Wer war noch gleich…? Martin Meinreiß

Martin Meinreiß

Der sympathische Augsburger mit den grauen Dreadlocks setzt sich seit Jahren für eine sinnvolle Drogenpolitik ein. Ob als Sprecher der DHV – Ortsgruppe Augsburg, oder bei seiner Arbeit beim Knowmad Institut, eine Verbesserung der aktuellen Situation ist in vielerlei Hinsicht seine Mission.

Ständig sucht er den Dialog mit den entsprechenden Entscheidungsträgern und ist sogar bei den Damen und Herren der CSU kein ungern gesehener Gast.

Um ihn etwas besser kennenzulernen, haben wir ihm ein paar Fragen gestellt.

Hanfverband Hamburg : Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Martini : Mit 17 hatten wir mit Freunden ein paar Marihuana Blätter zum Rauchen.

Hanfverband Hamburg : Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Martini : Natürlich hat sich mein Konsumverhalten verändert aber im Großen und Ganzen habe ich so meinen Stil gefunden.

Hanfverband Hamburg : Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Martini : Vor 20 Jahren wurden mir mal meine gut ein Dutzend Pflanzen kurz vor der Ernte aus dem Garten geklaut. Die Täter haben sich erwischen lassen und erzählt, dass sie sie bei mir im Garten geklaut haben. Daraufhin hatte ich eine Hausdurchsuchung und so das übliche. Aber ich muss sagen es ist kein Schaden geblieben. Weder bei irgendeiner Polizeikontrolle oder so, auch konnte ich meinen Führerschein behalten, musste damals allerdings noch den Psychologen überzeugen. Was mir auch gelungen ist. Wie gesagt vor 20 Jahren hier in Bayern.

Hanfverband Hamburg : Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Martini : Eigentlich nicht viel. Ich habe wieder Probleme mit der Polizei gehabt, noch brauche ich irgendeine Medizin. Da ich aber als Bauleiter im Winterzeit Zeit hatte, kam irgendwann die Überlegung, ich sollte mehr tun als nur rummaulen.

Hanfverband Hamburg : Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Martini : Da mache ich eigentlich gar nicht so viel Unterschied in welcher Art man sich da einsetzt. Klar ich habe eine Ortsgruppe gegründet, ich mache Veranstaltung, beteilige mich an Diskussionen und werde mittlerweile auch aus der Politik heraus angefragt. Und ich versuche vor allen Dingen in Kreise vorzustoßen, die ansonsten eher unberührt bleiben. Mittlerweile habe ich gute Beziehung in die CSU und auch in die Augsburger Stadtpolitik.

Hanfverband Hamburg : Bist du Cannabis – Patient? Nein!

Hanfverband Hamburg : (Wenn ja) Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation verbessert? Oder hat es das, auch ohne dass du Patient bist?

Martini : Nein, wenn ich in meine Lunge rein horche und an den winterlichen Husten denke, kann ich nicht sagen, dass es meiner Gesundheit förderlich ist. Aber es macht Spaß und meiner Umwelt geht es gut damit.

Hanfverband Hamburg : Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Martini : Ich denke, auf Dauer geht kein Weg an einer Entkriminalisierung aller Drogen vorbei. Wir sehen ja am Alkohol und Nikotin, dass hier eine Aufklärung zum verantwortlichen Konsum möglich ist. Das niemand kriminalisiert wird wenn er Fragen oder schon Erfahrung hat. Gerade Jugendliche, die eigentlich noch nichts wissen und viele Fragen hätten, können wir durch das jetzige Stigma nicht erreichen.

Hanfverband Hamburg : Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Martini : Meiner Einschätzung nach standen wir noch nie so knapp vor einer Regulierung dieser Droge wie jetzt. Nur muss ich seit Anfang an feststellen, dass die Aktivisten der Politik hinterherhinken und die Bürger weiter wie die Politiker sind.

Hanfverband Hamburg : Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast?

Martini : Da meine Gründe ganz einfach und eventuell egoistisch sind, nein. Ich möchte endlich mein Dope im Laden kaufen können. Und da gibt es auf meinem Weg wirklich keine Enttäuschungen.

Hanfverband Hamburg : Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Martini : Ich möchte hierzu trotzdem Antworten. Meine Motivation und auch eine Art Energiequelle ist es für mich hier in Bayern zu legalisieren. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Polizeichefs in meiner Freundesliste hätte oder mal kurz mit meinem Bundestagsabgeordneten über Cannabis kommuniziere. Und viele viele Momente wo ich merke, dass mein in die Öffentlichkeit treten, nicht als Patient sondern mit der Frage, „Warum bin ich kriminell?“ mir eine große persönliche Freiheit hier in Augsburg gegeben hat.

Hanfverband Hamburg : Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Martini : Ich denke jeder hatte mal eine Freundin die es gehasst hat wenn man bekifft war. Aber ich muss sagen, solche Beziehung haben nie lange gehalten.

Hanfverband Hamburg : Hast du Kinder?

Martini : Ja, zwei Töchter.

Hanfverband Hamburg : Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Martini : Meine beiden Töchter, jetzt längst erwachsen, haben von Anfang an mitbekommen, dass ich kiffe. Natürlich bin ich wie jeder Papa froh, dass meine Kinder vernünftig sind und keine gefährlichen Substanzen zu sich nehmen. Wichtig war mir allerdings immer, dass ich das Vertrauen zu meinen Kindern habe, falls sie in eine Situation kommen, ich für sie einstehen würde.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Martini : Wie machen wir es denn heute mit Alkohol? Mit sieben oder acht gibt es einen Eierlikörkuchen vielleicht darf man bei der Oma auch so mal ein Gläschen Likör auslecken. Mit 10 oder 11 Silvester mit einem Sekt anstoßen und wenn man dann doch zu jung mit einem zu großen Rausch nach Hause kommt, wird man ins Bett gepackt. Am nächsten Morgen vielleicht ein paar ernste Worte, Wasser und Alka-Seltzer. Das Kind lernt durch sein Umfeld einen eigenen Umgang mit Alkohol. So in etwa würde ich mir auch eine Erziehung in Richtung Cannabis wünschen.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Martini : Persönlich denke ich 16 Jahre wäre ein gutes Alter, da man hier die Jugendlichen vor den größten Schäden, den der illegale Markt verursacht, bewahren kann. Politisch denke ich, werden wir bei 18 Jahren landen.

Hanfverband Hamburg : Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Martini : Die Legalisierung wird auf jeden Fall eine Form der Regulierung sein. Ich persönlich wünsche mir Fachgeschäfte mit all den Standards, die in den ganzen Foren immer wieder besprochen werden.

Hanfverband Hamburg : Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte?

Martini : Als Oldschool Hasch Raucher kennt man sowas nicht. Warum?

Hanfverband Hamburg : Welche Konzentration von THC und CBD im Cannabis findest du optimal?

Martini : Optimal, wenn so gut wie kein CBD enthalten ist.

Hanfverband Hamburg : Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Martini : Natürlich würde ich einkaufen gehen wollen, ich baue mir ja auch keine Mohrrüben selbst an.

Hanfverband Hamburg : Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Martini : Er oder sie sollte sich unbedingt versichern von woher das Gras stammt. Es wird gerade sehr sehr viel Unfug mit NPS behandelten CBD Blüten getrieben.

Hanfverband Hamburg : Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Martini : Oh, da gibt es sehr viele, da könnte ich, glaube ich ein halbes Buch mit füllen. Vielleicht, was Bayern Fans ja immer interessiert, zwei nette Polizei Anekdoten.

Gestern, wir hatten mal wieder einen winterlichen Infostand, passierte uns beim Abbau ein Missgeschick. Die Beine des Pavillons drohten einzuknicken, wir waren nur zu zweit und auf einmal sprangen, wie aus dem Nichts, zwei junge schwarz gekleidete Polizisten und retteten unseren DHV Pavillon.

Nachdem wir uns herzlich bedankt hatten, kam mir ein „Naja, für irgendwas muss man ja gut sein“ als Antwort entgegen. Wie gesagt, gestern hier in Augsburg, Bayern.

Vor 3 Wochen, mein Chef hatte zu Hendl und Bier ins Bierzelt geladen, ereignete sich folgendes. Nach dem Essen drehte ich mir meinen kleinen Joint und mein Chef meinte, na du hast dir ja schon einen gewissen Schutz durch deine Legalisierung erarbeitet. Worauf ich ihm antwortete : „Nee, wenn ich erwischt werde, werde ich erwischt. Ich bin schließlich kein Patient.“

Ich ging raus zum rauchen, einen Tisch weiter standen drei Herren. Einer musterte mich, dann dreht sich der andere um, kam sehr dicht an mich heran, baute sich auf und meinte: „Kennst du mich noch?“

„Klar“, antwortete ich. „Hallo Kevin“ . Er war der Zivilpolizist von vor zwei Jahren. Nun meinte er, man könne das Dope bis zu ihrem Tisch riechen, aber er habe seinen Kollegen gesagt, ich wäre ganz nett und wahrscheinlich würde ich legal kiffen. Er ging zurück an seinen Tisch und dann sah ich, dass ich noch einen Gutschein für ein Freibier hatte. Damit ging ich hinüber zu den drei Herren, legte es auf dem Tisch und meinte: „Du Kevin, du weißt ja, dass das nicht meine Droge ist, magst du sie?“

Alle drei lachten und Kevin hat sichtlich erfreut das Freibier angenommen. Wie gesagt vor drei Wochen oder vier hier in Bayern neben dem Bierzelt.

Wir bedanken uns recht herzlich für dieses kleine Interview!

Wer war noch gleich…? Philine Edbauer

Philine Edbauer

Die Drogenprohibition sorgt weltweit für Ausgrenzung, Mord und Kriege. Sie hat dafür gesorgt, dass ein Großteil der Menschheit kaum in der Lage ist, rational an das Thema Drogen heranzugehen und so die gesellschaftliche Ausgrenzung von Millionen Konsumenten illegaler Drogen herbeigeführt.

An dieser Front kämpft Philine für Aufklärung und Akzeptanz.

Als Co – Gründerin der Initiative #mybrainmychoice (mybrainmychoice.de) und der „AG Substanz“ (substanz.info) setzt sich die gebürtige Münchnerin für eine Endstigmatisierung des Drogengebrauchs im Allgemeinen ein und arbeitete bis vor kurzem bei LEAP – Deutschland, wo sie sich um die Organisationsentwicklung kümmerte.

Teilnehmer der letzten Hanfparade konnten Philine sowohl als Co – Moderatorin der Hauptbühne, als auch mit ihrem eigenen Beitrag „Personen die mit Drogen handeln“ in Aktion erleben.

„Nebenbei“ studiert sie an der Berliner Humboldt – Universität „Moderne Süd – und Südostasienstudien“ mit dem Schwerpunkt „Drogenkrieg auf den Philippinen“.

Die 29-jährige Aktivistin gibt Interviews, macht Workshops und organisiert Podiumsgespräche, kurz gesagt: Sie setzt sich ein!

Wir wollten Philine etwas näher kennenlernen und haben mit ihr ein kurzes Interview geführt.

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten Mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Philine: Eine Freundin hat mir Pralinen geschenkt, als ich erfahren wollte, was Cannabis mit mir macht.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Philine: Cannabis scheint nicht so gut zu mir zu passen, meine Erfahrungen damit waren immer irgendwie anstrengend für mich. Aber dafür setze ich mich auch ein: Psychoaktive Substanzen selbst für sich entdecken zu können, wenn man möchte – in einem möglichst sicheren Rahmen und ohne dabei kriminell zu handeln.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Philine: Ich habe ein Problem mit dem Gesetz, wenn ich sehe, dass das Drogennehmen an sich kein Ding wäre, aber das Gesetz Probleme erschafft: Die intransparenten oder gewaltvollen Produktions- und Lieferketten, die ungeschützten Arbeitsverhältnisse, die Unsicherheiten über Zusammensetzung und Dosis und die geringe Bekanntheit von Safer Use Material und Methoden zur Vermeidung von Fehldosierungen und Krankheiten. Zum Beispiel sollte in Clubs geeignetes Snief-Papier ausliegen und Zeitungen sollte verboten werden, ihre Artikel mit Ziehröhrchen aus Geldscheinen zu illustrieren. Die Drogenpolitik schafft nicht nur Probleme durch die Strafverfolgung, sondern produziert auch ein Verständnis von Drogen, das Nutzer:innen und Dealer:innen vernachlässigt und entwertet, anstatt friedlich und kreativ auf das Zusammenleben zu wirken.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Philine: Ich habe in meinen Nächten in München beobachtet und kapiert, wie selbstverständlich der illegale Drogengebrauch ist und dass aber die Drogen nicht unbedingt Probleme schaffen, sondern aber in jedem Fall die Drogenpolitik. Es gibt so unfassbar viele Irrtümer über Drogen und jede:r meint, irgendwelche Meinungen über Drogen haben zu müssen, welche oft die jetzige Drogenpolitik letztendlich verteidigen. Der Krieg gegen die Drogen richtet weltweit seit Jahrzehnten viel Schaden an und wird wie selbstverständlich und immer dagewesen aufrechterhalten. Drogenpolitik ist für mich ein Thema massiver Menschenrechtsverletzungen, das als solches noch nicht den Stellenwert und die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Philine: Ich engagiere mich mit der Initiative #mybrainmychoice für die Legalisierung aller illegalisierter Drogen. #mybrainmychoice habe ich 2017 zusammen mit Julia gestartet. Wir haben uns bei einer Veranstaltung an der Uni kennen gelernt, die „Mehr als Ballern? Sind Partywochenenden schon politischer Aktivismus?“ oder so ähnlich hieß und wir hatten beide Lust, drogenpolitisch was Neues zu starten, weil wir keine passende bestehende Organisation für uns gefunden haben. (Cheers to Stefan für die initiale Unterstützung!) Wir bringen Argumente ein, die den Bogen von Drogenkriegen über Drogenhilfe zu Rassismus im Görlitzer Park schlagen und wir arbeiten daran, die drogenpolitische Bewegung breiter aufzustellen. Wir ziehen Leute an, die ähnlich drogenpolitisch arbeiten möchten wie wir, wir vernetzen Interessierte und woanders Engagierte miteinander, wir kooperieren bundesweit und international mit anderen Organisationen und Aktionen (u.a. #RethinkProcess via Knowmad Institut, Support don’t Punish, Demoreden, Workshops) und wir veranstalten in Berlin Gesprächsrunden zu diversen Themen in der Location eines Friedrichshainer Künstler:innen-Kollektivs.

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Philine: Seit Daniela Ludwig sich vor ein paar Tagen offen über Drug-Checking ausgesprochen hat, und nun das Tabakaußenwerbeverbot bei der CDU/CSU durchgesetzt hat, nehme ich ihr ab, dass sie nicht nur viele Gespräche führen möchte, sondern sich tatsächlich hinter ihre Aufgabe klemmt und Veränderungen fix einfordert. Ihre Offenheit hat ja auch den Organisationen und Twitterern einen Anschub gegeben, unsere Forderungen nochmal zu bekräftigen. Gleichzeitig passiert super viel mitunter dank R2G in Berlin: Drug-Checking, mehr Drogenkonsumräume, mehr Drogenhilfe, mehr Verbreitung von Safer Use-Material, mehr Forschung zur gesellschaftlichen Bedeutung von Drogengebrauch. Ich denke, das steckt weitere Leute an, sich für drogenpolitische Reformen zu engagieren und ich hoffe, das strahlt auf weitere Regionen aus.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Philine: Ich bin für das konsequente Einhalten einer einheitlichen Grenze, ab der man als erwachsene Person gilt, also 18. Es gibt immer Risiken, die nie komplett vermeidbar sind, sowohl beim Drogengebrauch als auch bei sportlichen Aktivitäten, im Straßenverkehr oder im Job. Die Herausforderung ist, nachfolgenden Generationen und uns untereinander beizubringen, verantwortungsbewusst mit Risiken umzugehen und die besten Rahmenbedingungen zu schaffen. Empfehlungen, Einschätzungen und Daten von Fachleuten sollen für Leute, die sich informieren möchten, leicht verfügbar sein. Genauso wie das Material zur möglichst sicheren Anwendung.

In Sachen Jugendschutz denke ich, dass die Altersgrenze eine sinnvolle Signalwirkung gibt, d.h. dass wir uns als Gesellschaft entscheiden, Kindern und Jugendlichen zu empfehlen, mit dem Drogengebrauch gegebenenfalls abzuwarten. Außerdem glaube ich, dass Lebens- und Risikokompetenzprogramme in Schulen absolut sinnvoll und zu verbreiten sind.

Bei politischen Debatten finde ich es aber problematisch, wenn der Jugendschutz für Argumente instrumentalisiert wird, anstatt sich mal tiefergehend damit zu beschäftigen, was Jugendschutz eigentlich ist und wie schlecht wir insgesamt darin sind. Das betrifft dann andere politische Problemfelder wie Bildung und Armut: Kinder und Jugendliche werden systematisch in ihrem Heranwachsen allein gelassen, anstatt dass ausnahmslos alle finanzielle Stabilität, Unterstützung, kreativen Freiraum und Aufmerksamkeit erfahren.

Um Kindern und Jugendlichen gute Vorbilder zu sein, müssen wir Erwachsenen aber auch mal mehr Plan vom guten Leben bekommen, anstatt zu diskriminieren, stigmatisieren und marginalisieren, den Planeten zu zerstören und Menschen in Not nicht zu helfen – also uns komplett unglaubwürdig zu machen. Ich bin mir allerdings sicher, dass wir Jugendschutz mit etwas mehr Willen für sozialere Politik und mehr öffentliche Investitionen in bestehende Programme ohne viel Aufwand ganz schnell verbessern können.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Philine: Der Grundsatz für Erstgespräche mit Jugendlichen und Erwachsenen über Drogen ist: „Es gibt Drogen. Menschen nehmen sie, weil sie meistens Erfahrungen bereiten, die schön sind oder einen Zweck erfüllen. Sie können aber auch nachhaltige Schwierigkeiten bereiten und ich erkläre dir, was du beachten solltest. … Wenn du Fragen hast, ich bin für dich da.“ – Also wie beim Sex. – Und: „Für dein Alter raten Fachleute von der Droge X dringend ab, weil …“ Diese Gespräche sind dann zu führen, wenn sie selbst danach fragen oder wahrscheinlich damit in Berührung kommen oder gekommen sind.

Es muss aber wiederum auch klar werden, dass die Überlegung, gar keine oder bestimmten Drogen nicht nehmen zu wollen, völlig in Ordnung ist. Das gelingt offenbar am wenigsten beim Alkohol. Als Erwachsene:r den eigenen Alkoholgebrauch zu reflektieren und ggf. anzupassen, kann ein guter Anfang sein, um ein besseres Vorbild für Kinder und Jugendliche zu werden, kompetent mit Gesundheitsrisiken und Gruppendynamiken umzugehen.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Wir brauchen sowohl Eigenanbau/-produktion als auch Cannabis Social Clubs sowie den Aufbau von internationalen Produktionsketten, um z.B. Fair Trade Kokain in lizenzierten Fachgeschäften zu haben. Einhergehend muss sich die Drogenpolitik soweit selbst abschaffen, dass nur noch Gesundheitspolitik zur öffentlichen Finanzierung der Drogenhilfe und von Jugendschutzprogrammen sowie die Kontrolle und Verwaltung der lizenzierten Läden überbleibt.

Was wir nicht brauchen, sind Anreize zum Drogennehmen und Anreize, mehr Drogen zu kaufen, als man ursprünglich wollte. Also keine kommerzielle Werbung. Die Drogen an sich sind ja schon reizvoll genug. Wenn uns Leute in unserem Umfeld begeistert von ihren Drogenerfahrungen erzählen, wir in unserem Insta-Feed, von einer Netflix-Serie oder von einem Buch wie Christiane F. inspiriert wurden, finden wir die Drogen eh, ob legal oder illegal.

Wir bedanken uns herzlich für dieses kurze Interview und für dein Engagement auf dem Weg zu einer sinnvollen Drogenpoitik!

11 Fragen – Die Auswertung

Am 23. Februar 2020 sind die nächsten Bürgerschaftswahlen in Hamburg. Wie berichtet haben wir alle Fraktionen der Hamburgischen Bürgerschaft angeschrieben und ihnen elf Fragen zu ihrer Drogenpolitik gestellt. Zusätzlich haben wir uns die aktuellen Wahlprogramme aller fünfzehn zur Wahl stehenden Parteien angeschaut. Pünktlich zum Start der Briefwahl, dürfen wir Euch heute unsere Auswertung bekannt geben. Ab morgen könnt ihr in Eurer Wahlgeschäftsstelle wählen gehen.

Ausdrücklich möchten wir alle Wahlberechtigten auffordern: Geht wählen!

Natürlich kann die Drogenpolitik nicht der Einzige Aspekt sein, um einer Partei sein Vertrauen zu schenken. Aber verrät dieser doch sehr viel mehr über das Programm einer Partei als viele andere. Alle die noch unsicher bei der Vergabe ihrer Stimme sind, empfehlen wir den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Ab dem 23. Januar könnt ihr ihn nutzen!

Die Antworten

Die AfD in Hamburg kann aufgund begrifflicher Unschärfe unserer Fragestellungen nicht differenziert genug und damit seriös antworten. Zudem vermutet und erkennt sie suggestive Formulierungen unserer Fragen und zum Teil eine manipulative Ausrichtung. Wir mussten weinen, vor Lachen.

Keine Antworten der AfD
hat aktuell auch kein Wahlprogramm zur Bürgerschaftswahl 2020, sondern nur für 2015

Die SPD Hamburg gibt der Suchtpräventation Vorrang und möchte die erfolgreiche Arbeit der Suchtberatung weiter unterstützen und ausbauen. Ansonsten ist sie der Ansicht, dass es weiterhin strafrechtlicher Maßnahmen bedarf und hält die geltenden Regelungen bei Cannabishandel für ausreichend. Zwar sei ihr nicht daran gelegen, Konsumenten zu kriminalisieren, der Handel solle aber weiter bestraft werden. Sinnvolle Gesetzesänderungen müssten geprüft werden. Auch wenn das Anliegen durch den eigenen Anbau, die Risiken des Schwarzmarkts nachvollziehbar sei, ist der Anbau von Hanfpflanzen für Privatpersonen verboten. Veränderte Rahmenbedingungen könnten ein Anlass sein, diese Verfügung auf Aktualität zu prüfen. In Hamburg gilt die allgemeine Verfügung zur Anwendung des § 31a BtMG. Was die SPD hiermit meint, hat sich uns nicht erschlossen.

Kurios: laut SPD ist der Beistz geringer Mengen in Hamburg straffrei, was eine Dekriminalisierung bedeuten würde. In Wirklichkeit kann solchen Fällen lediglich von einer Strafverfolgung abgesehen werden. Die SPD hat gemeinsam mit den Grünen das Thema Modelprojekte mit dem Ergebnis geprüft, dass ein solches auf der gegenwärtigen Rechtsgrundlage nicht möglich sei. Sie steht der Abgabe von Cannabis für Erwachsene zu Konsumzwecken kritisch gegenüber. Beim Thema Drugchecking muss laut SPD genau hingesehen werden was gemeint sei, es könne jedoch sinnvoll sein. Man wolle die Ergebniss des Berliner Projekts abwarten. Die SPD Hamburg sieht bei Cannabis als Medizin keinen Handlungsbedarf.

Die Antworten der SPD
Wahlprogramm der SPD zur Bürgerschaftswahl

Für die Hamburger CDU ist nicht die behauptete Kriminalisierung der Grund für sozialen Abstieg, dieser sei Begleiterscheinung des Konsums. Regelmäßiger Drogenkonsum verändert die Persönlichkeit, schädigt die Gesundheit und treibt Menschen in die soziale Isolation. Sie hält am grundsätzlich strafbewehrten Verbot fest. Bestehende Regelungen sollen unverändert beibehalten werden. Sie seien unabdingbar für den Erfolg der generalpräventiven Wirkung, damit sei der Abschreckungseffekt in Bezug auf Meinungsbildung, Konsumorientierung, Schädlichkeitsbewertung und Konsumverhalten gemeint. Von einer Legalisierung würden vor Allem die Drogenhändler profitieren, da diese dann Chrystal Meth verkaufen würden. Zwinkersmilie.

Die Hamburger CDU hält die aktuelle Verordung zur geringen Menge für sinnvoll und befürwortet eine bundesweite Vereinheitlichung auf 6 Gramm. Sie lehnt die kontrollierte Cannabisabgabe kategorisch ab. Alleine durch eine Diskussion über ein Modelprojekt wird der Cannabiskonsum verharmlost und romantisiert. Bei der Bewertung der Ergebnisse aus Länder mit einer liberalisierten Drogenpolitik wartet die CDU mit alternativen Fakten auf. Vor allem Kinder und Jugendliche würden früher, häufiger und mehr konsumieren. Es gibt kein Recht auf Rausch, Drugchecking erwecke den Eindruck, dass saubere Drogen gesünder seien, dies sei laut CDU geradezu zynisch. Es sei grober Leichtsinn sich nach einem Joint am Vorabend am nächsten Morgen wieder ans Steuer zu setzen. Eine Legalisierung hätte fatale Signalwirkung. Bei Cannabis als Medizin sieht die CDU Hamburg auch keinen Handlungsbedarf.

Die strafrechtliche Bekämpfung sei für die CDU Hamburg zentrales Anliegen.

Die Antworten der CDU
Wahlprogramm der CDU zur Bürgerschaftswahl

Die Hamburger FDP fordern eine kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene und sehen durch die Repression immense Ressourcen bei der Polizei gebunden, die besser eingesetzt werden könnten. Die Rechtslage beim Eigenanbau solle jedoch nicht aufgeweicht werden, die Vorschriften zur geringen Menge sollen bundesweit harmonisiert werden. Diese Romantiker haben bereits mehrfach einen Modelversuch gefordert. Zuletzt mit einem Antrag im Jahr 2015 der lediglich mit den Stimmen der Linken untersützt wurde und mit den Stimmen der SPD, CDU, Grüne und AfD abgelehnt wurde. Ähnlich wie die CDU sieht die FDP im Drugchecking die Gefahr, dass eine Pseudosicherheit vermittelt werde. Grenzwerte im Straßenverkehr wie beim Alkohl hält die FDP nicht für sinnvoll. Sie sieht zwar Handlungsbedarf bei Cannabis als Medizin, bietet aber keine Lösungen an. Die FDP befürwortete in einem Antrag den Einsatz sogenannter Drogenscanner mittels Ionentechnik in den JVAs.

Die Antworten der FDP
Das Wahlprogramm der FDP zur Bürgerschaftswahl

Bündnis 90/Die Grünen halten die repressive und kriminalisierende Drogenpolitik für gescheitert. Sie streiten im Bund für die Einführung eines Cannabiskontrollgesetzes, das Anbau, Handel und Abgabe reguliert, nur so ließen sich Jugend- und Verbraucherschutz umsetzen. Beim Eigenanbauf für den persönlichen Gebrauch setzt sie keine eigenen Akzente und vertraut auf die Bundespartei. Eine Anhebung der geringen Menge soll überprüft werden. Sobald in Deutschland rechtlich umsetzbar, befürworten die Grünen ein Modelprojekt und Drugchecking soll etabliert werden. Der bloße Gebrauch von Cannabis darf nicht mehr zu Zweifeln an der Fahreignung führen. Grundsätzlich muss eine Vergleichbarkeit bei der Überprüfung der Fahreignung gewährleistet sein. Beim Thema Cannabis als Medizin sehen die Grünen ebenfalls keinen Handlungsbedarf. In der kommenden Legislaturperiode wollen sie sich für wirksame Prävention, Jugendschutz, Entkriminalisierung und Selbstbestimmung einsetzen.

Für die Grünen sieht ein regulierter Cannabismarkt wie folgt aus: Cannabisgeschäfte und der Anbau unterliegen strengen Auflagen, das Personal muss eine Schulung zur Suchtprävention absolviert haben. Der ganze Wirtschaftsverkehr wird gesetztlich reguliert.

Die Antworten der Grünen
Das Wahlprogramm der Grünen zur Bürgerschaftswahl

Auch die Linke sieht die repressive Drogenpolitik für gescheitert, sie verschlinge bis zu 80% der finanziellen Ressourcen in Strafverfolgung und -vollzug, welche in bessere Präventions- und Hilfsangebote investiert werden könnten. Sie steht für eine staatlich organisierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene unter Einhaltung des Jugendschutzes. Die Linke möchte den Anbau zum Eigengebrauch legalisieren, die geringe Menge soll bis dahin auf 15 Gramm erhöht werden. Drugchecking muss legalisert werden, so die Linke. Desweiteren befürwortet sie die Einführung wissenschaftlich begleiteter Modelprojekte. Im Straßenverkehr lehnt sie eine Ungleichbehandlung von Cannabis und Alkohol ab und befürwortet eine generelle Prüfung der Fahrtüchtigkeit und deren Testverfahren. Keinen Handlungsbedarf bei Cannabis als Medizin sieht die Linke als einzige Partei nicht. Sie fordert die Abschaffung des Genehmigungsvorbehalts bei den Krankenkassen und Schulungen für Polizei und Apotheken zum aktuellen rechtlichen Stand. Die Liste der in der aktuellen Legislaturperiode eingebrachten Initiativen ist die längste aller Parteien, Social Cannabis Clubs könnten für die Linken modelhaft für die kontrollierte Abgabe von Cannabis stehen.

Die Antworten der Linken
Das Wahlprogramm der Linken zur Bürgerschaftswahl

Von den restlichen Parteien haben lediglich die Piraten noch eigene drogenpolitische Punkte in ihrem Programm. Sie steht für eine repressionsfreie Drogenpolitik und will ein Ende der gescheiterten Prohibition. Von allen Parteien hat sie das fortschrittlichste Konzept.

Das Wahlprogramm der Piraten Partei

Zusammenfassung und Wahlempfehlung

Die CDU und SPD sind weiterhin schlicht unwählbar, wer ein Vorankommen in der Drogenpolitik will sollte sein Kreuz bei einer anderen Partei machen. Die FDP hat schon einige gute Ansätze, verfolgt aber eher die Interessen der Wirtschaft. Die Grünen punkten vor Allem mit der Bundespartei und ihrem Cannabiskontrollgesetz. Die Linke punktet und hat in der aktuellen Legislaturperiode am meisten gezeigt, wie sie die Drogenpolitik voranbringen möchte. Gemeinsam mit den Piraten hat sie die fortschrittlichsten Ansichten.

Schlussbemerkung

Und nun der vielleicht wichtigste Hinweis zum Schluss. Jeder, dem Cannabispolitik am Herzen liegt, sollte den Parteien mitteilen, warum er sie gewählt oder nicht gewählt hat! Das erhöht das Gewicht einer einzelnen Stimme enorm! Gerade in Bezug auf Grüne und Linke ist das wichtig, da sie gute Ansätze zeigen, aber scheinbar noch nicht ganz begriffen haben, wie gut sie mit diesem Thema punkten können. Es reicht ein Dreizeiler wie:

„Ich habe Ihnen diesmal meine Stimme gegeben, weil Sie sich für die Legalisierung von Cannabis einsetzen und erwarte von Ihnen, dass Sie das Thema die nächsten fünf Jahre auch voranbringen!“

„Ich hätte mir vorstellen können, sie dieses Jahr bei der Bürgerschaftswahl 2020 zu wählen, habe aber wegen ihrer repressiven Drogenpolitik davon Abstand genommen.

Wer war noch gleich…? Hans Cousto

Hans Cousto

Der Mathematiker und Musikwissenschaftler wurde 1948 in Monthey in der französischen Schweiz geboren.

Er beschäftigte sich schon früh mit philosophischen Fragen und da er während seines Studiums der Antwort auf die Frage, „Was ist trivial und was beweisbar?“ nicht nahe genug kam, reiste er auf seiner Suche nach Weisheit nach Indien und unternahm diverse Reisen in den nahen und mittleren Osten.

Philosophische Fragen, psychedelische Erfahrungen, Tanz, Musik und Extase prägten die 70er Jahre von Hans, als er 1975 schließlich nach München zog, wo er einige Jahre in einer WG aus freischaffenden Künstlern und Hippies lebte.

Am 2. Oktober 1978 entdeckte Hans nach dem Genuss von Zauberpilzen während einer Vision die universelle Bedeutung des Oktavgesetzes für die Bestimmung der harmonikalen Kammertöne, die er von astronomischen Gegebenheiten abgeleitet hatte. Dies näher zu erklären würde hier jedoch den Rahmen sprengen.

Die „Kosmische Oktave“ prägte die nächsten Jahre sein Schaffen und er publizierte verschiedene Bücher zu diesem Thema.

Von 1994 bis 2011 engagierte sich Hans Cousto für den Verein „Eve & Rave“, welcher sich für die Aufklärung und Vermeidung von Drogenproblemen und die Förderung von Party,- und Technokultur einsetzt.

Er veröffentlichte weiterhin verschiedene Bücher, u. A. „Vom Urkult zur Kultur – Drogen und Techno“ , oder „ Drug-Checking – Qualitative und quantitative Kontrolle von Ecstasy und anderen Substanzen.

Seit 2011 arbeitet er bei der freien Arbeitsgemeinschaft „DrogenGenussKultur“ mit und veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen verschiedene Artikel zu Drogen und Rauschkultur im TAZ Blog „Drogerie“ oder auch auf der Website der Hanfparade.

Diese Zeilen umreißen das Leben dieses unfassbar interessanten Aktivisten natürlich nur äußerst grob. Eine ausführliche Biographie findet ihr hier:

https://www.planetware.de/tune_in/cousto/biographie.html

Wir freuen uns sehr, dass Hans uns in einem kleinen Interview einige Fragen beantwortet hat.

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Hans: Als junger Student in Zürich in der Mittagspause an der „Riviera“ – Stufen am Ufer der Limmat, wo wir uns trafen um was zu essen, zu trinken und zu rauchen. Das war 1968. Zuvor hatte ich als Schüler schon Erfahrungen mit LSD gemacht, was damals in der Schweiz noch legal war.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Hans: Ja. Als Studenten rauchten wir meistens in der Mittagszeit, Abends und beim Feiern Chillums. Später zog ich nach München in eine Kifferkommune und dort rauchten wir vorwiegend Chillums, manchmal auch Tüten oder Wasserpfeifen, ab dem Frühstück bis spät in die Nacht. Im Hause wohnten vor allem Musiker und Haschischhändler. Gutes Haschisch war immer im Hause vorrätig.

In den späten 70er Jahren verbrachte ich öfters die Winter in Asien – Afghansistan, Pakistan, Indien und Nepal. Dort war damals auf dem Lande das Rauchen von Chillums so üblich wie das Biertrinken heute in Bayern. Dort habe ich auch gelernt, wie man Haschisch und Charas macht.

In den 80er Jahren lebte ich in Amsterdam und begann vermehrt auch Gras zu rauchen. Es war eine Zeit mit einem intensiven Drogenmischkonsum, wie auch die späten 80er und die 90er Jahre in Berlin. Kiffen gehörte zum täglich Brot und es gab immer einen Grund um zu Feiern und zu Tanzen.

Heute bin ich Gelegenheitskiffer – manchmal habe ich mehrere Tage hintereinander kein Bedürfnis zu Kiffen, und dann kommt ein Festival und Gelegenheit, Lust und Freude bezüglich Kiffen sind wieder allgegenwärtig.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Hans: Nein

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Hans: Der Genuss von psychotrop wirkenden Substanzen ist ein Bereich der Individualethik und muss den Menschen frei überlassen werden, so wie jeder frei ist an einen Gott zu glauben oder nicht. Beim Feiern kann der Genuss von Haschisch, Zauberpilzen, Kratom oder Changa durchaus eine spirituelle Dimension haben und hat für das Individuum nicht selten den Charakter eines Sakramentes.

Das Gesetz sollte sich ausschließlich auf Fragen der Sozialethik beschränken, das heißt nur die Bereiche umfassen, die das Leben anderer mit meinem Leben umfassen. Wenn ich kiffe oder andere Drogen nehme, beeinträchtige ich nicht die Lebensqualität von anderen Menschen, deshalb hat die Frage, ob ich Drogen zur Entfaltung meiner Persönlichkeit nehme, nichts in einer gesetzlichen Vorschrift zu suchen. Es ist in meinen Augen ein Naturrecht, dass jeder sein Leben so genießen kann wie er will, solange dadurch der Genuss des Lebens anderer nicht beeinträchtigt wird.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Hans: Seit 1997 bin ich Jahr für Jahr auf der Hanfparade aktiv, in den letzten Jahren zumeist auch im OrgaTeam. So habe ich u.a. die Berliner Deklaration der Hanfparade von 2018 verfasst:

Seit vielen Jahren machen wir von der Freien Arbeitsgemeinschaft DrogenGenussKultur Infostände in Berliner Clubs und auf Festivals, wo wir Fachinformationen zu verschiedenen Substanzen und zum Mischkonsum für die Leute bereit halten. Seit vielen Jahren liegen auch Infos vom DHV, dem Hanf Museum, der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabinoidmedezin (IACM) und der Hanfparade auf unseren Infotischen. Mehr dazu:

25 Jahre Drogeninfostände in Berliner Clubs

http://blogs.taz.de/drogerie/2019/10/21/25-jahre-drogeninfostaende-in-berliner-clubs/

Drogeninfostände als Interventionsstrategie zur Gesundheitsförderung

https://blogs.taz.de/drogerie/2017/08/27/drogeninfostaende-als-interventionsstrategie-zur-gesundheitsfoerderung/

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Hans: Psychonautik kann ein zentrales Element bei der Entfaltung der Persönlichkeit sein und hat eine spirituelle Dimension. Das Einnehmen von Drogen hat vor allem mit Bildung, Wissenschaft und Kultur zu tun. Deshalb sollte die internationale Drogenpolitik von der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) koordiniert werden und nicht mehr von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), da die meisten Drogenkonsumenten, die ich kenne, froh und munter sind und nicht einen behandlungsbedürftigen Eindruck machen. Mehr dazu siehe: Das Weltkulturerbe Psychonautik – Ein drogenpolitisches Manifest

https://www.drogenkult.net/?file=text013

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Hans: Deutschland ist ein Rechtsstaat. Fortschritte in der Drogenpolitik erfolgten meist aufgrund höchstrichterliche Entscheidungen (Bundesverfassungsgericht, Bundesverwaltungsgericht). Beispielsweise stimmte der Bundestag einstimmig für das „Cannabis als Medizin Gesetz“, weil es die einzige Möglichkeit war, die Patienten daran zu hindern, ihre Medizin selbst anzubauen. Patienten hatten in mehr als zwei Jahrzehnten immer wieder das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) verklagt, weil das Institut ihnen den Zugang zu ihrer Medizin verwehrt hatte. Das BfArM unterlag in dem Rechtsstreit und das BfArM wurde verpflichtet, den Patienten Zugang zu ihrer Medizin zu ermöglichen – auch durch Eigenanbau. Das „Cannabis als Medizin Gesetz“ ist eigentlich ein „Eigenanbauverhinderungsgesetz“.

Weit über 100 Strafrechtsprofessoren forderten das Parlament auf, die Drogenpolitik im Lande zu evaluieren, da das BtMG seinen Zweck nicht erfüllt und nicht verhältnismäßig ist. Die große Mehrheit der Parlamentarier im Deutschen Bundestag wollten jedoch nichts davon wissen und sahen keinen grundlegenden Änderungsbedarf. Die besagten Professoren bilden jedoch die zukünftigen Richter aus – so habe ich Hoffnung auf bessere Zeiten in denen fundamentalistische Ansichten der bisherigen Mehrheit im Bundestag durch Vernunft und Rechtsstaatlichkeit dank zukünftiger höchstrichterlicher Entscheidungen überwunden werden können.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Hans: Menschen, die sich nicht treu (nicht beständig in ihrer Gesinnung anderen Menschen oder einer Sache gegenüber) sind, sogenannte Opportunisten, machen einem das Leben manchmal schwer. Wenn zu viele davon in meiner näheren Umgebung sind, war ich schon nahe am Verzweifeln. Doch Freunde, die sich selber treu sind und sich für das Einsetzen, wovon sie überzeugt sind, gaben mir immer wieder den nötigen Impuls weiter zu machen. Ja, man muss sich selbst treu sein, wenn man fähig sein will, anderen Menschen oder einer Idee treu zu bleiben.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Hans: Ja, aber nicht wegen des gesellschaftlichen Stigmas. Beim gemeinsamen Chillumrauchen, Eimerrauchen und Rauchen von Wasserpfeifen haben sich Freundschaften vertieft – Freundschaften die seit Jahrzehnten halten und mein Leben bereichern.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Hans: Den Kindern so früh wie möglich Genussfähigkeit beibringen. Betrifft Essen, Trinken, Spielen und vieles anderes mehr. Wer genießen kann, ist nach dem Genuss zufrieden, wer nicht genießen kann hat oft Lust nach mehr. Mediziner nennen das Craving.

Der Umgang mit Genussmitteln muss gelernt sein, damit man diese auch richtig genießen kann. Drogenmischkonsum ist eine Kunst wie Kochen. Nimmt man von einem Gewürz zu viel oder auch zu wenig, dann schmeckt die Speise nicht. Kinder möglichst früh das Kochen und den Umgang mit Gewürzen beibringen hilft diesen, ihren Geschmackssinn zu entwickeln und zu sensibilisieren. Kleine Unterschiede werden bewusster wahrgenommen und der Geschmackssinn eröffnet neue Erlebniswelten – mit psychotrop wirkenden Substanzen ist das nicht anders. Gute Küche, gute Weine und anderes mehr gehören zu unserer Kultur. Den Kindern Kultur vermitteln hilft ihnen eventuell später sich in die Kultur der Psychonautik einzufühlen; und Konsumenten von Psychoaktiva, die einen festen und lebensnahen kulturellen Background haben, laufen weniger Gefahr, sich von einer Substanz abhängig zu machen oder durch den Konsum Schaden zu erleiden.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Hans: Da man ab 18 Jahre Parlamentarier wählen kann, sollte man auch ab 18 die Drogen, die man zum Genuss, zur Gestaltung der eigenen Persönlichkeit wie auch zur spirituellen Entfaltung einnehmen will, legal in kontrollierter Qualität erwerben dürfen und können.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Hans: Ich bin für die Einführung von Drogenfachgeschäften, wie sie von der Grünen Jugend auf dem 25. Bundeskongress in Koblenz am 12. November 2005 gefordert wurden. Im Drogenfachgeschäft werden Gras und Haschisch in geprüfter Qualität angeboten und der Kunde erfährt, wie viel THC und CBD und CBN in der erworbene Ware enthalten ist. Nur wenn Konsumenten genau wissen, welche Mengen von psychotrop wirkenden Substanzen in einem Produkt enthalten sind, können sie ein vernünftiges und zielführendes Risikomanagement bewerkstelligen. Mehr zu Drogenfachgeschäften siehe: https://www.drogenfachgeschaeft.de/

Zudem sollte der private Eigenanbau erlaubt sein sowie die Etablierung von Cannabis Social Clubs, wo mehrere Konsumenten ihre eigenen Pflanzen von einem Gärtner auf freiem Feld oder in einem Gewächshaus betreuen und pflegen lassen können. Cannabis Social Clubs ermöglichen einen Zugang zu Gras und Haschisch unter völligem Ausschluss des Cannabismarktes. Dies gilt vor allem, wenn im Cannabis Social Club Samen aus eigener Züchtung zur Anwendung kommen. Zudem dienen solche Clubs dem Erfahrungsaustausch und haben einen sozialisierenden Effekt.

Ökonomisch wird ein Abwandern von Gewinnen in dunkle Kanäle blockiert, da die Cannabis Social Clubs sich als non-profit Unternehmen verstehen (gemeinnützige Genossenschaften oder Vereine) und nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind. Cannabis Social Clubs sind in der Lage, sich in sozialer und kultureller Hinsicht zu engagieren und eine sinnvolle, nicht auf Abstinenz ausgerichtete Prävention zu unterstützen. Cannabis Social Clubs sind ein Modell, in dem transparent, kontrolliert und reguliert Hanf angebaut und verteilt wird und somit auf diese Weise die Sicherheitspolitik des Landes unterstützt wird. In Spanien gibt es bereits hunderte von Cannabis Social Clubs, die erfolgreich funktionieren.

Magic Mushroom Social Clubs sind ein Pendant zu Cannabis Social Clubs. Sie bieten die gleichen Vorteile wie Cannabis Social Clubs, sind jedoch nicht auf die Kultur von Pflanzen, sondern auf die Kultur von Zauberpilzen ausgerichtet. Das Züchten von Zauberpilzen verlangt mehr Sachkunde als das Züchten von Cannabispflanzen, insbesondere, da bei einigen Arbeitsgängen steril gearbeitet werden muss. Gemeinschaftlich gelingt dies oft besser, als wenn ein Laie beginnt, mit der Pilzzucht zu experimentieren. Da Zauberpilze als weniger gefährdend eingestuft werden als Cannabis und viele andere Drogen, ist auch die Schwelle für eine amtliche Genehmigung von Magic Mushroom Social Clubs wohl niedriger einzustufen als dies bei den Cannabis Social Clubs der Fall ist. Magic Mushroom Social Clubs sind auf jeden Fall geeignet, den Bedarf an neue psychoaktive Substanzen (NPS) zu senken. Dies ist vor allem deshalb relevant, weil die Risiken, die mit dem Konsum von NPS verbunden sind, bis dato kaum bekannt sind, jedoch von vielen Experten als unberechenbar hoch eingeschätzt werden. Mehr dazu siehe:

http://blogs.taz.de/drogerie/2019/11/10/sind-drogen-gefaehrlich/

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Hans: Am liebsten rauche ich einen hellen roten Libanesen aus der Gegend von Yammoune bei Baalbek. Die Cannabispflanzen dort auf nach Osten abfallenden Hängen des Libanongebirges sind schnellen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Am Morgen knallt die Sonne auf die an den Hängen liegenden Plantagen und es wird sehr schnell heiß. Dies führt dazu, dass das Haschisch würziger ist als jenes von der anderen Talseite mit nach Westen abfallenden Hängen, wo am Morgen länger Schatten ist und die Temperaturen langsamer ansteigen. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind sehr groß, da die Gegend auf einer Höhe von mehr 1.200 Metern über dem Meeresspiegel liegt. Haschisch aus dem Libanon enthält mehr CBD als THC. Ja charakteristisch für libanesisches Haschisch ist ein mindestens doppelt so hoher Gehalt an dem die THC-Wirkung blockierenden und verändernden Cannabidiol (CBD). Dies erklärt vielleicht die typische eher körperlich empfundene Wirkung auch bei hohem Harzgehalt im Vergleich zu der oft eher knisternden Wirkung von marokkanischem Haschisch, bei dem der THC-Gehalt typischerweise doppelt so hoch ist wie der des CBDs. In neueren Sorten aus Marokko liegt der THC-Gehalt oft weit höher als früher. Mehr dazu siehe:

https://blogs.taz.de/drogerie/2019/12/17/haschisch-und-marihuana-im-vergleich/

Sehr gerne rauche ich auch Charas aus Manali. Charas ist von Hand gemachtes Haschisch aus Indien, wobei die Gegend im indischen Bundesstaat Himachal Pradesh um Manali herum zu den besten Erzeugergebieten zählt. Dort hat das Rauchen von Charas traditionell durchaus auch eine spirituell geprägte Komponente.

Hanfverband Hamburg: Welche Konzentration von THC und CBD im Cannabis findest du optimal?

Hans: Für mich ist eine THC-CBD-Ratio von 0,5 (doppelt so viel CBD wie THC) bis zu 3 (dreimal so viel THC wie CBD optimal. Werte von mehr als 3, also mehr als dreimal so viel THC wie CBD, finde ich persönlich nicht so angenehm für mein Körpergefühl.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Hans: Auf Reisen würde ich sich Shops zum Kauf von Cannabisprodukten nutzen, an meinem Wohnort würde ich mich bei einem Cannabis Social Club engagieren und mich dort auch beim Anbau und der Züchtung einbringen. Legaler Anbau kann unter Sonnenlicht erfolgen, braucht somit nicht zwingend Strom für Lampen und ist somit umweltfreundlicher, energiesparend und ein guter Beitrag zum Schutz des Klimas. Zudem käme ich dort mit Kennern der Materie zusammen, könnte mich mit ihnen austauschen und was dazulernen.

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Hans: Wissen über die Wirkung von THC und CBD sind in jedem Fall zu übermitteln. Generell geht es aber nicht nur um die Droge, sondern auch um das Set (Befindlichkeit, Erwartungshaltung, Ziel) und um das Setting (Beziehung zum Überreicher oder zur Überreicherin der Droge und um das Umfeld). Eine Droge ist ein Mittel zu einem Zweck und die Novizen beim Drogengebrauch sollten sich klar machen, was sie mit dem Konsum erreichen wollen. Begriffe wie Drogenkompetenz, Drogenmündigkeit und Drogenautonomie (Gegenstück zu Drogenabhängigkeit) zu erklären und zu erläutern kann behilflich sein, um die Genussoptimierung wie auch die Schadensminderung zu fördern.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Hans: Absurde Szenen hinter der Bühne der Hanfparade im Jahr 2015. Vor ihrem Auftritt auf der großen Bühne vor dem Brandenburger Tor in Berlin saßen Frank Tempel (Die Linke) und Thomas Isenberg (SPD) an einem Biertisch hinter der Bühne unweit eines Stapels von zusammengeklappten Biertischen und Bierbänken. Zu ihnen gesellte sich dann noch der Richter Andreas Müller aus Bernau. Nachdem die beiden Erstgenannten ihre Vorträge gehalten hatten und die drei Herren den Bereich hinter der Bühne verlassen hatten, kam die Polizei und ordnete an, dass die Bänke und der Tisch wieder auf den Stapel zu legen seien. Die Polizisten begründeten diese Anordnung mit den Auflagen der Versammlungsbehörde für diese Demonstration.

In den Auflagen der Versammlungsbehörde für die Hanfparade hieß es, dass das Aufstellen von Bänken und Tischen hinter der Bühne untersagt sei. Ebenso war es untersagt, den Künstlern und den Rednern einen Imbiss zur Stärkung zu servieren. Deshalb untersagte die Polizei auch dem Lieferanten der Speisen das Gelände der Abschlusskundgebung mit seiner Ware zu betreten. In der Folge mussten alle Redner und Künstler stehend auf ihren Auftritt warten, so auch die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg. Diese absurde Maßnahme kann man nun wirklich nicht als versammlungsfreundlich klassifizieren. Und ständig standen zwei oder drei uniformierte Beamte in der Nähe des Stapels mit den Bänken und Tischen und passten auf, dass ja niemand dort eine Bank greift und diese aufstellt, damit man sich darauf setzen kann.

Gemäß Brockdorf-Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 14. Mai 1985 (BVerfGE 69, 315) sind die staatlichen Behörden gehalten, nach dem Vorbild friedlich verlaufender Großdemonstrationen versammlungsfreundlich zu verfahren und nicht ohne zureichenden Grund hinter bewährten Erfahrungen zurückzubleiben. Vor diesem Hintergrund erscheint der Auflagenbescheid der Versammlungsbehörde nicht nur absurd, sondern auch rechtswidrig zu sein, da durch eine Verköstigung von Künstlern und Rednern hinter einer Bühne auf Tischen wahrlich keine Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu befürchten ist. Die übermäßige Regelung aller Dinge und die Gängelung der Menschen scheint immer noch dem preußischen Wesen inne zu wohnen wie zu Kaisers Zeiten.

Schon Alexander von Humboldt machte sich vor weit über hundert Jahren über das preußische Wesen der Berliner lustig und bezeichnete Berlin als eine intellektuell verödete, kleine, unliterarische und dazu überhämische Stadt, wo man monatelang gedankenleer an einem selbstgeschaffenen Zerrbild matter Einbildungskraft naget und alles und jedes nach der Schreiberschablone gemessen werde. Die Berliner Akademie der Künste, deren „Regeneration“ er für dringend nötig erachtete, charakterisierte Humboldt als „Wespennest geschlechtsloser Insekten.“ Das gleiche Charakteristikum trifft heute (Stand 2015, da war Frank Henkel von der CDU Innensenator) auf die regierenden Berliner/innen respektive auf die Versammlungsbehörde und ihre Vollzugsbeamte zu. Hinter der Bühne brauchte es keine Karikaturen, um das preußische Wesen zu überzeichnen, da man dasselbe wie in einem Comic live erleben konnte. Man wähnte sich dort nicht in einer weltoffenen und toleranten Metropole, die Berlin seit etwa einem Vierteljahrhundert als Hauptstadt der BRD so gerne sein möchte, sondern man fühlte sich dort wie in der Hauptstadt von Absurdistan. Mehr dazu:

https://blogs.taz.de/drogerie/2015/08/14/hanfparade-in-absurdistan/

Berlin, 31. Dezember 2019, Hans Cousto

Medizinisches Cannabis: Teilnehmer für Befragung gesucht

Das Gesundheitsdezernat der Stadt Frankfurt am Main sowie das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf führen eine Studie zur Versorgung von Cannabis-Patienten durch.
Es werden sowohl Patienten gesucht, welche bereits Cannabis als Medizin bekommen, als auch solche, welche bislang Schwierigkeiten bei der Verschreibung und Kostenübernahme hatten.

Die telefonische Befragung dauert ca 45 Minuten und wird mit 20 € Aufwandsentschädigung vergütet.

Ihr seid Patient? Dann macht mit und teilt fleißig, damit viele Interviews geführt werden können.

Bei Interesse an einer Teilnahme könnt ihr euch per Mail (med-can@zis-hamburg.de) oder telefonisch unter 040 7410 54573 anmelden.

Bürgerschaftswahl 2020 – 11 Fragen

Am 23. Februar 2020 finden die Wahlen zur Hamburgischen Bürgerschaft statt. Alle in der aktuellen Legislaturperiode in der Bürgerschaft vertretenen Parteien haben wir deshalb heute angeschrieben.

Für unsere Mitglieder und Unterstützer möchten wir gerne wissen, welche Parteien für ihre Interessen einstehen und welche Ziele in der Zukunft erreicht werden sollen.

In Zusammenarbeit mit der Hanf Initiative Frankfurt, welche für die Erstellung des Fragebogens zuständig war, stellen wir elf Fragen zum Thema Drogenpolitik. Wir baten um zeitnahe Beantwortung und werden die Ergebnisse auswerten, aufbereiten und hier veröffentlichen.

  1. Halten Sie die Repression und die Kriminalisierung von Drogenkonsumenten für eine sinnvolle Säule der Drogenpolitik?
  2. Wollen Sie die Strafverfolgung von Cannabiskonsumenten generell eher mildern, verschärfen oder unverändert lassen?
  3. Wollen Sie die Strafverfolgung des Anbaus weniger Hanfpflanzen zur Deckung des Eigenbedarfs eher mildern, verschärfen oder unverändert lassen?
  4. Wie stehen Sie zur aktuellen Verordnung zur Anwendung der „geringen Menge“ nach §31a BtmG und planen Sie Änderungen?
  5. Wie stehen Sie zu einem Modellversuch für eine kontrollierte Abgabe von Cannabisprodukten an Erwachsene?
  6. Wie stehen Sie zur Qualitätskontrolle von Drogen wie Cannabis (Stichwort „Drug Checking“)?
  7. Halten Sie es für sinnvoll, dass Cannabiskonsumenten bei der Überprüfung der Fahreignung gegenüber Alkoholkonsumenten benachteiligt werden oder setzen Sie sich für eine Gleichbehandlung ein?
  8. Welchen Handlungsbedarf sehen Sie beim Einsatz von Cannabis als Medizin?
  9. Welche drogenpolitischen Initiativen gab es von Ihrer Partei und Fraktion in der aktuellen Legislaturperiode?
  10. Welche drogenpolitischen Initiativen plant Ihre Partei und Fraktion für die kommende Legislaturperiode?
  11. Wie sollte Ihrer Meinung nach ein regulierter Markt für Cannabisprodukte aussehen?

Kundgebung vor Justizbehörde

Gestern, am Donnerstag den 17. Oktober 2019, haben wir uns unter dem Motto „Teufelskreis durchbrechen – Hanf ist kein Verbrechen“ vor der Hamburger Justizbehörde versammelt um gemeinsam auf die dramatische Situation vieler Cannabiskonsumenten hinzuweisen.

Vor bis zu 30 Mitstreitern haben wir öffentlich Herrn Dr. Streffen angemahnt, sich die Situation, mit der sich viele Konsumenten in Hamburg konfrontiert sehen, zu vergegenwärtigen und unsere Forderungen laut verkündet.

Dem stellvertretenden Pressereferenten Herrn Sulzmann konnten wir unser persönliches Anschreiben an den Senator Dr. Steffen, mit einem Forderungskatalog übergeben.

Im nächsten Monat werden wir unsere Kundgebung vor der Behörde für Inneres und Sport, Johanniswall 4, 20095 Hamburg abhalten. Mit jeder weiteren Kundgebung wollen wir mehr Menschen erreichen und animieren, gemeinsam mit uns, für unsere Rechte auf die Straße zu gehen.

Unser Fazit, die Justizbehörde hat sich gesprächsbereit gezeigt. Das ist schon viel mehr als wir eigentlich erwartet haben. Mit der Zeit werden wir sehen, ob wir mit der Behördenleitung weiter ins Gespräch kommen können, um die Cannabispolitik mit zu gestalten.

Zusammenfassung der Rede unseres Sprechers

Unser Sprecher Marc Schlosser zeigt bei seiner Rede vor dem Hamburger Strafjustizgebäude auf wie weltweit umgedacht wird. Teile der USA, Kanada, Uruguay und sogar Luxemburg legalisieren Hanf. Nur Deutschland werde immer restriktiver.

Die polizeiliche Statistik für 2018 bildet 30% mehr Anzeigen und Haftbefehle wegen BTM ab. Unser Sprecher meint, dass dies hauptsächlich an der Arbeit der Task Force läge und untermauert dies mit dem Ergebnis einer kleinen Anfrage der Partei Die Linke, welche ergeben hat, dass zwischen Oktober 2017 und März 2018 20000 Personen kontrolliert wurden, bei nur 122 Haftbefehlen.

Für Marc Schlosser ein eindeutiges Indiz, dass die Arbeit der Task Force, bei 75000 Arbeitsstunden, ihren Nutzen verfehlt. Dennoch intensiviert die Polizei noch einmal deutlich ihre Aktivitäten um die Szene stark zu verunsichern. Wir sind verunsichert, so Marc Schlosser weiter und fragt, ob die Polizei so wenig Arbeit habe, dass sie Konsumenten jagen müsse.

Laut einer Studie des DHV aus dem Jahr 2018 entgehen dem Staat jährlich 2,7 Milliarden Euro jährlich. Für Schulen, Soziales und Umwelt sei kein Geld vorhanden. Für die Verfolgung von Cum-Cum Aktien stünden nur 15 Mitarbeiter zur Verfügung, mit der Folge, dass viele Vergehen verjähren werden.

Aber um im Park nach ein paar Gramm Cannabis mit Stöckchen zu suchen, seien 10 Beamte verfügbar, so Marc Schlosser weiter.  Dies sei Steuerverschwendung und nicht verhältnismäßig. 

Auch der Mittelstand werde benachteiligt. Durch Durchsuchungen von CBD Läden würden Existenzen bedroht, welche gerade erst gegründet wurden. Auch beim Anbau von medizinischem Hanf gehe es nicht voran, so unser Sprecher. Die erste, viel zu geringe Ernte, lässt noch immer auf sich warten. Ein Exportland importiert lieber.

Marc Schlosser fordert für den Hanfverband Hamburg, Schluss damit zu machen und vernünftige Gesetze zu erlassen, mit glaubhaftem Jugendschutz und funktionierendem Verbraucherschutz. Mit Steuern für den Staat und nicht für Gewinne für Kriminelle. Denn, so unser Sprecher abschließend, die schlimmste Nebenwirkung bliebe die Strafverfolgung. 

Schluss mit Krimi – Cannabis normal!

Demo Feedback

Am letzten Samstag hatten wir unsere Demonstration „Teufelskreis durchbrechen – Hanf ist kein Verbrechen!“ bei sonnigen 30° C. Georg Wurth, Chef des Deutschen Hanfverband, kam aus Berlin angereist, um gemeinsamt mit unserem Sprecher Marc Schlosser eine Rede vor dem Hamburger Landgericht zu halten.

Dies war ein passender Auftakt der Justizkampagne des Deutschen Hanfverband, die in dieser Woche starten wird. Unsere Demonstration ist mehrere Runden um den Sievekingplatz gelaufen, so dass wir, wie die Prohibition, nicht vom Fleck gekommen sind. Es dreht sich alles nur im Kreis.

Am Samstag war auch „Overdose Awareness Day“. Aus diesen Grunde, hatten wir eine Schweigeminute, für alle Personen, die eine Überdosis erlitten haben.

Wir konnten viele nette und interessante Gespräche führen. Vielen Dank für Euer Feedback! Die Zusammenarbeit mit der Polizei verlief reibungslos. Auch bei ihr wollen wir uns bedanken. Ein paar von uns können sich noch erinnern, wie die Polizei vor 15 Jahren mit uns umgegangen ist. Die Zeiten haben sich geändert!

Die Ortsgruppe Hamburg bedankt sich bei allen teilnehmenden Personen. Wir hoffen, das wir uns spätestens im Mai zum Global Marijuana March 2020 wieder sehen werden.

Besonderer Dank geht noch an FilSuisse, die uns die tolle Teufel-Box gesponsort haben. Die hat dafür gesorgt, dass wir ordentlich gehört wurden. Nicht vergessen dürfen wir unsere eifrigsten Untersützer Amsterdam Headshop , Udopea Head- & Growshop und Headshop Grasweg.