schon vorher von dem enormen Potenzial, aber bis vor einigen Jahren war das in Deutschland ja kaum Thema, somit auch irgendwie undenkbar und man wäre wohl eher ausgelacht worden, wenn man behauptet, das helfe gegen Asthma.

Wobei wir leider bis heute zahlreiche Situationen haben, in denen selbst schwer leidenden Patienten der Zugang zu dieser harmlosen Medizin be- oder verhindert wird und sie manchmal zudem noch ins Lächerliche oder Kriminelle gezogen werden. Es ist wirklich furchtbar.

Inzwischen kann ich auch mein Asthma damit gezielter behandeln, da man bei richtiger Anwendung die Bronchen toll weiten kann. So richtig habe ich das das erste Mal beim Dabben gemerkt. Wie jeder Anfänger viel zu heiß, 5 Minuten gehustet, aber dann spürte ich, wie ich immer besser atmen konnte. Das war faszinierend.

Ich wurde im Nachhinein fast 20 Jahre kriminalisiert, verfolgt und um meine Freiheit beraubt, obwohl ich nur meine chronischen Krankheiten heilte. Deutschland sollte sich schämen, denn auch damit hatte ich vergleichsweise noch Glück, es gibt so viele schlimme Schicksale, eigentlich sollte irgendjemand in der Verantwortung stehen, aber das Wegducken und Kleinmachen ist viel zu einfach.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Tobias: Grundsätzlich sollte eine Einordnung von Drogen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen erfolgen. Es geht doch um Gefahrenpotenziale wie Abhängigkeitsrisiko und Körperschädigung.

Ich habe in den letzten Jahren der intensiven Auseinandersetzung auch meine eigene Doppelmoral vor Augen geführt bekommen. Nur weil es mich nicht berührt, heißt das nicht, dass ich nicht dennoch mal in die Theorie einsteigen sollte, wenn ich eine starke Meinung haben will.

Ich habe in jungen Jahren zu verschiedensten Drogen Kontakt gehabt, nie lange oder intensiv, war nicht meins. Und jetzt war es am Anfang für mich unglaublich, dass das in meiner Generation als harte Droge verteufelte MDMA (in Ecstasy) noch harmloser sein soll als „mein“ Cannabis.

Dabei entwickelte sich aber auch wieder ein größeres Verständnis für alle, die Cannabis skeptisch gegenüberstehen und einer Diskussion keine Chance geben. Warum soll ich mich damit beschäftigen, wenn es mich nichts angeht und die konservativ gesellschaftliche Meinung mir immer noch Recht gibt? Cannabis ist verboten und das ist auch gut so. Dem wird viel zu selten widersprochen von Nichtkonsumenten.

Letztes Jahr wurden mir dann endgültig die Augen geöffnet: Ich war auf einem Cannabis-Kongress in Lörrach, in einem Abschnitt wurden in kleineren Runden Einzelthemen vertieft. Ich schrieb mich bei einer Professorin ein zum Thema Cannabis und Strafrecht.

Die Professorin begann mit einer Zerlegung unserer Einordnung in harte und weiche Drogen. Diese sei absolut der falsche Ansatz, am Ende entstehen Probleme doch immer durch Konsummuster. Wenn, müssen wir also über harte und weiche Konsummuster reden. „Ist der Nachbarssohn, der in seiner Teenagerlaufbahn einmal ein Blech Heroin raucht, gefährdeter als der andere, der ab 12 Jahren jeden Tag 20 „Eimer“ Cannabis raucht?“

Wow, hat sie das gerade gesagt? Hat sie! Und verdammt, sie hat Recht. Heroin war für mich immer Teufelszeug, ich wusste genau, Disziplin und das Beherrschen meines Suchtzentrums waren noch nie meine großen Stärken, also werde ich da für immer, mein ganzes Leben, einen Bogen drum machen. Am Abend wurde mir klar, dass ich irgendwie ein wenig von oben herab auf die Heroinszene geblickt habe. Nur, weil ich aus Bequemlichkeit keine Lust hatte, mich da mal hineinzudenken. Was für eine Doppelmoral. Und wieder wurde mir klar, dass es nicht so einfach ist, Menschen zu überzeugen, die aus ihrer Sicht glücklicherweise keine Lust haben, mit Cannabis in Berührung zu kommen.

Inzwischen bin ich überzeugt, dass kein Verbot einen Sinn hat. Bei jeder Droge wird das Gefahrenpotenzial, egal wie hoch es ist, noch einmal deutlich erhöht. Dazu kommt die sinnlose Verfolgung, Stigmatisierung und gesellschaftliche Verdrängung, die denjenigen, die wirklich ein Problem entwickeln, die Möglichkeit auf Hilfe deutlich erschweren.

Es gibt Menschen, die entwickeln einen problematischen Konsum von Cola, andere von Cheeseburgern, wieder welche von Kakao oder Kaffee. Würde es denen helfen, wenn wir sie bestrafen?

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Tobias: Die sind so hoch wie nie zuvor. Aber das ruft auch wieder die überzeugten Gegner auf den Plan, es wird kein Selbstläufer. Und jeder Tag bedeutet neues Leid. Daher müssen wir alle kämpfen. Und wir müssen mutiger werden. Was haben wir zu verlieren? Leider manche doch einiges. Aber das wären am Ende doch wenige und wir hätten es bald geschafft. Jeder muss für sich entscheiden, ob es ihm dieses Risiko wert ist, ein Leben lang auf Freiheit und Gleichberechtigung zu verzichten – und zudem dennoch damit rechnen muss, aus Pech die selben Konsequenzen zu erleiden und die volle Härte des Gesetzes zu spüren.

Seid aktiv! Auf den Demos, die ich unterstützt habe, waren Polizisten, Lehrer, Beamte, Erzieher, Bankangestellte, Kaufleute, Kinder und Uromas. Niemand wurde hinterher geächtet oder hat seinen Job verloren.

JETZT ist die Zeit für alle Kiffer, aber auch für alle CBD-Nutzer, alle Patienten, alle Polizisten, Staatsanwälte und Richter, alle Angehörige derer und am Ende sogar allen Steuerzahlern, auf die Straße zu gehen und ein Zeichen zu setzen, dass endlich eine Entscheidung zum Wohle des Volkes und nicht zum Wohle irgendwelcher Lobbys oder Ängste getroffen wird.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Tobias: Selbstverständlich. Es gibt immer wieder furchtbare Rückschläge. Und man muss kühl und sachlich bleiben. Bei diesen verheerenden Geschehnissen aber immer wieder schwer. Es werden einem Knüppel zwischen die Füße geworfen. Aber das alles kann man wegstecken.

Am Schlimmsten finde ich, wenn sich die Aktivistenszene wegen einzelner Egos immer wieder selber klein macht. Das ist eine schwierige Entwicklung, viele haben die Geduld schon verloren, andere sind so schwer getroffen, dass die Emotionen keinen sachlichen Austausch mehr zulassen.

Für all das muss man Verständnis haben. Wir alle haben unterschiedliche Lebenswege und Erfahrungen, vielleicht auch ganz konträre Ansätze. Und mit Sicherheit haben wir auch politisch ganz verschiedene Meinungen. Aber das auszudiskutieren bringt uns in dieser eh schon schwierigen Entwicklung nicht voran, im Gegenteil. Auch wenn wir anderer Meinung sind, müssen wir uns in dieser Szene gegenseitig unterstützen, im Ernstfall ignorieren, aber nicht auch noch klein oder gar schlecht machen.

Und natürlich ist man immer wieder auch frustriert und fühlt sich wie in einem Hamsterrad, denn es entwickelt sich viel zu langsam und dann kommen immer mal wieder Rückschläge. Das kostet verdammt viel Kraft und auch noch Geld. Wenn dann im Unternehmen oder Privatleben eine schwierige Phase kommt, fragt man sich schon, ob es das alles wert ist. Aber ich bin inzwischen so überzeugt und motiviert, dass das immer seltener vorkommt.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Tobias: Auf meine Familiengeschichte hauptsächlich, wie schon erwähnt. Da ich keine Lust hatte, mich vor meinen Eltern zu verstellen, aber auch nicht auf mein Cannabis verzichten wollte, gab es lange Zeit einen spärlichen Kontakt. Das ist im Nachhinein verdammt bitter, wenn man erfährt, wie schön es sein kann, auf einer Familienfeier voll akzeptiert einen Joint zu rauchen und wie viele dieser schönen Momente ich mit meiner Angst kaputt gemacht habe.

In Partnerschaften und Freundschaften bereitete es wenig Probleme, ich ging intoleranten Menschen da meist bewusst aus dem Weg.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Tobias: Ich habe einen inzwischen sechsjährigen Sohn. Bis dahin war ich ein kiffender Sohn, der sich vor seinen Eltern versteckt hat. Dann wurde ich also ein kiffender Vater, der sich vor seinem Sohn versteckt. Erstmal einfach, aber er wird älter. Und ich habe mir nach meinem Outing geschworen, niemanden mehr deswegen anzulügen. Ich schäme mich doch nicht dafür. Ich strebe nicht an perfekt zu sein. Ich arbeite an Fehlern, möchte dazulernen, aber ich werde wohl immer auch Fehler akzeptieren müssen.

Ich machte mir viele Gedanken. Es kam dann mal vor, dass ich mangels Betreuung eine „Bongberatung“ geben musste, während ich ihn auf dem Arm hatte. Abends hat mich das extrem beschäftigt. Aber ich kam zu dem Schluss, dass es falsch ist, ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich gehe regelmäßig mit ihm in den Supermarkt, gehe jedes Mal an der Spirituosenabteilung vorbei und habe da noch nie zuvor abends drüber nachgedacht. Auch so ein Moment, wo sich Verständnis für die gesellschaftliche Doppelmoral entwickelte. Selbst ich hatte sie noch in mir.

Ich habe meinem Sohn beigebracht, dass Süßigkeiten mal ok sind, aber in einem gesunden Maße. Er weiß auch schon, dass Fernsehen auch nicht die tollste Beschäftigung ist und man da Grenzen setzen sollte. Ich werde ihm erklären, da er irgendwann damit in Kontakt geraten wird, dass Alkohol gefährlich ist und man immer gut reflektieren muss, ob das alles noch in einem vernünftigen Rahmen abläuft. Wie bei jedem Konsum. Oder auch bei jeder Aktivität mit Gefahrenpotenzial. Bei allem kann ich nur hoffen, das klappt gut und bin überzeugt, das ist der richtige Weg. Offener Umgang und Dialog.

Soll ich jetzt wirklich davon ausgehen, es wäre taktisch klug, meinen Cannabiskonsum oder gar Cannabis allgemein vor ihm zu verstecken? Soll ich darauf zocken, dass er niemals damit in Berührung kommt und somit völlig unvorbereitet da hineingerät? Soll ich ihn wirklich für so blöd halten, meinen Konsum, der sicher nicht anstrebenswert ist für einen gesunden Menschen, vor ihm zu verstecken? Ich bin doch nicht Superman. Ich werde ihm hier und da auch erklären müssen, dass sein Papa auch mal Fehler macht und auch mal schwach ist. Auch wenn jeder Sohn wohl erst mal davon ausgeht, Papa ist eine Kreuzung aus Superman und einem T-Rex. Damit ich dann auch sicher sein kann, er lügt mich später ebenso an, wenn er vermeintlich einen Fehler macht? Ich versuche lieber, ihm als erfahrener Ansprechpartner zur Seite zu stehen und hoffe, er nimmt es dann an.

Die Alternative wäre eine eigene Abstinenz, aber wo fange ich damit an, wo höre ich auf? Ich liebe Schokopudding, manchmal esse ich den unkontrolliert, gerade in abstinenten Phasen (hatte in so einer mal 107 kg). Darf ich ihm das vorleben oder eher nicht? Darf ich ihm vorleben, 3 Stunden am Tag am Handy zu verbringen oder sollte ich da auch lieber Abstinenz anstreben? Ich setze auf das Beibringen von Vernunft.

Jeder muss mich wohl akzeptieren, wie ich bin, auch mein Sohn und ich bin guter Dinge, dass das immer so sein wird.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Tobias: Wie eben erwähnt wie bei jeder anderen Sache mit Gefahrenpotenzial auch. Der Zeitpunkt ist dabei nicht vorherbestimmt, wenn es sich nicht ergibt, wohl spätestens im Teenageralter, eher ein wenig früher. Kommt wohl auch auf die Entwicklung an.

Mit 2 Jahren im Schwimmbad pflückte er ein fünffingeriges Blatt und rief laut zu mir rüber: „Schau mal Papa, ein Hampfblatt“. Krasses Gefühl, wenn das alle drumherum hören. So gerne man als Eltern sein Kind vor allen Gefahren beschützen möchte, man muss sie auch auf Eigenständigkeit vorbereiten, Verstecken wird wohl kaum jemanden schützen

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Tobias: Ab 18 Jahren sollte das auf jeden Fall gehen. Das ist bei uns die Grenze zur Volljährigkeit und Eigenständigkeit. Vielleicht ist das Gefahrenpotenzial auch noch später gegeben, aber ab dann sollte man das einschätzen können.

Ich fände es eigentlich total naheliegend, dass man mit THC-Grenzwerten auch verschiedene Altersstufen installieren könnte. Ich glaube, es wäre auch gut, ähnlich wie beim Alkohol eine niedrige Grenze ab 16 zu installieren. Und da es beim THC auch so große Unterschiede gibt, könnte man auch weitere Grenzen einführen und erst ab 21 oder 25 ganz frei konsumieren. Das würde sicher nicht allen Schaden abwenden, aber vielleicht, wenn die aktuelle Forschung bestätigt wird, eben doch die Entwicklung vieler junger Menschen weniger einschränken. Aber den Masterweg wird es da wohl nicht geben, alle Probleme bekommt man nie aus der Welt. Ebenso wenig wie man die Drogen aus der Welt bekommt.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Tobias: Ich denke, wichtig ist Aufklärung. Daher wäre ein Vertrieb in Geschäften mit ausgebildetem Personal ganz geeignet. Dort findet vielleicht auch eine Erstaufklärung statt, bevor man zum Kauf berechtigt wäre und man hätte auch schon Ansprechpartner, wenn man doch spürt, dass sich ein Problem entwickeln könnte. Grenzen sollte es nicht geben, dafür ist das Empfinden viel zu unterschiedlich. Lieber diskrete Hilfsangebote.

Vor allem das Wichtigste ist aber wohl ehrliche und sachliche Aufklärung bei Jugendlichen. Wir machen uns so unglaubwürdig als Gesellschaft, wenn wir dieses Stigma aufrechterhalten. Genau das hat mir auch jeden Glauben an gut gemeinte Warnungen geraubt.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Tobias: Früher als Grower war ein Highlight auf jeden Fall die ursprüngliche „SensiStar“. Die hatte ein einzigartiges (gefährliches) Aroma und war trotz geringer Ausbeute sehr ergiebig in der Wirkung. Zu der Zeit strebte ich hohe THC-Gehalte an, in dem Glauben, dass das für mich effizienter sei.

Nun als Patient und mit dem Wissen, dass auch CBD einen großen Vorteil für mich bringt, ist die Sorte Penelope mein absoluter Favorit. Und die wäre für mich früher gefühlt auch nicht weniger spaßig gewesen als THC – Bomben. THC ist nicht alles, wobei mir CBD alleine definitiv nicht reicht.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Tobias: Im Job ist das natürlich immer schwer abzuschätzen. Aber auch die Angst ist völlig übertrieben. Erinnert Euch an die letzte Weihnachtsfeier oder Ähnliches. Glaubt Ihr, dass Ihr, wenn Ihr gute Arbeit macht, entlassen werdet, nur weil Ihr kifft?

Und außerdem gibt es als Nichtkonsument genauso viele Gründe, sich aktiv einzusetzen. Wir zahlen alle mit für diesen Quatsch, jeder hat jemand in der Familie, der unnötig kriminalisiert wird, wenn nicht, in seinem Umfeld. Inzwischen trifft das sogar immer mehr kranke Menschen. Sollte man zum Beispiel nach dem Besuch einer Demo darauf angesprochen werden, was man da mache, würde ich antworten, warum derjenige nicht da war. Schließlich sollte wirklich jeder, der sich neutral über die Sache informiert, schnell zu dem Entschluss kommen, dass sich schnell etwas ändern muss.

Ich erlebe hier kranke Menschen, das geht hin bis zu solchen – die vor dem Verschreiben von Cannabis lieber noch verschiedenste Medikamente nehmen und eine Kortisonkur machen mussten und mit Selbstmordgedanken vor mir standen. Warum soll man leidenden Menschen den Zugang verweigern? Es gibt hundert Gründe für eine Regulierung und keine dagegen. Alle dagegen hören sich meist gut an, sobald man aber in die Tiefe geht und über Konsequenzen nachdenkt, sind sie nutzlos oder bewirken sogar das Gegenteil wie beim Jugendschutz.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Tobias: Ich würde mir das lieber selber anpflanzen. Allerdings bin ich momentan in einer so ausgelasteten Phase, dass ich dafür vielleicht gar nicht so wirklich Zeit hätte und doch auf ein Angebot zurückgreifen würde. Wenn es geprüfte Qualität und Deklarierung gibt, spricht ja auch nicht mehr so viel dagegen. Die Regierung hat ja Angst, Anbau zuzulassen, aber das ist Quatsch, es wird dennoch ein Markt wachsen. Ich würde mir auch gerne mehr Gemüse pflanzen, aber die Zeit fehlt, ich hole das auf dem oder im Markt. Oder besuche auch mal ein Restaurant. Auch der Eigenanbau wird neue Möglichkeiten bieten. Servicegärtner wäre doch ein cooler Berufszweig, oder?

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Tobias: Das Wichtigste ist, dass demjenigen klar ist, dass Cannabis nichts Cooles oder gar Anstrebenswertes ist. Wenn er/sie dennoch Lust hat, das zu konsumieren, sollte das in einem Umfeld stattfinden, indem man sich wohl fühlt. In dem man sich nicht schämen würde, zuzugeben, dass es einem nicht gut tut.

Menschen reagieren unglaublich unterschiedlich auf Cannabis und es ist kein Makel, wenn man nicht „mithalten“ kann. Eher wünschenswert. Und egal zu welchem Zeitpunkt. Immer reflektieren, „Tut mir das gut? Habe ich etwas davon, was ich mir versprochen habe?“

Macht Pausen und informiert Euch auch in der Theorie über die Substanz, die möglichen Gefahren und Suchtanzeichen. Denn, wenn man da von Anfang an überlegter ran geht, ist die Gefahr schon deutlich kleiner. Und redet mit Euren Eltern, wenn ihr nicht absolut hoffnungslos seid. Solltet ihr warum auch immer doch mal Probleme haben, sind die doch oft ein toller Anker. Und lieber haben sie schon vorher Verständnis als von der Situation überrascht zu werden. (Habe ich es Dir doch gesagt)

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Tobias: Hunderte, tausende. Mein Leben ist eine Cannabis-Anekdote. Wenn sie mich echt verknacken, schreibe ich ein Buch! Welche Theorie in letzter Zeit immer ein Lacher ist, aber auch zum Nachdenken anregt:

Mir haben in den letzten Jahren viele Menschen offenbart, dass sie ihren Konsum vor Ihrem Partner verheimlichen. Dazu habe ich das auch in meinem Umfeld schon so oft mitbekommen, dass ich absolut überzeugt bin, dass es Partnerschaften gibt, in denen beide Cannabis konsumieren, sich die Partner aber gegenseitig anlügen, sich verstecken und den Schein wahren.

Irgendwie lustig, aber eigentlich traurig und unnötig. Dasselbe bei Eltern-Kind-Beziehungen. Ich kenne kiffende Unternehmer, die kiffende Angestellte feuern mussten, um gesellschaftlich das Richtige zu tun. Ihr seid keine schlechten Menschen. Steht dazu!

Tobias, wir bedanken uns recht herzlich, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast, und drücken dir alle Finger, Daumen und Zehen, dass bei deinem Prozess alles gut geht und am Ende die Vernunft siegt!