Florian Rister

Florian Rister

Florian studierte in Marburg Politikwissenschaften und war dort einige Zeit in einem Kontaktladen für Drogenkonsumenten tätig. Dazu betreute er ein an Multipler Sklerose erkranktes Ehepaar.

Er engagierte sich seit 2010 bei der „Hanfinitiative Frankfurt“ ( https://www.hanf-initiative.de ) und beim „Alice Projekt“ in Frankfurt, einem Verein, der sich die Förderung von Drogenmündigkeit und Risikokompetenz auf die Fahnen geschrieben hat und bei verschiedenen Veranstaltungen mit Info,- und Beratungsständen vertreten ist ( http://www.alice-project.de ).

2012 wurde er Mitglied der Piratenpartei.

Florian trat dem DHV bei und arbeitete dort jahrelang ehrenamtlich, bis er 2014 schließlich seine Festanstellung begann. Er kümmerte sich unter anderem um die Betreuung der Ortsgruppen, bearbeitete Anfragen und betreute Social Media Seiten.

2017 begann Florian seine Arbeit als stellvertretender Geschäftsführer des DHV.

Wir freuen uns, dass er sich ein wenig Zeit für unsere Fragen genommen hat.

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Florian: Ein Bekannter hatte als ich Ende 15 war ein winziges Bröckchen Haschisch dabei, welches wir uns zu fünft oder sechst teilten. Niemand verspürte eine Wirkung.

Im Jahr 2001 lernte ich dann in der Schweiz den damals in der Schweiz legalen Markt für Marihuana zum Riechen kennen. Dort gab es hoch THC haltiges Marihuana als Duftprodukt für die Badewanne oder den Kleiderschrank, man durfte es bloß nicht konsumieren. Große Auswahl und hohe Qualität machten den Vergleich zum Schwarzmarkt in Deutschland zu einer traurigen Angelegenheit.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Florian: Na klar. 🙂

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Florian: Na klar. 🙂

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Florian: Ich konnte noch nie verstehen, warum Cannabis verboten ist. Es konnte mir auch noch nie jemand vernünftig erklären. Frühe Erfahrungen mit legalem Cannabis in der Schweiz oder Holland und der Illegalität bzw. bei einem späteren Besuch dann Legalität von natürlichen Cocablättern in Bolivien trugen dazu bei, dass ich Drogenpolitik spannend fand. Letztendlich spielte eine erniedrigende und entmenschlichende Polizeikontrolle auf dem damals so genannten Chiemsee Reggae Festival sowie einige andere Polizeikontakte eine große Rolle, mich auf diesen Weg zu führen.

Hanfverband Hamburg: Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Florian: Seit 2010 war ich zunächst in der Hanf-Initiative Frankfurt und dann auch im Deutschen Hanfverband aktiv, heute arbeite ich beim DHV und kümmere mich unter anderem um die Kampagne zum Global Marijuana March sowie die Cannabis Normal Konferenz.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Florian: Keine Droge wird weniger gefährlich, indem man die Menschen für ihre Einnahme oder ihren Besitz bestraft. Drogen (auch Alkohol) sind immer mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden, deshalb braucht es Aufklärung & Informationen statt Dämonisierung und Bestrafung.

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Florian: Das hängt davon ab, was man unter „bald“ versteht. Aber der Zug rollt. Viel mehr als 10 Jahre kann es eigentlich nicht mehr dauern, bis Cannabis auch als Genussmittel in Deutschland legal oder toleriert für Erwachsene zugänglich wird. Wie und wann genau, das hängt sehr stark von unserem Engagement als Aktivisten ab. Je mehr Menschen sich für eine Änderung einsetzen, desto schneller wird sie kommen. Daran glaube ich fest.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja,
was motiviert dich weiterzumachen?

Florian: An meiner Überzeugung hatte ich nie Zweifel. Das Thema ist eigentlich klar: Das Cannabisverbot ist so dumm, man glaubt es kaum…. Zweifel kommen mir manchmal nur bezüglich der Frage, wohin wir steuern. In den USA und Kanada sehen wir eine starke Kommerzialisierung bei gleichzeitig relativ starker Regulierung des Eigenanbaus. In vielen US-Staaten ist beispielsweise kein Cannabisanbau im eigenen Garten erlaubt. In einigen kanadischen Provinzen darf man nur in Eigenheimen growen, bei Mietwohnungen muss man den Vermieter fragen. Das demotiviert mich nicht, wirft aber die Frage auf wie wir dagegen halten können.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Florian: Na klar.

Hanfverband Hamburg: Hast du Kinder und wenn ja, wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im familiären Umfeld?

Florian: Kinderlos. Grundsätzlich halte ich aber Geheimnisse vor Kindern nicht für ganz unproblematisch. Wer Cannabis als zentrales Element im eigenen Leben hat, sollte das meiner Einschätzung nach nicht verheimlichen sondern irgendeinen offenen Umgang finden. Problem sind meist wohl weniger die Kinder, sondern deren Lehrer, Freunde und die Eltern von deren Freunden – also die Gesellschaft. Sobald Cannabis legal ist, wird es in vielen Familien deutlich weniger Konflikte diesbezüglich geben. Ein wichtiger, wenn auch schwer zu kommunizierender Vorteil der Legalisierung.

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Florian: Das kommt immer auf den Einzelfall an. Sobald das Kind es zum Thema macht, muss man selber auch ran. Das unterscheidet sich ja stark je nach Wohnort und Freundeskreis. Ansonsten denke ich so ab 11 / 12 kann man seine Kinder schon grob einweihen, dass es berauschende Substanzen neben Alkohol gibt und dass diese für Erwachsene sind. Danach kommen dann irgendwann die Details. Das wichtigste aus meiner Sicht: Keine Panik sondern rationale Gespräche.

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Florian: Keine leichte Frage. Praktisch wird man in der heutigen Gesellschaft eine niedrige Altersgrenze nicht durchgesetzt bekommen, von daher halte ich die Forderung nach einer Altersgrenze bei 18 Jahren für politisch opportun und sinnvoll. 🙂

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Florian: Bunt. Mit großen Eigenbedarfsgrows, Erntedankfesten für die ganze Nachbarschaft, niedrigen Preisen, internationalem Handel, Cannabis-Social-Clubs, Kneipen ähnlich holländischen Coffeeshops, große Cannabis-Festivals, usw. Ich will kein Stück vom Kuchen – ich will die ganze Bäckerei!

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Florian: Skunk #1 von Sensi Seeds scheint heute vielen sicher langweilig, hat aber Geschichte und „Reinheit“. Letztendlich kommt es aber immer sehr auf den Moment an.

Hanfverband Hamburg: Welche Konzentration von THC und CBD im Cannabis findest du optimal?

Florian: Das hängt davon ab, worauf man abzielt. Da muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Mir erscheint das Terpenprofil und die ich sage mal Ausgewogenheit des gesamten Cannabinoidprofils wichtiger. Wir wissen noch viel zu wenig über CBG, CBN, Terpene usw. von daher ist es aus meiner Sicht falsch, sich ausschließlich auf THC und CBD zu fokussieren.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Florian: Natürlich beides. Plus noch Mitglied in ein paar CSCs und Tauschringen oder so. Cannabis hätte soviel mehr zu bieten, wenn man sein Potential und seine Vielfalt legal ausnutzen könnte.

Hanfverband Hamburg: Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Start low, go slow! Langsam anfangen und langsam steigern. Ansonsten: Das Leben hat noch viel mehr viel schönere Dinge zu bieten, man sollte nicht zu viel Zeit mit langweiligem Konsum verschwenden.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Florian: Unzählige… Ich packe mal eine aus: 2018 auf dem Cannafest in Prag sah ich an einem Stand Edibles mit 20 mg THC. Ich sprach den Mitarbeiter der US-amerikanischen Firma an und fragte, wie es denn mit der Legalität dieses Produkts sei, schließlich sind 20 mg THC ja durchaus eine potente Dosis. Er meinte dann, dies sei vollständig legal da es der 0,2 % Regel entspräche und ich brauche mir keine Sorgen machen. Wenige Stunden später traf ich ihn im Gang zwischen den Hallen wieder, wo er grade von zwei Zivilpolizisten kontrolliert wurde, wegen einem Joint den er gerade geraucht hatte. Er erklärte den Beamten, die kaum Englisch sprachen, dass es sich um CBD-Gras handle, welches auf der Messe an diversen Ständen verkauft wurde. Die Beamten machten eine Art Schnelltest für Industriehanf der zu seinen Gunsten ausfiel. Er zeigte den Beamten noch seinen Stand und seine Produkte, danach zogen diese von dannen. Als die Beamten weg waren erzählte er mir jubelnd, dass in dem Joint durchaus starkes THC-haltiges Cannabis war und ich rechnete ihm dann vor, dass seine Kekse mehr als 0,2 % THC hätten und für Lebensmittel sowieso andere Regeln gelten. Wir haben noch viel gelacht.

Die Hamburger bedanken sich recht herzlich für dieses kurze Interview!