Stefan K. – Polizeibeamter

Auch wenn uns dies zum Beispiel ein Rainer Wendt (Vorsitzender Deutsche Polizeigewerkschaft) immer wieder gerne glaubhaft machen will, ist heute erfreulicherweise bei weitem nicht mehr jeder Polizist gegen eine Legalisierung von Cannabis.

Wir haben ein kurzes Interview mit dem Polizeibeamten Stefan K. (Name geändert) geführt. Er ist im weitesten Sinne Drogensachbearbeiter und hat deshalb natürlich mehr als genug Gelegenheit, sich mit den vielen Facetten dieses Themas zu beschäftigen.

Hanfverband Hamburg: Danke, dass sie sich die Zeit nehmen und uns hier ein paar Fragen beantworten. Was halten Sie denn persönlich von einer Legalisierung oder Entkriminalisierung von Cannabis?

Stefan K.: Das finde ich gut und durchaus überfällig. Ich hoffe, dass mit der Legalisierung dann aber auch klare Grenzen gezogen werden was die Besitzmenge und die eigene Aufzucht angeht. Zusätzlich wünsche ich mir eine Einführung einer Bürgerpflicht zum Nachweis der Fahrtauglichkeit bei Alkohol, Drogen und Medikamenten. In vielen EU Ländern ist es Pflicht eine entsprechende Probe zum Beispiel bei einer Beteiligung an einem Verkehrsunfall abzugeben.

Hanfverband Hamburg: Und wie ist die Stimmung in Ihrem Kollegenkreis bezüglich der Legalisierung?

Stefan K.: Der Kollegenkreis ist ein Spiegel der Gesellschaft. Es gibt welche die skeptisch sind und einige, die das richtig feiern und sich auch auf ihren ersten legalen Joint freuen. Was uns aber glaube ich alle eint, ist die Angst vor der Zunahme von schweren Verkehrsunfällen bedingt durch den Drogenkonsum.

Hanfverband Hamburg: Haben sie persönlich Cannabis-Konsumenten oder -Patienten in ihrem Freundeskreis?

Stefan K.: Ja, habe ich.

Hanfverband Hamburg: Und wie gehen Sie damit um?

Stefan K.: Ich sehe das mittlerweile relativ entspannt. Trotzdem muss ich nicht dabei sein, wenn konsumiert wird. Zu einen aufgrund der Gesetzeslage und zum anderen mag ich den Geruch nicht.

Hanfverband Hamburg: Haben Sie das Gefühl, das Richtige zu tun, wenn Sie jemanden kontrollieren, der nur Cannabis konsumiert hat?

Stefan K.: Ja. Der Besitz von Marihuana ist zurzeit strafbar. Da Besitz und Konsum im engen Zusammenhang stehen fühle ich mich nicht schlecht. Ich unterliege als Polizist dem Legalitätsprinzip und muss Straftaten verfolgen. Ich persönlich schaue auch nicht gerne bei irgendwelchen Deliktsbereichen weg, da das für mich gegen den Grundsatz spricht alle gleich zu behandeln.

Hanfverband Hamburg: Aber denken Sie, die Verfolgung von Cannabis-Konsumenten macht uns zu einer besseren Gesellschaft?

Stefan K.: Nein. Ich sehe in der derzeitigen Gesetzeslage eher parallelen zu dem alten

§ 175 StGB (Verbot von Homosexualität). Das war auch ein großer Fehler in der Gesetzgebung, den es lange gedauert hat abzuschaffen. Dies gilt aber nicht für den Bereich der Abgabe, ob gewerblich oder nicht, an Jugendliche unter 18 Jahren. Hier sollte eine harte Grenze gezogen werden.

Hanfverband Hamburg: Wie sehr wird die Legalisierung von Cannabis ihren Arbeitsalltag verändern?

Stefan K.: Mein Arbeitsalltag würde sich in der Art verändern, dass ich ¼ des Tages nicht mehr für die Papiertonne arbeiten würde, denn jetzt werden über 80 % der BtM Verfahren, wo es um den Besitz von kleineren Mengen Marihuana geht, eingestellt. Diese Zeit könnte ich sinnvoller in andere Ermittlungen einbringen oder in der Präventionsarbeit. Das ist aber im Moment noch Kaffeesatzleserei, denn wie das Gesetz zur Legalisierung aussehen wird, weiß ich noch nicht. Es wird bestimmt auch diverse neue Ordnungswidrigkeiten und Straftatbestände geben, die auch abgearbeitet werden müssen.
Eines steht jedoch auf jeden Fall fest, der Frust, der sich bei der Bearbeitung o.g. Fälle immer ergeben hat, wird wegfallen.

Hanfverband Hamburg: Welche Rolle spielt Cannabis, verglichen mit anderen Substanzen, im „Kampf gegen Drogen“?

Stefan K.: Cannabis hat in der Bekämpfung der BtM-Kriminalität einen hohen Stellenwert gehabt und das wird bestimmt auch noch so bleiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass von heute auf morgen der Konsumbedarf einer ganzen Nation mit legal angebautem Marihuana gedeckt werden kann. Und wer weiß welche Sorten angebaut werden dürfen und welche nicht. Wenn das Zeug nicht gut oder stark genug ist, dann werden die Leute sich irgendwo entsprechendes Zeug besorgen.

Hanfverband Hamburg: Welche „Kämpfe gegen Cannabis“ wurden zu Recht gewonnen, bzw. welche Verbesserungen sind durch die Strafverfolgung ihrer Meinung nach eingetreten?

Stefan K.: Im Bereich des Straßenverkehrs ist jeder Überführte (egal ob Alkohol – oder Drogen) ein Erfolg. Berauschten Leute sollten nicht am Straßenverkehr teilnehmen. Im Bereich des Handels mit BtM in nicht geringer Menge sehe ich das genauso, da ich nie ein BtM-Händler hatte, der nur Cannabis verkauft hat, sondern auch andere illegale Substanzen.

Hanfverband Hamburg: Die Zahl der Konsumenten steigt trotz ebenso steigender Repression. Ist folglich die Prohibition in ihren Augen der falsche Ansatz?

Stefan K.: Dank der vielen Studien bin ich mittlerweile für eine Legalisierung.

Hanfverband Hamburg: Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse über die medizinische Wirkung von Cannabis sind ihnen bekannt?

Stefan K.: Einige… durch die Arbeit kenne ich auch welche die ein Rezept haben und Erfolg in der Therapie haben.

Hanfverband Hamburg: Welche Verantwortung sehen sie in der Politik bezüglich ihrer zukünftigen Arbeit kurz vor und nach der Legalisierung ?

Stefan K.: Ich hätte mir gerne ein klares politisches Signal schon jetzt erhofft. Ich denke, dass es schon jetzt Möglichkeiten geben sollte alle Besitz-Verfahren bei Personen über 18 Jahren, unter 5 g, nicht mehr Anzeigepflichtig zu machen. Die Politik sollte es auch möglich machen, dass der Anbau von Marihuana in Deutschland, wirtschaftlich gesehen, rentabel ist und Arbeitsplätze schafft. Ein Reinheitsgebot wäre sinnvoll, genauso wie eine Zweckbindung der Steuereinnahmen an die Suchtprävention und Forschung.

Hanfverband Hamburg: Wie stellt sich der Umgang mit Cannabis Konsumenten im Vergleich zu alkoholisierten Personen in Arbeitsalltag der Polizei dar?

Stefan K.: Personen die unter dem Einfluss von Alkohol und/oder Drogen stehen, sind immer mit entsprechender Vorsicht zu genießen. Da habe ich schon viele Extreme und heftige Gefühlsschwankungen gesehen. Am entspanntesten ist der Umgang mit frisch zugedröhnten Dauerkiffern.

Hanfverband Hamburg: Welche zusätzlichen Straftaten sehen Sie in Bezug zu Cannabis/Cannabiskonsum (Beschaffungskriminalität, Gewalttaten, Verkehrsdelikte etc.) und wie schwer sind diese im Vergleich zu anderen Drogen (auch Alkohol).

Stefan K.: Die Beschaffungskriminalität unterscheidet sich meiner Meinung nach schon zu Alkoholabhängigen. Der Alkoholsüchtige kann in jeden Lebensmittelladen gehen und dort Alkohol entwenden. Dies kann der Cannabiskonsument nicht. Entweder ist sein Dealer auch Hehler also tauscht Diebesgut gegen Drogen oder er nimmt Bares evtl. auch Dienstleistungen als Bezahlung.

Hanfverband Hamburg: Wie viel Dienstzeit ,schätzen Sie, wird im normalen Polizisten-Alltag dafür aufgewandt Drogendelikte zu verfolgen?

Stefan K.: Zu viel, wenn man Dienstzeit und Strafen/Verurteilungen in Bezug zueinander setzt.

Ihre Zeit zu verschwenden trägt natürlich ganz und gar nicht zu einer Verbesserung der Sicherheit bei, das stimmt…

Wir danken ihnen für das kleine Interview und hoffen, dass noch viel mehr Kollegen von ihnen, wenn sie es noch nicht tun, bald positiv in Richtung Legalisierung schauen.

Denn letztendlich wollen wir doch alle das gleiche: Eine Welt, die durch die Polizei sicherer gemacht wird und keine schädliche und sinnlose Verfolgung von harmlosen Mitmenschen, nur weil sie eine andere Droge bevorzugen als Alkohol.

Insulin oder Heroin?

Plakat der Polizei Hamburg erregt die Gemüter – der nächste Griff ins Klo für das Social Media Team der Polizei?

Plakat der Polizei Hamburg für die Kampagne „In Hamburg schaut man hin“
C) Polizei Hamburg

Geht es nach der Hamburger Polizei, soll man sie wohl anrufen wenn sich jemand eine Spritze setzt. Sollte sie nicht ehrlicherweise schreiben: „Hilf uns, Menschen in schwierigen Lebenssituationen oder mit Suchtproblemen das Leben noch schwerer zu machen“.

Aber warum überhaupt? Weder ist es illegal sich Insulin zu spritzen, noch ist es illegal sich Heroin zu spritzen.

IM PHOENIX-VIERTEL… SCHAUT MAN HIN!Heute war der Startschuss für eine Einsatzoffensive im #Phoenixviertel in…

Gepostet von Polizei Hamburg am Mittwoch, 1. Juli 2020

Zurecht fühlen sich viele Menschen angegriffen und die Stellungnahme der Polizei trägt nicht wirklich zum Glätten der Wogen bei. Zudem ist das nicht die erste Verfehlung, erst gestern noch lachte die Netzgemeinde über eine vermeintliche Postkarte eines Schülers, der einen erteilten Auftrag seiner Lehrerin erfüllte. Von den schwarzen und weißen Schwänen wollen wir erst gar nicht anfangen.

Homophobes Plakat der Polizei Hamburg für die Kampagne „In Hamburg schaut man hin“
C) Polizei Hamburg

Die Polizei hat natürlich nicht selbst die Plakate entworfen, verantwortlich für den ganzen Mist ist die Agentur battery.communication GmbH in Hamburg. In der Kampagne tauchen noch mehr fragwürdige Inhalte auf.

Mit Sicherheit wurden für diese Aktion viele Euro Steuergeld ausgegeben, aber Bürger pauschal unter Generalverdacht zu stellen und zu stigmatisieren ist das Allerletzte.

Es muss diskutiert werden, wie damit umgegangen werden soll.