Die Prohibition ist zu Ende

Liebe Hanffreunde,

nach fast einhundert Jahren hat unsere unermüdliche Arbeit endlich Früchte getragen.

Der deutsche Bundestag sowie der Bundesrat haben in ihren gestern Nacht stattfindenden Sondersitzungen das sofortige Ende der Prohibiton beschlossen. Somit ist unser Vereinszweck erfüllt und wir freuen uns, Euch unsere sofortige Auflösung bekannt zu geben.

War schön mit Euch!

Die Ortsgruppen Bielefeld, Bochum, Braunschweig, Dresden, Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart danken für Eure Unterstützung!

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Wer war noch gleich…? Tobias Pietsch

Tobias Pietsch

Tobias ist sicher den meisten aus der Szene, neben seinem Engagement für die Legalisierung, auch durch seine Hanfnah – Läden, ein Begriff.

https://www.hanfnah.de

An drei Standorten verkauft der 35 jährige Lahrer mittlerweile alles, was das Hanfherz begehrt und bekam dafür Anfang 2019 den Lahrer Gründerpreis für Innovation, Nachhaltigkeit, Nutzen und den Einsatz moderner Technologien.

Umso trauriger und unverständlicher ist es, dass er sich dafür ab dem 5. Mai 2020 vor Gericht verantworten muss. Ihm wird „gewerbsmäßiger Handel mit Betäubungsmitteln“ zur Last gelegt, was, genau wie bei allen anderen laufenden „CBD Verfahren“ nur als blanker Hohn bezeichnet werden kann.

Tobias engagiert sich auf verschiedenste Weise für eine Änderung unserer Drogenpolitik, u.A. ist er Mitglied der frisch gegründeten DHV Ortsgruppe Ortenau, er ist auf Social Media stark präsent und natürlich auf den Demos dabei.

Wer ihn noch nicht kennt, dem sei ans Herz gelegt, sich auch den Youtube – Kanal „hanfnah – natürlich legal“ einmal anzusehen, denn auch hier verschafft sich der sympathische Lockenkopf Gehör.

https://www.youtube.com/channel/UCK2p7lPRA-o8qVmZItjFXsw

Unvergessen ist auch sein, wenn auch nicht sehr erfolgreicher, aber dafür umso sympathischerer, Auftritt bei „Wer wird Millionär?“

So kam Günter Jauch endlich mal in den Genuss von leckeren Hanfplätzchen.

Wir freuen uns sehr, dass Tobias sich die Zeit genommen hat, uns ein paar Fragen zu beantworten.

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Tobias: Ich war ein ziemlich junger Schüler und viel mit Älteren unterwegs, mit 13 nach der Schule war der erste Konsum. Leider verdammt früh. Da nichts Schlimmes passierte, ist dieser Mythos „Droge“, der in der Erziehung und der Gesellschaft aufgebaut wurde, sofort verpufft. Das fand ich spannend. Leider…

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Er stieg leider relativ schnell rasant an, ich war schon immer sehr impulsiv und es half mir, mindestens unbewusst, die Balance zu halten. Mit allen – für mich normalen – jugendlichen Eskapaden war ich mit mir immer sehr zufrieden. Ich verstand immer weniger, warum Cannabis verboten ist. Bis auf Abstinenzzeiten konsumiere ich inzwischen seit fast 20 Jahren regelmäßig. Leider rauche ich immer noch, dazu mit etwas Tabak. Unglücklicherweise die wohl ungesündeste Konsumform.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Tobias: Nein. Erst jetzt als Verkäufer von Nutzhanfblüten in meinen Shops. Verfahren startet bald. Es wurden über 4 Kilo beschlagnahmt mit einem Gesamt-THC-Gehalt von 4,5 Gramm. Alle gemessenen THC-Werte waren unter 0,2 % – im Schnitt 0,11 %, dennoch werde ich mit einer Mindeststrafe von einem Jahr angeklagt. Ein Witz. Leider kein guter…

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Die Ungleichbewertung in der Gesellschaft war mir wie vielen anderen schon immer ein Dorn im Auge. Mein Gang in die Selbstständigkeit und das damit verbundene gesellschaftliche „Coming Out“ waren sicher der Türöffner. Vor wem sollte ich mich als Hanf-Fachhändler noch verstecken?

Doch so richtig Aktivist wurde ich dann erst im Laufe der Tage und Wochen in meinem ersten Laden. Ich erfuhr, dass ich mit meiner persönlichen Lebensgeschichte, die mir immer wieder aufzeigte, dass unsere Gesetzgebung und Moralvorstellungen schlicht falsch sind, noch ganz schön Glück hatte. Ich erfuhr jeden Tag, wie viele Menschen unter diesem Verbot leiden. In einer Vielzahl und Vielfalt, dass mich das abends noch beschäftigte.

Durch den aufkommenden CBD-Markt, wir haben seit Eröffnung im Oktober 2015 CBD-Produkte im Sortiment, wurden es neben strafrechtlichen, gesellschaftlichen und persönlichen Problemen zunehmend gesundheitliche Leiden, die an mich herangetragen wurden.

Bei mir im Laden konnte man reden. Es gab Verständnis. Genau da herrschte in den letzten Jahrzehnten zunehmend ein Vakuum. Wenn man mit dieser vergleichsweise harmlosen Droge Probleme entwickelte, gab es keine Ansprechpartner. Keine Reflexion. Nur Angst, Stigma und Verstecken. So ein Quatsch. Natürlich bekommen Menschen Probleme durch Cannabis-Konsum, auch da habe ich leider viele Erfahrungen sammeln müssen, aber sollte man diese mit Strafen bedrohen? Mit gesellschaftlicher Ächtung? Oder sollte man Ihnen Hilfe anbieten? Oft macht nämlich genau die Angst vor der Strafe alles viel Schlimmer. Cannabis ist hauptsächlich psychisch gefährlich, der größte psychische Druck als Cannabiskonsument ist aber die Kriminalisierung.

Mein Vater hatte hohe Moralansprüche, ich bewundere ihn heute noch dafür. Aber er hat mangels Erfahrung auch Drogenkonsum geächtet. Denn der war illegal und mein Vater hielt sich treu an das Gesetz. Das war meine Zerrissenheit. Ich wollte ihm das nicht kaputtmachen als haschender Sohn. Ich bin sehr froh, dass ich ihn vor meiner Eröffnung überzeugen konnte, dass das nicht mehr zu kritisieren ist als unser ritualisierter Rum-Cola. Ich ärgere mich heute, dass ich mich nicht viel früher getraut habe. Denn alle Argumente waren doch auf meiner Seite. Nur war ich dazu noch nicht in der Lage, die zu präsentieren.

Aber ich hatte es geschafft. Er hatte mich nicht nur verstanden und akzeptiert, er war sogar zuversichtlich, dass ich mit meinem Einstieg in die Hanfszene eine gute Entscheidung getroffen hatte. 3 Tage nach Eröffnung verstarb er. Das war natürlich sehr hart und ist es heute noch. Dieses – Entschuldigung – Scheißverbot hat mich viele Momente und sogar Jahre mit ihm gekostet. Im Nachhinein bereue ich jede Sekunde, die ich mich nicht früher getraut habe.

Doch dann hörte ich jeden Tag, dass ich ein verdammter Glückspilz bin. Ich hörte jeden Tag schlimme Schicksale, die durch die Prohibition entstanden sind. Leider sind selbst die meisten dieser Menschen nicht bereit, darüber zu sprechen. Sonst kommt ja weitere Ächtung dazu. Aufarbeitung ist dann auch immer schwierig.

Mit Cannabis verbunden waren etliche entzweite Beziehungen, zerstörte Träume, kaputte Familienstrukturen, vernichtete Karrieren, wachsende Leiden bis hin zu eventuell vermeidbaren Todesfällen. Entstanden allerdings nicht durch den Konsum, sondern durch das Verbot, das Verstecken, das Verfolgen, das Bestrafen. Niemand profitiert von diesem Verbot. Niemand wird beschützt. Alle werden bestraft, durch unnötige Steuerausgaben, fehlende Steuereinnahmen und am Schlimmsten ist, dass wir 4 Millionen tolle Menschen aussperren. Die müssen sich in toleranten Kreisen bewegen, meist endet das dann in Kellerräumen oder verdunkelten Wohnzimmern.

Und je mehr Menschen ich kennenlerne, desto mehr werde ich zum Aktivisten. Ich sagte neulich in einem Bankgespräch, dass mir mein Geschäft momentan leider zweitrangig ist. Hier leiden unglaublich viele Menschen im Versteckten und niemand traut sich, seinen Mund aufzumachen. Für jeden dieser Menschen werde ich jeden Tag noch ein bisschen lauter, denn es muss jetzt endlich etwas passieren. Die beiden Banker haben glaube ich fast in die Tischkante gebissen, aber ich habe dennoch gespürt, dass sie mich auch ein wenig verstehen.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Tobias: Ich hielt auf dem Global Marijuana March in Freiburg 2016 meine erste öffentliche Rede. Zum ersten Mal ein Mikro in der Hand und dann stehen da 700 Menschen. Ich bin fast gestorben, aber ich merkte, dass diese gesamte Demo eine Menge bewegt hat.

Aktivismus lohnt sich. Nicht am nächsten Morgen, aber Stück für Stück. Wir können alle ein Stück dazu beitragen. Ich sagte mir früh, ich überzeuge jeden Tag einen Menschen – das gehört auch zum Shopkonzept, die „bösen Sachen“ findet man erst auf den zweiten Blick – irgendwann werden es genügend gewesen sein. Und das können wir alle tun. Wir alle haben Menschen in unserem Umfeld, die uns trotzdem noch mögen, wenn sie wüssten, dass wir Cannabis konsumieren. Einfach mal in ein Gespräch gehen und diskutieren. Es gibt so viele Ansätze. Die unnötigen Anklagen, Polizistenmangel und – Hass, den fehlenden Jugendschutz. Man kann so eine Diskussion auch mal anfangen, ohne sich gleich zu outen. Und dann kann man immer noch zurückziehen. Weniger Verstecken, es tut verdammt gut und befreit, das kann ich garantieren.

Anschließend gab es verschiedene Möglichkeiten, im Fernsehen oder Radio, aber auch in Printmedien, für die Sache einzustehen. Ich nutze jede davon, um mehr Menschen zu überzeugen. Sie sollen mir in die Augen sehen und mir sagen, dass ich ein schlechter Mensch bin. Dann wird es nämlich schwierig, wenn die anonymen Haschgiftler auf einmal Toby, Onkel Edmund oder Pfarrer Müller heißen. Du willst mir sagen, dass ich ein Krimineller bin? Warum denn? Wem tue ich denn etwas?

Gerade die Menschen, die am meisten Angst haben, sollten viel mutiger sein. Ihr steht mitten im Leben. Ihr seid mit Euch zufrieden und im Reinen. Wollt Ihr Euch ein Leben lang verstecken? Oder wollt Ihr einmal sagen: Ich kiffe – na und? Die Leute, die sich deswegen von Euch abkehren, die wollt Ihr doch nicht wirklich in Eurem Umfeld haben, oder? Kiffen ist nichts Tolles, aber auch nichts, wofür man sich schämen muss.

Ich bin in verschiedenen Verbänden aktiv und mache in den sozialen Medien viel Aufklärungsarbeit und schreibe auch Politiker ganz direkt an. Dies hat mir auch schon eine Einladung in den Bundestag beschert, wo ich direkt Argumente austauschen konnte.

Ich setze inzwischen mehr Zeit für das Aktivistenleben ein als für hanfnah. Das bringt zwar manchmal Probleme, aber ich kann nicht mehr anders.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Ja, ich bin seit 2018 anerkannter Cannabis-Patient. Das hat dem ganzen ja nochmal eins drauf gesetzt. Früher konnte man da vor Stigmatisierung kaum drauf kommen, dass man nicht nur relativ wenig Schaden, sondern gar einen Nutzen aus dieser doch scheinbar bösen Pflanze zieht.

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert?

Tobias: Für mich war es ein Alltagsbegleiter. Es bereitete mir bei vernünftiger Dosierung noch nie große Einschränkungen, aber ich kam weniger emotional und dadurch sogar besser und motivierter durch den Alltag. Das ist sicher nicht bei jedem gegeben, für manche ist ein seltener Konsum vielleicht schon nicht mehr vernünftig, bei mir fand er fast durchgehend von morgens bis abends statt.

Im Nachhinein betrachtet hat es das aber schon immer auch bei meinen chronischen Krankheiten. Vor allem leide ich an Asthma und Neurodermitis und Cannabinoide haben bei Beidem ein großes Potenzial.

Vor meiner Eröffnung lernte ich auf einer Messe zum ersten Mal CBD-Kosmetik kennen. Man erklärte mir, dass CBD doppelt so entzündungshemmend sei wie Kortison. Da wurde ich sehr neugierig, da ich für meine Hautprobleme schon immer auf Kortison zurückgreifen musste.

Nachdem nicht nur ich, sondern auch meine damals noch hanfunerfahrene und absolut neutrale Mama komplett auf CBD umsteigen konnten, war mir zum ersten Mal der Zusammenhang so richtig bewusst. Ich wusste natürlich schon vorher von dem enormen Potenzial, aber bis vor einigen Jahren war das in Deutschland ja kaum Thema, somit auch irgendwie undenkbar und man wäre wohl eher ausgelacht worden, wenn man behauptet, das helfe gegen Asthma.

Wobei wir leider bis heute zahlreiche Situationen haben, in denen selbst schwer leidenden Patienten der Zugang zu dieser harmlosen Medizin be- oder verhindert wird und sie manchmal zudem noch ins Lächerliche oder Kriminelle gezogen werden. Es ist wirklich furchtbar.

Inzwischen kann ich auch mein Asthma damit gezielter behandeln, da man bei richtiger Anwendung die Bronchen toll weiten kann. So richtig habe ich das das erste Mal beim Dabben gemerkt. Wie jeder Anfänger viel zu heiß, 5 Minuten gehustet, aber dann spürte ich, wie ich immer besser atmen konnte. Das war faszinierend.

Ich wurde im Nachhinein fast 20 Jahre kriminalisiert, verfolgt und um meine Freiheit beraubt, obwohl ich nur meine chronischen Krankheiten heilte. Deutschland sollte sich schämen, denn auch damit hatte ich vergleichsweise noch Glück, es gibt so viele schlimme Schicksale, eigentlich sollte irgendjemand in der Verantwortung stehen, aber das Wegducken und Kleinmachen ist viel zu einfach.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Tobias: Grundsätzlich sollte eine Einordnung von Drogen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen erfolgen. Es geht doch um Gefahrenpotenziale wie Abhängigkeitsrisiko und Körperschädigung.

Ich habe in den letzten Jahren der intensiven Auseinandersetzung auch meine eigene Doppelmoral vor Augen geführt bekommen. Nur weil es mich nicht berührt, heißt das nicht, dass ich nicht dennoch mal in die Theorie einsteigen sollte, wenn ich eine starke Meinung haben will.

Ich habe in jungen Jahren zu verschiedensten Drogen Kontakt gehabt, nie lange oder intensiv, war nicht meins. Und jetzt war es am Anfang für mich unglaublich, dass das in meiner Generation als harte Droge verteufelte MDMA (in Ecstasy) noch harmloser sein soll als „mein“ Cannabis.

Dabei entwickelte sich aber auch wieder ein größeres Verständnis für alle, die Cannabis skeptisch gegenüberstehen und einer Diskussion keine Chance geben. Warum soll ich mich damit beschäftigen, wenn es mich nichts angeht und die konservativ gesellschaftliche Meinung mir immer noch Recht gibt? Cannabis ist verboten und das ist auch gut so. Dem wird viel zu selten widersprochen von Nichtkonsumenten.

Letztes Jahr wurden mir dann endgültig die Augen geöffnet: Ich war auf einem Cannabis-Kongress in Lörrach, in einem Abschnitt wurden in kleineren Runden Einzelthemen vertieft. Ich schrieb mich bei einer Professorin ein zum Thema Cannabis und Strafrecht.

Die Professorin begann mit einer Zerlegung unserer Einordnung in harte und weiche Drogen. Diese sei absolut der falsche Ansatz, am Ende entstehen Probleme doch immer durch Konsummuster. Wenn, müssen wir also über harte und weiche Konsummuster reden. „Ist der Nachbarssohn, der in seiner Teenagerlaufbahn einmal ein Blech Heroin raucht, gefährdeter als der andere, der ab 12 Jahren jeden Tag 20 „Eimer“ Cannabis raucht?“

Wow, hat sie das gerade gesagt? Hat sie! Und verdammt, sie hat Recht. Heroin war für mich immer Teufelszeug, ich wusste genau, Disziplin und das Beherrschen meines Suchtzentrums waren noch nie meine großen Stärken, also werde ich da für immer, mein ganzes Leben, einen Bogen drum machen. Am Abend wurde mir klar, dass ich irgendwie ein wenig von oben herab auf die Heroinszene geblickt habe. Nur, weil ich aus Bequemlichkeit keine Lust hatte, mich da mal hineinzudenken. Was für eine Doppelmoral. Und wieder wurde mir klar, dass es nicht so einfach ist, Menschen zu überzeugen, die aus ihrer Sicht glücklicherweise keine Lust haben, mit Cannabis in Berührung zu kommen.

Inzwischen bin ich überzeugt, dass kein Verbot einen Sinn hat. Bei jeder Droge wird das Gefahrenpotenzial, egal wie hoch es ist, noch einmal deutlich erhöht. Dazu kommt die sinnlose Verfolgung, Stigmatisierung und gesellschaftliche Verdrängung, die denjenigen, die wirklich ein Problem entwickeln, die Möglichkeit auf Hilfe deutlich erschweren.

Es gibt Menschen, die entwickeln einen problematischen Konsum von Cola, andere von Cheeseburgern, wieder welche von Kakao oder Kaffee. Würde es denen helfen, wenn wir sie bestrafen?

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Tobias: Die sind so hoch wie nie zuvor. Aber das ruft auch wieder die überzeugten Gegner auf den Plan, es wird kein Selbstläufer. Und jeder Tag bedeutet neues Leid. Daher müssen wir alle kämpfen. Und wir müssen mutiger werden. Was haben wir zu verlieren? Leider manche doch einiges. Aber das wären am Ende doch wenige und wir hätten es bald geschafft. Jeder muss für sich entscheiden, ob es ihm dieses Risiko wert ist, ein Leben lang auf Freiheit und Gleichberechtigung zu verzichten – und zudem dennoch damit rechnen muss, aus Pech die selben Konsequenzen zu erleiden und die volle Härte des Gesetzes zu spüren.

Seid aktiv! Auf den Demos, die ich unterstützt habe, waren Polizisten, Lehrer, Beamte, Erzieher, Bankangestellte, Kaufleute, Kinder und Uromas. Niemand wurde hinterher geächtet oder hat seinen Job verloren.

JETZT ist die Zeit für alle Kiffer, aber auch für alle CBD-Nutzer, alle Patienten, alle Polizisten, Staatsanwälte und Richter, alle Angehörige derer und am Ende sogar allen Steuerzahlern, auf die Straße zu gehen und ein Zeichen zu setzen, dass endlich eine Entscheidung zum Wohle des Volkes und nicht zum Wohle irgendwelcher Lobbys oder Ängste getroffen wird.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Tobias: Selbstverständlich. Es gibt immer wieder furchtbare Rückschläge. Und man muss kühl und sachlich bleiben. Bei diesen verheerenden Geschehnissen aber immer wieder schwer. Es werden einem Knüppel zwischen die Füße geworfen. Aber das alles kann man wegstecken.

Am Schlimmsten finde ich, wenn sich die Aktivistenszene wegen einzelner Egos immer wieder selber klein macht. Das ist eine schwierige Entwicklung, viele haben die Geduld schon verloren, andere sind so schwer getroffen, dass die Emotionen keinen sachlichen Austausch mehr zulassen.

Für all das muss man Verständnis haben. Wir alle haben unterschiedliche Lebenswege und Erfahrungen, vielleicht auch ganz konträre Ansätze. Und mit Sicherheit haben wir auch politisch ganz verschiedene Meinungen. Aber das auszudiskutieren bringt uns in dieser eh schon schwierigen Entwicklung nicht voran, im Gegenteil. Auch wenn wir anderer Meinung sind, müssen wir uns in dieser Szene gegenseitig unterstützen, im Ernstfall ignorieren, aber nicht auch noch klein oder gar schlecht machen.

Und natürlich ist man immer wieder auch frustriert und fühlt sich wie in einem Hamsterrad, denn es entwickelt sich viel zu langsam und dann kommen immer mal wieder Rückschläge. Das kostet verdammt viel Kraft und auch noch Geld. Wenn dann im Unternehmen oder Privatleben eine schwierige Phase kommt, fragt man sich schon, ob es das alles wert ist. Aber ich bin inzwischen so überzeugt und motiviert, dass das immer seltener vorkommt.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Tobias: Auf meine Familiengeschichte hauptsächlich, wie schon erwähnt. Da ich keine Lust hatte, mich vor meinen Eltern zu verstellen, aber auch nicht auf mein Cannabis verzichten wollte, gab es lange Zeit einen spärlichen Kontakt. Das ist im Nachhinein verdammt bitter, wenn man erfährt, wie schön es sein kann, auf einer Familienfeier voll akzeptiert einen Joint zu rauchen und wie viele dieser schönen Momente ich mit meiner Angst kaputt gemacht habe.

In Partnerschaften und Freundschaften bereitete es wenig Probleme, ich ging intoleranten Menschen da meist bewusst aus dem Weg.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Tobias: Ich habe einen inzwischen sechsjährigen Sohn. Bis dahin war ich ein kiffender Sohn, der sich vor seinen Eltern versteckt hat. Dann wurde ich also ein kiffender Vater, der sich vor seinem Sohn versteckt. Erstmal einfach, aber er wird älter. Und ich habe mir nach meinem Outing geschworen, niemanden mehr deswegen anzulügen. Ich schäme mich doch nicht dafür. Ich strebe nicht an perfekt zu sein. Ich arbeite an Fehlern, möchte dazulernen, aber ich werde wohl immer auch Fehler akzeptieren müssen.

Ich machte mir viele Gedanken. Es kam dann mal vor, dass ich mangels Betreuung eine „Bongberatung“ geben musste, während ich ihn auf dem Arm hatte. Abends hat mich das extrem beschäftigt. Aber ich kam zu dem Schluss, dass es falsch ist, ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich gehe regelmäßig mit ihm in den Supermarkt, gehe jedes Mal an der Spirituosenabteilung vorbei und habe da noch nie zuvor abends drüber nachgedacht. Auch so ein Moment, wo sich Verständnis für die gesellschaftliche Doppelmoral entwickelte. Selbst ich hatte sie noch in mir.

Ich habe meinem Sohn beigebracht, dass Süßigkeiten mal ok sind, aber in einem gesunden Maße. Er weiß auch schon, dass Fernsehen auch nicht die tollste Beschäftigung ist und man da Grenzen setzen sollte. Ich werde ihm erklären, da er irgendwann damit in Kontakt geraten wird, dass Alkohol gefährlich ist und man immer gut reflektieren muss, ob das alles noch in einem vernünftigen Rahmen abläuft. Wie bei jedem Konsum. Oder auch bei jeder Aktivität mit Gefahrenpotenzial. Bei allem kann ich nur hoffen, das klappt gut und bin überzeugt, das ist der richtige Weg. Offener Umgang und Dialog.

Soll ich jetzt wirklich davon ausgehen, es wäre taktisch klug, meinen Cannabiskonsum oder gar Cannabis allgemein vor ihm zu verstecken? Soll ich darauf zocken, dass er niemals damit in Berührung kommt und somit völlig unvorbereitet da hineingerät? Soll ich ihn wirklich für so blöd halten, meinen Konsum, der sicher nicht anstrebenswert ist für einen gesunden Menschen, vor ihm zu verstecken? Ich bin doch nicht Superman. Ich werde ihm hier und da auch erklären müssen, dass sein Papa auch mal Fehler macht und auch mal schwach ist. Auch wenn jeder Sohn wohl erst mal davon ausgeht, Papa ist eine Kreuzung aus Superman und einem T-Rex. Damit ich dann auch sicher sein kann, er lügt mich später ebenso an, wenn er vermeintlich einen Fehler macht? Ich versuche lieber, ihm als erfahrener Ansprechpartner zur Seite zu stehen und hoffe, er nimmt es dann an.

Die Alternative wäre eine eigene Abstinenz, aber wo fange ich damit an, wo höre ich auf? Ich liebe Schokopudding, manchmal esse ich den unkontrolliert, gerade in abstinenten Phasen (hatte in so einer mal 107 kg). Darf ich ihm das vorleben oder eher nicht? Darf ich ihm vorleben, 3 Stunden am Tag am Handy zu verbringen oder sollte ich da auch lieber Abstinenz anstreben? Ich setze auf das Beibringen von Vernunft.

Jeder muss mich wohl akzeptieren, wie ich bin, auch mein Sohn und ich bin guter Dinge, dass das immer so sein wird.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Tobias: Wie eben erwähnt wie bei jeder anderen Sache mit Gefahrenpotenzial auch. Der Zeitpunkt ist dabei nicht vorherbestimmt, wenn es sich nicht ergibt, wohl spätestens im Teenageralter, eher ein wenig früher. Kommt wohl auch auf die Entwicklung an.

Mit 2 Jahren im Schwimmbad pflückte er ein fünffingeriges Blatt und rief laut zu mir rüber: „Schau mal Papa, ein Hampfblatt“. Krasses Gefühl, wenn das alle drumherum hören. So gerne man als Eltern sein Kind vor allen Gefahren beschützen möchte, man muss sie auch auf Eigenständigkeit vorbereiten, Verstecken wird wohl kaum jemanden schützen

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Tobias: Ab 18 Jahren sollte das auf jeden Fall gehen. Das ist bei uns die Grenze zur Volljährigkeit und Eigenständigkeit. Vielleicht ist das Gefahrenpotenzial auch noch später gegeben, aber ab dann sollte man das einschätzen können.

Ich fände es eigentlich total naheliegend, dass man mit THC-Grenzwerten auch verschiedene Altersstufen installieren könnte. Ich glaube, es wäre auch gut, ähnlich wie beim Alkohol eine niedrige Grenze ab 16 zu installieren. Und da es beim THC auch so große Unterschiede gibt, könnte man auch weitere Grenzen einführen und erst ab 21 oder 25 ganz frei konsumieren. Das würde sicher nicht allen Schaden abwenden, aber vielleicht, wenn die aktuelle Forschung bestätigt wird, eben doch die Entwicklung vieler junger Menschen weniger einschränken. Aber den Masterweg wird es da wohl nicht geben, alle Probleme bekommt man nie aus der Welt. Ebenso wenig wie man die Drogen aus der Welt bekommt.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Tobias: Ich denke, wichtig ist Aufklärung. Daher wäre ein Vertrieb in Geschäften mit ausgebildetem Personal ganz geeignet. Dort findet vielleicht auch eine Erstaufklärung statt, bevor man zum Kauf berechtigt wäre und man hätte auch schon Ansprechpartner, wenn man doch spürt, dass sich ein Problem entwickeln könnte. Grenzen sollte es nicht geben, dafür ist das Empfinden viel zu unterschiedlich. Lieber diskrete Hilfsangebote.

Vor allem das Wichtigste ist aber wohl ehrliche und sachliche Aufklärung bei Jugendlichen. Wir machen uns so unglaubwürdig als Gesellschaft, wenn wir dieses Stigma aufrechterhalten. Genau das hat mir auch jeden Glauben an gut gemeinte Warnungen geraubt.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Tobias: Früher als Grower war ein Highlight auf jeden Fall die ursprüngliche „SensiStar“. Die hatte ein einzigartiges (gefährliches) Aroma und war trotz geringer Ausbeute sehr ergiebig in der Wirkung. Zu der Zeit strebte ich hohe THC-Gehalte an, in dem Glauben, dass das für mich effizienter sei.

Nun als Patient und mit dem Wissen, dass auch CBD einen großen Vorteil für mich bringt, ist die Sorte Penelope mein absoluter Favorit. Und die wäre für mich früher gefühlt auch nicht weniger spaßig gewesen als THC – Bomben. THC ist nicht alles, wobei mir CBD alleine definitiv nicht reicht.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Tobias: Im Job ist das natürlich immer schwer abzuschätzen. Aber auch die Angst ist völlig übertrieben. Erinnert Euch an die letzte Weihnachtsfeier oder Ähnliches. Glaubt Ihr, dass Ihr, wenn Ihr gute Arbeit macht, entlassen werdet, nur weil Ihr kifft?

Und außerdem gibt es als Nichtkonsument genauso viele Gründe, sich aktiv einzusetzen. Wir zahlen alle mit für diesen Quatsch, jeder hat jemand in der Familie, der unnötig kriminalisiert wird, wenn nicht, in seinem Umfeld. Inzwischen trifft das sogar immer mehr kranke Menschen. Sollte man zum Beispiel nach dem Besuch einer Demo darauf angesprochen werden, was man da mache, würde ich antworten, warum derjenige nicht da war. Schließlich sollte wirklich jeder, der sich neutral über die Sache informiert, schnell zu dem Entschluss kommen, dass sich schnell etwas ändern muss.

Ich erlebe hier kranke Menschen, das geht hin bis zu solchen – die vor dem Verschreiben von Cannabis lieber noch verschiedenste Medikamente nehmen und eine Kortisonkur machen mussten und mit Selbstmordgedanken vor mir standen. Warum soll man leidenden Menschen den Zugang verweigern? Es gibt hundert Gründe für eine Regulierung und keine dagegen. Alle dagegen hören sich meist gut an, sobald man aber in die Tiefe geht und über Konsequenzen nachdenkt, sind sie nutzlos oder bewirken sogar das Gegenteil wie beim Jugendschutz.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Tobias: Ich würde mir das lieber selber anpflanzen. Allerdings bin ich momentan in einer so ausgelasteten Phase, dass ich dafür vielleicht gar nicht so wirklich Zeit hätte und doch auf ein Angebot zurückgreifen würde. Wenn es geprüfte Qualität und Deklarierung gibt, spricht ja auch nicht mehr so viel dagegen. Die Regierung hat ja Angst, Anbau zuzulassen, aber das ist Quatsch, es wird dennoch ein Markt wachsen. Ich würde mir auch gerne mehr Gemüse pflanzen, aber die Zeit fehlt, ich hole das auf dem oder im Markt. Oder besuche auch mal ein Restaurant. Auch der Eigenanbau wird neue Möglichkeiten bieten. Servicegärtner wäre doch ein cooler Berufszweig, oder?

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Tobias: Das Wichtigste ist, dass demjenigen klar ist, dass Cannabis nichts Cooles oder gar Anstrebenswertes ist. Wenn er/sie dennoch Lust hat, das zu konsumieren, sollte das in einem Umfeld stattfinden, indem man sich wohl fühlt. In dem man sich nicht schämen würde, zuzugeben, dass es einem nicht gut tut.

Menschen reagieren unglaublich unterschiedlich auf Cannabis und es ist kein Makel, wenn man nicht „mithalten“ kann. Eher wünschenswert. Und egal zu welchem Zeitpunkt. Immer reflektieren, „Tut mir das gut? Habe ich etwas davon, was ich mir versprochen habe?“

Macht Pausen und informiert Euch auch in der Theorie über die Substanz, die möglichen Gefahren und Suchtanzeichen. Denn, wenn man da von Anfang an überlegter ran geht, ist die Gefahr schon deutlich kleiner. Und redet mit Euren Eltern, wenn ihr nicht absolut hoffnungslos seid. Solltet ihr warum auch immer doch mal Probleme haben, sind die doch oft ein toller Anker. Und lieber haben sie schon vorher Verständnis als von der Situation überrascht zu werden. (Habe ich es Dir doch gesagt)

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Tobias: Hunderte, tausende. Mein Leben ist eine Cannabis-Anekdote. Wenn sie mich echt verknacken, schreibe ich ein Buch! Welche Theorie in letzter Zeit immer ein Lacher ist, aber auch zum Nachdenken anregt:

Mir haben in den letzten Jahren viele Menschen offenbart, dass sie ihren Konsum vor Ihrem Partner verheimlichen. Dazu habe ich das auch in meinem Umfeld schon so oft mitbekommen, dass ich absolut überzeugt bin, dass es Partnerschaften gibt, in denen beide Cannabis konsumieren, sich die Partner aber gegenseitig anlügen, sich verstecken und den Schein wahren.

Irgendwie lustig, aber eigentlich traurig und unnötig. Dasselbe bei Eltern-Kind-Beziehungen. Ich kenne kiffende Unternehmer, die kiffende Angestellte feuern mussten, um gesellschaftlich das Richtige zu tun. Ihr seid keine schlechten Menschen. Steht dazu!

Tobias, wir bedanken uns recht herzlich, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast, und drücken dir alle Finger, Daumen und Zehen, dass bei deinem Prozess alles gut geht und am Ende die Vernunft siegt!

Wer war noch gleich…? Ulrich Kranz

Ulrich Kranz

Ulrich ist mit Leib und Seele Cannabis – Freund.

Der gelernte Industriekaufmann, welcher im Laufe seines Lebens auch Taxiunternehmer und Gastwirt war, betreibt heute gemeinsam mit Frau und Tochter den Headshop „Hanfkranz – Tatoo&Piercing Studio“ in Düsseldorf/Rath.

(https://headshop-hanfkranz.business.site)

Die derzeitige Drogenpolitik ist für den 64 jährigen nicht nur aus gesundheitlichen Gründen unerträglich.

„Ich bin ein Kind des Cannabis!“ so der Düsseldorfer Aktivist.

Danke, dass du bei unserem Interview mitgemacht hast!

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Ulrich: Mit 15 auf meiner eigenen Konfirmation, ein 2 Jahre älterer Cousin konnte bereits 3 blättrige drehen…

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Ulrich: Ja, jeweils den Lebensumständen angepasst. Natürlich in 2015 einschneidend durch den Verlust des Kehlkopfes.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Ulrich: Ja, erstmals 1979 mit einem frühen Grow – Versuch hinterm Schlafzimmerschrank, danach mehrfach, letztendlich 13 Monate Haft in Portugal, überführt nach Deutschland und mit weiteren 50 Monaten abgeurteilt. Strafende 2010.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Ulrich: Schon seit frühester Jugend das Verbot als solches, dann der illegale Anbau und die daraus resultierende Haftstrafe.

Ich war auf allen Messen der 90er und 2000er, letzte war die Cannatrade.

Meine Kehlkopf OP in 2015 und das 2017 folgende Gesetz für Cannabis als Medizin haben mich dann bei der Stange gehalten, bis zum aktuellen Stand.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Ulrich: Seit 2016 gibt es den Familienbetrieb Headshop Hanfkranz.

https://www.facebook.com/hanfkranzgmbh/

Den betreibe ich mit meiner Frau und Tochter. Ebenso lange bin ich im DHV Düsseldorf aktiv und seit 2017 leite ich eine Selbsthilfegruppe Cannabis als Medizin für den Raum Düsseldorf, diese hat sich in 2019 dem ACM, SCM und der Patientenhilfe angegliedert, um aktuellste Infos aus der Medizinal – Cannabisbranche und den Forschungen und Studien der angegliederten Ärzte zu haben.

Im 4. Jahr bin ich Mitveranstalter des GMM Düsseldorf.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Ulrich: Ja, seit 2017 

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert? Oder hat es das, auch ohne dass du Patient bist?

Ulrich: Cannabis hat meine Gesundheit immer vor dem Alkohol geschützt. Ich hatte 3 Kneipen im Düsseldorfer Milieu. Es hilft mir bei der Implantatpflege, ich desinfiziere und entbakterisiere alles mit Konzentraten, welche ich direkt in die Lunge vaporisiere.

Alles in Absprache mit meinem Arzt.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Ulrich: Ich bin für selbstverantwortlichen Umgang mit Allem…

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Ulrich: Die Frage ist kaum zu beantworten! Aber ernsthaft sehe ich eine Chance, 1. im WHO Entscheid im März und 2. ganz neu über eine Legalisierung in Spanien, was dann zu einem Überschwappen von der iberischen Halbinsel auf ganz Europa führen könne.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo

du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Ulrich: Never surrender! Bin Kind des Cannabis.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Ulrich: Natürlich, immer nach Gleichgesinnten suchen ist die beste Maßnahme.

Hanfverband Hamburg: Hast du Kinder?

Ulrich: Ja, 3 Töchter zwischen 20 und 43 Jahren aus 2 Beziehungen.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Ulrich: Zwei meiner 3 Töchter kiffen, keine trinkt (übermäßig) Alkohol und 2 rauchen leider Tabak. Ich habe alle vom ersten Tag an offen und auch an die „Umweltbedingungen“ angepasst, erzogen.

Ganz wichtig: Nie Lügen…

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Ulrich: Minimum ehrliche 16, wie beim Bier auch. Eher natürlich verantwortliche 18 und am besten, nicht die Hirnstruktur  schädigende, 21 Jahre!

Damit es irgendwie klappt mit der Legalisierung.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Ulrich: Ich akzeptiere jede halbwegs vernünftige Form der Legalisierung/Regulierung, damit ich es aufgrund meines Alters noch erleben darf.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Ulrich: Nina Limone, ein Sativa Strain der Colorado seed inc.

Eigens in Boulder erworben und nach Europa gebracht. Es hat ein perfektes Terpenprofil.

Hanfverband Hamburg: Welches THC/CBD – Verhältnis findest du optimal?

Ulrich: Das Feld ist zu weit, um da ein vernünftiges Statement zu geben, aber 20% THC und CBD unter 1% ist schick.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Ulrich: Beides

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Ulrich: Dosis facit venemum!

Die Menge macht das Gift, also langsam und individuell herantasten.

Ansonsten: Learning bei doing…

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Ulrich: Bei der allerersten Beschlagnahmung von 8 Pflanzen im Jahr 1980, sagte meine damals vierjährige Tochter zu den Beamten, während ich mich im Polizeigewahrsam befand: Oh, oh, da wird der Papa aber stinksauer sein, wenn der das mitkriegt.

Ulrich, wir danken dir, dass du mitgemacht hast !!

Corona

Wir müssen leider bekannt geben,

Alle Veranstaltungen bis einschließlich 2. Mai 2020 sind abgesagt

und werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Damit folgen wir einer Allgemeinverfügung der Freien und Hansestadt Hamburg, vom 15. März 2020.

Wir versuchen alle geplanten Veranstaltungen zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen und werden Euch rechtzeitig darüber über die bekannten Kanäle informieren!

Wer war noch gleich…? Axel Junker

Axel Junker

Der 66 jährige Aktivist von der Insel Sylt setzt sich seit vielen Jahren für eine sinnvolle Drogenpolitik ein. Als Selbst – Betroffener kennt er sowohl die Sorgen und Nöte von Patienten, als auch die Angst vor den Repressalien, welche einem von Seiten der Justiz drohen können.

Cannabis hat sich, wenn man mal die Probleme beiseite lässt, welche ausschließlich durch die Illegalität entstehen, positiv auf sein Leben ausgewirkt. Sei es medizinisch, oder auch was seine kreative Entwicklung als Bildhauer und Musiker angeht, Cannabis war dabei.

Ständig ist der gelernte Tischler damit beschäftigt, ob online, oder im direkten Gespräch, Menschen über Cannabis aufzuklären. Denn nur aufgeklärte Menschen können sich eine sinnvolle Meinung zu dem Thema bilden.

Herzlichen Dank Axel, dass du unser Interview mitgemacht hast!

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Axel: In Berührung gekommen ich im zarten Alter von 15 durch meinen zwei Jahre älteren Bruder, der eine 200g Platte Gelben Libanesen besaß und mich in die Kunst des Shillum-Ziehens einführte. Ein schönes, unvergessliches Erlebnis…

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Axel: Im Verlaufe von über 50 Jahren, in denen ich inzwischen Cannabis konsumiere, haben sich meine jeweiligen Inhalationsmengen deutlich reduziert. Konnte ich mir zu Beginn der 70er Jahre aufgrund des geringen Preises für Haschisch noch leisten ein ganzes Gramm ins Rauchgerät zu packen, so vaporisiere ich heutzutage nur noch Zehntelgrämmer an Gras. Nicht aus finanziellen oder Dope-Angebotsgründen, sondern weil ich mit dem Gefühl des absoluten Stoned-Seins nicht (mehr) richtig umgehen kann und es mag lediglich gut „angebrizzelt“ zu sein.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Axel: Zuletzt vor rund zwei Monaten in St.Georg, HH bei einer eher zufälligen Kontrolle. Zwei Herren Uniformierte mit/in Wanne haben (u.a.) 2 g Gras bei mir gefunden. Sie sprachen ein Platzverbot aus und nahmen meine Personalien auf.
Post bezüglich Anzeige-Erstellung habe ich bis dato allerdings nicht bekommen.
(Natürlich frage ich mich da unwillkürlich, ob derlei „einseitige Handlungen“ im weitesten Sinne mit „Take Home“ bezeichnet werden könnten…)

Davor ist es schon rund 4 Jahre her, dass ich ungebetenen Hausbesuch hatte. Der für Drogendelikte zuständige Ortssheriff und sein Beirat waren gekommen, weil mein Name infolge des Kaufs zweier alberner 11Watt-Röhrenlampen in der Kundenkartei von UDOPEA auftauchte. In einer beschlagnahmten Kundenkartei, in der ich sozusagen bloß als lächerlicher Beifang firmierte.
Die vier dadurch in der Folge aufgefundenen Cannabis-Stecklinge brachten mir seitens der Staatsanwaltschaft Flensburg eine Aufforderung zur Ableistung von 10 Sozialstunden ein. Abgearbeitet in der sozialen Einrichtung, für die ich heute noch 3 mal wöchentlich halbtags ehrenamtlich tätig bin.
Dass dieser Bust damals so glimpflich ausging, verdanke ich nach meiner Überzeugung auch der Verpflichtung des Hamburger Rechtsanwalts Heiko Mohrdiek, der, wie ich, dem Schildower Kreis angehört (http://schildower-kreis.de/ ).

Auch 2006 schon bin ich wegen/für Cannabis mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Es ging um die medizinische Anwendung von Cannabis…
Im Beiprogramm einer Selbstanzeige und eine öffentlichen Skulpturen-Verbrennung.

Die sogenannte „Aktion Torso“ wurde jedoch zum Debakel. Ich spreche nicht gerne darüber.
Mit Mühe und Not rettete ich damals meinen Hals aus einer ursprünglich amtsgerichtlichen Verurteilung zu einem Jahr Haft ohne Bewährung zu einem Berufungs-Urteil des Landgerichts Flensburg, das schließlich doch noch in Bewährung mündete.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Axel: Ausschlaggebend war die Kritik einer an HIV erkrankten Frau mir gegenüber, die sich lediglich mit vegetarischer Ernährung und Cannabis gegen den Virus verteidigte. Sie – Irene – argumentierte schlicht, dass sich nur dann etwas in Bezug auf die Prohibition ändern würde, wenn man selbst aktiv dagegen zu Felde zieht. Irene hat ihren Kampf gegen den Virus schlussendlich zwar verloren, dafür aber einen Mitaktivisten gegen die unwirksame BtM-Gesetzgebung auf seine Füße gestellt.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Axel: Ich bin seit 20 Jahren ACM – Mitglied, davon war ich bis 2019 insgesamt neun Jahre lang stellvertretender Sprecher des „Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin“

(https://www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de/2015/03/02/ipsum-dolor-sit-amet-conse-ctetur-adipisicing-elit/ ).


Zwei Mitpatienten und ich bestücken die Dépendance des SCM bei Facebook mit aktuellen Berichten, Artikeln, Urteilen und Entscheidungen rund um Cannabis-Medizin.
Nebenbei mache ich seit 12 Jahren nahezu unterbrechungsfrei niedrigschwellige Drogenberatung auf einem Online-Portal bei/mit vorwiegend Jugendlichen, aber auch jungen und „erwachsenen“ Erwachsenen.
Im wesentlichen setze ich mich also durch Aufklärung für die Legalisierung von Cannabis ein, wobei für mich die „Legalisierung für Patienten“ aus gesundheitlichen Gründen Priorität hatte. Mit Pflanzen-Unterstützung habe ich meine chronische Hepatitis unter die Nachweisgrenze gedrückt, monatelang heftige Rückenscherzen gelindert und meine Abhängigkeitserkrankung sozusagen mit der mildesten Form der marktgängigen Möglichkeiten überaus erfolgreich substituiert.
Ich bin der festen Überzeugung, dass eine (regulierte) Legalisierung „zu Genusszwecken“, auch viele Probleme des medizinischen Cannabismarktes beheben könnte. Und seien es nur die bessere Versorgungssicherheit, die Preisgestaltung und die zu erwartende Zunahme an Lebensqualität durch größere Sortenverfügbarkeit bei gleichzeitig eingestellter Strafverfolgung und reduziertem Stress..

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Axel: Ja

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert?

Axel: Abgesehen von der bereits geschilderten gesundheitlichen Verbesserung meiner Existenz durch Cannabis hat der Gebrauch einige erstaunliche Talente in mir hervorgebracht, von denen ich noch heute stark profitiere.
Meine Holzbildhauer-Arbeiten, aber neuerdings auch meine Acrylfarben-Malerei, legen davon beredtes Zeugnis ab. Ebenso war mir Cannabis bei der Entwicklung meiner rhythmischen Fähigkeiten eine gute Hilfe. Das anstrengende Leben mit und in einer (regionalen) Band habe ich vor zwei Jahren dennoch an den Nagel gehängt, weil ich das unausweichliche Gefühl hatte, ich müsse mich von niemandem mehr für irgendetwas beklatschen lassen.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Axel: Ich habe vieles lange – manches wahrscheinlich zu lange – ausprobiert: Neben diversen Haschisch-Sorten in den frühen Siebzigern hab ich auch relativ viel LSD eingeklinkt, um dann nahezu übergangslos auf sog. „Apo-Sore“ zu wechseln: Morphin, Opiumtinktur und viele andere Dinge aus dem Giftschrank.
Mein erstes Heroin hatte ich – ausgerechnet – im Jugendstrafvollzug.
Später folgte eine ausgedehnte Heroin – Kokain-Phase, die ich dankbar und demütig bin überlebt zu haben.

Mit 17 Jahren glaubte ich, dass ich nicht älter als 30 werden würde. Heute bin ich mehr als doppelt so alt und hab im Grunde Bock auf noch einmal die gleiche bisherige Lebensdauer.

Die Frage der sozialen Schadensminimierung bei Drogenkonsum allgemein ist m.E. eng an Verfügbarkeit und Versorgung von konsumierbaren Drogen gekoppelt.

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chance, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Axel: Es ist nach meinem Empfinden höchste Zeit für einen Versuch Rot-Rot-Grün. So lange aber die Schwesternparteien CDU und CSU einmütig sind in und bei der Verteidigung Bayerns mit den meisten letal Überdosierten hierzulande bei zeitgleich null Drogenkonsumräumen, kann man bei weiterer Regierungsbeteiligung der Konservativen in Zukunft keine großen drogenpolitischen Fortschritte erwarten. Eher Stagnation… „Mortler`scher Ludwigismus.“

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Axel: Keine Zweifel. Wer überzeugt ist durch eigene Erfahrung, Praxisnähe, Information und etlichen emotionalen Höhen wie Tiefen, weicht nicht ab. Und während er/sie nicht abweicht, hinterfragt er/sie sich gelegentlich.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Axel: Ja, zweifelsohne. Im Verlaufe eines halben Jahrhunderts kommen da etliche Geschichtchen in meinem Umfeld zusammen, in denen Cannabis Freundschaften und Beziehungen auf die Probe stellt, mitunter auch zerbrechen lässt.
Cannabiskonsumenten sind noch immer Ausgegrenzte in großen Teilen dieser Gesellschaft; dieser sozialen Ächtung nicht nachzugeben – sondern mein Ding zu machen und mich zu bekennen, das ist meine persönliche Antwort auf diese Stigmatisierung.

Hanfverband Hamburg: (Wenn du Kinder hast) Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Ich habe einen erwachsenen Sohn, der sein Leben im Griff hat und weder raucht noch trinkt. Ich mag Menschen, die ohne Stimulanzien auskommen. Ich gestehe überdies jedem Menschen zu eigene Entscheidungen zu treffen.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Axel: Man kann das m.E. schlecht an einem bestimmten Alter des Kindes festmachen. Es gehören Reife und Verständnis dazu, Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und das eigene Weltbild danach auszurichten. Offenheit, Ehrlichkeit, Liebe und viel Zeit für sein Kind/seine Kinder sind die beste Prävention.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Axel: Selbst wenn ich selbst schon mit 15 angefangen habe Cannabis zu konsumieren (mit 14 durfte ich bereits mit Erlaubnis des Vaters zuhause Zigaretten rauchen), und auch auf die Gefahr hin, dass mich einige Leute dafür steinigen werden (wollen): 21 Jahre halte ich für ein angemessenes Alter angesichts der allgemein grassierenden Aufklärungsdefizite.
Pubertierenden, womöglich zu mentalem Auffälligkeitsverhalten neigenden Jugendlichen den uneingeschränkten Zugang zu Cannabis zu ermöglichen, ohne sie entsprechend sachkundig darauf vorzubereiten…da wackle ich mit dem Kopf und es sieht schwer nach „nein“ aus.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Axel: Coffeeshops ohne backdoor-politic-Problem wäre ebenso mein Traum wie lizenzierte Cannabis-Fachgeschäfte. Dazu Social Clubs in jeder willigen Gemeinde.
Aus Apotheken sollte Cannabis im Falle einer Legalisierung grundsätzlich herausgehalten werden, schließlich geht eine größere Gefahr für die menschliche Gesundheit von Klosterfrau Melissengeist aus. Nicht zuletzt, weil Beratungszeit für Melissengeist allgemein wesentlich kürzer ausfallen dürfte als das erforderliche Beratungsgespräch beim/vom Cannabis.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Axel: Northern Lights und Cervantes Diamonds. Und zwischendurch immer wieder mal Abwechslung.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Axel: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt.
Wer sich nicht wehrt, lebt beschwert.
Wer sich nicht wehrt, nährt das kotzende Pferd.
Wer sich nicht wert, ist der vielen Möglichkeiten durch Cannabis nicht wert.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Axel: Natürlich würde ich Cannabis lieber anbauen dürfen als im Shop kaufen. Mein vor mehr als zwei Jahren beim BfArM eingereichter Anbau-Antrag hat es zwischenzeitlich in die erste Instanz der Verwaltungsgerichtsbarkeit geschafft. Bislang ist der Antrag aber weder seitens des VG entschieden – noch konkret bearbeitet. (Hoffentlich wenigstens gelesen…!)

Gärtnern – egal ob drinnen oder draußen – kann große therapeutische Wirkung entfalten.
Ich rede da aus mannigfacher Erfahrung, ohne tatsächlich darüber reden zu wollen.
Eigenanbau bietet daneben ebenfalls nicht von der Hand zu weisende finanzielle Vorteile und nicht zuletzt die beruhigende Gewissheit, dass man als anbauender Konsument/Patient absolut weiß, was im Gras drin steckt (z.B. keine Herbizide und Pestizide, kein Teebaumöl oder Gamma-Strahlung.)

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Axel: Start low and go slow!
Frei übersetzt: „Weniger ist mehr…“

Bei den ersten Cannabis-Experimenten sollte man zunächst nur ein, zwei Inhalationszüge nehmen und dann 30 Minuten abwarten, ob und welche Effekte sich einstellen.
Grund für die Wartezeit ist, dass Cannabis seine stärkste Wirkung erst nach ca. einer halben Stunde entwickelt. Nach dieser halben Stunde kann man sich entscheiden, ob man noch einen Zug verträgt. Wer aber gleich quasi „überdosiert“, kann nicht mehr entscheiden, macht üble Erfahrungen und schiebt womöglich sogar akute Psychose-Ängste. Das wäre dann der Zeitpunkt, in dem Prof. Rainer Thomasius die Bühne betreten könnte/müsste/sollte/dürfte/wollte.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Axel: Anstelle anekdotischer Cannabis-Geschichten anbei ein paar Bilder von Dingen/Werken, die unter meinen Händen und Cannabis-Einfluss entstanden sind. Ich halte persönlich sie für dauerhafter unterhaltsam als etwa Erinnerungen an lustige Vorkommnisse.

Danke Axel, dass du mitgemacht hast!

Wer war noch gleich…? Christoph Roßner

Christoph Rossner

Ob früher als illegaler „Cannabis – Apotheker“, oder heute als interdisziplinärer Hanfsachverständiger und Geschäftsführer seiner Firma Rossner – Consulting

(http://rossner-consulting.de/),

Christoph´s Leben ist von Cannabis geprägt. Schon seit Jahren kämpft er für die Befreiung unserer Lieblingspflanze.

Mit der 2015 gegründeten Firma „Bunker Phyto-Pharma-Development“ startete er in einem Atombunker in der Nähe von Memmingen in Bayern, Europas größte Cannabis – Indoor – Plantage zur Erforschung von Medizinischem Cannabis.

Er ist Berater in allen Bereichen des Cannabusiness, von Politikern über Forschern bis zu Unternehmen der Branche. Und natürlich ist er als Aktivist auch auf den Demos anzutreffen, um seine Meinung zur aktuellen Drogenpolitik kundzutun,

denn er weiß genau und hat am eigenen Leib erfahren, welche schlimmen Effekte das Cannabis – Verbot hat.

Christoph, vielen Dank, dass du dir für unser Interview Zeit genommen hast.

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten Mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Christoph: Ich hatte mit ca. 13-14 Jahren den ersten Kontakt, da habe ich mir, aus Interesse, Hanfsamen aus dem Vogelfutter gesucht und dann damit im Garten, unseres Hauses, die Pflanze angebaut. Meine Oma hat mir dann erklärt, das dieses Kraut Hanf heißt und man Seile draus machen kann und Tee gegen Durchfall.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Christoph: Durch den erfolgreichen Hanfanbau im hauseigenen Garten, lernte ich schnell, auch andere Jugendliche kennen, die gerne mal einen „buffen“ wollten, da kam dann eines zum anderen. Angefangen haben ich mit selbstangebauten Gras, bis man dann mal so 1985-86, endlich, marokkanisches Haschisch bekam, da bin ich dann voll eingestiegen und hatte eine gut florierende Hanf-Apotheke, bis 2002. Die dann aber leider von den Behörden, unsanft geschlossen wurde und ich rechtskräftig, in der Berufung, zu 2 Jahren und zwei Monaten verurteilt wurde, die ich dann auch teilweise in der JVA-Landsberg absitzen musste. Seit 2007 bin ich Dronabinol-Patient und seitdem hat sich mein Konsum auf medizinisches Cannabis reduziert.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Christoph: Wie schon erwähnt, wurde ich rechtskräftig zu Gefängnis verurteilt und davor hatte man die üblichen Kontakte mit den Strafverfolgungsbehörden, dabei habe ich ja gemerkt was hier falsch läuft und Cannabis/bzw. Drogenpolitik nur dazu dient, Menschen zu unterdrücken, die nicht in das Weltbild der christlich-westlichen Leitkultur passen. Ich habe all die behördlichen-Schikanen, am eigenen Leib erfahren, die einem Drogenkonsumenten im Knast drohen. Ich weiß was es heißt „real Gangster“ zu sein, denn ich hatte schon entsicherte Dienstwaffen am Kopf, wegen Ott.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Christoph: Genau dieser Missstand, ich hatte mit 17-18 Jahren schon keine Lust mehr, das Maul zu halten und so kam es, dass ich mich mit Freunden zu einer Deutsch-Rapband formierte, die sich „Die Allianz“ nannte und ein Lied rausbrachte, dass „Freies Ganjah für unser Land“ hieß. Der Text des Liedes, behandelt die Problematik der Drogenpolitik in unserem Land und was wir, vor 30 Jahren schon, anprangerten, hat heute an seiner Aktualität nichts eingebüßt. Damit Menschen wie du und ich, nicht mehr länger wegen einer ungiftigen Heilpflanze diskriminiert und verfolgt werden können müssen wir endlich Gesicht zeigen und aufhören uns zu verstecken, denn auch hier gilt: „Wir sind mehr!“

Link zu Freies Ganjah: https://www.youtube.com/watch?v=oYH3iO2k4GM&t=14s

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Christoph: Wenn man es genau betrachtet, war die „Die Allianz“ der Anfang, meiner politischen Legalisierungsarbeit. Dabei habe ich festgestellt, dass der bayerische Staatschutz dich ganz schnell auf den „Kieker“ nimmt und du immer mit politisch motivierten Störaktionen, wie Studio – oder Hausdurchsuchungen rechnen musstest. Ich habe den VfD mit begründet und auch der DHV kennt mich sehr gut, als Mitstreiter. Ich habe z.B. 2001 den ersten von 5 Anträgen, zu wissenschaftlichen Untersuchung der Hanfpflanze gestellt, die, alle, bis auf den Letzten, mit der damals üblichen Floskel, “ …Gefahr für das Ansehen der Bundesrepublik in der Weltöffentlichkeit…“- abgetan wurden. Aus dem letzten Antrag hat sich das größte internationale Forschungsprojekt zu Hanf entwickelt.

Ohne Forschung ist es nicht möglich die Ungefährlichkeit von Hanf zu belegen.

Das war auch mit der Grund warum solche Studien verhindert werden.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Christoph: Ja, seit 2007

Hanfverband Hamburg: Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert?

Christoph: Natürlich hat der re-kreative Gebrauch von Hanf, große Vorteile gegenüber dem Freizeitkonsum alkoholhaltigen Getränken. Alkohol, berauscht durch die toxischen Reaktion eines krebserregenden Zellgiftes und dessen noch viel giftigeren, körperlichen Abbauprodukten. Hanf hingegen ist evolutionär und durch das Endocannabinoidsystem, mit dem menschlichen Metabolismus verbunden, kein Zellgift, heilsam und auch nicht Umweltschädlich in der Herstellung, ganz im Gegensatz zu Alkohol. Ohne Hanf hätte ich nie meinen Alkoholkonsum stoppen können und ich kann allen, die gesund und liebevoll Leben wollen, empfehlen, das gleiche zu tun. Gleiches gilt auch für meine chronischen Schmerzen die ich durch einen Arbeitsunfall bekommen habe, ohne Hanf könnte ich nicht arbeiten oder schmerzfrei, leben.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Christoph: Ich vertrete schon, seit 30 Jahren, die Meinung, das wir alles Legalisieren müssen, was uns berauschen kann. Denn nur so können wir unsere Gesellschaft davor bewahren, wieder fundamental und radikal zu werden. Das der staatlich, propagierte Alkoholkonsum genau das Gegenteil bewirkt, sieht man daran, das radikale und ideologische Gruppierungen versuchen mit Gewalt ihre kruden Ideologien durchzusetzen. Alkoholismus ist die Folge dieses rigorosen Substanz-Faschismus, der hier in unserem Land, von Lobbygruppen und vielen ideologischen Politikerinnen betrieben wird. Dies hat seinen Ursprung in dem christlichen Aberglauben, dass bestimmte Drogen und Substanzen dazu verwendet werden können, Satan zu rufen.

Die Cannabis-Angst wird auch deshalb erzeugt, da man mit ihr gut die besorgten Mütter von der vom Alkohol unterstützten Kokainsucht der Manager,-und Politikerväter, ablenken kann.

Im Bundestag wird alles konsumiert, warum dann nicht endlich auch legal?

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Christoph: Die Chancen stehen so gut wie nie. Das Problem bei uns, sind nur die lobby-gesteuerten Politiker, die meinen die Jugend, schützen zu müssen, aber in Wirklichkeit den Substanz-Faschismus aufrecht erhalten wollen. Ich sehe auch hier schon Tendenzen, dass hier umgedacht werden kann, wenn man denn möchte. Die UN wird das entscheiden und Deutschland wird dann auch ganz brav dieser Vorgabe folgen, das wurde mir mehrmals bestätigt.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Christoph: Nö, ich liebe die Hanfpflanze und ich war auch nie verzweifelt deswegen, weil, wer heilt hat recht. Ich bin immer schon an meinen Gegnern gewachsen. Als ich im Gefängnis, wegen Hanfhandel, gesessen bin und ich die verzweifelten Schreie aus den anderen Zellen, in der Nacht, gehört hab, da hab ich gewusst, du machst das richtig, denn wer dich wegen einer Pflanze einsperrt, der handelt aus einem religiös-ideologischen Wahn heraus. Ich habe dann auch immer an meine Schwester gedacht, die an schwerer Epilepsie litt und sich deshalb, selbst getötet hatte. Es gab 1974 eine Studie in Deutschland die feststellte, das Hanf gegen Epilepsie hilft, das habe ich aber erst ein Jahr nach dem Tod meiner Schwester erfahren. Dies alles und auch die vielen anderen Patienten, die ich kenne, geben mir die Power, diesen Kampf solange zu führen, bis ich legal ins Gras beißen kann.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Christoph: Ja, ich habe mich nie lange mit Menschen abgegeben die z.B. viel Alkohol trinken und Tabak rauchen, da deren Konsumverhalten nicht mit dem von Hanfkonsumenten konform geht. Man findet mich nicht im Kreise Audi A6 fahrender, adipöser Biertrinker, die gerne viel Billigfleisch grillen und dazu Fußballübertragungen glotzen.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Christoph: Kiffen ist nicht schädlich oder giftig.

Wenn man Kinder großzieht muss man sich immer bewusst sein, dass man sein Konsumverhalten direkt an diese weiter gibt. Vielen Eltern ist gar nicht bewusst das Süßigkeiten, Kaffee, Bier und Kippen, schnell abhängig machende Substanzen sind, die körperliche und psychische Schäden hervorrufen. Solange Cannabis, Alkohol, Koffein, Natriumglutamat und MDMA immer noch, rechtlich, differenziert behandelt werden, solange ist es schwer für Eltern, Kindern eine gute rechtskonforme Erklärung geben zu können. Wenn mich mein Neffe fragt, wie er sich am Wochenende denn berauschen sollte, ob mit Alkohol oder Hanf, dann würde ich Ihm die sieben Krebsarten aufzählen, welche direkt von Alkohol ausgelöst werden und würde dann meinen Vapourizer übers Wochenende bei meiner Schwägerin vergessen….

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Christoph: Da Hanf ein Nahrungsmittel ist, würde ich das schon mit denen im Kindergarten besprechen, die Kinder sehen ja auch wenn der Papa ein Bier trinkt, also muss er auch den Vapourizer erklären können. Nur Lügen und Heimlichkeit machen etwas mystisch und interessant, wenn man das bei Hanf weglässt, erklärt es sich von allein. Alkohol, hingegen, kann Atemlähmung, Hirnblutung und Herzstillstand nicht nur beim Erstkonsum auslösen. Deshalb so früh wie möglich aufklären.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Christoph: Ich finde dieses Thema mehr als müßig, weil es gibt ja auch keine Altersgrenze beim Kartoffelanbau oder Konsum, gleiches gilt für Goldregen oder Blauen Eisenhut. Das sind Pflanzen, deren grünen Teile alle tödlich giftig sind. Hanf ist bei der oralen Aufnahme nicht toxisch und die Psychose hat man schon, wird also nicht durch Hanf erzeugt, sondern größtenteils durch die DNA und die Meme.

Was sollte dann dagegen sprechen wenn ein 14 jähriges Kind, am Wochenende zusammen mit seinen Freunden oder Eltern einen Hanf-Keks isst und dann zu guter Musik chillt und/oder beim Baden ist? Habe ich auch gemacht, mache ich immer noch! Ich bin jetzt fast 50 Jahre alt, gesund und kiffe seit 35 Jahren. Ich habe im Gegenzug aber schon 60% meiner alten Bekannten und Freunde, die weiter Alkohol und Kippen konsumierten, auf ihren Beerdigungen besucht.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Christoph: Das ich Hanf wie Kartoffeln oder Tomaten anbauen und verkaufen kann.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Christoph: Meine Lieblingssorte ist die die es gerade gibt, das ist für uns Patienten hier in Deutschland die traurige Realität. Früher hatten wir eigene Züchtungen, für mich ist Hanf einfach immer Hanf, also Cannabis-Sativa L. Dieser ganze Zucht-Schnick-Schnack ist für mich wie Auto-Tuning, es gibt Leute denen gibt das Getue etwas, aber ich benutze es nur. Wenn es gut fetzt ist es gut, wenn es nicht gut fetzt ist es nicht gut. Diese zwei Kategorien habe ich für mich in den letzten Jahren erkannt, der Rest ist Marketing der Cannabiszüchter. Viel Blubber-Kush-Haze-IndicaBlablabla und nichts dahinter als überteuerter Hanf.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Christoph: Die Angst, ist der Grund, warum Kiffer immer noch als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Die Angst, ist aber auch der Grund, warum die Kiffer nicht auf die Straße gehen und Gesicht zeigen. Ich habe in meinem Leben viele Menschen kennengelernt, die kiloweise Grass rauchen und dick daran verdienen, keiner von denen setzt sich für die Legalisierung ein, weil dann verdient man nichts mehr. Deshalb würde ich allen empfehlen nicht mehr beim Straßenhändler zu kaufen, sondern zusammen mit Freunden anzubauen. Werdet so aktiv, das für euch dabei was rüber kommt und die nicht mitmachen, sind selber schuld. Meiner Meinung nach kann Hanf nur legal werden, wenn jeder der kiffen will seinen Blumentopf hat und selber anbaut, das ist ökologisch.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Christoph: Beides, wenn ich mir das Grass von einem guten Züchter für 0, 50,- per Gramm holen kann, wenn mich meine selbst angebauten Sorten langweilen, dann ist das doch ok und gut. So macht man es, mit Gemüse ja auch und Hanf ist ein wirklich gutes Gemüse.

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten Mal Cannabis konsumieren möchte?

Christoph: Es ist immer noch illegal, macht euch das bewusst. Macht es nur wenn ihr Bock drauf habt und nicht weil andere sagen, das dies jetzt sein muss. Konsumiert nur rauchfrei und ohne Tabak, mit einem Vaporizer. Erst mal einen kleinen Zug ausprobieren und dann mal chillen, das ist wichtig, keine Hektik und kein Stress. Da Cannabis nur illegal auf dem Schwarzmarkt in Deutschland erhältlich ist, ist es eine große Gefahr das die illegal erworbene Ware verunreinigt oder gestreckt ist. Achtet darauf und informiert euch darüber im Internet. Das würde ich Jugendlichen mit auf den Weg geben.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Christoph: Leider würden alle Geschichten die ich erzählen könnte den Rahme hier sprengen. Aber nur so viel, ich weiß was es bedeutet, wenn man in einem Folienschlauchgewächshaus einen „kleinen Grow“ startet und dann bei der Ernte feststellt, wie viel Biomasse Hanf wirklich erzeugen kann. Oder wie es sich anfühlt, wenn man, bei der Akteneinsicht feststellt, das dass BKA, zusammen mit dem LKA und dem Auswärtigen Amt, dich Monate lang, zusammen, mit dem spanischen Geheimdienst überwacht hat. Ich weiß auch wie es ist, wenn man mit scharfen, entsicherten Waffen von einem SEK mit Luftunterstützung auf einer Kreuzung gestoppt wird. Ich hoffe meine Ausführungen haben euch etwas gebracht, viel Spaß noch und

LIGALIZE IT! PEACE!!

Rev liest

Leider ist diese Veranstaltung abgesagt!

Am Sonntag den 5. April starten wir um 17 Uhr unsere diesjährige 420-Reihe mit einer Buchlesung.

Wir freuen uns Euch den langjährigen Aktivisten Pierre Rousseau ankündigen zu dürfen, den Viele als den Rev vom YouTube Kanal der Zeugen Sativas kennen.

Bei uns wird er aus dem Buch Knast oder Heimat von Thomas Galli lesen.

Sonntag, 05.04.2020 – 17 Uhr

Tortuga Bar, Bleicherstraße 27, 22767 Hamburg

Eintritt frei!

Bitte erscheint frühzeitig, es gibt nur begrenzt Sitzplätze!

Die Tortuga Bar ist eine Raucher-Bar. Einlass ab 18 Jahren!

Der sitzende Rev mit dem Buch Knast oder Heimat in der linken Hand.

Global Marijuana March 2020

Der Global Marijuana March (GMM) findet dieses Jahr deutschlandweit am 2. Mai statt.

Das Motto lautet Gleichbehandlung statt Willkür.

Jedes Jahr gibt es Anfang Mai hunderte Demonstrationen weltweit, für die Relegalisierung von Cannabis.

In Hamburg werden wir den GMM auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. An dieser Stelle werden wir Euch auf dem Laufenden halten!

Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden, weil bis vorerst 30. April die Allgemeinverfügung der Freien und Hansestadt Hamburg Veranstaltungen aller Art verbietet. Es ist noch nicht absehbar, ob die angeordneten Maßnahmen verlängert werden müssen.

Für Euren und unseren Schutz verlegen wir den GMM deshalb auf einen späteren Zeitpunkt.

Gleichbehandlung statt Willkür, Motto des GMM 2020.

Du kannst nicht nach Hamburg kommen? Dann schau doch mal hier, ob ein GMM in deiner Nähe ist!

Wer war noch gleich…? Ernst Schmidbauer

Ernst Schmidbauer

Er ist ein absolutes Urgestein unter den Legalizern

Ob in Sträflingsklamotten auf Demos, oder bei „Not another Dope Show“ auf YouTube (https://www.youtube.com/user/Hanffreundlich/about ),

Ernst Schmidbauer ist aktiv.

Der Berliner ist Stammgast auf der Hanfparade und dem GMM und auch auf Social Media begegnet man dem 53 jährigen Aktivisten. Ständig versucht er, andere Leute ebenfalls zu motivieren, sich für die Legalisierung einzusetzen, denn wie er einmal sagte:

„Ich bin nur ein Tropfen, gemeinsam sind wir ein reißender Fluss“

Danke, dass du bei unserem kleinen Interview mitgemacht hast!

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Ernst: Mit etwa 18 Jahren habe ich aus Neugierde mit Freunden zusammen Joints geraucht. Hoffnungslos Überdosiert, aber es hielt mich nicht ab weiter zu machen. Im Gegenteil haben die positiven Effekte überwogen

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Ernst: Definitiv ja. Bis etwa 1998 war ich so etwas wie ein Kampfkiffer, obwohl bereits politox. Ich bin nach einer Therapie 1999 nach Berlin gezogen und konsumiere erst seit 2016 Cannabis als Medizin, kenne also beide Seiten

Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Ernst: Ja, ich bin mehrfach Vorbestraft, aber alles vor 1998.

Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Ernst: Eine Sendung in den frühen 2000er Jahren, wo Steffen Geyer eingeladen wurde und er so gar nicht dem Klischee entsprach, nach dem er aussah. Ich habe das aber erst nur beobachtet, weil ich gerade mit meiner Therapie beschäftigt war und selber mit Cannabis aufgehört hatte.

Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Ernst: Etwa 10 Jahre Lang war ich Privates Fördermitglied beim DHV und bin ein Gründungs Ortsgruppen Mitglied der Berliner OG, aber derzeit nicht mehr aktiv. Und ich habe den Medical Smoke In im Görlitzer Park ins leben gerufen und zwei mal angemeldet und dreimal mit Organisiert. Die Idee dazu hatte ich kurz nach der Gesetztes Änderung, ich war sauer wegen der Krankenkasse und schlug es während einer Ortsgruppen Sitzung vor, der Rest ist Geschichte.

Bist du Cannabis – Patient?

Ernst: Ja seit 2017 offiziell, aber ich nutze seit 2016 Cannabis Medizinisch

Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert?

Ernst: Bis zur Gesetzes Änderung war es gut, leider kann ich es mir jetzt nicht mehr leisten. Seit dem ich meine Therapie abbrechen musste geht es Gesundheitlich bergab. Mittlerweile erhalte ich Hartz IV, nach dem ich kein Krankengeld mehr erhalte. Eine Kostenzusage habe ich nicht.

Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Ernst: Es wäre wichtig, alle Substanzen unter Staatliche Kontrolle zu stellen und Erwachsenen Menschen ermöglichen, die Substanz die sie haben möchten, in einer guten und sicheren Qualität zu erhalten.

Das bedeutet auf keinen Fall Cannabis oder Heroin im Supermarkt, sondern je nach Substanz, im Fachhandel oder Apotheke oder wie bei Heroin es bereits der Fall ist, von Ärztlichen Personal. Aber den Zugang würde ich nicht auf Begrenzte Kreise einschränken, sondern jedem Erwachsenen ermöglichen. Nach einer Aufklärung über Risiken z.B.

Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Ernst: 50 zu 50. Für den Machterhalt habe ich schon fliegende Kamele kotzen sehen. *lach*

Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Ernst: Ja gab es, nicht nur einmal. Eigentlich jedesmal wenn Leute aus den eigenen Reihen Arbeit sabotieren nur wegen Persönlichen Kleinigkeiten und damit Jahre verschwenden. Ich mache aber weiter, eben weil das Verbot so ungerecht ist und ich damit nicht weiter leben möchte. Die Armseeligen Argumente der am Verbot festhaltende Kleingeister ermuntern nur, sich mehr einzubringen.

Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Ernst: Nein nicht im Erwachsenen Alter, eigentlich auch nicht im Jugendalter, da gefühlt alle konsumiert haben. 😉

Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Ernst: Ich habe keine Kinder, fände aber eine frühe Aufklärung wichtig.

Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Ernst: So Früh wie möglich, altersgerecht verpackt. Das erste mal mit 5, dann wieder mit 12 oder 14 und danach ab 16 eventuell mal ein Bier geben oder nen Joint.

Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis fändest du sinnvoll?

Ernst: Ich fände es Sinnvoll alles was eine Sucht verursacht oder berauschen kann ab 18 in Ordnung, aber mit den Eltern bei weicheren Dingen ab 16 probieren lassen

Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Ernst: Hybriden , weil diese beide Eigenschaften vereinen. Lieblingssorte heißt Amnesia Spice und ist eine Mischung von Amnesia Core Cut und Spicy Bitch, von den Apotheken Sorten enthalte ich mich, da jede Charge anders ist.

Welche Konzentration von THC und CBD im Cannabis findest du optimal?

Ernst: THC 30 zu 2 % CBD

Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Ernst: Anbauen aber da das auf Dauer zu eintönig wäre, fände ich CSCs gut wie es sie in Belgien gibt, aber mit Blick auf Touristen braucht es definitiv eine Mischlösung, für einheimische Konsumenten CSCs und für die anderen Shops.

Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Ernst: Konsumiere nicht alleine und nicht unbedingt das stärkste. Verdampfen vor rauchen und zum beginn nur einmal ziehen. Wenn es denn überhaupt sein muss.

Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Ernst: Ich saß mal mit einem Freund (beide damals um die 19 Jahre Jung) in München in einem Wienerwald. Stoned bis auf die Knochen hatten wie Hähnchen Barbecue bestellt. Kurz vor ende stellte ich die frage, ist das heiß oder scharf? Mein Kumpel und ich lagen fast auf den Boden vor lachen weil wir das nicht sagen konnten. Na ja, stoned ist das lustiger. 😀