Philine Edbauer

Philine Edbauer

Die Drogenprohibition sorgt weltweit für Ausgrenzung, Mord und Kriege. Sie hat dafür gesorgt, dass ein Großteil der Menschheit kaum in der Lage ist, rational an das Thema Drogen heranzugehen und so die gesellschaftliche Ausgrenzung von Millionen Konsumenten illegaler Drogen herbeigeführt.

An dieser Front kämpft Philine für Aufklärung und Akzeptanz.

Als Co – Gründerin der Initiative #mybrainmychoice (mybrainmychoice.de) und der „AG Substanz“ (substanz.info) setzt sich die gebürtige Münchnerin für eine Endstigmatisierung des Drogengebrauchs im Allgemeinen ein und arbeitete bis vor kurzem bei LEAP – Deutschland, wo sie sich um die Organisationsentwicklung kümmerte.

Teilnehmer der letzten Hanfparade konnten Philine sowohl als Co – Moderatorin der Hauptbühne, als auch mit ihrem eigenen Beitrag „Personen die mit Drogen handeln“ in Aktion erleben.

„Nebenbei“ studiert sie an der Berliner Humboldt – Universität „Moderne Süd – und Südostasienstudien“ mit dem Schwerpunkt „Drogenkrieg auf den Philippinen“.

Die 29-jährige Aktivistin gibt Interviews, macht Workshops und organisiert Podiumsgespräche, kurz gesagt: Sie setzt sich ein!

Wir wollten Philine etwas näher kennenlernen und haben mit ihr ein kurzes Interview geführt.

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten Mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Philine: Eine Freundin hat mir Pralinen geschenkt, als ich erfahren wollte, was Cannabis mit mir macht.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Philine: Cannabis scheint nicht so gut zu mir zu passen, meine Erfahrungen damit waren immer irgendwie anstrengend für mich. Aber dafür setze ich mich auch ein: Psychoaktive Substanzen selbst für sich entdecken zu können, wenn man möchte – in einem möglichst sicheren Rahmen und ohne dabei kriminell zu handeln.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Philine: Ich habe ein Problem mit dem Gesetz, wenn ich sehe, dass das Drogennehmen an sich kein Ding wäre, aber das Gesetz Probleme erschafft: Die intransparenten oder gewaltvollen Produktions- und Lieferketten, die ungeschützten Arbeitsverhältnisse, die Unsicherheiten über Zusammensetzung und Dosis und die geringe Bekanntheit von Safer Use Material und Methoden zur Vermeidung von Fehldosierungen und Krankheiten. Zum Beispiel sollte in Clubs geeignetes Snief-Papier ausliegen und Zeitungen sollte verboten werden, ihre Artikel mit Ziehröhrchen aus Geldscheinen zu illustrieren. Die Drogenpolitik schafft nicht nur Probleme durch die Strafverfolgung, sondern produziert auch ein Verständnis von Drogen, das Nutzer:innen und Dealer:innen vernachlässigt und entwertet, anstatt friedlich und kreativ auf das Zusammenleben zu wirken.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Philine: Ich habe in meinen Nächten in München beobachtet und kapiert, wie selbstverständlich der illegale Drogengebrauch ist und dass aber die Drogen nicht unbedingt Probleme schaffen, sondern aber in jedem Fall die Drogenpolitik. Es gibt so unfassbar viele Irrtümer über Drogen und jede:r meint, irgendwelche Meinungen über Drogen haben zu müssen, welche oft die jetzige Drogenpolitik letztendlich verteidigen. Der Krieg gegen die Drogen richtet weltweit seit Jahrzehnten viel Schaden an und wird wie selbstverständlich und immer dagewesen aufrechterhalten. Drogenpolitik ist für mich ein Thema massiver Menschenrechtsverletzungen, das als solches noch nicht den Stellenwert und die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Philine: Ich engagiere mich mit der Initiative #mybrainmychoice für die Legalisierung aller illegalisierter Drogen. #mybrainmychoice habe ich 2017 zusammen mit Julia gestartet. Wir haben uns bei einer Veranstaltung an der Uni kennen gelernt, die „Mehr als Ballern? Sind Partywochenenden schon politischer Aktivismus?“ oder so ähnlich hieß und wir hatten beide Lust, drogenpolitisch was Neues zu starten, weil wir keine passende bestehende Organisation für uns gefunden haben. (Cheers to Stefan für die initiale Unterstützung!) Wir bringen Argumente ein, die den Bogen von Drogenkriegen über Drogenhilfe zu Rassismus im Görlitzer Park schlagen und wir arbeiten daran, die drogenpolitische Bewegung breiter aufzustellen. Wir ziehen Leute an, die ähnlich drogenpolitisch arbeiten möchten wie wir, wir vernetzen Interessierte und woanders Engagierte miteinander, wir kooperieren bundesweit und international mit anderen Organisationen und Aktionen (u.a. #RethinkProcess via Knowmad Institut, Support don’t Punish, Demoreden, Workshops) und wir veranstalten in Berlin Gesprächsrunden zu diversen Themen in der Location eines Friedrichshainer Künstler:innen-Kollektivs.

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Philine: Seit Daniela Ludwig sich vor ein paar Tagen offen über Drug-Checking ausgesprochen hat, und nun das Tabakaußenwerbeverbot bei der CDU/CSU durchgesetzt hat, nehme ich ihr ab, dass sie nicht nur viele Gespräche führen möchte, sondern sich tatsächlich hinter ihre Aufgabe klemmt und Veränderungen fix einfordert. Ihre Offenheit hat ja auch den Organisationen und Twitterern einen Anschub gegeben, unsere Forderungen nochmal zu bekräftigen. Gleichzeitig passiert super viel mitunter dank R2G in Berlin: Drug-Checking, mehr Drogenkonsumräume, mehr Drogenhilfe, mehr Verbreitung von Safer Use-Material, mehr Forschung zur gesellschaftlichen Bedeutung von Drogengebrauch. Ich denke, das steckt weitere Leute an, sich für drogenpolitische Reformen zu engagieren und ich hoffe, das strahlt auf weitere Regionen aus.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Philine: Ich bin für das konsequente Einhalten einer einheitlichen Grenze, ab der man als erwachsene Person gilt, also 18. Es gibt immer Risiken, die nie komplett vermeidbar sind, sowohl beim Drogengebrauch als auch bei sportlichen Aktivitäten, im Straßenverkehr oder im Job. Die Herausforderung ist, nachfolgenden Generationen und uns untereinander beizubringen, verantwortungsbewusst mit Risiken umzugehen und die besten Rahmenbedingungen zu schaffen. Empfehlungen, Einschätzungen und Daten von Fachleuten sollen für Leute, die sich informieren möchten, leicht verfügbar sein. Genauso wie das Material zur möglichst sicheren Anwendung.

In Sachen Jugendschutz denke ich, dass die Altersgrenze eine sinnvolle Signalwirkung gibt, d.h. dass wir uns als Gesellschaft entscheiden, Kindern und Jugendlichen zu empfehlen, mit dem Drogengebrauch gegebenenfalls abzuwarten. Außerdem glaube ich, dass Lebens- und Risikokompetenzprogramme in Schulen absolut sinnvoll und zu verbreiten sind.

Bei politischen Debatten finde ich es aber problematisch, wenn der Jugendschutz für Argumente instrumentalisiert wird, anstatt sich mal tiefergehend damit zu beschäftigen, was Jugendschutz eigentlich ist und wie schlecht wir insgesamt darin sind. Das betrifft dann andere politische Problemfelder wie Bildung und Armut: Kinder und Jugendliche werden systematisch in ihrem Heranwachsen allein gelassen, anstatt dass ausnahmslos alle finanzielle Stabilität, Unterstützung, kreativen Freiraum und Aufmerksamkeit erfahren.

Um Kindern und Jugendlichen gute Vorbilder zu sein, müssen wir Erwachsenen aber auch mal mehr Plan vom guten Leben bekommen, anstatt zu diskriminieren, stigmatisieren und marginalisieren, den Planeten zu zerstören und Menschen in Not nicht zu helfen – also uns komplett unglaubwürdig zu machen. Ich bin mir allerdings sicher, dass wir Jugendschutz mit etwas mehr Willen für sozialere Politik und mehr öffentliche Investitionen in bestehende Programme ohne viel Aufwand ganz schnell verbessern können.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Philine: Der Grundsatz für Erstgespräche mit Jugendlichen und Erwachsenen über Drogen ist: „Es gibt Drogen. Menschen nehmen sie, weil sie meistens Erfahrungen bereiten, die schön sind oder einen Zweck erfüllen. Sie können aber auch nachhaltige Schwierigkeiten bereiten und ich erkläre dir, was du beachten solltest. … Wenn du Fragen hast, ich bin für dich da.“ – Also wie beim Sex. – Und: „Für dein Alter raten Fachleute von der Droge X dringend ab, weil …“ Diese Gespräche sind dann zu führen, wenn sie selbst danach fragen oder wahrscheinlich damit in Berührung kommen oder gekommen sind.

Es muss aber wiederum auch klar werden, dass die Überlegung, gar keine oder bestimmten Drogen nicht nehmen zu wollen, völlig in Ordnung ist. Das gelingt offenbar am wenigsten beim Alkohol. Als Erwachsene:r den eigenen Alkoholgebrauch zu reflektieren und ggf. anzupassen, kann ein guter Anfang sein, um ein besseres Vorbild für Kinder und Jugendliche zu werden, kompetent mit Gesundheitsrisiken und Gruppendynamiken umzugehen.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Wir brauchen sowohl Eigenanbau/-produktion als auch Cannabis Social Clubs sowie den Aufbau von internationalen Produktionsketten, um z.B. Fair Trade Kokain in lizenzierten Fachgeschäften zu haben. Einhergehend muss sich die Drogenpolitik soweit selbst abschaffen, dass nur noch Gesundheitspolitik zur öffentlichen Finanzierung der Drogenhilfe und von Jugendschutzprogrammen sowie die Kontrolle und Verwaltung der lizenzierten Läden überbleibt.

Was wir nicht brauchen, sind Anreize zum Drogennehmen und Anreize, mehr Drogen zu kaufen, als man ursprünglich wollte. Also keine kommerzielle Werbung. Die Drogen an sich sind ja schon reizvoll genug. Wenn uns Leute in unserem Umfeld begeistert von ihren Drogenerfahrungen erzählen, wir in unserem Insta-Feed, von einer Netflix-Serie oder von einem Buch wie Christiane F. inspiriert wurden, finden wir die Drogen eh, ob legal oder illegal.

Wir bedanken uns herzlich für dieses kurze Interview und für dein Engagement auf dem Weg zu einer sinnvollen Drogenpoitik!

11 Fragen – Die Auswertung

Am 23. Februar 2020 sind die nächsten Bürgerschaftswahlen in Hamburg. Wie berichtet haben wir alle Fraktionen der Hamburgischen Bürgerschaft angeschrieben und ihnen elf Fragen zu ihrer Drogenpolitik gestellt. Zusätzlich haben wir uns die aktuellen Wahlprogramme aller fünfzehn zur Wahl stehenden Parteien angeschaut. Pünktlich zum Start der Briefwahl, dürfen wir Euch heute unsere Auswertung bekannt geben. Ab morgen könnt ihr in Eurer Wahlgeschäftsstelle wählen gehen.

Ausdrücklich möchten wir alle Wahlberechtigten auffordern: Geht wählen!

Natürlich kann die Drogenpolitik nicht der Einzige Aspekt sein, um einer Partei sein Vertrauen zu schenken. Aber verrät dieser doch sehr viel mehr über das Programm einer Partei als viele andere. Alle die noch unsicher bei der Vergabe ihrer Stimme sind, empfehlen wir den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Ab dem 23. Januar könnt ihr ihn nutzen!

Die Antworten

Die AfD in Hamburg kann aufgund begrifflicher Unschärfe unserer Fragestellungen nicht differenziert genug und damit seriös antworten. Zudem vermutet und erkennt sie suggestive Formulierungen unserer Fragen und zum Teil eine manipulative Ausrichtung. Wir mussten weinen, vor Lachen.

Keine Antworten der AfD
hat aktuell auch kein Wahlprogramm zur Bürgerschaftswahl 2020, sondern nur für 2015

Die SPD Hamburg gibt der Suchtpräventation Vorrang und möchte die erfolgreiche Arbeit der Suchtberatung weiter unterstützen und ausbauen. Ansonsten ist sie der Ansicht, dass es weiterhin strafrechtlicher Maßnahmen bedarf und hält die geltenden Regelungen bei Cannabishandel für ausreichend. Zwar sei ihr nicht daran gelegen, Konsumenten zu kriminalisieren, der Handel solle aber weiter bestraft werden. Sinnvolle Gesetzesänderungen müssten geprüft werden. Auch wenn das Anliegen durch den eigenen Anbau, die Risiken des Schwarzmarkts nachvollziehbar sei, ist der Anbau von Hanfpflanzen für Privatpersonen verboten. Veränderte Rahmenbedingungen könnten ein Anlass sein, diese Verfügung auf Aktualität zu prüfen. In Hamburg gilt die allgemeine Verfügung zur Anwendung des § 31a BtMG. Was die SPD hiermit meint, hat sich uns nicht erschlossen.

Kurios: laut SPD ist der Beistz geringer Mengen in Hamburg straffrei, was eine Dekriminalisierung bedeuten würde. In Wirklichkeit kann solchen Fällen lediglich von einer Strafverfolgung abgesehen werden. Die SPD hat gemeinsam mit den Grünen das Thema Modelprojekte mit dem Ergebnis geprüft, dass ein solches auf der gegenwärtigen Rechtsgrundlage nicht möglich sei. Sie steht der Abgabe von Cannabis für Erwachsene zu Konsumzwecken kritisch gegenüber. Beim Thema Drugchecking muss laut SPD genau hingesehen werden was gemeint sei, es könne jedoch sinnvoll sein. Man wolle die Ergebniss des Berliner Projekts abwarten. Die SPD Hamburg sieht bei Cannabis als Medizin keinen Handlungsbedarf.

Die Antworten der SPD
Wahlprogramm der SPD zur Bürgerschaftswahl

Für die Hamburger CDU ist nicht die behauptete Kriminalisierung der Grund für sozialen Abstieg, dieser sei Begleiterscheinung des Konsums. Regelmäßiger Drogenkonsum verändert die Persönlichkeit, schädigt die Gesundheit und treibt Menschen in die soziale Isolation. Sie hält am grundsätzlich strafbewehrten Verbot fest. Bestehende Regelungen sollen unverändert beibehalten werden. Sie seien unabdingbar für den Erfolg der generalpräventiven Wirkung, damit sei der Abschreckungseffekt in Bezug auf Meinungsbildung, Konsumorientierung, Schädlichkeitsbewertung und Konsumverhalten gemeint. Von einer Legalisierung würden vor Allem die Drogenhändler profitieren, da diese dann Chrystal Meth verkaufen würden. Zwinkersmilie.

Die Hamburger CDU hält die aktuelle Verordung zur geringen Menge für sinnvoll und befürwortet eine bundesweite Vereinheitlichung auf 6 Gramm. Sie lehnt die kontrollierte Cannabisabgabe kategorisch ab. Alleine durch eine Diskussion über ein Modelprojekt wird der Cannabiskonsum verharmlost und romantisiert. Bei der Bewertung der Ergebnisse aus Länder mit einer liberalisierten Drogenpolitik wartet die CDU mit alternativen Fakten auf. Vor allem Kinder und Jugendliche würden früher, häufiger und mehr konsumieren. Es gibt kein Recht auf Rausch, Drugchecking erwecke den Eindruck, dass saubere Drogen gesünder seien, dies sei laut CDU geradezu zynisch. Es sei grober Leichtsinn sich nach einem Joint am Vorabend am nächsten Morgen wieder ans Steuer zu setzen. Eine Legalisierung hätte fatale Signalwirkung. Bei Cannabis als Medizin sieht die CDU Hamburg auch keinen Handlungsbedarf.

Die strafrechtliche Bekämpfung sei für die CDU Hamburg zentrales Anliegen.

Die Antworten der CDU
Wahlprogramm der CDU zur Bürgerschaftswahl

Die Hamburger FDP fordern eine kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene und sehen durch die Repression immense Ressourcen bei der Polizei gebunden, die besser eingesetzt werden könnten. Die Rechtslage beim Eigenanbau solle jedoch nicht aufgeweicht werden, die Vorschriften zur geringen Menge sollen bundesweit harmonisiert werden. Diese Romantiker haben bereits mehrfach einen Modelversuch gefordert. Zuletzt mit einem Antrag im Jahr 2015 der lediglich mit den Stimmen der Linken untersützt wurde und mit den Stimmen der SPD, CDU, Grüne und AfD abgelehnt wurde. Ähnlich wie die CDU sieht die FDP im Drugchecking die Gefahr, dass eine Pseudosicherheit vermittelt werde. Grenzwerte im Straßenverkehr wie beim Alkohl hält die FDP nicht für sinnvoll. Sie sieht zwar Handlungsbedarf bei Cannabis als Medizin, bietet aber keine Lösungen an. Die FDP befürwortete in einem Antrag den Einsatz sogenannter Drogenscanner mittels Ionentechnik in den JVAs.

Die Antworten der FDP
Das Wahlprogramm der FDP zur Bürgerschaftswahl

Bündnis 90/Die Grünen halten die repressive und kriminalisierende Drogenpolitik für gescheitert. Sie streiten im Bund für die Einführung eines Cannabiskontrollgesetzes, das Anbau, Handel und Abgabe reguliert, nur so ließen sich Jugend- und Verbraucherschutz umsetzen. Beim Eigenanbauf für den persönlichen Gebrauch setzt sie keine eigenen Akzente und vertraut auf die Bundespartei. Eine Anhebung der geringen Menge soll überprüft werden. Sobald in Deutschland rechtlich umsetzbar, befürworten die Grünen ein Modelprojekt und Drugchecking soll etabliert werden. Der bloße Gebrauch von Cannabis darf nicht mehr zu Zweifeln an der Fahreignung führen. Grundsätzlich muss eine Vergleichbarkeit bei der Überprüfung der Fahreignung gewährleistet sein. Beim Thema Cannabis als Medizin sehen die Grünen ebenfalls keinen Handlungsbedarf. In der kommenden Legislaturperiode wollen sie sich für wirksame Prävention, Jugendschutz, Entkriminalisierung und Selbstbestimmung einsetzen.

Für die Grünen sieht ein regulierter Cannabismarkt wie folgt aus: Cannabisgeschäfte und der Anbau unterliegen strengen Auflagen, das Personal muss eine Schulung zur Suchtprävention absolviert haben. Der ganze Wirtschaftsverkehr wird gesetztlich reguliert.

Die Antworten der Grünen
Das Wahlprogramm der Grünen zur Bürgerschaftswahl

Auch die Linke sieht die repressive Drogenpolitik für gescheitert, sie verschlinge bis zu 80% der finanziellen Ressourcen in Strafverfolgung und -vollzug, welche in bessere Präventions- und Hilfsangebote investiert werden könnten. Sie steht für eine staatlich organisierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene unter Einhaltung des Jugendschutzes. Die Linke möchte den Anbau zum Eigengebrauch legalisieren, die geringe Menge soll bis dahin auf 15 Gramm erhöht werden. Drugchecking muss legalisert werden, so die Linke. Desweiteren befürwortet sie die Einführung wissenschaftlich begleiteter Modelprojekte. Im Straßenverkehr lehnt sie eine Ungleichbehandlung von Cannabis und Alkohol ab und befürwortet eine generelle Prüfung der Fahrtüchtigkeit und deren Testverfahren. Keinen Handlungsbedarf bei Cannabis als Medizin sieht die Linke als einzige Partei nicht. Sie fordert die Abschaffung des Genehmigungsvorbehalts bei den Krankenkassen und Schulungen für Polizei und Apotheken zum aktuellen rechtlichen Stand. Die Liste der in der aktuellen Legislaturperiode eingebrachten Initiativen ist die längste aller Parteien, Social Cannabis Clubs könnten für die Linken modelhaft für die kontrollierte Abgabe von Cannabis stehen.

Die Antworten der Linken
Das Wahlprogramm der Linken zur Bürgerschaftswahl

Von den restlichen Parteien haben lediglich die Piraten noch eigene drogenpolitische Punkte in ihrem Programm. Sie steht für eine repressionsfreie Drogenpolitik und will ein Ende der gescheiterten Prohibition. Von allen Parteien hat sie das fortschrittlichste Konzept.

Das Wahlprogramm der Piraten Partei

Zusammenfassung und Wahlempfehlung

Die CDU und SPD sind weiterhin schlicht unwählbar, wer ein Vorankommen in der Drogenpolitik will sollte sein Kreuz bei einer anderen Partei machen. Die FDP hat schon einige gute Ansätze, verfolgt aber eher die Interessen der Wirtschaft. Die Grünen punkten vor Allem mit der Bundespartei und ihrem Cannabiskontrollgesetz. Die Linke punktet und hat in der aktuellen Legislaturperiode am meisten gezeigt, wie sie die Drogenpolitik voranbringen möchte. Gemeinsam mit den Piraten hat sie die fortschrittlichsten Ansichten.

Schlussbemerkung

Und nun der vielleicht wichtigste Hinweis zum Schluss. Jeder, dem Cannabispolitik am Herzen liegt, sollte den Parteien mitteilen, warum er sie gewählt oder nicht gewählt hat! Das erhöht das Gewicht einer einzelnen Stimme enorm! Gerade in Bezug auf Grüne und Linke ist das wichtig, da sie gute Ansätze zeigen, aber scheinbar noch nicht ganz begriffen haben, wie gut sie mit diesem Thema punkten können. Es reicht ein Dreizeiler wie:

“Ich habe Ihnen diesmal meine Stimme gegeben, weil Sie sich für die Legalisierung von Cannabis einsetzen und erwarte von Ihnen, dass Sie das Thema die nächsten fünf Jahre auch voranbringen!”

“Ich hätte mir vorstellen können, sie dieses Jahr bei der Bürgerschaftswahl 2020 zu wählen, habe aber wegen ihrer repressiven Drogenpolitik davon Abstand genommen.

Hans Cousto

Hans Cousto

Der Mathematiker und Musikwissenschaftler wurde 1948 in Monthey in der französischen Schweiz geboren.

Er beschäftigte sich schon früh mit philosophischen Fragen und da er während seines Studiums der Antwort auf die Frage, „Was ist trivial und was beweisbar?“ nicht nahe genug kam, reiste er auf seiner Suche nach Weisheit nach Indien und unternahm diverse Reisen in den nahen und mittleren Osten.

Philosophische Fragen, psychedelische Erfahrungen, Tanz, Musik und Extase prägten die 70er Jahre von Hans, als er 1975 schließlich nach München zog, wo er einige Jahre in einer WG aus freischaffenden Künstlern und Hippies lebte.

Am 2. Oktober 1978 entdeckte Hans nach dem Genuss von Zauberpilzen während einer Vision die universelle Bedeutung des Oktavgesetzes für die Bestimmung der harmonikalen Kammertöne, die er von astronomischen Gegebenheiten abgeleitet hatte. Dies näher zu erklären würde hier jedoch den Rahmen sprengen.

Die „Kosmische Oktave“ prägte die nächsten Jahre sein Schaffen und er publizierte verschiedene Bücher zu diesem Thema.

Von 1994 bis 2011 engagierte sich Hans Cousto für den Verein „Eve & Rave“, welcher sich für die Aufklärung und Vermeidung von Drogenproblemen und die Förderung von Party,- und Technokultur einsetzt.

Er veröffentlichte weiterhin verschiedene Bücher, u. A. „Vom Urkult zur Kultur – Drogen und Techno“ , oder „ Drug-Checking – Qualitative und quantitative Kontrolle von Ecstasy und anderen Substanzen.

Seit 2011 arbeitet er bei der freien Arbeitsgemeinschaft „DrogenGenussKultur“ mit und veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen verschiedene Artikel zu Drogen und Rauschkultur im TAZ Blog „Drogerie“ oder auch auf der Website der Hanfparade.

Diese Zeilen umreißen das Leben dieses unfassbar interessanten Aktivisten natürlich nur äußerst grob. Eine ausführliche Biographie findet ihr hier:

https://www.planetware.de/tune_in/cousto/biographie.html

Wir freuen uns sehr, dass Hans uns in einem kleinen Interview einige Fragen beantwortet hat.

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Hans: Als junger Student in Zürich in der Mittagspause an der „Riviera“ – Stufen am Ufer der Limmat, wo wir uns trafen um was zu essen, zu trinken und zu rauchen. Das war 1968. Zuvor hatte ich als Schüler schon Erfahrungen mit LSD gemacht, was damals in der Schweiz noch legal war.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Hans: Ja. Als Studenten rauchten wir meistens in der Mittagszeit, Abends und beim Feiern Chillums. Später zog ich nach München in eine Kifferkommune und dort rauchten wir vorwiegend Chillums, manchmal auch Tüten oder Wasserpfeifen, ab dem Frühstück bis spät in die Nacht. Im Hause wohnten vor allem Musiker und Haschischhändler. Gutes Haschisch war immer im Hause vorrätig.

In den späten 70er Jahren verbrachte ich öfters die Winter in Asien – Afghansistan, Pakistan, Indien und Nepal. Dort war damals auf dem Lande das Rauchen von Chillums so üblich wie das Biertrinken heute in Bayern. Dort habe ich auch gelernt, wie man Haschisch und Charas macht.

In den 80er Jahren lebte ich in Amsterdam und begann vermehrt auch Gras zu rauchen. Es war eine Zeit mit einem intensiven Drogenmischkonsum, wie auch die späten 80er und die 90er Jahre in Berlin. Kiffen gehörte zum täglich Brot und es gab immer einen Grund um zu Feiern und zu Tanzen.

Heute bin ich Gelegenheitskiffer – manchmal habe ich mehrere Tage hintereinander kein Bedürfnis zu Kiffen, und dann kommt ein Festival und Gelegenheit, Lust und Freude bezüglich Kiffen sind wieder allgegenwärtig.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Hans: Nein

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Hans: Der Genuss von psychotrop wirkenden Substanzen ist ein Bereich der Individualethik und muss den Menschen frei überlassen werden, so wie jeder frei ist an einen Gott zu glauben oder nicht. Beim Feiern kann der Genuss von Haschisch, Zauberpilzen, Kratom oder Changa durchaus eine spirituelle Dimension haben und hat für das Individuum nicht selten den Charakter eines Sakramentes.

Das Gesetz sollte sich ausschließlich auf Fragen der Sozialethik beschränken, das heißt nur die Bereiche umfassen, die das Leben anderer mit meinem Leben umfassen. Wenn ich kiffe oder andere Drogen nehme, beeinträchtige ich nicht die Lebensqualität von anderen Menschen, deshalb hat die Frage, ob ich Drogen zur Entfaltung meiner Persönlichkeit nehme, nichts in einer gesetzlichen Vorschrift zu suchen. Es ist in meinen Augen ein Naturrecht, dass jeder sein Leben so genießen kann wie er will, solange dadurch der Genuss des Lebens anderer nicht beeinträchtigt wird.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Hans: Seit 1997 bin ich Jahr für Jahr auf der Hanfparade aktiv, in den letzten Jahren zumeist auch im OrgaTeam. So habe ich u.a. die Berliner Deklaration der Hanfparade von 2018 verfasst:

Seit vielen Jahren machen wir von der Freien Arbeitsgemeinschaft DrogenGenussKultur Infostände in Berliner Clubs und auf Festivals, wo wir Fachinformationen zu verschiedenen Substanzen und zum Mischkonsum für die Leute bereit halten. Seit vielen Jahren liegen auch Infos vom DHV, dem Hanf Museum, der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabinoidmedezin (IACM) und der Hanfparade auf unseren Infotischen. Mehr dazu:

25 Jahre Drogeninfostände in Berliner Clubs

http://blogs.taz.de/drogerie/2019/10/21/25-jahre-drogeninfostaende-in-berliner-clubs/

Drogeninfostände als Interventionsstrategie zur Gesundheitsförderung

https://blogs.taz.de/drogerie/2017/08/27/drogeninfostaende-als-interventionsstrategie-zur-gesundheitsfoerderung/

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Hans: Psychonautik kann ein zentrales Element bei der Entfaltung der Persönlichkeit sein und hat eine spirituelle Dimension. Das Einnehmen von Drogen hat vor allem mit Bildung, Wissenschaft und Kultur zu tun. Deshalb sollte die internationale Drogenpolitik von der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) koordiniert werden und nicht mehr von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), da die meisten Drogenkonsumenten, die ich kenne, froh und munter sind und nicht einen behandlungsbedürftigen Eindruck machen. Mehr dazu siehe: Das Weltkulturerbe Psychonautik – Ein drogenpolitisches Manifest

https://www.drogenkult.net/?file=text013

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Hans: Deutschland ist ein Rechtsstaat. Fortschritte in der Drogenpolitik erfolgten meist aufgrund höchstrichterliche Entscheidungen (Bundesverfassungsgericht, Bundesverwaltungsgericht). Beispielsweise stimmte der Bundestag einstimmig für das „Cannabis als Medizin Gesetz“, weil es die einzige Möglichkeit war, die Patienten daran zu hindern, ihre Medizin selbst anzubauen. Patienten hatten in mehr als zwei Jahrzehnten immer wieder das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) verklagt, weil das Institut ihnen den Zugang zu ihrer Medizin verwehrt hatte. Das BfArM unterlag in dem Rechtsstreit und das BfArM wurde verpflichtet, den Patienten Zugang zu ihrer Medizin zu ermöglichen – auch durch Eigenanbau. Das „Cannabis als Medizin Gesetz“ ist eigentlich ein „Eigenanbauverhinderungsgesetz“.

Weit über 100 Strafrechtsprofessoren forderten das Parlament auf, die Drogenpolitik im Lande zu evaluieren, da das BtMG seinen Zweck nicht erfüllt und nicht verhältnismäßig ist. Die große Mehrheit der Parlamentarier im Deutschen Bundestag wollten jedoch nichts davon wissen und sahen keinen grundlegenden Änderungsbedarf. Die besagten Professoren bilden jedoch die zukünftigen Richter aus – so habe ich Hoffnung auf bessere Zeiten in denen fundamentalistische Ansichten der bisherigen Mehrheit im Bundestag durch Vernunft und Rechtsstaatlichkeit dank zukünftiger höchstrichterlicher Entscheidungen überwunden werden können.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Hans: Menschen, die sich nicht treu (nicht beständig in ihrer Gesinnung anderen Menschen oder einer Sache gegenüber) sind, sogenannte Opportunisten, machen einem das Leben manchmal schwer. Wenn zu viele davon in meiner näheren Umgebung sind, war ich schon nahe am Verzweifeln. Doch Freunde, die sich selber treu sind und sich für das Einsetzen, wovon sie überzeugt sind, gaben mir immer wieder den nötigen Impuls weiter zu machen. Ja, man muss sich selbst treu sein, wenn man fähig sein will, anderen Menschen oder einer Idee treu zu bleiben.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Hans: Ja, aber nicht wegen des gesellschaftlichen Stigmas. Beim gemeinsamen Chillumrauchen, Eimerrauchen und Rauchen von Wasserpfeifen haben sich Freundschaften vertieft – Freundschaften die seit Jahrzehnten halten und mein Leben bereichern.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Hans: Den Kindern so früh wie möglich Genussfähigkeit beibringen. Betrifft Essen, Trinken, Spielen und vieles anderes mehr. Wer genießen kann, ist nach dem Genuss zufrieden, wer nicht genießen kann hat oft Lust nach mehr. Mediziner nennen das Craving.

Der Umgang mit Genussmitteln muss gelernt sein, damit man diese auch richtig genießen kann. Drogenmischkonsum ist eine Kunst wie Kochen. Nimmt man von einem Gewürz zu viel oder auch zu wenig, dann schmeckt die Speise nicht. Kinder möglichst früh das Kochen und den Umgang mit Gewürzen beibringen hilft diesen, ihren Geschmackssinn zu entwickeln und zu sensibilisieren. Kleine Unterschiede werden bewusster wahrgenommen und der Geschmackssinn eröffnet neue Erlebniswelten – mit psychotrop wirkenden Substanzen ist das nicht anders. Gute Küche, gute Weine und anderes mehr gehören zu unserer Kultur. Den Kindern Kultur vermitteln hilft ihnen eventuell später sich in die Kultur der Psychonautik einzufühlen; und Konsumenten von Psychoaktiva, die einen festen und lebensnahen kulturellen Background haben, laufen weniger Gefahr, sich von einer Substanz abhängig zu machen oder durch den Konsum Schaden zu erleiden.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Hans: Da man ab 18 Jahre Parlamentarier wählen kann, sollte man auch ab 18 die Drogen, die man zum Genuss, zur Gestaltung der eigenen Persönlichkeit wie auch zur spirituellen Entfaltung einnehmen will, legal in kontrollierter Qualität erwerben dürfen und können.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Hans: Ich bin für die Einführung von Drogenfachgeschäften, wie sie von der Grünen Jugend auf dem 25. Bundeskongress in Koblenz am 12. November 2005 gefordert wurden. Im Drogenfachgeschäft werden Gras und Haschisch in geprüfter Qualität angeboten und der Kunde erfährt, wie viel THC und CBD und CBN in der erworbene Ware enthalten ist. Nur wenn Konsumenten genau wissen, welche Mengen von psychotrop wirkenden Substanzen in einem Produkt enthalten sind, können sie ein vernünftiges und zielführendes Risikomanagement bewerkstelligen. Mehr zu Drogenfachgeschäften siehe: https://www.drogenfachgeschaeft.de/

Zudem sollte der private Eigenanbau erlaubt sein sowie die Etablierung von Cannabis Social Clubs, wo mehrere Konsumenten ihre eigenen Pflanzen von einem Gärtner auf freiem Feld oder in einem Gewächshaus betreuen und pflegen lassen können. Cannabis Social Clubs ermöglichen einen Zugang zu Gras und Haschisch unter völligem Ausschluss des Cannabismarktes. Dies gilt vor allem, wenn im Cannabis Social Club Samen aus eigener Züchtung zur Anwendung kommen. Zudem dienen solche Clubs dem Erfahrungsaustausch und haben einen sozialisierenden Effekt.

Ökonomisch wird ein Abwandern von Gewinnen in dunkle Kanäle blockiert, da die Cannabis Social Clubs sich als non-profit Unternehmen verstehen (gemeinnützige Genossenschaften oder Vereine) und nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind. Cannabis Social Clubs sind in der Lage, sich in sozialer und kultureller Hinsicht zu engagieren und eine sinnvolle, nicht auf Abstinenz ausgerichtete Prävention zu unterstützen. Cannabis Social Clubs sind ein Modell, in dem transparent, kontrolliert und reguliert Hanf angebaut und verteilt wird und somit auf diese Weise die Sicherheitspolitik des Landes unterstützt wird. In Spanien gibt es bereits hunderte von Cannabis Social Clubs, die erfolgreich funktionieren.

Magic Mushroom Social Clubs sind ein Pendant zu Cannabis Social Clubs. Sie bieten die gleichen Vorteile wie Cannabis Social Clubs, sind jedoch nicht auf die Kultur von Pflanzen, sondern auf die Kultur von Zauberpilzen ausgerichtet. Das Züchten von Zauberpilzen verlangt mehr Sachkunde als das Züchten von Cannabispflanzen, insbesondere, da bei einigen Arbeitsgängen steril gearbeitet werden muss. Gemeinschaftlich gelingt dies oft besser, als wenn ein Laie beginnt, mit der Pilzzucht zu experimentieren. Da Zauberpilze als weniger gefährdend eingestuft werden als Cannabis und viele andere Drogen, ist auch die Schwelle für eine amtliche Genehmigung von Magic Mushroom Social Clubs wohl niedriger einzustufen als dies bei den Cannabis Social Clubs der Fall ist. Magic Mushroom Social Clubs sind auf jeden Fall geeignet, den Bedarf an neue psychoaktive Substanzen (NPS) zu senken. Dies ist vor allem deshalb relevant, weil die Risiken, die mit dem Konsum von NPS verbunden sind, bis dato kaum bekannt sind, jedoch von vielen Experten als unberechenbar hoch eingeschätzt werden. Mehr dazu siehe:

http://blogs.taz.de/drogerie/2019/11/10/sind-drogen-gefaehrlich/

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Hans: Am liebsten rauche ich einen hellen roten Libanesen aus der Gegend von Yammoune bei Baalbek. Die Cannabispflanzen dort auf nach Osten abfallenden Hängen des Libanongebirges sind schnellen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Am Morgen knallt die Sonne auf die an den Hängen liegenden Plantagen und es wird sehr schnell heiß. Dies führt dazu, dass das Haschisch würziger ist als jenes von der anderen Talseite mit nach Westen abfallenden Hängen, wo am Morgen länger Schatten ist und die Temperaturen langsamer ansteigen. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind sehr groß, da die Gegend auf einer Höhe von mehr 1.200 Metern über dem Meeresspiegel liegt. Haschisch aus dem Libanon enthält mehr CBD als THC. Ja charakteristisch für libanesisches Haschisch ist ein mindestens doppelt so hoher Gehalt an dem die THC-Wirkung blockierenden und verändernden Cannabidiol (CBD). Dies erklärt vielleicht die typische eher körperlich empfundene Wirkung auch bei hohem Harzgehalt im Vergleich zu der oft eher knisternden Wirkung von marokkanischem Haschisch, bei dem der THC-Gehalt typischerweise doppelt so hoch ist wie der des CBDs. In neueren Sorten aus Marokko liegt der THC-Gehalt oft weit höher als früher. Mehr dazu siehe:

https://blogs.taz.de/drogerie/2019/12/17/haschisch-und-marihuana-im-vergleich/

Sehr gerne rauche ich auch Charas aus Manali. Charas ist von Hand gemachtes Haschisch aus Indien, wobei die Gegend im indischen Bundesstaat Himachal Pradesh um Manali herum zu den besten Erzeugergebieten zählt. Dort hat das Rauchen von Charas traditionell durchaus auch eine spirituell geprägte Komponente.

Hanfverband Hamburg: Welche Konzentration von THC und CBD im Cannabis findest du optimal?

Hans: Für mich ist eine THC-CBD-Ratio von 0,5 (doppelt so viel CBD wie THC) bis zu 3 (dreimal so viel THC wie CBD optimal. Werte von mehr als 3, also mehr als dreimal so viel THC wie CBD, finde ich persönlich nicht so angenehm für mein Körpergefühl.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Hans: Auf Reisen würde ich sich Shops zum Kauf von Cannabisprodukten nutzen, an meinem Wohnort würde ich mich bei einem Cannabis Social Club engagieren und mich dort auch beim Anbau und der Züchtung einbringen. Legaler Anbau kann unter Sonnenlicht erfolgen, braucht somit nicht zwingend Strom für Lampen und ist somit umweltfreundlicher, energiesparend und ein guter Beitrag zum Schutz des Klimas. Zudem käme ich dort mit Kennern der Materie zusammen, könnte mich mit ihnen austauschen und was dazulernen.

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Hans: Wissen über die Wirkung von THC und CBD sind in jedem Fall zu übermitteln. Generell geht es aber nicht nur um die Droge, sondern auch um das Set (Befindlichkeit, Erwartungshaltung, Ziel) und um das Setting (Beziehung zum Überreicher oder zur Überreicherin der Droge und um das Umfeld). Eine Droge ist ein Mittel zu einem Zweck und die Novizen beim Drogengebrauch sollten sich klar machen, was sie mit dem Konsum erreichen wollen. Begriffe wie Drogenkompetenz, Drogenmündigkeit und Drogenautonomie (Gegenstück zu Drogenabhängigkeit) zu erklären und zu erläutern kann behilflich sein, um die Genussoptimierung wie auch die Schadensminderung zu fördern.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Hans: Absurde Szenen hinter der Bühne der Hanfparade im Jahr 2015. Vor ihrem Auftritt auf der großen Bühne vor dem Brandenburger Tor in Berlin saßen Frank Tempel (Die Linke) und Thomas Isenberg (SPD) an einem Biertisch hinter der Bühne unweit eines Stapels von zusammengeklappten Biertischen und Bierbänken. Zu ihnen gesellte sich dann noch der Richter Andreas Müller aus Bernau. Nachdem die beiden Erstgenannten ihre Vorträge gehalten hatten und die drei Herren den Bereich hinter der Bühne verlassen hatten, kam die Polizei und ordnete an, dass die Bänke und der Tisch wieder auf den Stapel zu legen seien. Die Polizisten begründeten diese Anordnung mit den Auflagen der Versammlungsbehörde für diese Demonstration.

In den Auflagen der Versammlungsbehörde für die Hanfparade hieß es, dass das Aufstellen von Bänken und Tischen hinter der Bühne untersagt sei. Ebenso war es untersagt, den Künstlern und den Rednern einen Imbiss zur Stärkung zu servieren. Deshalb untersagte die Polizei auch dem Lieferanten der Speisen das Gelände der Abschlusskundgebung mit seiner Ware zu betreten. In der Folge mussten alle Redner und Künstler stehend auf ihren Auftritt warten, so auch die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg. Diese absurde Maßnahme kann man nun wirklich nicht als versammlungsfreundlich klassifizieren. Und ständig standen zwei oder drei uniformierte Beamte in der Nähe des Stapels mit den Bänken und Tischen und passten auf, dass ja niemand dort eine Bank greift und diese aufstellt, damit man sich darauf setzen kann.

Gemäß Brockdorf-Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 14. Mai 1985 (BVerfGE 69, 315) sind die staatlichen Behörden gehalten, nach dem Vorbild friedlich verlaufender Großdemonstrationen versammlungsfreundlich zu verfahren und nicht ohne zureichenden Grund hinter bewährten Erfahrungen zurückzubleiben. Vor diesem Hintergrund erscheint der Auflagenbescheid der Versammlungsbehörde nicht nur absurd, sondern auch rechtswidrig zu sein, da durch eine Verköstigung von Künstlern und Rednern hinter einer Bühne auf Tischen wahrlich keine Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu befürchten ist. Die übermäßige Regelung aller Dinge und die Gängelung der Menschen scheint immer noch dem preußischen Wesen inne zu wohnen wie zu Kaisers Zeiten.

Schon Alexander von Humboldt machte sich vor weit über hundert Jahren über das preußische Wesen der Berliner lustig und bezeichnete Berlin als eine intellektuell verödete, kleine, unliterarische und dazu überhämische Stadt, wo man monatelang gedankenleer an einem selbstgeschaffenen Zerrbild matter Einbildungskraft naget und alles und jedes nach der Schreiberschablone gemessen werde. Die Berliner Akademie der Künste, deren „Regeneration“ er für dringend nötig erachtete, charakterisierte Humboldt als „Wespennest geschlechtsloser Insekten.“ Das gleiche Charakteristikum trifft heute (Stand 2015, da war Frank Henkel von der CDU Innensenator) auf die regierenden Berliner/innen respektive auf die Versammlungsbehörde und ihre Vollzugsbeamte zu. Hinter der Bühne brauchte es keine Karikaturen, um das preußische Wesen zu überzeichnen, da man dasselbe wie in einem Comic live erleben konnte. Man wähnte sich dort nicht in einer weltoffenen und toleranten Metropole, die Berlin seit etwa einem Vierteljahrhundert als Hauptstadt der BRD so gerne sein möchte, sondern man fühlte sich dort wie in der Hauptstadt von Absurdistan. Mehr dazu:

https://blogs.taz.de/drogerie/2015/08/14/hanfparade-in-absurdistan/

Berlin, 31. Dezember 2019, Hans Cousto

Offener Brief an Innensenator Andy Grote

Sehr geehrter Herr Grote,

Am Donnerstag, den 21.11.2019 von 17:30-18:30 rufen wir, die Ortsgruppe Hamburg des deutschen Hanfverbands (DHV), zu einer Kundgebung vor der Behörde für Inneres und Sport am Johanniswall 5 in Hamburg auf. Wir bitten Sie, an diesem Tag symbolisch diesen offenen Brief entgegen zu nehmen.

Wir möchten mit unserer Kundgebung daran erinnern, dass die Grundrechte von Cannabisnutzern in Deutschland immer noch nicht geachtet werden, im Gegenteil ist die Verfolgung momentan auf einem Höchststand[1], bisher ist keinerlei Liberalisierung erkennbar. Während die Grünen auf Bundesebene bereits die Schädlichkeit des Verbots erkannt zu haben scheinen (Siehe CannKG 2018), hat sich die Situation im Rot-Grünen Hamburg noch keinen Millimeter bewegt. Mit der Task Force ist – im Gegenteil – eine rückschrittliche, aktionistische Strategie ohne jede Weitsicht in die Stadt eingekehrt. Anwohner müssen sich an eine dauerhafte Präsenz der Polizei gewöhnen. Es sind Fälle von Racial Profiling dokumentiert[2].

Wir mahnen Sie, sich die Situation, mit der sich viele Konsumenten in Hamburg konfrontiert sehen, zu vergegenwärtigen: Obwohl diese Menschen niemanden geschädigt haben, jagt der Staat Sie mit seinem gesamten Arsenal. Dabei geht die Hamburger Polizei u.a. mit schwerem Gerät wie Hubschraubern und Spürhunden auf die Suche nach Plantagen[3], in der “Task Force” verschwenden Beamte sinnlos Arbeitsstunden. Dies ist Symbolpolitik, aber gleichzeitig auch Steuerverschwendung! Betroffene verlieren u.U. Job, Familie, Führerschein und in der Konsequenz nicht selten ihren Glauben an den Rechtsstaat. Darin ist keinerlei Verhältnismäßigkeit mehr erkennbar.

Die Situation ist beispielhaft: Der Staat ignoriert die Entwicklung in anderen Ländern in Richtung Dekriminalisierung bzw. Legalisierung und ignoriert wissenschaftliche Erkenntnisse bezüglich medizinischer Wirksamkeit diverser Inhaltsstoffe der Cannabispflanze; er verschwendet lieber seine Ressourcen, welche an anderer Stelle fehlen[4] und verletzt mit diesem Vorgehen zudem essenzielle Bürgerrechte eines nicht geringen Teils der Bevölkerung. Und verzichtet auf mögliche Steuereinnahmen und Einsparungen in Milliardenhöhe. Alles im Namen einer Moralvorstellung, welche Alkohol als “kulturell gefestigte” Art sich zu berauschen verharmlost, obwohl dieser konkret jedes Jahr tausende Menschenleben kostet und manchen aggressiv werden lässt (Beispiel Häusliche Gewalt). Cannabis, welches Menschen tendenziell ruhig und entspannt, friedlich und zufrieden macht und noch Niemanden das Leben gekostet hat, im Gegenteil sogar vielen Menschen das Leben mit körperlichen oder seelischen Schmerzen erst erträglich macht, wird wahlweise mit Alkohol auf eine Stufe gestellt (natürlich ohne daraus zu schlussfolgern, dass eine Gleichbehandlung nötig ist) oder als “noch schlimmer” als Alkohol gebranntmarkt. In diesem Punkt sind die wissenschaftlichen Fakten eindeutig[4].

Diese hartnäckigen, Jahrzehnte alten Vorurteile gilt es zu widerlegen. Die Forschung – wo Sie im Bereich Cannabis eben wirklich als Frei bezeichnet werden kann – hat mittlerweile unzählige Belege für den medizinischen Nutzen von Cannabis geliefert, man muss sich nur die Mühe machen, dieses selbstständig zu recherchieren. Warum maßt sich der Staat an, Konsumenten der gleichen Substanz in “kriminelle Kiffer” und “Patienten” aufzuteilen, verfolgt Erstere mit Polizei und Gerichten und legt Zweiteren beständig Steine in den Weg zur Gesundung? Viele Ärzte sind von den systematischen, moralisch-ideologischen (und damit unwissenschaftlichen) Falschinformationen in den Medien so abgeschreckt, dass diese sich viel zu oft gar nicht erst unabhängig über das Thema und Erkenntnisse der letzten Jahre informieren. Die USA z.B. sind hier bereits weiter und Bundesstaaten wie Colorado und Kalifornien müssen Vorbild sein auf dem Weg zu einer kompletten Legalisierung und Regulierung des Hanfmarktes. Über die Nutz-pflanze Hanf haben wir noch gar kein Wort verloren. Auch hier kann sich jeder allumfänglich per Internet über die mannigfaltigen Nutzungsmöglichkeiten dieser Jahrtausende alten Pflanze informieren. Wer es mit Klimaschutz und Nachhaltigkeit wirklich ernst meint, der wird am Hanf nicht vorbeikommen. Hanftextilien, -nahrungsmittel, -plastik und -baustoffe sind nur ein kleiner Ausschnitt.

Wo ist die Verhältnismäßigkeit, wenn Menschen wegen einer Anbauanlage zur Selbstversorgung eine Hausdurchsuchung erdulden müssen. Diese tief in die Grundrechte eingreifenden Mittel des Staates sollten für Gewalttäter und Verbrecher vorbehalten sein, nicht für einfache Bürger, die sich z.B. in einer Notlage selbst behelfen. Während es bei Diebstahl, Einbrüchen oder Gewaltdelikten immer eine(n) Geschädigte(n) gibt, sind es im Falle von Cannabiskonsumenten nur Sie selbst, welche geschädigt werden. Die deutlich schlimmere Konsequenz ist die, vom Staat – unter der Vorgabe, sie “schützen” zu wollen – verfolgt, angeklagt und bestraft zu werden.

Wir fordern von Ihnen als zuständigem Innensenator der Hansestadt konkrete Maßnahmen, um den unhaltbaren und destruktiven Status Quo zu verändern:

– Sorgen Sie für eine Beendigung der Arbeit der “Task Force Drogen”, die seit 2016 besteht. Diese Beamten sind bei Delikten mit Tatopfer sehr viel sinnvoller einzusetzen
– Setzen Sie sich dafür ein, dass Betäubungsmitteln nicht meht länger mit dem Strafrecht begegnet wird.
– Das BtMG und das Cannabisverbot fußen nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern moralischen und politischen Bedenken. Diese halten den Ergebnissen der Forschung der letzten 20 Jahre nicht stand.
– Eine komplette, an Fakten orientierte Neubewertung der Gesetzeslage, insbesondere in Bezug auf den Aspekt der Verhältnismäßigkeit staatlichen Handelns ist notwendig!
– Unterstützen Sie die Justizkampagne des deutschen Hanfverbands und die Bemühungen, das Cannabisverbot durch das Bundesverfassungsgericht überprüfen zu lassen.
– “Modellprojekte” sind leider nur als Nebelkerzen zu bewerten, auch von Seiten der SPD, stets gefordert in dem Wissen, dass Diese mit der momentanen Gesetzeslage nicht in Einklang zu bringen sind und somit von Vorn herein keine Aussicht auf Realisation besteht. Es ist damit eine Forderung, die sich ‘gut liest’, nichts kostet und keinerlei anschließendes, ernst zu nehmendes Handeln erfordert.
– Da mittlerweile einige Länder Cannabis (und teils auch andere Drogen) Dekriminalisiert bzw. Legalisiert haben, sind Zahlen hierzu bekannt. Befürchtungen, wie sie auch hier zu Lande geäußert werden, haben sich nicht bestätigt und die Erfahrungen sind quasi ausschließlich positiv.

November 2019, Ortsgruppe Hamburg des deutschen Hanfverbands


Pressemitteilung:

PM:

Am Donnerstag, den 21.11.2019 von 17:30-18:30 rufen wir, die Ortsgruppe Hamburg des deutschen Hanfverbands (DHV) zu einer Kundgebung unter dem Motto “Teufelskreis durchbrechen – Hanf ist kein Verbrechen” vor der Behörde für Inneres und Sport am Johanniswall 5 in Hamburg auf. Als oberstes Organ der Hansestadt im Bereich Verbrechensbekämpfung ist Innensenator Andy Grote u.a. zuständig für die Hamburger Polizei. In seine Amtszeit fallen sowohl die Gründung der sog. “Task Force Drogen”, als auch der G20-Gipfel (mit bekanntem Ausgang). Wir möchten Senator Grote ein persönliches Schreiben und einen Forderungskatalog übergeben, wir haben die Behörde per eMail um die Entgegennahme gebeten. Wir möchten auf die teils drastische Situation der Menschen hinweisen, die wegen ihrer Vorliebe für oder ihrem Bedürfnis nach Cannabis mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Die damit zusammenhängende Verletzung der Grundrechte Vieler, die Verschwendung von Steuergeldern und staatlicher Resourcen erzeugen einen unhaltbaren Zustand von dem niemand profitiert und der eines modernen Rechtsstaats unwürdig ist

Mit der Einleitung von mittlerweile knapp 500 Verfahren pro Tag (!) gegen Cannabisfreunde hat die Repression gegen Hanfkonsumenten und -patienten aktuell einen Höchststand erreicht[1]. Sie zerstört nicht nur die Leben der Betroffenen, sie lähmt auch gleichzeitig die Justiz- und Strafverfolgungsbehörden. Statt sich um Verbrechen zu kümmern, bei denen es neben einem Täter auch ein Opfer gibt und deren Verfolgung und Ahdung somit für Letztere ein wichtiges Mittel sind, um Gerechtigkeit zu erlangen, werden stattdessen Unmengen an Kräften des Staates im Kampf gegen die Drogen gebunden. Dass dieser aussichtslos und kontraproduktiv ist, haben bereits 122 deutsche Strafrechtsprofessoren in einem offenen Brief bemängelt[2]; auch der ehemalige Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) André Schulz, sprach sich 2018 für ein Ende der Cannabisprohibition aus[3]. Suchtforscher wie Jens Reimer, der Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg oder der Mannheimer Oberarzt Derik Hermann teilen ebenfalls die Forderung nach einer kontrollierten Abgabe von Hanf[4][5].

Den geschätzten jährlichen Kosten der Strafverfolgung von 2,66 Mrd. Euro[6]

stehen immense Steuereinnahmen bei einer kompletten Freigabe entgegen. Colorado, welcher als erster US-Bundesstaat 2012 den privaten Gebrauch von Cannabis für Erwachsene erlaubt hat, hat dieses Jahr die 1 Mrd. Marke an Steuereinnahmen durch Cannabisverkauf geknackt[7]. Drei der vier Oppositionsparteien im Bundestag haben dies erkannt und mit ihren Gesetzesinitiativen im Frühjahr 2018 gezeigt, in welche Richtung es beim Thema Cannabis gehen muss[8]. Mit dem Verbot verrät der Staat zudem seine eigenen Leitsätze und die Grundrechte vieler Menschen, etwa auf eine freie Entfaltung. Auch der Gleichbehandlungsgrundsatz ist verletzt, ganz zu Schweigen von der Würde der Betroffenen. Diese Vorgehensweise schafft laufend und methodisch neue Opfer, zerstört Familien und Existenzen und ist damit um ein vielfaches Schädlicher, als es der Naturstoff Cannabis je könnte.

Die Liste der Krankheiten, bei denen Cannabis nach dem Cannabis-als-Medizin-Gesetz verschrieben werden darf, ist lang[9]. Obwohl die Wissenschaft überhaupt erst seit Mitte der 90er Jahre und vielerorts wegen des Verbots noch überhaupt nicht frei zum Thema Cannabis forschen darf, hat Sie mittlerweile unzählige Studien produziert, welche die gesundheitsfördernden Aspekte von Cannabis belegen. Die Cannabispflanze enthält je nach Sorte eine unterschiedliche Kombination an Wirkstoffen: Neben über 100 Cannabinoiden auch insgesamt bis zu 500 anderer Moleküle wie z.B. Terpene, welche ebenfalls gesundheitsfördernde Effekte besitzen[10]. Und dennoch berichten sogar Menschen mit einem Rezept davon, dass es immer noch schwer ist, Ärzte zu finden, dass es Lieferengpässe gibt und dass die Qualität des angebotenen Grases der des Schwarzmarktes z.T. sogar nachsteht[11][12]. Auch dies ist ein unhaltbarer Zustand der täglich unnötig Leid verursacht.

Hanfkonsumenten und -patienten sind mit insgesamt mehr als einer Million Menschen[13] absolut kein geringer Anteil der deutschen Bevölkerung. Paragraph 175, erst 1994 aus dem StGB gestrichen, ermöglichte für Jahrzehnte eine Verfolgung von LGBTQ-Menschen, welche ebenfalls Niemandem in irgendeiner Weise geschadet hatten. Heute gilt es als Fortschrittlich und Errungenschaft der Gesellschaft, dass in diesem Land Menschen frei wählen können, wen und wie Sie lieben (obgleich noch keine vollständige Gleichstellung). Derselbe Schritt in eine freiere Gesellschaft steht beim Thema Prohibition noch aus. Er ist aber angesichts der Zahlen und der dahinter stehenden Schicksale ebenso überfällig. Die Verhältnismäßigkeit ist nicht gewahrt, wenn ein hochgerüsteter Staat sein ganzes Arsenal an Personal, Hubschraubern[14][15], Spürhunden etc. dafür verwendet, friedliche Kiffer zu jagen. Gerade in Anbetracht sich zunehmens radikalisierender, teils terroristischer Gruppen aus dem Rechtsextremistischen und Islamistischen Milieu ist es dringend Zeit, die Prioritäten in der Strafverfolgung zu reformieren!

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtslage_von_Cannabis#Entwicklung_der_Cannabis-bezogenen_Strafverfahren

[2] http://schildower-kreis.de/resolution-deutscher-strafrechtsprofessorinnen-und-professoren-an-die-abgeordneten-des-deutschen-bundestages/

[3] https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/kriminalbeamte-fordern-ende-des-cannabis-verbots-54602380.bild.html

[4] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/2015-09/cannabis-suchtforscher-fuer-kontrollierte-abgabe/

[5] https://www.deutschlandfunkkultur.de/suchtforscher-ueber-cannabis-legalisierung-bedeutet.1008.de.html?dram:article_id=430771

[6] https://hanfverband.de/sites/hanfverband.de/files/cannabis_final-141118.pdf

[7] https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11246428-usa-steuerrausch-wirtschaftsmotor-cannabis-colorado-zahlen/all

[8] https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2018/kw08-de-cannabis-542302

[9] https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Versorgung/Cannabis.pdf

[10] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30152161

[11] https://taz.de/Medizinische-Cannabis-Importe-stocken/!5570423/
[12] https://www.mdr.de/nachrichten/politik/gesellschaft/cannabis-rezept-probleme-lieferung-100.html

[13] https://hanfverband.de/faq/wie-viele-menschen-konsumieren-in-deutschland-cannabis

[14] https://www.abendblatt.de/hamburg/polizeimeldungen/article107887971/Polizei-sucht-Drogenplantagen-mit-Waermebildkamera.html

[15] https://www.mopo.de/hamburg/mit-waermebildkameras-hubschrauber-patrouillen-gegen-hamburgs-hasch-farmer-1676952

Offener Brief an Justizsenator Dr. Till Steffen

Wir haben uns heute, dem 17. Oktober 2019 hier vor der Hamburger Justizbehörde versammelt um aktiv daran zu erinnern, dass die Grundrechte von Cannabisnutzern in Deutschland immer noch nicht geachtet werden, im Gegenteil ist die Verfolgung momentan auf einem Höchststand (Siehe Zahl der eingeleiteten Ermittlungsverfahren), bisher ist keinerlei Liberalisierung erkennbar. Während die Grünen auf Bundesebene die Schädlichkeit des Verbots erkannt zu haben scheinen (Siehe CannKG 2018), hat sich die Situation im Rot-Grünen Hamburg noch keinen Milimeter bewegt.

Wir mahnen den Senator Dr. Till Steffen (selbst Grünen-Mitglied), sich die Situation, mit der sich viele Konsumenten in Hamburg konfrontiert sehen, zu vergegenwärtigen: Obwohl diese Menschen niemandem etwas getan haben, jagt der Staat Sie mit seinem gesamten Arsenal. Die Hamburger Polizei geht beispielsweise mit schwerem Gerät wie Hubschraubern und Spürhunden auf die Suche nach Plantagen, in der sog. “Task Force” Drogen/BtM verschwenden Beamte sinnlos Arbeitsstunden um Klein- und Straßendealer mit Verfahren und Haft zu bestrafen. Dies ist Symbolpolitik, aber gleichzeitig auch Steuerverschwendung! Und nicht zuletzt ist die Folge eine Verletzung der Grundrechte der Betroffenen. Diese Menschen verlieren u.U. Job, Familie, Führerschein und in der Konsequenz nicht selten ihren Glauben an den Rechtsstaat. Darin ist keinerlei Verhältnismäßigkeit mehr erkennbar.


Die Situation ist beispielhaft: Der Staat ignoriert die Entwicklung in anderen Ländern in Richtung Dekriminalisierung bzw. Legalisierung, ignoriert wissenschaftliche Erkenntnisse bezüglich medizinischer Wirksamkeit diverser Inhaltsstoffe der Cannabispflanze; er verschwendet lieber seine Ressourcen und verletzt mit diesem Vorgehen essenzielle Bürgerrechte eines Teils der Bevölkerung. Und verzichtet auf mögliche Steuereinnahmen und Einsparungen in Milliardenhöhe. Alles im Namen einer Moralvorstellung, welche Alkohol als “kulturell gefestigte” Art sich zu berauschen verharmlost, obwohl dieser konkret jedes Jahr tausende Menschenleben kostet und manchen aggressiv werden lässt (z.B. Häusliche Gewalt). Cannabis, welches Menschen ruhig und entspannt, friedlich und zufrieden macht und noch niemanden das Leben gekostet hat, im Gegenteil sogar vielen Menschen das Leben mit körperlichen oder seelischen Schmerzen erträglich macht, wird wahlweise mit Alkohol auf eine Stufe gestellt, natürlich ohne daraus zu schlussfolgern, dass eine Gleichbehandlung nötig ist. Oder Hanf wird trotz dieser Fakten als “noch schlimmer” als Alkohol gebranntmarkt. In diesem Punkt sind die wissenschaftlichen Fakten jedoch eindeutig.

Diese hartnäckigen Vorurteile gillt es zu widerlegen. Die Forschung – wo Sie eben wirklich als Frei bezeichnet werden kann – hat mittlerweile unzählige Belege für den medizinischen Nutzen von Cannabis geliefert, man muss sich nur die Mühe machen, dieses zu recherchieren. Mit welchem Recht teilt der Staat die Konsumenten der gleichen Substanz auf in “kriminelle Kiffer” und “Patienten”, verfolgt Erstere mit Polizei und Gerichten und legt Zweiteren beständig weiter dabei Steine in den Weg, an ihr Medikament zu kommen. Viele Ärzte sind von der systematischen, ideologischen Art der Falschinformation in deutschen Medien so abgeschreckt, dass selbst diese sich nicht unabhängig über das Thema informieren. Die USA sind hier viel weiter und müssen Vorbild sein auf dem Weg zu einer kompletten Legalisierung und Regulierung des Hanfmarktes. Über die Nutzpflanze Hanf haben wir noch gar kein Wort verloren. Auch hier kann sich jeder binnen Minuten allumfänglich per Internet über die mannigfaltigen Nutzungsmöglichkeiten dieser Jahrtausende alten Pflanze informieren. Wer es mit Klimaschutz und Nachhaltigkeit wirklich ernst meint, der wird am Hanf nicht vorbeikommen. Hanftextilien, -nahrungsmittel, -plastik und -baustoffe sind nur ein kleiner Ausschnitt.

Wo ist die Verhältnismäßigkeit, wenn Menschen wegen einer Anbauanlage zur Selbstversorgung eine Hausdurchsuchung erdulden müssen. Diese tief in die Grundrechte eingreifenden Mittel des Staates sollten für Gewalttäter und Verbrecher vorbehalten sein, nicht für einfache Bürger, die sich z.B. in einer Notlage selbst behelfen. Während bei Diebstahl, Einbrüchen oder Gewaltdelikten immer Menschen geschädigt werden, sind es im Falle von Cannabiskonsumenten nur diese selbst, die vom Staat unter der Vorgabe sie “schützen” zu wollen geschädigt.

Lieber Herr Dr. Steffen, ihre Homepage ist überschrieben mit “Mein Herz schlägt für Recht und Freiheit”. Sind Cannabiskonsumten davon ausgenommen? Haben Menschen, die den Joint einem Bier vorziehen, ihre Rechte verwirkt? Am 25. Juli diesen Jahres äußern Sie sich in ihrem Blog (https://www.tillsteffen.de/2019/07/25/happy-pride-oder-ueber-die-justiz-als-schutzmacht-der-diskriminierten/) zum jährlich in Hamburg stattfindenden CSD. Sie betonen gleich in der Überschrift, die Justiz solle “die Schutzmacht der Diskriminierten” sein. Was sind Cannabis- und Drogenkonsumenten momentan anderes als eine diskriminierte Minderheit? Auch die Pride!-Bewegung sah sich mit Vorurteilen und einer nicht veralteten Moralvorsellung, damals rigoros durchgesetzt durch den sich eigentlich als neutral verstehenden Staat, konfrontiert. Viele Sätze, die Sie in diesem Beitrag schreiben, lassen sich 1:1 auf die Cannabis”problematik” anwenden. Messen Sie nicht mit zweierlei Maß!

Wir fordern von Ihnen als dem zuständigen Senator für Justiz und Gleichstellung der Hansestadt konkrete Maßnahmen, um den unhaltbaren und destruktiven Status Quo zu verändern:

– Sprechen Sie sich für die Beendigung der Arbeit der “Task Force Drogen” ein, die seit 2016 besteht. Die Beamten sind bei Delikten mit Tatopfer sehr viel sinnvoller einzusetzen

– Arbeiten Sie im Sinne ihrer Bundesparteigenossen aktiv daran mit, dass Betäubungsmitteln nicht meht länger mit dem Strafrecht begegnet wird.

– Das BtMG und das Cannabisverbot fußen nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern moralischen und politischen Bedenken. Diese hält den Ergebnissen der Forschung der letzten 20 Jahre nicht stand, diese hat mittlerweile unzählige Beweise für den gesundheitlichen Wert von Cannabis als Heilpflanze erbracht.

– Eine komplette Neubewertung insbesondere in Bezug auf die Verhältnismäßigkeit staatlichen Handelns und die Verletzung der Grundrechte vieler durch die momentane Gesetzeslage ist notwendig!

– Unterstützen Sie die Justizkampagne des deutschen Hanfverbands und die Bemühungen, das Cannabisverbot durch das Bundesverfassungsgericht überprüfen zu lassen.

– Modellprojekte sind ein Feigenblatt der Politik, insbesondere von Seiten der SPD, stets gefordert in dem Wissen, das diese mit der momentanen Gesetzeslage nicht in Einklang zu bringen sind und daher keine Aussicht auf Realisation haben