Wer war noch gleich…? Hans Cousto

Hans Cousto

Der Mathematiker und Musikwissenschaftler wurde 1948 in Monthey in der französischen Schweiz geboren.

Er beschäftigte sich schon früh mit philosophischen Fragen und da er während seines Studiums der Antwort auf die Frage, „Was ist trivial und was beweisbar?“ nicht nahe genug kam, reiste er auf seiner Suche nach Weisheit nach Indien und unternahm diverse Reisen in den nahen und mittleren Osten.

Philosophische Fragen, psychedelische Erfahrungen, Tanz, Musik und Extase prägten die 70er Jahre von Hans, als er 1975 schließlich nach München zog, wo er einige Jahre in einer WG aus freischaffenden Künstlern und Hippies lebte.

Am 2. Oktober 1978 entdeckte Hans nach dem Genuss von Zauberpilzen während einer Vision die universelle Bedeutung des Oktavgesetzes für die Bestimmung der harmonikalen Kammertöne, die er von astronomischen Gegebenheiten abgeleitet hatte. Dies näher zu erklären würde hier jedoch den Rahmen sprengen.

Die „Kosmische Oktave“ prägte die nächsten Jahre sein Schaffen und er publizierte verschiedene Bücher zu diesem Thema.

Von 1994 bis 2011 engagierte sich Hans Cousto für den Verein „Eve & Rave“, welcher sich für die Aufklärung und Vermeidung von Drogenproblemen und die Förderung von Party,- und Technokultur einsetzt.

Er veröffentlichte weiterhin verschiedene Bücher, u. A. „Vom Urkult zur Kultur – Drogen und Techno“ , oder „ Drug-Checking – Qualitative und quantitative Kontrolle von Ecstasy und anderen Substanzen.

Seit 2011 arbeitet er bei der freien Arbeitsgemeinschaft „DrogenGenussKultur“ mit und veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen verschiedene Artikel zu Drogen und Rauschkultur im TAZ Blog „Drogerie“ oder auch auf der Website der Hanfparade.

Diese Zeilen umreißen das Leben dieses unfassbar interessanten Aktivisten natürlich nur äußerst grob. Eine ausführliche Biographie findet ihr hier:

https://www.planetware.de/tune_in/cousto/biographie.html

Wir freuen uns sehr, dass Hans uns in einem kleinen Interview einige Fragen beantwortet hat.

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Hans: Als junger Student in Zürich in der Mittagspause an der „Riviera“ – Stufen am Ufer der Limmat, wo wir uns trafen um was zu essen, zu trinken und zu rauchen. Das war 1968. Zuvor hatte ich als Schüler schon Erfahrungen mit LSD gemacht, was damals in der Schweiz noch legal war.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Hans: Ja. Als Studenten rauchten wir meistens in der Mittagszeit, Abends und beim Feiern Chillums. Später zog ich nach München in eine Kifferkommune und dort rauchten wir vorwiegend Chillums, manchmal auch Tüten oder Wasserpfeifen, ab dem Frühstück bis spät in die Nacht. Im Hause wohnten vor allem Musiker und Haschischhändler. Gutes Haschisch war immer im Hause vorrätig.

In den späten 70er Jahren verbrachte ich öfters die Winter in Asien – Afghansistan, Pakistan, Indien und Nepal. Dort war damals auf dem Lande das Rauchen von Chillums so üblich wie das Biertrinken heute in Bayern. Dort habe ich auch gelernt, wie man Haschisch und Charas macht.

In den 80er Jahren lebte ich in Amsterdam und begann vermehrt auch Gras zu rauchen. Es war eine Zeit mit einem intensiven Drogenmischkonsum, wie auch die späten 80er und die 90er Jahre in Berlin. Kiffen gehörte zum täglich Brot und es gab immer einen Grund um zu Feiern und zu Tanzen.

Heute bin ich Gelegenheitskiffer – manchmal habe ich mehrere Tage hintereinander kein Bedürfnis zu Kiffen, und dann kommt ein Festival und Gelegenheit, Lust und Freude bezüglich Kiffen sind wieder allgegenwärtig.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Hans: Nein

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Hans: Der Genuss von psychotrop wirkenden Substanzen ist ein Bereich der Individualethik und muss den Menschen frei überlassen werden, so wie jeder frei ist an einen Gott zu glauben oder nicht. Beim Feiern kann der Genuss von Haschisch, Zauberpilzen, Kratom oder Changa durchaus eine spirituelle Dimension haben und hat für das Individuum nicht selten den Charakter eines Sakramentes.

Das Gesetz sollte sich ausschließlich auf Fragen der Sozialethik beschränken, das heißt nur die Bereiche umfassen, die das Leben anderer mit meinem Leben umfassen. Wenn ich kiffe oder andere Drogen nehme, beeinträchtige ich nicht die Lebensqualität von anderen Menschen, deshalb hat die Frage, ob ich Drogen zur Entfaltung meiner Persönlichkeit nehme, nichts in einer gesetzlichen Vorschrift zu suchen. Es ist in meinen Augen ein Naturrecht, dass jeder sein Leben so genießen kann wie er will, solange dadurch der Genuss des Lebens anderer nicht beeinträchtigt wird.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Hans: Seit 1997 bin ich Jahr für Jahr auf der Hanfparade aktiv, in den letzten Jahren zumeist auch im OrgaTeam. So habe ich u.a. die Berliner Deklaration der Hanfparade von 2018 verfasst:

Seit vielen Jahren machen wir von der Freien Arbeitsgemeinschaft DrogenGenussKultur Infostände in Berliner Clubs und auf Festivals, wo wir Fachinformationen zu verschiedenen Substanzen und zum Mischkonsum für die Leute bereit halten. Seit vielen Jahren liegen auch Infos vom DHV, dem Hanf Museum, der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabinoidmedezin (IACM) und der Hanfparade auf unseren Infotischen. Mehr dazu:

25 Jahre Drogeninfostände in Berliner Clubs

http://blogs.taz.de/drogerie/2019/10/21/25-jahre-drogeninfostaende-in-berliner-clubs/

Drogeninfostände als Interventionsstrategie zur Gesundheitsförderung

https://blogs.taz.de/drogerie/2017/08/27/drogeninfostaende-als-interventionsstrategie-zur-gesundheitsfoerderung/

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Hans: Psychonautik kann ein zentrales Element bei der Entfaltung der Persönlichkeit sein und hat eine spirituelle Dimension. Das Einnehmen von Drogen hat vor allem mit Bildung, Wissenschaft und Kultur zu tun. Deshalb sollte die internationale Drogenpolitik von der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) koordiniert werden und nicht mehr von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), da die meisten Drogenkonsumenten, die ich kenne, froh und munter sind und nicht einen behandlungsbedürftigen Eindruck machen. Mehr dazu siehe: Das Weltkulturerbe Psychonautik – Ein drogenpolitisches Manifest

https://www.drogenkult.net/?file=text013

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Hans: Deutschland ist ein Rechtsstaat. Fortschritte in der Drogenpolitik erfolgten meist aufgrund höchstrichterliche Entscheidungen (Bundesverfassungsgericht, Bundesverwaltungsgericht). Beispielsweise stimmte der Bundestag einstimmig für das „Cannabis als Medizin Gesetz“, weil es die einzige Möglichkeit war, die Patienten daran zu hindern, ihre Medizin selbst anzubauen. Patienten hatten in mehr als zwei Jahrzehnten immer wieder das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) verklagt, weil das Institut ihnen den Zugang zu ihrer Medizin verwehrt hatte. Das BfArM unterlag in dem Rechtsstreit und das BfArM wurde verpflichtet, den Patienten Zugang zu ihrer Medizin zu ermöglichen – auch durch Eigenanbau. Das „Cannabis als Medizin Gesetz“ ist eigentlich ein „Eigenanbauverhinderungsgesetz“.

Weit über 100 Strafrechtsprofessoren forderten das Parlament auf, die Drogenpolitik im Lande zu evaluieren, da das BtMG seinen Zweck nicht erfüllt und nicht verhältnismäßig ist. Die große Mehrheit der Parlamentarier im Deutschen Bundestag wollten jedoch nichts davon wissen und sahen keinen grundlegenden Änderungsbedarf. Die besagten Professoren bilden jedoch die zukünftigen Richter aus – so habe ich Hoffnung auf bessere Zeiten in denen fundamentalistische Ansichten der bisherigen Mehrheit im Bundestag durch Vernunft und Rechtsstaatlichkeit dank zukünftiger höchstrichterlicher Entscheidungen überwunden werden können.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Hans: Menschen, die sich nicht treu (nicht beständig in ihrer Gesinnung anderen Menschen oder einer Sache gegenüber) sind, sogenannte Opportunisten, machen einem das Leben manchmal schwer. Wenn zu viele davon in meiner näheren Umgebung sind, war ich schon nahe am Verzweifeln. Doch Freunde, die sich selber treu sind und sich für das Einsetzen, wovon sie überzeugt sind, gaben mir immer wieder den nötigen Impuls weiter zu machen. Ja, man muss sich selbst treu sein, wenn man fähig sein will, anderen Menschen oder einer Idee treu zu bleiben.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Hans: Ja, aber nicht wegen des gesellschaftlichen Stigmas. Beim gemeinsamen Chillumrauchen, Eimerrauchen und Rauchen von Wasserpfeifen haben sich Freundschaften vertieft – Freundschaften die seit Jahrzehnten halten und mein Leben bereichern.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Hans: Den Kindern so früh wie möglich Genussfähigkeit beibringen. Betrifft Essen, Trinken, Spielen und vieles anderes mehr. Wer genießen kann, ist nach dem Genuss zufrieden, wer nicht genießen kann hat oft Lust nach mehr. Mediziner nennen das Craving.

Der Umgang mit Genussmitteln muss gelernt sein, damit man diese auch richtig genießen kann. Drogenmischkonsum ist eine Kunst wie Kochen. Nimmt man von einem Gewürz zu viel oder auch zu wenig, dann schmeckt die Speise nicht. Kinder möglichst früh das Kochen und den Umgang mit Gewürzen beibringen hilft diesen, ihren Geschmackssinn zu entwickeln und zu sensibilisieren. Kleine Unterschiede werden bewusster wahrgenommen und der Geschmackssinn eröffnet neue Erlebniswelten – mit psychotrop wirkenden Substanzen ist das nicht anders. Gute Küche, gute Weine und anderes mehr gehören zu unserer Kultur. Den Kindern Kultur vermitteln hilft ihnen eventuell später sich in die Kultur der Psychonautik einzufühlen; und Konsumenten von Psychoaktiva, die einen festen und lebensnahen kulturellen Background haben, laufen weniger Gefahr, sich von einer Substanz abhängig zu machen oder durch den Konsum Schaden zu erleiden.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Hans: Da man ab 18 Jahre Parlamentarier wählen kann, sollte man auch ab 18 die Drogen, die man zum Genuss, zur Gestaltung der eigenen Persönlichkeit wie auch zur spirituellen Entfaltung einnehmen will, legal in kontrollierter Qualität erwerben dürfen und können.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Hans: Ich bin für die Einführung von Drogenfachgeschäften, wie sie von der Grünen Jugend auf dem 25. Bundeskongress in Koblenz am 12. November 2005 gefordert wurden. Im Drogenfachgeschäft werden Gras und Haschisch in geprüfter Qualität angeboten und der Kunde erfährt, wie viel THC und CBD und CBN in der erworbene Ware enthalten ist. Nur wenn Konsumenten genau wissen, welche Mengen von psychotrop wirkenden Substanzen in einem Produkt enthalten sind, können sie ein vernünftiges und zielführendes Risikomanagement bewerkstelligen. Mehr zu Drogenfachgeschäften siehe: https://www.drogenfachgeschaeft.de/

Zudem sollte der private Eigenanbau erlaubt sein sowie die Etablierung von Cannabis Social Clubs, wo mehrere Konsumenten ihre eigenen Pflanzen von einem Gärtner auf freiem Feld oder in einem Gewächshaus betreuen und pflegen lassen können. Cannabis Social Clubs ermöglichen einen Zugang zu Gras und Haschisch unter völligem Ausschluss des Cannabismarktes. Dies gilt vor allem, wenn im Cannabis Social Club Samen aus eigener Züchtung zur Anwendung kommen. Zudem dienen solche Clubs dem Erfahrungsaustausch und haben einen sozialisierenden Effekt.

Ökonomisch wird ein Abwandern von Gewinnen in dunkle Kanäle blockiert, da die Cannabis Social Clubs sich als non-profit Unternehmen verstehen (gemeinnützige Genossenschaften oder Vereine) und nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind. Cannabis Social Clubs sind in der Lage, sich in sozialer und kultureller Hinsicht zu engagieren und eine sinnvolle, nicht auf Abstinenz ausgerichtete Prävention zu unterstützen. Cannabis Social Clubs sind ein Modell, in dem transparent, kontrolliert und reguliert Hanf angebaut und verteilt wird und somit auf diese Weise die Sicherheitspolitik des Landes unterstützt wird. In Spanien gibt es bereits hunderte von Cannabis Social Clubs, die erfolgreich funktionieren.

Magic Mushroom Social Clubs sind ein Pendant zu Cannabis Social Clubs. Sie bieten die gleichen Vorteile wie Cannabis Social Clubs, sind jedoch nicht auf die Kultur von Pflanzen, sondern auf die Kultur von Zauberpilzen ausgerichtet. Das Züchten von Zauberpilzen verlangt mehr Sachkunde als das Züchten von Cannabispflanzen, insbesondere, da bei einigen Arbeitsgängen steril gearbeitet werden muss. Gemeinschaftlich gelingt dies oft besser, als wenn ein Laie beginnt, mit der Pilzzucht zu experimentieren. Da Zauberpilze als weniger gefährdend eingestuft werden als Cannabis und viele andere Drogen, ist auch die Schwelle für eine amtliche Genehmigung von Magic Mushroom Social Clubs wohl niedriger einzustufen als dies bei den Cannabis Social Clubs der Fall ist. Magic Mushroom Social Clubs sind auf jeden Fall geeignet, den Bedarf an neue psychoaktive Substanzen (NPS) zu senken. Dies ist vor allem deshalb relevant, weil die Risiken, die mit dem Konsum von NPS verbunden sind, bis dato kaum bekannt sind, jedoch von vielen Experten als unberechenbar hoch eingeschätzt werden. Mehr dazu siehe:

http://blogs.taz.de/drogerie/2019/11/10/sind-drogen-gefaehrlich/

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Hans: Am liebsten rauche ich einen hellen roten Libanesen aus der Gegend von Yammoune bei Baalbek. Die Cannabispflanzen dort auf nach Osten abfallenden Hängen des Libanongebirges sind schnellen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Am Morgen knallt die Sonne auf die an den Hängen liegenden Plantagen und es wird sehr schnell heiß. Dies führt dazu, dass das Haschisch würziger ist als jenes von der anderen Talseite mit nach Westen abfallenden Hängen, wo am Morgen länger Schatten ist und die Temperaturen langsamer ansteigen. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind sehr groß, da die Gegend auf einer Höhe von mehr 1.200 Metern über dem Meeresspiegel liegt. Haschisch aus dem Libanon enthält mehr CBD als THC. Ja charakteristisch für libanesisches Haschisch ist ein mindestens doppelt so hoher Gehalt an dem die THC-Wirkung blockierenden und verändernden Cannabidiol (CBD). Dies erklärt vielleicht die typische eher körperlich empfundene Wirkung auch bei hohem Harzgehalt im Vergleich zu der oft eher knisternden Wirkung von marokkanischem Haschisch, bei dem der THC-Gehalt typischerweise doppelt so hoch ist wie der des CBDs. In neueren Sorten aus Marokko liegt der THC-Gehalt oft weit höher als früher. Mehr dazu siehe:

https://blogs.taz.de/drogerie/2019/12/17/haschisch-und-marihuana-im-vergleich/

Sehr gerne rauche ich auch Charas aus Manali. Charas ist von Hand gemachtes Haschisch aus Indien, wobei die Gegend im indischen Bundesstaat Himachal Pradesh um Manali herum zu den besten Erzeugergebieten zählt. Dort hat das Rauchen von Charas traditionell durchaus auch eine spirituell geprägte Komponente.

Hanfverband Hamburg: Welche Konzentration von THC und CBD im Cannabis findest du optimal?

Hans: Für mich ist eine THC-CBD-Ratio von 0,5 (doppelt so viel CBD wie THC) bis zu 3 (dreimal so viel THC wie CBD optimal. Werte von mehr als 3, also mehr als dreimal so viel THC wie CBD, finde ich persönlich nicht so angenehm für mein Körpergefühl.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Hans: Auf Reisen würde ich sich Shops zum Kauf von Cannabisprodukten nutzen, an meinem Wohnort würde ich mich bei einem Cannabis Social Club engagieren und mich dort auch beim Anbau und der Züchtung einbringen. Legaler Anbau kann unter Sonnenlicht erfolgen, braucht somit nicht zwingend Strom für Lampen und ist somit umweltfreundlicher, energiesparend und ein guter Beitrag zum Schutz des Klimas. Zudem käme ich dort mit Kennern der Materie zusammen, könnte mich mit ihnen austauschen und was dazulernen.

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Hans: Wissen über die Wirkung von THC und CBD sind in jedem Fall zu übermitteln. Generell geht es aber nicht nur um die Droge, sondern auch um das Set (Befindlichkeit, Erwartungshaltung, Ziel) und um das Setting (Beziehung zum Überreicher oder zur Überreicherin der Droge und um das Umfeld). Eine Droge ist ein Mittel zu einem Zweck und die Novizen beim Drogengebrauch sollten sich klar machen, was sie mit dem Konsum erreichen wollen. Begriffe wie Drogenkompetenz, Drogenmündigkeit und Drogenautonomie (Gegenstück zu Drogenabhängigkeit) zu erklären und zu erläutern kann behilflich sein, um die Genussoptimierung wie auch die Schadensminderung zu fördern.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Hans: Absurde Szenen hinter der Bühne der Hanfparade im Jahr 2015. Vor ihrem Auftritt auf der großen Bühne vor dem Brandenburger Tor in Berlin saßen Frank Tempel (Die Linke) und Thomas Isenberg (SPD) an einem Biertisch hinter der Bühne unweit eines Stapels von zusammengeklappten Biertischen und Bierbänken. Zu ihnen gesellte sich dann noch der Richter Andreas Müller aus Bernau. Nachdem die beiden Erstgenannten ihre Vorträge gehalten hatten und die drei Herren den Bereich hinter der Bühne verlassen hatten, kam die Polizei und ordnete an, dass die Bänke und der Tisch wieder auf den Stapel zu legen seien. Die Polizisten begründeten diese Anordnung mit den Auflagen der Versammlungsbehörde für diese Demonstration.

In den Auflagen der Versammlungsbehörde für die Hanfparade hieß es, dass das Aufstellen von Bänken und Tischen hinter der Bühne untersagt sei. Ebenso war es untersagt, den Künstlern und den Rednern einen Imbiss zur Stärkung zu servieren. Deshalb untersagte die Polizei auch dem Lieferanten der Speisen das Gelände der Abschlusskundgebung mit seiner Ware zu betreten. In der Folge mussten alle Redner und Künstler stehend auf ihren Auftritt warten, so auch die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg. Diese absurde Maßnahme kann man nun wirklich nicht als versammlungsfreundlich klassifizieren. Und ständig standen zwei oder drei uniformierte Beamte in der Nähe des Stapels mit den Bänken und Tischen und passten auf, dass ja niemand dort eine Bank greift und diese aufstellt, damit man sich darauf setzen kann.

Gemäß Brockdorf-Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 14. Mai 1985 (BVerfGE 69, 315) sind die staatlichen Behörden gehalten, nach dem Vorbild friedlich verlaufender Großdemonstrationen versammlungsfreundlich zu verfahren und nicht ohne zureichenden Grund hinter bewährten Erfahrungen zurückzubleiben. Vor diesem Hintergrund erscheint der Auflagenbescheid der Versammlungsbehörde nicht nur absurd, sondern auch rechtswidrig zu sein, da durch eine Verköstigung von Künstlern und Rednern hinter einer Bühne auf Tischen wahrlich keine Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu befürchten ist. Die übermäßige Regelung aller Dinge und die Gängelung der Menschen scheint immer noch dem preußischen Wesen inne zu wohnen wie zu Kaisers Zeiten.

Schon Alexander von Humboldt machte sich vor weit über hundert Jahren über das preußische Wesen der Berliner lustig und bezeichnete Berlin als eine intellektuell verödete, kleine, unliterarische und dazu überhämische Stadt, wo man monatelang gedankenleer an einem selbstgeschaffenen Zerrbild matter Einbildungskraft naget und alles und jedes nach der Schreiberschablone gemessen werde. Die Berliner Akademie der Künste, deren „Regeneration“ er für dringend nötig erachtete, charakterisierte Humboldt als „Wespennest geschlechtsloser Insekten.“ Das gleiche Charakteristikum trifft heute (Stand 2015, da war Frank Henkel von der CDU Innensenator) auf die regierenden Berliner/innen respektive auf die Versammlungsbehörde und ihre Vollzugsbeamte zu. Hinter der Bühne brauchte es keine Karikaturen, um das preußische Wesen zu überzeichnen, da man dasselbe wie in einem Comic live erleben konnte. Man wähnte sich dort nicht in einer weltoffenen und toleranten Metropole, die Berlin seit etwa einem Vierteljahrhundert als Hauptstadt der BRD so gerne sein möchte, sondern man fühlte sich dort wie in der Hauptstadt von Absurdistan. Mehr dazu:

https://blogs.taz.de/drogerie/2015/08/14/hanfparade-in-absurdistan/

Berlin, 31. Dezember 2019, Hans Cousto