Michael (Micky) Becker

Wo er helfen kann, da mischt er mit!

Ob im Rahmen der DHV Ortsgruppe Augsburg, online, oder auf den Demos, Micky setzt sich ein. Der Miteigentümer des Hanfladens „Sea of Green“ in Heidenheim (https://www.sea-of-green.de) weiß die Vorteile von Cannabis zu schätzen und kämpft dafür, dass dies auch bald alle anderen können.

Wir danken dir, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast!

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Micky: Leider schon recht früh, dank fehlendem Jugendschutz. Ich war ca 13 Jahre alt, als ich das erste mal Haschisch konsumierte. Allerdings merkte ich davon nichts und so rauchte ich ab und an mal mit, kaufte mir aber selbst erst mit ca 16 Jahren was und begann dann auch regelmäßig zu konsumieren.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Micky: Irgendwann wurde es dann täglich, da sagte ich mir irgendwann auch, ich müsse eine Pause machen. Ich hatte gerade mal ein halbes Jahr Konsumpause, da wurde mir Ischiallumbalgie aufgrund einer Bandscheibenvorwölbung und fehlenden Knochenfragmenten am LW3 diagnostiziert. Erstmal nahm ich, unwissend vom Schmerzeffekt von Cannabis, nur herkömmliche Schmerzmittel ein. Aber dann, so ca ein Jahr nach Konsumpause habe ich auf einer Party einen Joint gereicht bekommen und sehr schnell gemerkt dass mir Cannabis gegen die Schmerzen hilft. Seither bin ich Cannabispatient und konsumiere, bei optimaler Verfügbarkeit, mehrere Gramm am Tag.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Micky: Ja, ich wurde bereits beim Bestellen von Seeds, beim Kauf von einem Dealer (aufgrund seiner Aussage vor dem Strafverfolgungsbehörden), beim Bestellen von Cannabis, sowie 2016 beim Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken erwischt.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Micky: Das gesamte Thema: die Ungerechtigkeit; die Uninformiertheit vieler Politiker, Ärzte und Behörden; und zu guter letzt meine eigenen Erfahrungen.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Micky: Ich besuche viele Veranstaltungen, veranstaltete auch selbst diverse Demos, Partys und Patiententreffen. Alles wo ich, trotz täglicher Schmerzen, helfen kann wird angepackt. ^^

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Micky: Ja – siehe oben 😉

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert? Oder hat es das, auch ohne dass du Patient bist?

Micky: Ich bin deutlich mobiler und der Schmerz lässt sich viel besser aushalten – Ganz weg bekomme ich ihn leider nicht.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen

Micky: Ich finde es nur folgerichtig, dass bei unserer gescheiterten Prohibition auch andere Substanzen neu bewertet und freigegeben werden. Klar sollte man sehr gefährliche Drogen unter Verschluss halten, sie allerdings völlig zu verbieten macht aus unterschiedlichen Gründen keinen Sinn. Zuerst schützt man die Konsumenten durch Strafverfolgung nicht, man trägt noch zu ihrem Leid bei. Zweitens kann man mit Konsumenten so nie auf Augenhöhe reden – Sei es in der Psychotherapie oder in der Justiz. Und nicht zuletzt sind die gesundheitlich besonders bedenklichen Substanzen gerade deshalb „beliebt“, weil die, meist harmloseren, Alternativen fehlen.

Hanfverband Hamburg: Was erwartest du von der neuen Regierung bezüglich der im Koalitionsvertrag stehenden Legalisierung?

Micky: Ich erwarte mir eine Legalisierung, bei der alles richtig gemacht wird – Konsumentenschutz, Jugendschutz und Substanzkontrolle.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Micky: Eigentlich nicht. Ab und an fragte ich mich, ob es Sinn macht weiterhin für eine Sache zu kämpfen die zwar Viele angeht, aber für die sich scheinbar nur wenige bequemen auf die Straße zu gehen. Allerdings denke ich dass das menschlich ist: Sobald wir versorgt sind und es uns gut geht, denken wir nicht an Zeiten in denen es nicht so ist. Wir machen mit anderen Problemen im Leben weiter. Ich habe z.B. oft beobachtet, dass viele Konsumenten dann aktiv geworden sind, wenn die Polizei zu Besuch war oder sie in eine Kontrolle kamen und nun Ärger an der Backe hatten.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Micky: Bestimmt. Bei Freundschaften habe ich das nur nicht so gemerkt, da man da eher still „gecancelt“ wurde. „Ghosting“ wäre hier wohl auch ein treffender Begriff. Wo ich es aber sehr oft gemerkt habe, war die Familie oder deren Bekannte. Hier wurde ich oft sehr dumm angeredet und Stigmatisiert. (Gerade zu der Zeit, als ich Cannabis noch illegal bezog – Seit 2017 wandelt sich das Bild laaaaaaaaangsaaaaaaam) 😉

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Micky: Ich bin für einen sehr offenen Umgang mit dem Thema, da gerade Patienten diesen auch führen müssen – Sie haben ja oftmals keine Ausweichmöglichkeiten. Aber auch sonst sollte der Umgang mit dem Thema entspannt vor sich gehen. Konsum vor den Kindern sollte dort vermieden werden, wo es geht und Cannabis immer unzugänglich aufbewahrt werden. Das gebietet schon die Vorbildrolle. Trotzdem bin ich auch für gesellschaftliche Events, wie Cannabisfeste, Erntefeste usw. Hier sollten Kinder halt nicht in Zelte oder Räume dürfen in denen stark konsumiert wird – Einfach wie beim Nichtraucherschutzgesetz.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll? Warum?

Micky: Ich finde 18 Jahre völlig sinnvoll, da sich Jugendliche sonst das Cannabis bei älteren Freunden besorgen und dann vielleicht keinen richtigen Umgang damit lernen. Eine Begrenzung des THC-Gehaltes für 18 bis 21 Jährige halte ich auch für richtig, denn keiner der nicht eine unnötig hohe Toleranz aufgebaut hat braucht mehr als z.B. 12-14% THC mit vlt. 5-20% CBD. CBD nimmt ja nicht den erwünschten Effekt, sondern verringert lediglich die unangenehmen Nebeneffekte, wie „Druck“ im Kopf und „Verpeiltheit“.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Micky: 12 bis 14 Jahre, je nach Reife des Kindes und seinem Umfeld.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Micky: Eigentlich stelle ich mir die perfekte Legalisierung genauso vor, wie aktuell geplant. Ich erwarte mir nur, dass die Besitzobergrenze verschwindet und der Anbau per Raumgröße begrenzt wird. (Also z.B. 2 oder 3qm) Und eine sofortige Entkriminalisierung des Anbaus wäre auch eine hilfreiche Sache – Alleine um dem Schwarzmarkt zuvorzukommen. Ach ja, und Apotheken gehören raus aus den Forderungen. Die haben nicht nur absolut keine Ahnung von der Substanz, sondern sind auch keine adäquaten Drogenabgabestellen für den Freizeitkonsum. Sollen sie doch ihre eigenen Drogen verkaufen und das bislang so verteufelte Marihuana den Profis überlassen. (Dealer, Züchter, Puscher – All diese, als illegal geltenden, Berufsgruppen haben die Subkultur bislang erfolgreich erhalten und werden das sicherlich auch weiterhin gern tun)

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Micky: Cheese / Blue Cheese / Black Cheese – Ich liebe einfach diesen „käsigen“ Geschmack. <3

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Dies ist auch jetzt nach der beschlossenen Legalisierung noch so.

Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Micky: Es gibt so viele Wege, anonym für eine bessere Drogenpolitik einzustehen. Auch eine Teilnahme am Hanfmarsch hat noch niemanden den Job gekostet. Auch gibt es überall Ortsgruppen und CSCs oder ähnliche Hanfvereine. Diese zu unterstützen ist auch ohne sein Gesicht öffentlich zu zeigen möglich. Ich halte das Phänomen eher für die bereits erwähnte Bequemlichkeit.

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Micky: Erhalte Dir Deine Toleranz – Es ist wunderbar jedes Mal wieder so „high“ zu sein wie beim ersten Mal. Das ist möglich, allerdings muss man seinen Konsum dann einschränken. Täglicher Konsum ist für rekreationelle Nutzer keine gute Idee – Aus mehreren Aspekten heraus. Einmal nimmt man sich die Möglichkeit für ein tolles „High“ und andererseits nehmen damit auch die unerwünschten Nebenwirkungen zu und man hat zuehmend Motivations-, Konzentrations- oder Erinnerungsprobleme. Jugendlichen würde ich auch aufgrund der Hirnentwicklung einfach raten, sich möglichst ein großes Potential zu erhalten und möglichst gar nicht zu konsumieren. Da dies aber eher Utopie ist, würde ich mit meinem ersten Punkt argumentieren und die jungen Leute auf Augenhöhe damit abholen.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Micky: Da fällt mir so vieles ein, aber vielleicht eine Anekdote in Kurzfassung: Ich wurde mal auf einem Rastplatz vom Zoll beim Medizinieren gesehen und im Anschluss von der Polizei kontrolliert. Erst war Rezept gefälscht, dann sollte ich einen Cannabispass dabeihaben (Das müsse man!!1!!elf!!) und zu guter Letzt war meine Einnahmemethode (Joint, der schon ne viertel Stunde brannte und genüsslich von mir geraucht wurde) falsch. Auf dem Rezept stand ja: „Verdampfen“. Somit konfiszierten die Beamten meinen Joint – Ja, genau den, den ich seit ner viertel Stunde bis zu einer „roach“ von insgesamt 3 cm Länge runtergeraucht hatte… Ein Jahr später hätte ich den Joint wieder abholen dürfen. So lange hatten sie den scheinbar in Gewahrsam. Wenn ich nicht innerlich schon heulen würde vor lauter „spaßiger“ Begegnungen mit der Polizei, dann hätte ich dort sicherlich laut losgelacht 😉

Eddy Sangmeister

Eddy ist vielen wahrscheinlich als „Eddy Zweipunktnull“ bekannt.

Und wer sich online mit dem Thema Cannabislegalisierung beschäftigt, der ist dem Braunschweiger sicherlich schon begegnet. Doch nicht nur im Weedmob auf Twitter, oder den anderen Online Plattformen ist Eddy zu finden. Es treibt ihn auch regelmäßig auf die Demos, denn er zeigt gerne Gesicht für die Sache. Cannabis hilft ihm sein Leben zu meistern und er hilft, Cannabis wieder gesellschaftsfähig zu machen. Eine Win – Win Situation, könnte man sagen.

Danke Eddy, dass du dir die Zeit für unser kurzes Interview genommen hast.

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Eddy: Damals hing Ich mit einigen älteren Jungs ab die auch wieder wen älteres kannten. Und so kam es eines Tages im Keller von ´nem Freund dazu, dass ich meine erste Haschischmischung durch einen Bong rauchte.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Eddy: Ja, mein Konsum und der Umgang mit Cannabis hat sich sehr verändert. Früher habe ich es eher als eine Partydroge angesehen die man eigentlich überall zur Verfügung hatte. Bis Ich dann mit 15 zum ersten mal Gras konsumierte. Es hat sich schnell raus gestellt das Haschisch mich sehr träge und müde machte was bei Blüten nicht der Fall war und ich somit schnell merkte das es eine super Alternative zu meiner damaligen Ritalinbehandlung ist. Leider waren die Ärzte damals nicht im entferntesten soweit für mich eine Cannabisbehandlung in Betracht zu ziehen und daher blieb mir nur die Selbstmedikation.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Eddy: Oh ja und das nicht nur einmal, und seitdem ich aktiv für die Legalisierung kämpfe ist es sogar noch viel mehr geworden. Soviel zur Strafverfolgung. Mehr möchte Ich dazu nicht sagen da noch ein offenes Verfahren läuft.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Eddy: Durch mein verstorbenen Kumpel der Leukämie hatte. Damals fragte mich sein Arzt ob Ich Ihn nicht jede Woche 25g Cannabis besorgen könnte da Ihm als Arzt die Hände gebunden sind.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Eddy: Ich kläre viele Leute in meinem Umkreis gut über die Legalisierung auf, gehe regelmäßig Flyer verteilen um mit den Menschen in Kontakt zu kommen und um ihnen Cannabis näher zu bringen. Natürlich bin Ich auch im „Weedmob“ aktiv und bin regelmäßig auf Demonstrationen.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Eddy: Ja seit gut 3 Jahren

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert?

Eddy: Der schöne Nebeneffekt als Patient ist (und Ich finde, dass er sogar sehr wichtig ist), dass man diese ewige Strafverfolgung nicht mehr im Nacken hat und sich dadurch die Psyche sehr verbessert. Des weiteren hilft mir Cannabis sehr gut im Alltag mein ADHS zu kontrollieren und macht mich erst richtig lebensfähig.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Eddy: Heutzutage ist der illegale Markt leider so riesig das jeder an jede Substanz kommen kann die er gerne konsumieren möchte. Mit einer kompletten Legalisierung hätte der illegale Markt das nachsehen und man könnte eine reine und bessere Abgabe dieser Substanzen gewährleisten. Zusätzlich wären Drogenberatung und Aufklärung viel besser gegeben. Jeder sollte frei entscheiden welchen Rausch er hat solang er Verantwortungsvoll damit umgeht.

Hanfverband Hamburg: Was erwartest du von der neuen Regierung bezüglich der im Koalitionsvertrag stehenden Legalisierung?

Eddy: Entkriminalisierung sofort / Legalisierung 2023

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Eddy: Natürlich gab es diese Momente wo Ich mir dachte jetzt reicht es mir.

Aber ich fange mich dann immer wieder und weiß wie gut Cannabis als Medizin ist und dass es natürlich noch in vielen vielen anderen Bereichen seine Daseinsberechtigung hat. Es würde auch einen Teil zum Umweltschutz beitragen. Naja das könnte Ich jetzt endlos ausdehnen. Die Tatsache, dass Hanf/Cannabis so vielseitig ist und es dem Menschen sehr von nutzen sein kann lässt mich weiter machen.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Eddy: Ja hatte es leider

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Eddy: Meine Kinder sind seitdem Sie denken können mit dem Thema Cannabis aufgewachsen. Sie wissen von seiner Heilwirkung und Vielfalt. Aber auch, dass es eine Droge sein kann. Wenn man früh genug vernünftig mit diesem Thema umgeht sind Kinder recht gut aufgeklärt und erkennen, dass es Medizin ist, man es aber auch missbrauchen kann. Was mit jeder Art von Medikament oder Droge möglich ist. Eine gute Aufklärung ist das A uns O beim Jugendschutz.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Eddy: Dazu gibt es finde Ich kein Alter. Man erklärt seinem Kind ja auch recht früh wofür es z.B. seinen Ipuprofensaft bekommt. Ein Kind sollte ruhig wissen was Papa und Mama da tun und wieso Sie das tun. Verständnis kommt da von ganz allein. Wichtig ist offen und ehrlich mit seinen Kindern über alle Fragen zu sprechen.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll? Warum?

Eddy: Ich bin da ganz ehrlich. Für Menschen die keine Krankheiten haben und es nicht medizinisch nutzen sollte die Grenze bei 21 liegen, da viele Jugendliche mit 18 einfach noch zu unreif und nicht völlig entwickelt sind.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Eddy: Wie ich es mir vorstelle, das sagt das Wort „Legalisierung“ glaube ich vollständig aus.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Eddy: Sativa macht mich einfach entspannt und lässt mich gut durch den Tag kommen zur zeit ist mein Liebling Ghosttrain Haze ( Pedanios 22/1 ).

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Dies ist auch jetzt nach der beschlossenen Legalisierung noch so. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Eddy: Mut zur Sache kann Ich da nur sagen. Wenn die Person eine Änderung möchte, dann muss Sie sich trauen aufzustehen. Es ist zwar ein langer Weg, aber das Ende wird sich für alle lohnen. Wie aber angesprochen ist die Stigmatisierung ein sehr großes Problem, welches nur durch unsere Regierung ein Ende finden kann.

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Eddy: Jugendlichen würde Ich grundsätzlich vom Cannabiskonsum abraten. Dabei beziehe Ich mich auf viele medizinische Studien. Was Erwachse angeht, solange sie kein Blutdruckproblem, oder andere medizinische Hürden haben, dürfen Sie es gern mit Vorsicht probieren. Gerade auch um zu schauen, schauen ob es eine Alternative zu anderen Medikamenten ist. Wie immer ist eine gute Aufklärung wichtig.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Eddy: Smoke Weed everyday!

Cannabis zur besten Sendezeit, Experten in die Öffentlichkeit!

Die Cannabis – Konsumenten, Aktivisten, Legalizer und Patienten wissen es:

Das Verbot von Cannabis ist falsch, kontraproduktiv und schädlich.

Dies hat unsere Regierung glücklicherweise auch begriffen. Leider sehen wir noch immer die üblichen Prohibitionisten, wie Rainer Wendt, oder Prof. Thomasius in den TV Shows

Wir wollen dabei helfen, dass die große Masse die wirklichen Experten zu hören und zu sehen bekommt. Und eine gute Gelegenheit sind die großen TV Shows.

Doch die müssen die entsprechenden Leute erst mal einladen und dies tun sie logischerweise dann, wenn sie das Gefühl haben, dass das Thema die Menschen vor den Fernseher lockt.

Leute vom DHV, LEAP, dem Schildower Kreis usw. brauchen die ganz große Bühne.

Helft uns dafür zu sorgen, dass sie diese Bühne bekommen.

Schreibt den Redaktionen der verschiedenen TV Shows, wen ihr bei ihnen sehen wollt und warum.

Erzählt ihnen, wie wichtig das Thema Cannabis in der heutigen Zeit ist und warum.

Denn nur wenn es viele Menschen interessiert, wird auch darüber berichtet. Und dann sitzen auch die richtigen Leute bei Markus Lanz, 3 nach 9, Stern TV oder der NDR Talkshow.

Wir haben für euch die Kontaktmöglichkeiten der genannten Sendungen herausgesucht:

Markus Lanz:

markuslanz@zdf.de

NDR Talkshow:

https://www.ndr.de/…/ndr_talk_show/kontakt/index.html

Stern TV:

https://www.sterntv.de/kontakt

3 nach 9:

https://dein.radiobremen.de/…/drei-nach-neun-vorschlag…

Hart aber fair:

https://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/kontakt/index.html

Natürlich gibt es noch andere Sendungen, welchen man Vorschläge senden kann. Also los!

Wir wissen, dass es dem einen, oder anderen schwer fällt, sich aufzuraffen und etwas zu unternehmen, auch wenn es nur ein paar Zeilen in einem Kontaktformular sind.

Deshalb findet ihr hier auf unserer Seite

einen Textvorschlag von uns, welchen ihr für euch anpassen und verwenden könnt.

Noch besser ist natürlich ein eigener Text.

Schreibt den Redaktionen, warum ihr das Thema Cannabis so wichtig findet und schlagt ihnen die echten Experten vor. Natürlich immer nett und freundlich und ohne Spamming des Postfachs.

Wir wollen Cannabis zur besten Sendezeit!

Experten in die Öffentlichkeit!

Macht mit!

Maria Krause

Heute haben wir für euch zur Abwechslung mal wieder eine hauptberufliche Legalizerin. Dies bedeutet aber nicht, dass der Kampf für die Legalisierung für sie nur ein Job ist, im Gegenteil.

Maria hat ihre Leidenschaft für eine sinnvolle Drogenpolitik zum Beruf gemacht und ist beim Deutschen Hanfverband als politische Referentin unter anderem für Lobbyarbeit, Networking, Erstellung von Inhalten sowie Sichtung und Bewertung externer Dokumente und Positionen zuständig.

Nach Abschluss ihres Masterstudiums für Gymnasiallehramt unterrichtete sie als selbstständige Dozentin und arbeitete für die Historische Kommission der SPD Brandenburg.

Doch nicht nur beim DHV kämpft die 34 jährige Berlinerin für ein Ende der Prohibition, auch als stellvertretende Bundesvorsitzende der „Partei der Humanisten“ steckt sie viel Energie in das Thema Drogenpolitik und wie diese sinnvoll gestaltet werden kann.

Maria, es ist gut dich in unseren Reihen zu wissen und wir freuen uns, dass du dir die Zeit für dieses kurze Interview genommen hast!

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten Mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Maria: Meine ersten Berührungspunkte hatte ich zunächst über meinen älteren Bruder, der mir irgendwann mal den Unterschied zwischen Gras und Hasch gezeigt hat. Außerdem über den eigenen Freundeskreis. Eine erste direkte Berührung damit hatte ich zum ersten Mal mit Schulkameraden, als ich in der 8. Klasse war.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Maria: Natürlich habe ich mit der Zeit einiges an Wissen dazugewonnen im Hinblick auf Sorten, Produktarten, Konsumformen, Zusammensetzung und Wirkweise. Man lernt das eigene Konsumverhalten zu reflektieren und was einem wie und wann gut tut und was nicht. Ich nenne das Konsumkompetenz.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Maria: Als weiße Frau bin ich da sicherlich privilegiert und musste noch nicht so viel durchmachen. Nur einmal hatten wir in unserer WG Besuch von der Polizei. Empfindliche Nachbarn hatten sie an einem Samstagabend kurz nach elf angerufen und sich wegen Lärm beschwert. Wir hatten fünf Leute zu Besuch und zusammen gezockt, dabei ging auch ein Joint in der Runde um. Als die Polizisten dann bei uns vor der Tür standen, nahmen sie zwar keinen Lärm wahr, aber eben den Geruch. Sie schickten unseren Besuch weg und wollten wissen, von wem der Cannabisgeruch kommt. Das war eine sehr unangenehme und stressige Situation. Ich bin vor Angst erstarrt und habe einfach nur im Flur gestanden und dabei eine meiner Katzen auf dem Arm gestreichelt. Ein Mitbewohner hat sich dann den Hut aufgesetzt und die haben seine letzten Krümel mitgenommen. Das Verfahren wurde wegen des halben Gramms dann auch eingestellt. Das Ganze bleibt einem trotzdem im Gedächtnis hängen und erhöht die Angst vor der Polizei. Freunde von mir haben schon deutlich schlimmere Repressalien durchmachen müssen.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Maria: Psychoaktive Substanzen in ihrer vielfältigen Form und deren Art und Weise, wie sie uns und unsere Sinne beeinflussen, haben mich bereits in jungen Jahren fasziniert. Also habe ich mich darüber belesen.

Bereits zur Schulzeit fand ich die Einteilung von Substanzen in legal und illegal nicht nachvollziehbar. Im Laufe meines Lebens gab es immer wieder Repressionen gegen (ausschließlich männliche) Freunde von mir. Familienväter mit pädagogischen Jobs, die unwürdige Kontrollen über sich ergehen lassen mussten, Menschen, die ihren Beruf nicht mehr ausführen durften oder denen der Führerschein entzogen wurde, weil sie sich die teure angeordnete MPU nicht leisten können, obwohl sie zu keinem Zeitpunkt irgendjemanden gefährdet oder geschadet hätten. Diesen Menschen wurde komplett grundlos seitens der Staatsgewalt Unrecht angetan. Ich konnte zunehmend verstehen, woher bei einigen die Wut auf die Politik und die Angst vor der Polizei herkommt. Diese Ungerechtigkeiten haben mich sehr aufgeregt und mich zunehmend politisiert. Ich beschloss also, aktiv zu werden. Die Stellenausschreibung des Deutschen Hanfverbandes kam dann genau zum richtigen Zeitpunkt.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Maria: In erster Linie engagiere ich mich für die Cannabislegalisierung, indem ich seit Mai 2021 hauptberuflich als politische Referentin beim Deutschen Hanfverband arbeite. Hier bin ich zuständig für die Wahlanalysen, die Sichtung und Auswertung von Dokumenten sowie die klassische Lobbyarbeit durch Gespräche mit politisch Verantwortlichen. Die Arbeit gab mir die Möglichkeit mich auch in der Szene mehr zu vernetzen. Ich bin gerne mit vollem Einsatz dabei, wenn es darum geht, im Team politische Positionen faktenbasiert auszuarbeiten, Veranstaltungen auf die Beine zu stellen oder Redebeiträge abzuliefern. Privat engagiere ich mich politisch bei der Partei der Humanisten. Hier steht humanistische und wissenschaftsorientierte Politik im Mittelpunkt. Drogenpolitische Themen sind dabei für mich eine Herzensangelegenheit, für die ich mich immer wieder einbringe. Auch sonst bin ich bemüht, mein persönliches Umfeld aufzuklären und für das derzeit bestehende Unrecht mit all seinen dramatischen Folgen mehr zu sensibilisieren.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis Patient?

Maria: Nein.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Maria: Unabhängig von der Substanz, sollte meiner Meinung nach grundsätzlich niemand aufgrund seines Konsums kriminalisiert werden. Verbote verhindern keinen Substanzgebrauch. Die beste Prävention ist faktenbasierte Aufklärung.

Hanfverband Hamburg: Was erwartest du von der neuen Regierung bezüglich der im Koalitionsvertrag stehenden Legalisierung?

Maria: Wichtig sind mir ganz besonders der private Eigenanbau und die Cannabis Social Clubs. Im Prinzip bilden die Eckpunkte des DHV meine Position zur Umsetzung der Cannabislegalisierung relativ gut ab. In einigen Punkten bin ich vermutlich sogar noch ein Stück weit liberaler. Ich erwarte von der Regierung in erster Linie, dass wir langfristig eine gemeinsame europäische Lösung für die Legalisierung finden werden.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast?

Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Maria: Ich bin davon überzeugt, dass die Legalisierung der einzige rationale und humane Weg einer Drogenpolitik ist. Daran gibt es keine Zweifel. Die Fakten sprechen hier eine klare Sprache. Das ist für mich Motivation genug.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch aufgrund des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Maria: Meine Mutter war sehr skeptisch und fehlinformiert und stichelte im Hinblick auf meine Arbeit beim Deutschen Hanfverband. Es brauchte einige lange Gespräche, um sie über die politischen Vorgänge und über die Hanfpflanze und ihre Wirkung aufzuklären. Einige Bekannte fragten mich sogar, ob ich bei meinem Job in Gras bezahlt werden würde und viele konnten sich scheinbar nicht vorstellen, dass es sich um einen ganz normalen Job als politische Referentin handelt. Die Desinformation durch die Prohibitionspropaganda sitzt tief in unserer Gesellschaft. Immer wieder muss man mit Vorurteilen aufräumen und aufklären. Das kann manchmal schon viel Kraft kosten. Aber richtige Freunde, mit Herz und Verstand, zeigen sich offen und sind gerne lernbereit.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll? Warum?

Maria: Ab 18 Jahren gilt man in Deutschland als volljährig und sollte dementsprechend frei über das bevorzugte Genussmittel entscheiden können. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass ähnlich wie bei Alkohol und wie auch von der Deutschen Aidshilfe vorgeschlagen wird, der begleitete Konsum ab 16 Jahren eine Möglichkeit wäre, damit Erziehungsberechtigte die Option haben, das Ausprobieren ihrer Teenager beratend zu begleiten. In diesem Alter machen die meisten entsprechend der Entwicklungsaufgaben im Jugendalter ihre ersten Erfahrungen mit Substanzkonsum. In jedem Fall sollte auch bei Jugendlichen gelten, dass sie für den Konsum nicht strafrechtlich verfolgt werden. Wer problematische Konsummuster aufweist, soll Hilfe bekommen.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Maria: Ich wünsche mir Fachgeschäfte mit einer breiten Produktvielfalt, Konsummöglichkeiten vor Ort, Outdoor und Eigenanbau, Cannabis Social Clubs, Amnestie, faire führerscheinrechtliche Regelungen und bestenfalls irgendwann einen weltweiten legalen Markt. 

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Wenn ja, warum?

Maria: Da mag ich mich eigentlich nicht festlegen. Die Varianz ist so groß, dass es bei vielen für verschiedene Anlässe oder individuelle Zwecke eine bevorzugte Sorte gibt. Zum Beispiel Amnesia Haze für gute Laune, White Widow gegen Krämpfe, Blackberry bei Migräne oder Jamaica Dream, um den Appetit beim Brunch anzuregen. Aber selbst bei gleichen Genetiken können die Schwankungen bei der Ernte so groß sein, dass sich das pauschal schwer festmachen lässt.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Dies ist auch jetzt nach der beschlossenen Legalisierung noch so. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Maria: Ich habe dafür absolutes Verständnis. Mir ist vollkommen bewusst, dass die Strafverfolgung derzeit nicht nur einzelne Lebensläufe, sondern ganze Familien dauerhaft zerstört. Ich halte es aber für wichtig, zumindest sein eigenes Umfeld über die Probleme und Schäden durch die Prohibition aufzuklären und beispielsweise auf Aufklärungsseiten und Kampagnen wie www.cannabisfakten.de zu verweisen. Wer nicht selbst aktiv werden kann, kann zum Beispiel auch spenden. Die politische Arbeit ist anstrengend und frustrierend, aber kann auch viel Spaß machen. Was vielleicht hilft, ist sich zu sagen: Wir sind nicht allein! Und je mehr sich trauen und für die Legalisierung einsetzen, desto eher werden wir einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Drogenkonsumenten erreichen können.

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Maria: Ich würde empfehlen, sich vorab gründlich zu informieren und über Safe Use und Harm Reduction zu lesen und allgemein solche Punkte zu beachten wie: nicht alleine konsumieren, Mischkonsum vermeiden, lieber dampfen statt rauchen, vor dem Konsum ausreichend essen und trinken, aufhören sobald es sich unangenehm anfühlt usw.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige oder spannende Cannabis – Anekdote?

Maria: Als ich das erste Mal Cannabis konsumiert habe, haben wir eine Bottle-Bong verwendet mit einer großen 1,5 l Flasche und die war voll mit dickem, gelbem Rauch. Es war viel zu viel für das erste Mal und der Hit hat mich komplett umgehauen. Mir wurde schwarz vor Augen und ich bin sitzend direkt nach hinten auf die Wiese gekippt. Als ich meine Augen wieder öffnete, standen meine beiden Klassenkameraden über mir und redeten aufgeregt auf mich ein. Sie versuchten mir Saft und Brot zum Essen zu geben für den Kreislauf, aber mein Mund war so trocken, dass ich das Brot wieder ausspuckte und dieser zerkaute Klumpen sah in dem Moment für mich so unfassbar witzig aus, dass ich mich darüber kaputt gelacht habe und wir schließlich alle im Kreis auf der Wiese lagen und lachten. Danach sind wir noch in der Stadt rumgelaufen und haben bei jedem Polizeiauto, das wir nur aus der Ferne sahen, ganz schnell und konzentriert nach unten auf den Boden geguckt, damit auch ja keiner die vergrößerten Pupillen sehen kann. An die Panik kann ich mich noch gut erinnern. Ich hoffe bald fallen solche Angstgeschichten unter die Kategorie “Geschichten aus dem Krieg”, also dem Krieg gegen Drogenkonsumenten, der dann endlich der Geschichte angehört.

Vielen Dank Maria und weiterhin viel Energie im Kampf für die Legalisierung!

Martin Montana

Wer Martin noch nicht kennt, der ist ganz sicher nicht oft auf Demos und Messen, oder auch online im Bereich Cannabis unterwegs. Sein Markenzeichen, der Hanf – Anzug, ist immer ein Blickfang.

Der 38 jährige Wahlberliner mit Wurzeln in Leipzig hat auf seiner beruflichen Laufbahn schon viel erlebt und gesehen, doch letztendliches trieb es ihn zum Hanf.

Wir freuen uns sehr, euch Martin heute etwas genauer vorstellen zu dürfen.

Am besten stellt er sich kurz selber vor.

Martin: Ich bin Martin , 38 Jahre alt und komme ursprünglich aus Leipzig. Aufgewachsen bin ich bei meiner Mutter und den Großeltern, wo ich eine sehr schöne Kindheit hatte. Schon als 6 jähriger Knirps wollte ich zur Armee.

Mich hat die Idee begeistert andere zu schützen und für deren Sicherheit einzutreten. Das habe ich dann auch umgesetzt und bin mit 16/ 17 zur Bundeswehr gegangen. Dort diente ich als Soldat auf Zeit im Heer und wurde als Panzergrenadier und Milan Schütze ausgebildet.

Nach meiner Bundeswehrzeit habe ich mich als Söldner verpflichtet und dies dann 6 Monate durchgeführt (2001 bis 2004). Bei verschiedenen Auslandseinsätzen habe ich Einsatzerfahrungen gesammelt und Dinge erlebt, die für ein ganzes Leben prägen und bleibend waren. Natürlich waren das Eindrücke und Erlebnisse die meinen Charakter und meine ganze Einstellung zum Leben beeinflusst haben und mir zeigten, dass es auch in schwierigen Situationen immer weiter geht. Mein Leitspruch ist seit dem „Klagt nicht, Kämpft“, denn das Wichtigste ist es am Leben zu sein und sein Leben so zu nutzen, wie man es selbst gern möchte. Trotz der Posttraumatischen Belastungsstörung, welche mich seither begleitet bin ich morgens froh, wenn ich aufwache und am Leben bin.

Nach dem Austritt aus den Militärdienst habe ich mich dann selbständig gemacht und habe eine große Baufirma gegründet und geführt. In der Zeit von 2004 bis 2009 übernahm ich große Aufträge beispielsweise in Frankfurt/ Main und München. Das Airrail Center Projekt gehört unter anderem dazu.

Von 2011 bis 2017 erarbeitete ich Konzepte für die Bekämpfung von Terrorismus und Betrug , ab 2017 startete ich mit dem Hanf und blieb bis heute dabei.

Das Steckenpferd ist unserer Hanf Döner in Berlin.

https://hallal-parra.de/

Hanfverband Hamburg: Wann bist du zum ersten Mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Martin: Mit 17 Jahren bei der Bundeswehr.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Martin: Im Laufe der Jahre hat sich mein Konsum natürlich verändert. Das wesentliche dabei war die Erkenntnis, dass diese Pflanze mehr zu bieten hat als einen Rausch.

So konsumiere ich derzeit hauptsächlich um die Folgen meiner PTSB zu behandeln.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Martin: Ja, Probleme mit dem Gesetz hatte ich in Bezug auf den Handel mit CBD Blüten, jedoch nicht wegen THC.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich bewegt, aktiv zu werden?

Martin: Wie ich bereits oben geschrieben habe, habe ich mich intensiv mit der Hanfpflanze, deren Nutzen und Anwendung in diversen Bereichen beschäftigt.

Dabei wurde mir bewusst wie vielfältig diese Pflanze genutzt werden kann und welche Fülle von Ressourcen durch das Verbot bzw. Stigmatisierung der gesamten Pflanze verloren geht.

Vor allem in den Bereichen Bau, Textil und im medizinischen Bereich werden Möglichkeiten verschenkt, welche Kosten-, Klima- und Umweltschonender sind als die bisher genutzen konventionellen Möglichkeiten.

Diese verschiedenen Einsatzmöglichkeiten möchte ich den Menschen nahe bringen und zeigen, dass Cannabis mehr kann …..

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Martin: Wie bereits gesagt, setze ich auf Aufklärung und Präsenz des Themas.

So haben wir einen Hanf-Döner auf den Markt gebracht, welcher durch die eingesetzten Hanfproteine und -öle im Brot und in den Soßen einen höheren Nährwert hat und damit auch länger sättigt. Unsere Kunden bestätigen das immer wieder.

Darüber hinaus bietet der Hanf Döner-Pizza-Pasta-Burger Laden auch eine Plattform für die Bevölkerung, wo niedrigschwellig Aufklärung und Information stattfinden kann.

Aber der wichtigste Punkt ist für mich, mich durch mein Outfit sichtbar zu machen. Ob auf Demonstrationen, Kundgebungen oder im Alltag möchte ich ein Ansprechpartner sein, der interessierten Menschen gern Auskunft gibt und somit die Hemmschwellen und Stigmatisierungen abzubauen hilft.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis-Patient?

Martin: Nein, ich bin kein „offizieller“ Cannabis-Patient.

Hanfverband Hamburg: Hat Cannabis deine gesundheitliche Situation trotzdem verbessert?

Martin: Obwohl ich kein registrierter Patient bin, nutze ich regelmäßig die Wirkstoffe der Hanfpflanze zur Behandlung der Symptome meiner Posttraumatischen Belastungsstörung.

Das macht es mir möglich auf pflanzlicher Basis, unabhängig von chemischen Errungenschaften der Pharmaindustrie, mein Leben wieder genießen zu können.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Martin: Drogen als solches begleitet die Menschheit seit jeher und in jeder Epoche wurden Drogen konsumiert, ob zu rituellen Zwecken oder als Rauschmittel. Die Droge allein ist nicht das Problem, sondern eher der Umgang damit. Das bedeutet im Einzelnen:

Aufklärung vor allem über die Wirkung und Risiken des Konsums, über Gebrauch und Missbrauch und die Suchtgefährdung.

Solange der Jugendschutz gewährleistet wird sollte jeglicher Gebrauch entkriminalisiert werden.

Alkohol, als die am meist konsumierte Droge, ist gesellschaftlich anerkannt, überall erhältlich, legal und in meinen Augen die schlimmste Droge. Hier wird auf Grund gesellschaftlicher Akzeptanz und einer enormen Lobby mit zweierlei Maß gemessen, völlig unabhängig davon wie sich der Gebrauch auf die Gesundheit der Konsumenten auswirkt.

Menschen, die in ihrer Freizeit Substanzen genießen, lassen ich nicht durch Strafen abhalten und schon gar nicht diejenigen, die durch persönliche Umstände, welcher Art auch immer, in eine Sucht gerutscht sind und jetzt auf Grund dieser Erkrankung kriminalisiert werden.

Martin im „Hallal Parra“, Berlin

Hanfverband Hamburg: Was erwartest du von der neuen Regierung bezüglich der im Koalitionsvertrag stehenden Legalisierung?

Martin: Ich erwarte, dass auf jeden Fall in Punkto Jugendschutz und Verkehrstauglichkeit eine zügige Bearbeitung erfolgt und umgesetzt wird. Im Einzelnen erwarte ich eine bundesweite einheitliche Umsetzung der Gesetzgebung, lizensierte Fachgeschäfte mit geschultem Fachpersonal, die Regulierung der Begrenzungswerte im Verkehr, flächendeckende Aufklärung und Prävention der Bevölkerung, vor allem aber von Eltern und Jugendlichen, weiterhin deutlich erleichterte Nutzungsbedingungen, auch in den anderen Bereichen, bspw. Bau und Medizin.

Hanfverband Hamburg: Gab oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Martin: Ich habe nie an meiner Überzeugung gezweifelt. Schon zu Beginn war mir bewusst wie viel Potential in dieser Pflanze steckt und je mehr ich mich darüber informiere und erfahre, und mit anderen im Austausch bin, desto sicherer bin ich der Überzeugung, mich für den Hanf stark zu machen. Mich motiviert es, die Menschen an meinen guten Erfahrungen Teil haben zu lassen. Ihnen das weiter zu geben was mir gut tut, z.B. die positiven Erfahrungen bei der Behandlung meiner PTBS zu teilen und auch anderen dadurch den Zugang zu ermöglichen.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/ Freundschaften?

Martin: Cannabis ist inzwischen zu einem Teil meiner Persönlichkeit geworden und lässt sich aus meinem Leben nicht mehr weg denken, daher ist es unumgänglich, dass mein Umfeld, ob im familiären oder freundschaftlichen Bereich damit in Kontakt kommt und sich damit auseinandersetzen muss. Wenn jemand diesen Teil von mir nicht akzeptieren kann, dann gehe ich gern mit demjenigen ins Gespräch und versuche meine Ansichten zu vermitteln. Gerade im familiären Bereich hätte es schwierig werden können. Doch entgegen der Erwartungen konnte ich meine Mutter und meinen Opa von den Vorzügen der Inhaltsstoffe überzeugen und sie als CBD Kunden gewinnen.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Martin: Mir ist es wichtig mit diesem Thema immer offen und auch ehrlich umzugehen und das würde ich auch bei meiner Tochter so handhaben.

Wie schon bei den anderen Fragen muss ich Prävention, Aufklärung hier ganz groß schreiben, eine offene, tolerante Haltung und Beratung durch Hanfexperten, Reflexionsgespräche über Sucht und problematische Auswirkungen auf die Gesundheit und Hirnentwicklung gerade in jungem Alter (bis 21) wären meine Ansätze.

Da ich selbst in relativ jungem Alter mit dem Cannabiskonsum begann und erlebt habe, wie KNIFFLIG der Zugang sein kann, würde ich den Konsum lieber selbst betreuen als mein Kind bei irgendwelchen Händlern zu wissen.

Die Legalisierung und vor allem Entkriminalisierung würde mir als Elternteil ein deutlich besseres Gefühl geben.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Martin: Sobald das Thema im Raum steht, egal in welchem Alter ob mit 12, 14 oder 17 Jahren. Wie gesagt, Aufklärung und Information sind grundsätzlich notwendig und auf keinen Fall sollte dabei stigmatisierend oder verurteilend gehandelt oder gesprochen werden.

Gerade in Berlin ist das Thema omnipräsent. Es begegnet einem fast überall und sollte nicht unter den Teppich gekehrt werden, auch nicht wenn die Kinder noch jünger sind.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll? Warum?

Martin: Um die Kinder und Jugendlichen am besten schützen zu können, ist es wichtig hier auch die körperliche und psychische Seite des Themas zu betrachten. Gerade im Teenagelalter ist die Hirnstruktur sehr anfällig für Stoffwechselstörungen, in welche jegliche Art von Drogen einwirken. Denn bei allen guten Eigenschaften, darf nicht vergessen werden, dass es sich hierbei um psychoaktive Wirkstoffe handelt und die Gefahr von Psychosen besteht.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Martin: Im ersten Schritt wäre die Entkriminalisierung durchzuführen, im zweiten Schritt die Regulierung bzw. Anpassung der Grenzwerte im Straßenverkehr. Der Jugendschutz muss geklärt sein und die Lizenzierung von Fachgeschäften zur Ausgabe von Cannabis. Weiterhin wünsche ich mir, das Homegrowing und generell Eigenanbau legalisiert wird.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/ Sorte? Warum?

Martin: Jede saubere, ohne synthetische Cannabinoide versetzte oder anders behandelte Sorte. Cannabis sollte in meinen Augen ein reines Naturprodukt bleiben und das kann nur durch die Legalisierung gewährleistet werden.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job usw. zu bekommen.

Dies ist auch jetzt nach der beschlossenen Legalisierung noch so. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Martin: The green lifestyle , is our vision!

Ich würde allen empfehlen trotz vorhandener Widrigkeiten aktiv zu werden. Je mehr Menschen aktiv werden und sich für ihre Interessen und ihre Lebensweise einsetzen, desto weniger Repressalien und Nachteile sind zu befürchten.

Nehmen wir das Beispiel Job und den unvorstellbaren Fall, dass alle Cannabiskonsumenten entlassen werden. Dann steht es wirklich schlecht um unsere Wirtschaft und dann ist eine Legalisierung die einzige Lösung. Prohibition ist noch nie eine Dauerlösung gewesen.

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemanden mit auf den Weg geben, (vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/ sie zum ersten Mal Cannabis konsumieren möchte?

Martin: Ich würde demjenigen raten, sich vorher genau zu informieren. Vor allem auch über die Risiken und Nachteile, welche offen und wahrheitsgemäß dargelegt werden sollten.

Und sich dann an vertrauenswürdige Personen zu wenden, im besten Fall einen „save space“ zu nutzen und Erfahrungen zu reflektieren.

Drogenkonsum sollte nicht der Weg sein, gegen die Eltern zu rebellieren sondern eine freie Entscheidung.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige oder spannende Cannabis-Ankedote?

Martin: Lustig ist es nicht mehr, da dieses Hek Mek um die Legalisierung meinen Gemütszustand sehr anspannt. Entweder sofort Entkriminalisieren oder Angriff mit mehr Demonstrationen.

Gebt das Hanf frei und kommt aus dem Arsch mit eurer Politik!!

Dieses Hin und Her reicht langsam und ich FORDERE ALLE HANFFREUNDE DAZU AUF, ENDLICH DEN DRUCK AUF DIE POLITIK STÄRKER AUSZUÜBEN. Es muss endlich Schluss damit sein, Menschen zu kriminalisieren, zu verfolgen, den Justizapparat mit diesen Delikten zu beschäftigen,

Jugendlichen mit Vorstrafen ihre Laufbahn zu verbauen.

Da geben wir dir völlig recht. Danke für deinen Einsatz und weiterhin alles Gute!

Manuel Wiegert

Wer auf den Demos die Augen offen hält, der hat Manuel sicher schon gesehen. Denn sein roter Hut ist nicht nur auffällig, sondern auch ein Stück weit Markenzeichen.

Der Sprecher der DHV Ortsgruppe Freiburg ist seit 2019 im DHV aktiv.

Wenn er nicht gerade auf Demos unterwegs ist, oder Aktionen plant, ist der gelernte Intensivpfleger aus dem Schwarzwald gerne in der Natur unterwegs und auf der Suche nach „Lost Places“.

Hoffentlich findet er auf seiner Suche auch bald die Legalisierung!

Wir freuen uns, dass er sich die Zeit für ein kurzes Interview genommen hat.

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Manuel: Mit 14 Jahren zum ersten Mal Cannabis, gleich nach Nikotin und Alkohol.

Es war auf einer Fasentveranstaltung (Karneval), als mir ein Freund anbot, an einer Hasch-Zigarette zu ziehen. Da durch den Besuch der Polizei in der Schule „zur Drogenprävention“ ein paar Wochen zuvor mein Interesse bereits bestand, sagte ich ja und zog daran. Mein erstes High kann ich nur mit schöner Erinnerung in Verbindung bringen.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Manuel: Ja, in verschiedenste Richtungen, die alle Erfahrungen sind, die ich in meinem Leben niemals missen möchte.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Manuel: Im August 2018 geriet ich in eine Polizeikontrolle, durch die ich im Februar 2019 meinen Führerschein verloren habe. Es war ein teurer Kampf, aber ich habe ihn im März 2021 wiederbekommen.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Manuel: Siehe Antwort der vorherigen Frage.

Cannabiskonsum wird in Deutschland um ein Vielfaches strenger geahndet als Alkoholkonsum. Dieser Ungerechtigkeit muss ein Ende gesetzt werden.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Manuel: Ich bin Sprecher der Ortsgruppe Freiburg des DHV. Ich organisiere und leite allerlei Aktionen wie z.B. Infostände, Mahnwachen und Treffen.

Im Mai habe ich es gemeinsam mit dem GMM-FR-Orgateam geschafft, dass zum GMM in Freiburg über tausend Besucher kamen.

Wann immer möglich, besuche ich Messen und Demos überall in Deutschland.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Manuel: Nein. Bisher habe ich keinen passenden Arzt gefunden, da ich – ich zitiere eine Arzthelferin – „NUR Depressionen“ habe. Schade, dass mir eine Bandbreite an Pillen wie mit einem Fingerschnipp zur Verfügung steht, sogar in kombinierten Variationen, aber das einzelne Medikament Cannabis nicht.

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert? Oder hat es das auch ohne, dass du Patient bist?

Manuel: Cannabis kann mir helfen, meine depressiven Episoden besser wahrzunehmen, zu reflektieren und mit ihnen umgehen zu können.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Manuel: In meinen Augen hat ein jeder das Recht auf Rausch, ganz gleich welcher Art.

Gleich, ob der Rausch von Substanzen aus Pflanzen oder Situationen mit Emotionen kommen mag. Menschen und Lebewesen haben sich schon immer auf unterschiedlichste Art und Weise berauscht, dafür soll doch bitte niemand bestraft werden. Oder sollen wir jetzt auch Delfine jagen und verklagen, weil sie Kugelfische kauen, um an eine Tetrodotoxin-Dröhnung zu kommen? Das ist glaube ich etwas makabrer als zu Hause ein paar Hanfpflanzen stehen zu haben.

Hanfverband Hamburg: Was erwartest du von der neuen Regierung bezüglich der im Koalitionsvertrag stehenden Legalisierung?

Manuel: Dass die Ampel es noch in dieser Legislaturperiode schafft die Legalisierung durchzuziehen (hehe… durchzuziehen), ohne THC-Obergrenzwert oder maximale Besitzmenge. Diese beiden Grenzpunkte sind wieder die Punkte, an dem der Schwarzmarkt anfangen kann zu übernehmen, und das macht er gerne, ohne Steuern und/oder Skrupel.

Ein Beispiel das ich mich gerade frage:

Wenn ich eine Geburtstagsfeier mit 100 Gästen plane und die Besitzmenge bei, sagen wir 40g liegt, wie organisiere ich das? Trinken ist easy, da bestelle ich genug auf Kommission und leihe mir noch einen Kühlwagen dazu. Wenn ca. 50%der Besucher Kiffen, rechne ich doch mindestens 1g pro Person, da wäre ich mit 50g ja schon über der Besitzmenge. Also muss ich einen Shuttle-Service für Nachschub in Anspruch nehmen, oder kann ich in diesem Fall die Besitzmenge auf die Köpfe verteilen was dann (50×40) 2000g wären? Andere Frage dazu… wer kontrolliert das? Oder kann ich da vorher einen Antrag stellen? Auf welchem Amt? Der Blaue oder der Lila Antrag für das Grüne Formular?…

Diese Grenzen sind nur Arbeits-Beschaffungs-Maßnahmen mit möglichen Negativfolgen, die kein wirkliches Ziel verfolgen oder gar je erreichen werden.

Ich wohne in Oberkirch, keine 20.000 Einwohner, aber knapp unter 1.000 Brennrechte, die größte, mir bekannte Brennerdichte weltweit. Ich kann Alkohol kaufen ohne Vorschrift, wie potent das Produkt sein darf oder wie viel in der Menge ich besitzen darf, es muss nur klar deklariert sein. Das muss doch auch endlich mal bei Gras funktionieren!?

Die größte Forderung:

!Macht ma hinne!

!Wir haben lange genug gewartet!

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Manuel: Ja, mehrfach. Die Momente waren für mich immer die, an denen ich bei Treffen allein da stand/saß, oder als ich einmal einen Infostand allein im Regen abgebaut und abtransportiert habe. Das schlimmste für mich ist, wenn Menschen nicht absagen, wenn sie zugesagt haben, und im besten Fall auch zusätzlich nicht erreichbar sind. Da kommt man schon mal ins Grübeln, warum man sich das ganze überhaupt antut. Vor allem da ich 85Km von Freiburg entfernt wohne und extra für jeden Termin die Strecke auf mich nehme.

Aber wenn ich es aus diesem Frust heraus sein lasse und nicht mehr aktiv bin, bringt das der gesamten Legalisierungsbewegung auch nichts. Noch ein weiterer inaktiver mehr…

Was mich in solch Momenten sehr motiviert weiterzumachen ist der Austausch mit anderen Aktivisten.

Zudem, wer den Kopf in den Sand steckt, bringt seinen Allerwertesten in eine gefährliche Position.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften?

Manuel: Ja. Da ich schon immer viel unterwegs war und mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun habe, habe ich schon verschiedenste Auswirkungen von fehlerhaftem Konsum/Umgang, wie auch juristischen Rattenschwanz mit Existenzfolgen sehen dürfen.

Ich selbst durfte auch schon erleben, wie sich Menschen von einem abwenden, nur weil man lieber Cannabis raucht, anstatt einen zu trinken.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Manuel: Ich selbst habe keine Kinder, würde es aber ansprechen, sobald sie mich darauf ansprechen. Ich denke, das wäre der richtige Zeitpunkt. Wichtig ist es hier auch in meinen Augen offen zu sein, nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, aber auch nichts zu verheimlichen.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll? Warum?

Manuel: Eine genaue Zahl kann ich nicht fest benennen, sie darf in meinen Augen aber nicht unter 18 und nicht über 21 Jahren sein.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Manuel:

Traummodus an

Da ich auf dem Land am Rande des Schwarzwaldes in einer Wein-/Schnaps-/Bierregion wohne, kann ich mir sehr gut vorstellen wie hier einige Südhänge weniger Weintrauben, sondern mehr Hanf tragen werden. Man fährt auf den Hof des Gutes und kann direkt vom Erzeuger sein Produkt beziehen, bei Belieben auch noch über das Feld spazieren. Zur Erntezeit im Spätjahr wird es hier nicht nur nach Weintraubengärung, sondern auch zusätzlich Süßlich hanfig riechen, die folgenden Erntedank-Feste werden sich neu kultivieren…

Traummodus wieder aus

Eine Legalisierung muss für mich beinhalten:

– Keine THC-Obergrenze

– Eigenanbau mit mindestens 8 Pflanzen

– Verstärkter Jugendschutz durch Prävention

– Anpassung der Führerschein-Grenzwerte auf >3ng/ml

– Aussetzung aller aktuellen Verfahren sowie Amnestie/Rehabilitierung aller vergangenen Urteile die sich auf Cannabis beziehen

– Klare Deklarierung der Inhaltsstoffe

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Manuel: Jack Herer.

Warum? Leider Geil!

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Dies ist auch jetzt nach der beschlossenen Legalisierung noch so. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Manuel: Ich bin jetzt seit 2019 Aktivist beim Deutschen Hanfverband. Für diese Zeit kann ich folgende Bilanz ziehen: Ich bin auf freiem Fuß, hatte keine Hausdurchsuchung, habe meinen Job, habe durch die Legalisierungsarbeit inzwischen Deutschlandweit sehr viele tolle Menschen kennenlernen dürfen, leider auch zu viele Prohibitions-Schicksale.

Die vielen nicht so schönen Schicksale bewegen mich dazu nicht sitzen zu bleiben. Wir sind viele, von nichts tun kann aber leider auch nur nichts erreicht werden.

Sich aktiv zu beteiligen, heißt natürlich auch den ein oder anderen Arbeitseinsatz zu übernehmen, mag auch nicht jeder so, aber hey… Wenn unser Ziel erreicht ist, bin ich mit Schuld daran das Weed Legal ist, bist du es auch oder hast du nur am Screen zugesehen?

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Manuel: Menschen unter 18 Jahren rate ich grundsätzlich ab, jedoch ist mir aber auch die Neugier in der Jugendzeit bewusst und dass viele (wie auch ich damals) nicht warten wollen.

Für ein erstes Mal ist das beste Setting mit einer Vertrauten Person, die bereits Erfahrungen hat und in einem gewohnten Umfeld in dem man sich Wohlfühlt oder noch besser, in der Natur. Fragen oder Vorstellungen, die man im Vorfeld hat, sollte man auch offen fragen und das allerwichtigste: Kein Zeugs vom Straßendealer am nächsten Bahnhof!

Hanfverband Hamburg: 19. Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Manuel: Lustig oder spannend nicht wirklich, aber:

Lass anhauen, so jung wie jetzt kommen wir nie wieder zusammen.

Vielen Dank, dass du bei dem Interview mitgemacht hast und weiterhin alles Gute bei deiner aktivistischen Arbeit!

Stefan K. – Polizeibeamter

Auch wenn uns dies zum Beispiel ein Rainer Wendt (Vorsitzender Deutsche Polizeigewerkschaft) immer wieder gerne glaubhaft machen will, ist heute erfreulicherweise bei weitem nicht mehr jeder Polizist gegen eine Legalisierung von Cannabis.

Wir haben ein kurzes Interview mit dem Polizeibeamten Stefan K. (Name geändert) geführt. Er ist im weitesten Sinne Drogensachbearbeiter und hat deshalb natürlich mehr als genug Gelegenheit, sich mit den vielen Facetten dieses Themas zu beschäftigen.

Hanfverband Hamburg: Danke, dass sie sich die Zeit nehmen und uns hier ein paar Fragen beantworten. Was halten Sie denn persönlich von einer Legalisierung oder Entkriminalisierung von Cannabis?

Stefan K.: Das finde ich gut und durchaus überfällig. Ich hoffe, dass mit der Legalisierung dann aber auch klare Grenzen gezogen werden was die Besitzmenge und die eigene Aufzucht angeht. Zusätzlich wünsche ich mir eine Einführung einer Bürgerpflicht zum Nachweis der Fahrtauglichkeit bei Alkohol, Drogen und Medikamenten. In vielen EU Ländern ist es Pflicht eine entsprechende Probe zum Beispiel bei einer Beteiligung an einem Verkehrsunfall abzugeben.

Hanfverband Hamburg: Und wie ist die Stimmung in Ihrem Kollegenkreis bezüglich der Legalisierung?

Stefan K.: Der Kollegenkreis ist ein Spiegel der Gesellschaft. Es gibt welche die skeptisch sind und einige, die das richtig feiern und sich auch auf ihren ersten legalen Joint freuen. Was uns aber glaube ich alle eint, ist die Angst vor der Zunahme von schweren Verkehrsunfällen bedingt durch den Drogenkonsum.

Hanfverband Hamburg: Haben sie persönlich Cannabis-Konsumenten oder -Patienten in ihrem Freundeskreis?

Stefan K.: Ja, habe ich.

Hanfverband Hamburg: Und wie gehen Sie damit um?

Stefan K.: Ich sehe das mittlerweile relativ entspannt. Trotzdem muss ich nicht dabei sein, wenn konsumiert wird. Zu einen aufgrund der Gesetzeslage und zum anderen mag ich den Geruch nicht.

Hanfverband Hamburg: Haben Sie das Gefühl, das Richtige zu tun, wenn Sie jemanden kontrollieren, der nur Cannabis konsumiert hat?

Stefan K.: Ja. Der Besitz von Marihuana ist zurzeit strafbar. Da Besitz und Konsum im engen Zusammenhang stehen fühle ich mich nicht schlecht. Ich unterliege als Polizist dem Legalitätsprinzip und muss Straftaten verfolgen. Ich persönlich schaue auch nicht gerne bei irgendwelchen Deliktsbereichen weg, da das für mich gegen den Grundsatz spricht alle gleich zu behandeln.

Hanfverband Hamburg: Aber denken Sie, die Verfolgung von Cannabis-Konsumenten macht uns zu einer besseren Gesellschaft?

Stefan K.: Nein. Ich sehe in der derzeitigen Gesetzeslage eher parallelen zu dem alten

§ 175 StGB (Verbot von Homosexualität). Das war auch ein großer Fehler in der Gesetzgebung, den es lange gedauert hat abzuschaffen. Dies gilt aber nicht für den Bereich der Abgabe, ob gewerblich oder nicht, an Jugendliche unter 18 Jahren. Hier sollte eine harte Grenze gezogen werden.

Hanfverband Hamburg: Wie sehr wird die Legalisierung von Cannabis ihren Arbeitsalltag verändern?

Stefan K.: Mein Arbeitsalltag würde sich in der Art verändern, dass ich ¼ des Tages nicht mehr für die Papiertonne arbeiten würde, denn jetzt werden über 80 % der BtM Verfahren, wo es um den Besitz von kleineren Mengen Marihuana geht, eingestellt. Diese Zeit könnte ich sinnvoller in andere Ermittlungen einbringen oder in der Präventionsarbeit. Das ist aber im Moment noch Kaffeesatzleserei, denn wie das Gesetz zur Legalisierung aussehen wird, weiß ich noch nicht. Es wird bestimmt auch diverse neue Ordnungswidrigkeiten und Straftatbestände geben, die auch abgearbeitet werden müssen.
Eines steht jedoch auf jeden Fall fest, der Frust, der sich bei der Bearbeitung o.g. Fälle immer ergeben hat, wird wegfallen.

Hanfverband Hamburg: Welche Rolle spielt Cannabis, verglichen mit anderen Substanzen, im „Kampf gegen Drogen“?

Stefan K.: Cannabis hat in der Bekämpfung der BtM-Kriminalität einen hohen Stellenwert gehabt und das wird bestimmt auch noch so bleiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass von heute auf morgen der Konsumbedarf einer ganzen Nation mit legal angebautem Marihuana gedeckt werden kann. Und wer weiß welche Sorten angebaut werden dürfen und welche nicht. Wenn das Zeug nicht gut oder stark genug ist, dann werden die Leute sich irgendwo entsprechendes Zeug besorgen.

Hanfverband Hamburg: Welche „Kämpfe gegen Cannabis“ wurden zu Recht gewonnen, bzw. welche Verbesserungen sind durch die Strafverfolgung ihrer Meinung nach eingetreten?

Stefan K.: Im Bereich des Straßenverkehrs ist jeder Überführte (egal ob Alkohol – oder Drogen) ein Erfolg. Berauschten Leute sollten nicht am Straßenverkehr teilnehmen. Im Bereich des Handels mit BtM in nicht geringer Menge sehe ich das genauso, da ich nie ein BtM-Händler hatte, der nur Cannabis verkauft hat, sondern auch andere illegale Substanzen.

Hanfverband Hamburg: Die Zahl der Konsumenten steigt trotz ebenso steigender Repression. Ist folglich die Prohibition in ihren Augen der falsche Ansatz?

Stefan K.: Dank der vielen Studien bin ich mittlerweile für eine Legalisierung.

Hanfverband Hamburg: Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse über die medizinische Wirkung von Cannabis sind ihnen bekannt?

Stefan K.: Einige… durch die Arbeit kenne ich auch welche die ein Rezept haben und Erfolg in der Therapie haben.

Hanfverband Hamburg: Welche Verantwortung sehen sie in der Politik bezüglich ihrer zukünftigen Arbeit kurz vor und nach der Legalisierung ?

Stefan K.: Ich hätte mir gerne ein klares politisches Signal schon jetzt erhofft. Ich denke, dass es schon jetzt Möglichkeiten geben sollte alle Besitz-Verfahren bei Personen über 18 Jahren, unter 5 g, nicht mehr Anzeigepflichtig zu machen. Die Politik sollte es auch möglich machen, dass der Anbau von Marihuana in Deutschland, wirtschaftlich gesehen, rentabel ist und Arbeitsplätze schafft. Ein Reinheitsgebot wäre sinnvoll, genauso wie eine Zweckbindung der Steuereinnahmen an die Suchtprävention und Forschung.

Hanfverband Hamburg: Wie stellt sich der Umgang mit Cannabis Konsumenten im Vergleich zu alkoholisierten Personen in Arbeitsalltag der Polizei dar?

Stefan K.: Personen die unter dem Einfluss von Alkohol und/oder Drogen stehen, sind immer mit entsprechender Vorsicht zu genießen. Da habe ich schon viele Extreme und heftige Gefühlsschwankungen gesehen. Am entspanntesten ist der Umgang mit frisch zugedröhnten Dauerkiffern.

Hanfverband Hamburg: Welche zusätzlichen Straftaten sehen Sie in Bezug zu Cannabis/Cannabiskonsum (Beschaffungskriminalität, Gewalttaten, Verkehrsdelikte etc.) und wie schwer sind diese im Vergleich zu anderen Drogen (auch Alkohol).

Stefan K.: Die Beschaffungskriminalität unterscheidet sich meiner Meinung nach schon zu Alkoholabhängigen. Der Alkoholsüchtige kann in jeden Lebensmittelladen gehen und dort Alkohol entwenden. Dies kann der Cannabiskonsument nicht. Entweder ist sein Dealer auch Hehler also tauscht Diebesgut gegen Drogen oder er nimmt Bares evtl. auch Dienstleistungen als Bezahlung.

Hanfverband Hamburg: Wie viel Dienstzeit ,schätzen Sie, wird im normalen Polizisten-Alltag dafür aufgewandt Drogendelikte zu verfolgen?

Stefan K.: Zu viel, wenn man Dienstzeit und Strafen/Verurteilungen in Bezug zueinander setzt.

Ihre Zeit zu verschwenden trägt natürlich ganz und gar nicht zu einer Verbesserung der Sicherheit bei, das stimmt…

Wir danken ihnen für das kleine Interview und hoffen, dass noch viel mehr Kollegen von ihnen, wenn sie es noch nicht tun, bald positiv in Richtung Legalisierung schauen.

Denn letztendlich wollen wir doch alle das gleiche: Eine Welt, die durch die Polizei sicherer gemacht wird und keine schädliche und sinnlose Verfolgung von harmlosen Mitmenschen, nur weil sie eine andere Droge bevorzugen als Alkohol.

Steffen Geyer

Unser heutiger Interviewpartner Steffen Geyer gehört sicherlich zu den aktivsten unter den deutschen Aktivisten.

Wer schon etwas länger dabei ist, der kam allein aufgrund seiner auffälligen Optik, den langen roten Dreadlocks, nicht umhin ihn zu erkennen.

Auch wenn die Frisur sich geändert hat, ist sein Wille, die Legalisierung endlich in trockene Tücher zu bringen ungebrochen.

Seit mittlerweile Jahrzehnten ist der 42 jährige Berliner Mitorganisator der Hanfparade, engagiert sich im Hanfmuseum und hat zu jeder Zeit ein offenes Ohr für Menschen die Fragen zu Cannabis, oder Probleme mit z.B. Strafverfolgung, oder der medizinischen Verordnung haben.

Natürlich findet man ihn auf allen gängigen Social Media Plattformen, er berät, klärt auf, bringt sich ein wo er nur kann.

Es ist uns eine Freude ihn heute zu diesem Interview begrüßen zu dürfen.

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Steffen: Wie so Viele – in der Schule. Kurz nach meinem 15. Geburtstag nahm ich auf Partys Leute wahr, die statt zum Bier zu merkwürdig geformten Zigaretten griffen. Ich lernte, dass das Kiffer sind und fand die cool, weil sie kein bisschen aggro waren, während der Rest der Party immer lauter und wilder wurde. Ein paar Tage später am 20.06.1994 habe ich auf dem Schulhof mein erstes Gras gekauft. Und dann stand ich mit zwei Freunden da und Keiner konnte bauen. (lacht)

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Steffen: Mitte der Neunziger gab es im Thüringer Wald höchstens drei, vier Mal im Jahr Marihuana. Den Rest des Jahres haben wir Haschisch geraucht. Und das war oft so räudig, dass Eimern normal war. Im Oktober 98 zog ich nach Berlin, lernte Angebot und Qualität in der Großstadt kennen und stieg auf Bongs um. Um die dann irgendwann zu Gunsten von Joints aufzugeben… Das muss so 2006 gewesen sein. Einen Vaporizer besitze ich nun auch schon 20 Jahre. Verschiedene Modelle, aktuell einen Mighty, aber da fehlt mir altem Nikotinisten der Tabak.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Steffen: Im Grunde ist die Polizei schuld, dass ich Aktivist bin… und eine Exfreundin, aber das ist ´ne andere Geschichte… 1997 war ich Wehrpflichtiger und im tiefsten Bayern stationiert. Auf dem sonntäglichen Weg in die Kaserne geriet ich in Nürnberg in eine Bahnhofsrazzia. Dabei fanden die Beamten in meinem Gepäck 4,9 Gramm Haschisch – meinen Wochenvorrat. Ihr könnt euch das Theater sicher vorstellen: Ein Soldat, in Bayern, mit Haschgift… Die Reaktion der militärischen und zivilen Behörden war so kafkaesk, so übertrieben, dass ich mir bis heute daraus die Verpflichtung ableite, Dritten mein Schicksal ersparen zu helfen. Anekdoten mit Polizei könnte ich noch Dutzende erzählen, aber die erste Verhaftung war für mich ein einschneidendes Erlebnis.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Steffen: Da komm ich ja doch noch dazu, den Teil mit der Exfreundin zu erzählen. Beteiligt habe ich mich schon seit 97 an einschlägigen Events. Allerdings nur als Teilnehmer. Zur ersten Hanfparade sind wir sogar mit ´nem Bus voller Soldaten gefahren. Auch nach dem Studienbeginn in Berlin gab es erst mal genug andere Sachen zu entdecken, aber dann hatte ich ´ne Beziehung mit einer Frau, die bei Greenpeace aktiv war. Und die ging jeden Mittwoch Abend die Welt retten, während ich alleine daheim Playstation gezockt habe. Das hat gewurmt und wie der Zufall so spielt, traf sich das Orga – Team der Hanfparade ebenfalls jeden Mittwoch Abend. Also ging ich Mitte März 2001 eines Tages ins Hanfmuseum und fragte, ob die Hilfe brauchen. Metaphorisch gesprochen bin ich seitdem nie wieder da raus gekommen.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Steffen: Ich sehe mich als Teil der Abteilung „Agitation und Propaganda“ (lacht) oder etwas bürgerlicher formuliert: Ich beschäftige mich mit Bildung, Aufklärung, Veranstaltungsmanagement und Hilfe zur Selbsthilfe. Im Laufe der Jahre habe ich dabei ´ne Menge Platz im Lebenslauf mit Drogenpolitik gefüllt. Ich bin mehr als zwei Jahrzehnte bei Hanfparade und Hanf Museum aktiv. Habe im Verein für Drogenpolitik, bei ENCOD, der Grünen Hilfe und diversen Nutzhanf- und Patientenorgas mitgewirkt. War 2004-9 der einzige Angestellte des DHV. Habe vor neun Jahren die Cannabiskultour durchgeführt. Unzählige Podiumsdiskussionen, Mediengespräche, Interviews hinter mir. Dazu eigene Veröffentlichungen, Texte, Videos, Podcasts, Reden. Ich habe der Piratenpartei 2010 geholfen ihr suchtpolitisches Programm zu finden. Bin früher viel in Hanfforen aktiv gewesen, seit mehr als zehn Jahren in verschiedenen sozialen Netzwerken „fleißig“. Ich mache Rechtsberatung und Medientraining, berate StartUps… Ich schreibe Gesetzentwürfe und bastel Layout für Flyer oder Poster, habe Webseiten gestrickt… Die Liste ist lang.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Steffen: Nein. Zumindest, nicht dass ich wüsste. Mitunter mediziniert man sich ja unbewusst. Ich habe viel mit PatientInnen zu tun, aber ich selbst will „als Gesunder kiffen dürfen“.

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert, auch ohne dass du Patient bist?

Steffen: Ich kiffe jetzt bald 28 Jahre, das sind zwei Drittel meines Lebens und kein Ende in Sicht. Wenn Cannabiskonsum einem keine subjektiven Vorteile bringt, dann hört man doch zügig wieder damit auf… Mein Eindruck ist, dass mich Cannabis gelassener macht. Damit meine ich nicht das Mir-doch-egal-Klischee sondern, dass Cannabis mir hilft, mit mir und der Welt geduldiger zu sein. Die gleichen Fragen ein tausendstes Mal zu beantworten oder wenn Mal wieder wer ´ne Kiste voller „Man-müsste-mal-Ideen“ hat und dabei keinen Moment „ich werde“ denkt. Ohne Cannabis wäre ich wahrscheinlich ein unangenehmerer Mensch. Und ich bin so schon nicht der Bequemste.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Steffen: Gegenfrage: Welches Rauschmittel wird für die KonsumentInnen oder die Gesellschaft risikoärmer, wenn wir Jugendschutz, Verbraucherschutz und Qualitätskontrolle der Mafia überlassen? Ich kenne keins. Die Legalisierung von Cannabis, die Emanzipation der NutzerInnen und die Schaffung eines Hanfmarkts ohne Strafverfolgung dürfen meiner Meinung nach nur der Anfang eines grundlegenden Politikwechsels sein – weg von den Verboten, Abstinenzdogma und der Jagd auf DrogengebraucherInnen, hin zu einer akzeptierenden aufklärerischen Suchtvermeidungspolitik. Mit Drogen lebt es sich im Zweifel gesünder als ohne ihre vielfältigen Wirkungen. Und ohne Drogenverbote leben selbst jene besser, die gar keine Drogen nehmen.

Hanfverband Hamburg: Was erwartest du von der neuen Regierung bezüglich der im Koalitionsvertrag stehenden Legalisierung?

Steffen: Die Bundesrepublik steht vor einer historischen Chance – wie auch immer wir in Sachen Legalisierung handeln, wird Vorbild für viele unserer europäischen Nachbarn sein – und ich fürchte, dass wir dabei sind, diese einmalige Chance zu verkacken.

Bislang gibt es ja nur den Entwurf der Grünen, das Cannabiskontrollgesetz, und der ist weit davon entfernt, das Prädikat „Legalisierung“ tragen zu dürfen. Vielmehr sehe ich in ihm den Versuch, Cannabisgenuss trotz formaler „Erlaubnis“ möglichst unattraktiv zu machen. Der Entwurf ist vermeidbar bürokratisch, im Vergleich zum Umgang mit Alkohol und Tabak geradezu verfassungswidrig streng und sichtlich bemüht, all jene von der Kuchenverteilung fern zu halten, die bisher Millionen Deutsche zuverlässig mit Cannabisprodukten versorgen.

Es ist schade, dass weder die Sozen noch die Liberalen da irgendetwas dagegenhalten. Als Aktivist mache ich natürlich Vorschläge, artikuliere meinen Unmut und nerve mit Kritik, aber über meine Wirkmacht als Einzelner mache ich mir keine Illusionen. Wenn es nach mir ginge, würde Cannabis rechtlich mit Tabak gleichgestellt und gut ist. Die Regierung ist aber wild entschlossen, das Rad neu zu erfinden.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Steffen: Aktivismus ist Arbeit und für die gilt: „Wenn Arbeit was Geiles wäre, würden die Reichen sie für sich behalten.“ Klar ist es nicht jeden Tag leicht, legalisierungsmäßig produktiv zu sein. Dazu kommt das Ehrenamtlichendilemma, ständig mit mehr Ungerechtigkeit konfrontiert zu werden, als man ertragen kann. Und irgendwie muss ja auch der Kühlschrank gefüllt und die Miete bezahlt werden.

Wenn dann Aktionen kein Echo finden; wenn die mühsam erdachte Kampagne verpufft; wenn Leute, deren Eltern sich auf deinem Event kennengelernt haben, sagen, ich müsste erst mal was leisten – es gibt so Tage, da fällt es mir schwer, weiter Hoffnung zu verbreiten. Den schwersten Moment meiner an Tiefschlägen reichen „Karriere“ hatte ich in Hamburg. Als ich da 2012 mit der Cannabiskultour Station gemacht habe und die Demo loszog… Da waren nur so 150 Leute und die haben sich alle hinter dem Wagen aufgestellt. War schon richtig, schließlich gab es da die Musik, aber die komplette Demo passte in meinen toten Winkel und für mich sah das so aus, als wäre ich alleine…

Trotz Millionenstadt und Promo und Kontakten zu lokalen Gruppen. Damals hab ich hinterm Steuer gesessen und Rotz und Knoblauch geheult. Wenn mich an dem Tag nicht zufällig meine damalige Freundin mit einem Besuch überrascht hätte, würden wir heute vermutlich nicht miteinander sprechen. Neue Motivation krieg ich zwei, drei Mal pro Tag, wenn wieder das Telefon klingelt und wieder wer Stress mit den Cops hat oder wieder kranke Menschen von Krankenkassen abserviert werden oder oder oder. Es erschreckt mich auch nach über zwanzig Jahren noch, wie viele Menschen unter dem Unrecht Hanfverbot leiden.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften?

Steffen: Das notorische Verstoßen gegen Gesetze geht nicht spurlos am Privatleben vorbei. Gerade als Jugendlicher wächst da schnell ein Freundeskreis, in dem alle im gleichen Boot sitzen. In dem Andere wiederum nicht sitzen wollen und dann verschwinden. Irgendwann hat sich das geändert. Ich bin ja schon früh sehr sichtbar aktiv gewesen und das beeinflusst, wie Menschen auf einen zugehen. Ich habe unter AktivistInnen wie Betroffenen Freunde gefunden, weit mehr als ich durch meinen Umgang mit Cannabis verloren habe.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Steffen: Ich habe einen Sohn. Der ist siebeneinhalb und kriegt inzwischen mit, was Papa so treibt. Für den ist Hanf ein anderer Tabak und was für Erwachsene. Ich versuche, da möglichst offen mit umzugehen. Schon, dass der Junge seinen eigenen Konsum später nicht versteckt. Mir ist aber klar, dass ich in einer privilegierten Position bin. In Berlin kräht eh kein Hahn danach, wer kifft und als Erste-Reihe-Aktivist bin ich lang schon ein gebranntes Kind… Die berühmte alleinerziehende Mutter auf’m Dorf in Dunkeldeutschland hat es ungleich schwerer, zu sich und dem Nachwuchs ehrlich zu sein.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Steffen: Knifflig. Im Grunde muss das drüber Sprechen losgehen, wenn die Kinder anfangen zu sprechen. Altersgerechte Wahrheiten oder ehrlicher „Lügen für Kinder“. Spätestens im Kindergarten erzählen die ja eh, was sie so Zuhause erleben und da ist es meiner Meinung nach wichtig, dass Kinder wissen, was man besser nicht Jedem erzählt. Das setzt aber voraus, dass die Eltern den Mut haben, ihren Eigenkonsum (auch vor dem Kind) kritisch zu hinterfragen. Je älter der Nachwuchs umso aufrichtiger muss man da sein. Die sind ja nicht doof und spüren sehr genau, wann man sie und wann man sich selbst belügt. Konzepte wie Punktnüchternheit, mögliche Gesundheitsrisiken und strafrechtliche Folgen… Ich möchte nicht, dass mein Junge so etwas von Polizisten lernt. Letztlich ist „über Drogen reden“ der beste Schutz vor heimlichem Missbrauch und Vertrauen zu den Erziehenden einer der wichtigsten Bausteine niedrigschwelliger Suchthilfe. Wer seinen Kindern den eigenen Drogenkonsum verschweigt, um sie zu schützen, bringt sie in Gefahr!

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll? Warum?

Steffen: Effektiver Jugendschutz ist eine der wichtigsten Neuerungen, die wir LegalisiererInnen zu erreichen hoffen. Dafür muss das Einstiegsalter für den Legalmarkt möglichst nah am realen Einstiegsalter sein. Angesichts der Zustände an unseren Schulen und ihrer mehr oder weniger offenen Drogenszenen scheint mir 16 Jahre fast schon zu hoch gegriffen. Die Politik will indes davon nichts wissen und peilt 18 Jahre an. Wenn es so kommt, dürfen Jugendliche zwar Heiraten, Kreditverträge abschließen oder als Soldat für Deutschland sterben – der risikoarme Joint bleibt ihnen jedoch verwehrt. Fast noch wichtiger als die konkrete Zahl ist es meiner Meinung nach, die juristische Verfolgung der jungen KonsumentInnen zu beenden.

Strafverfolgung verfestigt Konsumgruppen – das gemeinsam begangene Verbrechen schweißt zusammen – und beeinträchtigt Prävention wie Suchthilfe. Bei Alkohol und Tabak agiert unsere Gesellschaft schlauer. Da wird nicht der jugendliche Konsument bestraft sondern nur die, die ihm die verbotene Ware beschaffen.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Steffen: Wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde Cannabis noch heute aus dem BtMG gestrichen. Anschließend schreiben wir es überall da ins Jugendschutzgesetz, wo heute Tabak steht. Und am Tag danach ergänzen wir die Tabakanbauverordnung, -steuergesetze usw. nach dem gleichen Prinzip.

Alles keine Raketenwissenschaft, die Behörden und Kommunalverwaltungen müssen keine neuen Gesetze lernen… Legalisieren kann ganz einfach sein. Wenn eine Regierung dies denn tatsächlich will. Wichtig ist mir, dass dabei Diejenigen nicht vergessen werden, die in den letzten 50 Jahren wegen Cannabis vor Gericht oder im Knast gelitten haben. Ohne Generalamnestie, ohne Einstellung aller laufenden Verfahren, ohne Wiedergutmachung des amtlich verursachten Unrechts – kurz ohne Rehabilitierung der Opfer des Hanfverbots, bleibt die Legalisierung unvollständig. Da müssen wir KonsumentInnen uns in den kommenden Monaten hörbar für unsere GärtnerInnen und FachhändlerInnen stark machen. Last but not least müssen die internationalen Absprachen zu Drogen, allen voran die „UN Single Convention on narcotic Drugs“, auf den Müllhaufen der Geschichte. Deutsche Cannabisjäger verursachen ja nicht nur hierzulande menschliches Leid.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Steffen: So lange ich beim Händler meines Vertrauens nicht sagen kann „von dem X, das es letzte Woche gab, hätt´ ich gern noch ´ne Handvoll“ so lange ist es mir Wurst welche klangvollen Bezeichner der seinen Produkten gibt. Ich kaufe schlicht Gras. Oder von mir aus „gutes Gras“. Vielleicht würde ich mir mehr aus Sorten machen, wenn ich selbst anbauen würde, aber damit habe ich keine Erfahrungen und auch kein ausreichendes Interesse.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Dies ist auch jetzt nach der beschlossenen Legalisierung noch so. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Steffen: Meine Oma würde jetzt sagen: „Wer will, findet Wege, wer nicht will, Ausreden.“ Und ich neige dazu, ihr zuzustimmen. Ja, theoretisch besteht die Möglichkeit, dass legales politisches Engagement zugunsten der Legalisierung zu sozialen „Strafmaßnahmen“, zu Stigmatisierung und Ausgrenzung führt, aber in der Praxis kenne ich keineN dem die Teilnahme an einschlägigen Events auf die Füße gefallen wäre. Dazu kommt, dass Deutschlands AktivistInnennetzwerk eng genug geknüpft ist, um Leute aufzufangen. Es ist indes geradezu typisch für die Szene, dass es erst problematischen Kontakt mit Cannabisverfolgern braucht, bis der Mut für eigenes Engagement reicht. Ich nehme mich da ausdrücklich nicht aus, habe ich das Ausmaß der Grundrechtsverletzungen im Namen der Nüchternheit doch auch erst kapiert, als es mich traf.

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Steffen: Wer heute mit Cannabis anfangen will, sollte eines nicht tun – es mit Tabak mischen. Das ist ein Suchthilfealptraum und der wichtigste klar benennbare Risikofaktor für eine Abhängigkeitserkrankung. Gerade am Anfang sollte man den Konsum im Zeitverlauf im Auge behalten. „Wann kiffe ich? Warum kiffe ich? Wie viel kiffe ich?“ sind Fragen deren regelmäßige Beantwortung hilft, mögliche Probleme früh zu erkennen. Ansonsten rate ich dazu, sich mit Absicht ein paar nichtkonsumierende Freunde und cannabisfreie Aktivitäten zu erhalten. Schon, dass man für Konsumpausen Sozialkontakte hat, deren Leben sich nicht um Joint oder Bong dreht. Was noch? Wenn es geht, sprecht mit euren Eltern oder Onkel, Tante, Nachbarn. Die meisten Erwachsenen haben irgendwann selbst Mal probiert und werden eure Ehrlichkeit honorieren. Im Notfall sind Leute wie ich da, um z.B. telefonisch oder bei einem Besuch im Hanf Museum Ängste abzubauen.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Steffen: Eine? Hunderte. (lacht) Aber den „Opa erzählt vom Krieg“-Teil heben wir uns lieber für einen anderen Tag auf. Bis hier liest ja eh keiner.

Steffen, wir danken dir für dieses kurze Interview! Bleib weiter so aktiv wie bisher. Und gesund natürlich.

Christian Stopperka

Unser Vize – Sprecher Christian weiß genau, welche Vorteile eine Legalisierung von Cannabis hätte. Regelmäßig reist er in die USA und besucht Freunde in Oakland (Kalifornien).

Seit 2016 ist dort der Freizeitkonsum legal und alle volljährigen Personen können ganz entspannt ihr Gras in Fachgeschäften kaufen. Dies will Christian auch für Deutschland.

Aber Cannabis ist für ihn nicht nur Freizeitspaß. Gesundheitlich hat Christian das leben schon böse mitgespielt und Cannabis hilft dem 56 jährigen sehr.

Schön, dass auch du dich in unserer Interview – Reihe verewigst!!

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Christian: In der Schule durch Freunde.

Eigentlich wusste ich schon mit ungefähr 14 Jahren dass ich Drogen ausprobieren wollte. Ich fing an mich mit Literatur zu beschäftigen in denen es um Drogen ging. So Klassiker halt, wie Carlos Castaneda, Huxley, Leary usw. Mir mangelte es eigentlich nur an der Gelegenheit 😇. Als ich dann mit 15 in eine neue Schule kam, lernte ich ziemlich schnell die Leute kennen, die mit Haschisch zu tun hatten (Anfang der 80ger gab es in Deutschland kein Gras).
Ich war definitiv zu jung damals, weil relativ schnell kamen andere Drogen hinzu, aber eigentlich nur weil es bei meinem damaligen „Händler“ eigentlich alles gab was der Markt zu bieten hatte. Bei einer Legalisierung wäre das wohl anders gelaufen.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?


Christian: Natürlich. Ich hab zuerst wie alle zu dieser Zeit, wir reden hier von Anfang der 80er , mit Tabak geraucht. Zu dieser Zeit gab es quasi auch kein Gras sondern ausschließlich Hasch. Das hat sich definitiv geändert. Ich konsumiere heute fast ausschließlich ohne Tabak. Auch Haschisch.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Christian: Nicht wegen Cannabis, aber wegen anderer Substanzen.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Christian: Eigentlich meine regelmäßigen Reisen in die USA. Was die schaffen, sollten wir auch schaffen. Tatsächlich war ich in den 80gern schon mal aktiv, damals bei den jung Demokraten der damaligen Jugend Organisation der FDP. Der Slogan war „Kein Knast für Hasch“.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Christian: Ich bin aktiv in der Hamburger Ortsgruppe und auf meinem Twitter Account. Auch in der Familie versuche ich Aufklärungsarbeit zu betreiben.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Christian: Ja, allerdings Selbstzahler. Ich stelle demnächst meinen zweiten Antrag bei der AOK.

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert?

Christian: Ja, deutlich vor allem ohne Nebenwirkungen.

Mein erster Antrag auf medizinisches Cannabis wurde erst vom Sachbearbeiter abgelehnt, dann vom MDK der AOK Niedersachsen und zu guter Letzt auch vom Sozialgericht.
Ich habe 2 künstliche Hüftgelenke, fortgeschrittene Arthrose in der Wirbelsäule Spinal – Kanal Verengung und ich leide seit vielen Jahren an chronischen Schmerzen. Ich habe meiner Meinung alles durch. Austherapiert sozusagen.

Zum Verhängnis wurde mir eine lange zurückliegende Opiatabhängigkeit. Witzig denn opiathaltige Pillen waren kein Problem, und dass ich noch nicht bei einem Schmerz Therapeuten war..
Wenn der Geldbeutel es zulässt beziehe ich medizinisches Cannabis auf Privatrezept für wohlgemerkt knapp 17 €das Gramm um offiziell zu bestätigen, dass mir Cannabis sehr gut hilft. Der Schmerzthherapeut ist auch abgehakt. War ein Pillen-Freak. Ich sollte 6-8 Novo Sulfun täglich nehmen dazu bei Bedarf Tillidin und ums rund zu machen zum Schlafen noch ein

Anti – Depressivum.
Auf meine Frage, wie lange das so weitergehen soll, sagte er: Bis an ihr Lebensende!
OK Ich habe dass dann tatsächlich 10 Tage durchgezogen. Mit dem Ergebnis, dass ich mich wie eine Chemie Fabrik gefühlt habe. Urin stank, unreine Haut, Übelkeit usw. Der 2. Antrag ist gestellt. Ich denke, dass es diesmal klappt. Weil mit Cannabis habe ich sozusagen den Schmerz vergessen, habe Hunger und kann einigermaßen schlafen.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Christian: Ich bin für die Legalisierung von allen Drogen.

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Christian: Momentan stehen die Chancen glaube ich ganz gut. Hoffe sie verkacken es nicht wieder…

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Christian: Ganz ehrlich, bei unserer letzten Demo war ich schon ein wenig enttäuscht von der Teilnehmerzahl, aber nun gut. Man muss sich wohl zusätzlich andere Dinge überlegen.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Christian: Nein im Großen und Ganzen nicht.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Christian: Ab 18 Jahren, wie bei Alkohol.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Christian: Selber Preis wie auf dem Schwarzmarkt, am besten natürlich günstiger. In Kalifornien ist die Steuer beispielsweise definitiv zu hoch, da stirbt der Grau – Markt vorerst nicht.

Das ursprüngliche spanische CSC Modell fand ich ganz gut, aber machen wir uns nichts vor, wir leben in einem kapitalistischen System und im Falle einer Legalisierung wird über die Jahre, Big Money wohl den Ton angeben.
Und Dispencerys sind natürlich schon toll. Als ich das erste Mal in einer gewesen bin, fühlte ich mich wie ein kleiner Junge im Spielzeugladen.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Christian: Starke Indica Strains gerade wenn die kalte Jahreszeit losgeht. Im Sommer auch gerne mal ne leckere Sativa.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Christian: Ich denke man muss nicht mit Anzeigen rechnen wenn man diesbezüglich sein Gesicht zeigt. Mir ist kein Fall bekannt. Auch in der Familie kann man aufklären und sonst geht auch immer eine Spende. Unsere OG würde sich freuen..

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Christian: Anbauen. Ich bin der Meinung, dass es nicht illegal sein kann eine Pflanze anzubauen und obwohl ich Großstadt – Kind bin liebe ich das Gärtnern. Es ist einfach toll wenn man die „Früchte“ seiner Arbeit ernten kann. Na schauen wir mal wie es weiter geht…

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Christian: Am besten wäre es natürlich wenn man sich sicher sein könnte dass das Weed nicht gestreckt ist. Das geht in Zeiten der Prohibition eher schlecht, also zusehen dass es aus einigermaßen bekannter Quelle kommt. Und nicht to much!

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Christian: In Oakland 2018 im ersten Jahr der Legalisierung für den Freizeitgebrauch saß ich bei meiner guten Freundin Diana auf der Terrasse und rollte gerade einen Joint. In dem Moment kam irgendeine Frau vom Amt und sagte: „Don’t worry, it is legal 🌞So etwas wünsche ich mir für Deutschland, nein die ganze Welt!!

Danke Christian, dass du mitgemacht hast!

Jason Schick

Wer sich für die Legalisierung von Cannabis einsetzen möchte, der kann dies auch ohne weiteres relativ anonym tun.

Dies zeigt unser heutiger Interview – Partner „Jason Schick“.

Seinen echten Namen hält der 51 jährige im Internet geheim, was durchaus legitim ist, ist das Thema Cannabis doch leider noch nicht für jeden gesellschaftsfähig genug.

Doch auch so lässt sich etwas bewegen, sei es auf Social Media, oder anderen digitalen Medien. Aufklärung und Hilfestellung gehören zu seinen täglichen Aktivitäten.

Wer einen Leidensweg wie er hinter sich hat und durch Cannabis Linderung erfährt, der kann wohl auch schlecht zu dem Thema schweigen.

Und so freuen wir uns, euch heute dieses kleine Interview mit ihm zu präsentieren.

Viel Spaß!

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Jason: Ich habe mit der Wiedervereinigung den wirtschaftlichen Anschluss verpasst. Da war ich 20 Jahre alt. In den Folgejahren lernte ich einen inzwischen sehr guten Freund kennen. Als ich dann 24 Jahre alt war, saßen wir bei einem gemeinsamen Kumpel im Keller mit selbst gebauter Rohrbong. Das war mein erster Kontakt mit Cannabis.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Jason: In den Anfangsjahren war der Konsum sehr sporadisch. Aber es tat mir merklich vor allem psychisch gut. Inzwischen kommen chronische körperliche Beschwerden hinzu, sodass mein Konsum im Laufe der Jahre gestiegen ist. Aber ich achte auch auf Konsumpausen. Vor allem wenn ich merke, dass bei gleicher Menge die gewünschte Wirkung nachlässt oder gar ausbleibt. Das halte ich für extrem wichtig.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Jason: Seltsamer Weise bisher noch nie.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Jason: Da gibt es viele Gründe. Zum einen finde ich die staatliche Bevormundung erwachsener und somit mündiger Bürger absolut falsch. Zum anderen nutze ich es, wie schon angedeutet, zur Selbstmedikation. Leider finde ich in der Bundeshauptstadt keinen Arzt, der mich dahingehend unterstützt. Und da bin ich leider kein Einzelfall. Vor allem für medizinisch Betroffene müssen die Hürden des Zugangs noch erheblich gesenkt werden.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Jason: Da ich langzeitarbeitslos bin, kann ich wichtige Projekte wie den Deutschen Hanfverband leider nicht finanziell unterstützen. Zudem beschränken mich Hals- und Lendenwirbelsäulensyndrom sowie beidseitige Hackensporne an der aktiven Arbeit. Aber ich setze mich öffentlich, insbesondere im Social Media Facebook intensiv für eine verbraucher- und patientenfreundliche Drogenpolitik ein. Ich moderiere bzw. administriere einige einschlägige Gruppen und versuche bei Rechtsproblemen mit Tipps nach bestem Wissen zu helfen, auch wenn ich kein Jurist bin. Trotz meiner Einschränkungen versuche ich aber zumindest an der jährlichen Hanfparade teilzunehmen.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Jason: Nein. Aber nach Auffassung von Freunden und Bekannten, die mein gesamtes Krankheitsbild kennen, sollte ich es eigentlich sein. Zu den bereits erwähnten körperlichen Einschränkungen kommen noch massive psychische Belastungen aufgrund mehrerer Traumata aus meiner Kindheit hinzu. Dazu gehören vor allem nicht therapierbare posttraumatische Belastungsstörungen, Anpassungsstörungen und eine latente Neigung zur Depression. Die Ursachen der psychischen Erkrankungen in vollem Umfang zu benennen, würde hier vermutlich zu weit führen. Also beschränke ich mich mal auf die wesentlichsten Auslöser. Meine Mutter selbst ist psychisch gestört. Sie war alleinerziehend mit drei Kindern heillos überlastet und bekam von der staatlichen Jugendhilfe der DDR mehr Druck als Entlastung. Dieser Druck entlud sich nur all zu oft bei mir, da ich nicht in meinem lebhaften Verhalten nicht ihren Vorstellungen entsprach. Dazu möchte ich anmerken, dass ich mein erstes Trauma erfuhr als ich mit nicht einmal sechs Jahren aus meinem elterlichen Umfeld ohne jedes Vorgespräch regelrecht gerissen wurde. Damit landete ich als drittes der drei Kinder in einem staatlichen Kinderheim. Den Höhepunkt der Belastungen meiner Mutter erfuhr ich im Alter von 12 Jahren in den Sommerferien als meine Mutter, nachdem ich Warnungen ignorierend mit gesundem Geschwisterneid mir zu viel Essen genommen hatte. Meine Mutter zwang mich weiter zu essen, obwohl ich längst satt war, indem sie mit einem Holzhandfeger auf mich einprügelte. Sie hörte damit auch nicht auf, nachdem ich mich ins Essen erbrochen hatte und zwang mich prügelnd weiter zu essen. Irgendwann barst der Handfeger auf meinem Rücken. Als sie dann mit einem Hockerbein aus Aluminium weiter auf mich einprügeln wollte, schritt mein Bruder, damals 19 Jahre alt, ein. Aber das Urvertrauen war damit zerstört und wirkt bis heute nach. Wer sich mit den staatlichen Kinderheimen der DDR befasst – ich war in insgesamt 10 Jahren und 10 Monaten in fünf verschiedenen Heimen, davon zwei für „Schwererziehbare“ – kann sich den dortigen Leidensdruck vorstellen, der ein weiterer Baustein meiner PTBS war. Mit der Wiedervereinigung verpasste ich den Anschluss auf dem Arbeitsmarkt und stürzte irgendwann in eine Depression. Diese fand ihren Höhepunkt im Sommer 1993. Über sechs Wochen schlief ich in Etappen etwa 20 Stunden am Tag, wobei die Wachphasen nicht länger als 30 bis 60 Minuten anhielten. Es war verdammt harte Arbeit da wieder herauszukommen. Als mein erster Sohn geboren wurde und wir im Chaos der frisch bezogenen Wohnung mit Säugling saßen, wuchs mir alles über den Kopf. Ich fühlte mich überfordert und begab mich in Psychotherapie, um die Fehler meiner Mutter nicht zu wiederholen. Die Psychiaterin lehnte jedwede Therapie mit Cannabis ab und verschrieb mir ein Antidepressivum mit dem Hauptwirkstoff Duloxetin. Dies hatte dermaßen heftige Nebenwirkungen, vor allem Schwindelanfälle – ich wäre am ersten Tag der Einnahme fast auf mein Kind gestürzt -, dass ich es nach zwei Wochen wieder absetzte und mich notgedrungen vom Schwarzmarkt (wieder) mit Cannabis versorgte.

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert?

Jason: Zur PTBS gehören bei mir hauptsächlich Einschlafstörungen. Wenn ich abends im Bett liege, führe ich fiktive Streitgespräche mit Menschen aus meiner Vergangenheit und Gegenwart, die Teil meiner PTBS sind. Ich nenne das „Kopfkino“. Dieses Kopfkino hindert mich am einschlafen und kann ich mittels Cannabis super abschalten. Auch gegen meine Rückschmerzen hilft mir Cannabis sehr gut.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Jason: Aufgrund meiner psychischen Störungen bin ich extrem vorsichtig bezüglich Drogen. Mich reizen zwar Pilze oder andere Naturrauschmittel. Aber da ist das Setting besonders wichtig für mich. Neue mir bisher nicht bekannte Drogen würde ich nicht unbegleitet probieren wollen. Zu Drogen allgemein befasse ich mich schon länger mit dem portugiesischen Modell. Der damit erzielte Erfolg spricht für sich.

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Jason: Deutschland verpasst mit seiner Repressionspolitik viele Chancen. Das fängt bei versäumten Steuereinnahmen an, mit welchen man objektive Aufklärungsarbeit und sogar noch mehr finanzieren könnte. Hier verwiese ich auf die Zahlen aus Colorado (USA). Ebenso ignoriert man permanent, dass ja bereits die Alkoholprohibition in den USA seinerzeit gescheitert ist. Die Prohibitionskosten für die Steuerzahlenden sind immens. Polizeien und Gerichte werden mit Verfahren, insbesondere gegen Konsumierende, von anderen wichtigeren Strafverfolgungen abgehalten. Das muss ein Ende finden. Selbst die alte SPD öffnet sich einer anderen Drogenpolitik. Nur erzkonservative Parteien wie CDU/CSU und AfD halten an der aktuellen Drogenpolitik fest. Da sie aber damit inzwischen in der Unterzahl sind, bin ich zuversichtlich, dass sich in absehbarer Zeit in Deutschland etwas ändern wird.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Jason: Nein, niemals. Nach meinem Erstkontakt mit Cannabis und der im Grunde sofortigen positiven Wirkung auf meine (depressive) Psyche wollte ich unbedingt, dass erwachsene Menschen Zugang dazu bekommen. Es macht einfach eine positive Grundstimmung, die somit auch leistungsfördernd und daher auch ein Motor für die Arbeitswelt ist.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Jason: Nein, eigentlich nicht. Ich habe ohnehin nur sehr wenige Freunde im realen Leben, die entsprechend wohl gewählt sind. Wer von denen selbst nicht konsumiert, kennt aber die Hauptgründe für meinen Konsum und hat damit auch keine Probleme.

Hanfverband Hamburg: (Wenn du Kinder hast) Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Jason: Wir rauchen ja prinzipiell nicht in der Wohnung. Immerhin haben wir einen Balkon. Meine Kinder sind zu klein, um alle Gründe meines Konsums zu verstehen. Also beschränken wir uns auf die körperlichen Einschränkungen als Erklärung (meinen psychosomatischen Reizmagen sollte ich hier mal erwähnen, der von Schmerztabletten nur zusätzlich belastet würde). Damit kommen die Kinder klar.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Jason: Für mich gilt bei Kindern grundsätzlich, wenn es alt genug ist eine Frage zu stellen, dann ist es auch – altersgerecht verpackt – alt genug für die Antwort. Ob drei Jahre oder 13 spielt für mich dabei keine Rolle. Die Art der Antwort macht da nur den Unterschied.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Jason: Der Eintritt ins Erwachsenenalter wurde in der Kaiserzeit zwecks Wehrpflicht mal von 21 Jahren auf 18 Jahre gesenkt. Das kann, da wir schon lange keine Wehrpflicht mehr haben, endlich wieder revidiert werden. Auch ich hatte Reifeverzögerungen und halte daher diese drei Jahre nach oben für sinnvoll. Wir wissen aus Studien, dass das heranwachsende Gehirn vom Cannabiskonsum im Wachstum gebremst wird. Und wenn ich mich in den einschlägigen Gruppen auf Facebook umschaue, sehe ich meine These immer wieder bestätigt. Es mag zwar auch Ausnahmen in die andere Richtung, also frühreife Jugendliche und Jungerwachsene geben. Aber eher wäre ich dann für die Fahrerlaubnis ab 16 Jahren. Zumindest das hat sich ja in den USA recht gut bewährt.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Jason: Nach meiner Auffassung gehört das Betäubungsmittelgesetz fest in das Jugendschutzgesetz integriert. Nur dort hat einen sinnvollen Zweck zum Schutz der Jugend. In Einzelfällen sollte man aber auch Jugendlichen nicht den Zugang zu medizinischen Zwecken pauschal verwehren nach meiner negativen Erfahrung mit chemischem Psychopharmaka. Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit beinhaltet ja keine Pflicht. Es gibt viele leidende Menschen, weil Psychiater und Psychotherapeuten überlaufen sind und die Wartezeiten enorm lang sind. Zudem führen Drogen wie MDMA Leistungssteigerungen herbei, die dem Arbeitsmarkt zuträglich sind. Insofern gefällt mir das portugiesische Modell, welches nun schon seit 20 Jahren erfolgreich läuft, am besten.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Jason: Nein, nicht direkt. Ich bevorzuge zwar abends wegen der PTBS sedierende Indica-Sorten. Aber da der Schwarzmarkt ein wenig wie Lotto ist, habe ich auch schon auf erhellenden Sativa-Sorten erstaunlich kreative Erlebnisse gehabt.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Jason: Ich habe absolutes Verständnis für deren Bedenken. Wenn man aufmerksam die Medien zu diesem Thema verfolgt und immer wieder lesen muss, dass selbst anerkannte Cannabis-Patienten ständigen Schikanen ausgesetzt sind, dann möchte man das für sich selbst vermeiden. Was aber jeder Mitbürger und jede Mitbürgerin tun kann, ist bei Wahlen die Stimme einer Partei zu geben, die sich für das Ende dieser Prohibitionspolitik ausspricht.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Jason: Angesichts meiner prekären Lebenssituation würde ich zum Eigenanbau neigen. Allerdings braucht das erforderliche Equipment Startkapital, woran es schon scheitert. Insofern fürchte ich, dass ich bei gleichbleibender Sozialpolitik auf Fachgeschäfte angewiesen bleibe.

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Jason: Mein wichtigster Tipp sind regelmäßige Konsumpausen. Eine Suchtveranlagung ist erblich. Mein Vater ist Alkoholiker. Schon von daher rate ich dringend zur sorgsamen Selbstreflexion. Dazu müssen aber die bestehenden Stigmata überwunden werden, sodass vor allem junge Menschen ohne Scheu und Angst vor Repressalien in eine Drogenberatungsstelle gehen und sagen können: „Ich glaube, ich habe meinen Drogenkonsum nicht im Griff. Bitte helft mir!“ Besser wäre es, offen mit den Eltern darüber zu reden. Bei allen Fehlern meiner Mutter hat sie auch einige Dinge richtig gemacht. So war es ihr lieber, dass ich kontrolliert Zigaretten rauche (damals war das noch ab 16 Jahren möglich), als dass ich unkontrolliert womöglich eine Nikotinvergiftung erleide.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Jason: Es war der erwähnte Erstkontakt. Da saßen wir also im Keller jenes Freundes, rauchten gemütlich die Bong und ich wartete völlig neugierig auf die Wirkung. Solange man dies aktiv tut, wird sie sich nach meiner Erfahrung nicht einstellen. Man muss irgendwie „loslassen“. Wartend fragte ich also meinen Freund, warum das Ding eigentlich „Bong“ heißt. Da damit aber die Erwartungshaltung weg war und ich also „losgelassen“ hatte, wusste ich es wenige Sekunden später. Zum ersten Mal war meine Depression für den Zeitraum des Rausches nicht mehr existent. Ich konnte mich vor innerer Schwere zwar nicht mehr wirklich bewegen. Aber der Kopf war schlagartig (BONG!) völlig frei. Meine Freunde lachten dann, was sehr ansteckend war.

Vielen Dank Jason, dass du dir für unser kleines Interview Zeit genommen hast!