Maximilian Plenert

Maximilian Plenert

Geboren wurde Maximilian im hessischen Heppenheim.

Schon in seiner Schulzeit und vor seinem Physikstudium interessierte er sich sehr für Politik, was ihn schließlich im Alter von 18 Jahren dazu bewegte, Mitglied der Grünen zu werden.

Hier engagierte er sich im Fachforum Drogen der Grünen Jugend sowie des Arbeitskreises Drogen der Grünen Jugend Hessen und des Bundesnetzwerkes Drogen (BND).

Kurze Zeit später wurde er Leiter des Arbeitskreises Drogen der Grünen Jugend Hessen und Mitglied des Kreisvorstandes der Grünen im Kreis Bergstraße.

Außerdem wurde er 2003 drogenpolitischer Sprecher der Grünen Jugend Hessen.

Im Jahr 2004 wurde der 39 jährige Aktivist zusätzlich zum Sprecher des Fachforums Drogen der Grünen Jugend Bundesverband gewählt, wo er hauptverantwortlich ein Modell für die Einführung von Drogenfachgeschäften erarbeitete, welches als Modell für eine alternative Drogenpolitik dienen sollte.

Maximilian, lebt heute mit seiner Familie in Berlin.

Von 2009 bis 2017 arbeitete er hier beim Deutschen Hanfverband in verschiedenen Bereichen, danach bis heute bei Sens Media.

Inzwischen ist Max Geschäftsführer des KCG Kompetenzzentrum Cannabis GmbH.

Als Experte im Bereich Cannabis als Medizin organisiert er regelmäßig Treffen von Patienten in Berlin.

Zusätzlich schreibt er regelmäßig in verschiedenen Blogs zu den Themen Drogen, Drogenpolitik, Psychonautik und Cannabis als Medizin und betreibt einen Youtube – Kanal.

https://alternative-drogenpolitik.de

https://besserlebenmitcannabis.de

https://www.youtube.com/user/bewusstseinsbeweger

Damit nicht genug.

Maximilian ist Mitglied im Bundesvorstand von akzept e.V. , Gründungsmitglied von LEAP Deutschland (https://leap-deutschland.de) und Mitglied im Schildower Kreis (http://schildower-kreis.de).

Doch nun wollen wir den vielbeschäftigten Legalizer endlich selbst zu Wort kommen lassen.

Vielen Dank Maximilian, dass du bei unserem kleinen Interview mitmachst!

Hanfverband Hamburg: Wie bist du zum ersten mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Maximilian : Erst relativ spät, 10 Klasse. Habe auch die Raucherphase in der Schule boykottiert.

Hanfverband Hamburg: Hat sich dein Konsum im Laufe der Jahre verändert?

Maximilian: Ich habe als Probier,- und Wochenendkonsument angefangen und bin inzwischen Patient geworden.

Hanfverband Hamburg: Hattest du in Bezug auf Cannabis schon Probleme mit dem Gesetz?

Maximilian: Nein. Ich begegne der Polizei meist nur auf dem Podium. Als Patient bin

ich immer sehr offen damit umgegangen, keine Probleme.

Hanfverband Hamburg: Was hat dich dazu bewegt, aktiv zu werden?

Maximilian: Ich weiß noch in der Oberstufe kam ich auf das Thema. Ich habe mir die

Fakten angeschaut und habe dann eine Email an einen Aktivisten geschickt

a la „Müsste dann ja morgen legal sein.“ Das es das bis heute noch nicht

ist, hat mich nicht losgelassen, diese Unlogik.

Hanfverband Hamburg : Auf welche Art engagierst du dich für die Legalisierung von Cannabis?

Maximilian: Im Fachforum Drogen und dem Bundervorstand der Grünen Jugend, sowie

dem Bundesnetzwerk Drogenpolitik bei Bündnis 90 Die Grünen.

Ich konnte die grüne Programmatik wesentlich mitgestalten. Ebenso habe ich Kontakte zur LINKEN und der SPD, z.B. über die Friedrich Ebert Stiftung.

https://hanfverband.de/nachrichten/news/veroeffentlichung-entkriminalisierung-und-regulierung-evidenzbasierte-modelle-fuer-einen-alternativen-umgang-mit-drogenhandel-und-konsum

Ich bin Gründungsmitglied von LEAP, einer von zwei nicht „Law Enforcer“

(im Sinne der LEAP Satzung) unter den Anwesenden.

Außerdem Bundesvorstand von akzept e.V. – Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik ( https://www.akzept.org ), darüber hinaus Mitherausgeber und immer wieder Autor des Alternativen Drogen und Suchtberichts.

Desweiteren bin ich Mitglied im Schildower Kreis und betreibe meinen Blog

http://alternative-drogenpolitik.de

Es gibt wenige Hochzeiten auf denen ich nicht tanze.

Hanfverband Hamburg: Bist du Cannabis – Patient?

Maximilian: Ja. Ich habe die Diagnosen ADHS, Depressionen und Restless Leg Syndrom. Dazu kommt noch Autismus.

Dank Cannabis kann ich ein besseres Leben führen.

Hanfverband Hamburg : Wie hat Cannabis deine gesundheitliche Situation

verbessert?

Maximilian: Cannabis ist – zusammen mit den konventionellen Arzneimitteln – ein

wesentlicher Bestandteil meiner Therapie.

Ich will weder das eine noch das andere missen. Cannabis hilft mir u.a. Probleme die ich mit oder wegen ADHS habe zu managen, auch wenn ich weiß wie wenig wir eigentlich wissen bzgl. Wirkung, Sorten oder wie beschränkt auch mein Zugang ist.

Die Cannabis – Apotheke der Zukunft wird mir noch deutlich besser helfen können.

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zu anderen Drogen und der Debatte um eine Entkriminalisierung dieser Substanzen?

Maximilian: Die Prohibition ist gescheitert, teuer und schädlich. Das Verbot löst

kein Probleme – egal bei welcher Droge. Ich habe hier schon zu Grüne

Jugend Zeiten das Konzept des Drogenfachgeschäfts entwickelt. Siehe auch

https://hanfverband.de/nachrichten/news/veroeffentlichung-entkriminalisierung-und-regulierung-evidenzbasierte-modelle-fuer-einen-alternativen-umgang-mit-drogenhandel-und-konsum

Hanfverband Hamburg: Wie siehst du die Chancen, dass an der jetzigen Politik bald etwas geändert wird?

Maximilian: Meine Prognose waren lange 8-12 Jahre – basierend auf einer

Fortschreibung der Umfragedaten die es in Deutschland gab und der

Erkenntnis, dass sich in den US Bundesstaaten etwas bewegt hat als lokal

eine Mehrheit erreicht wurde. Vermutlich wird es aufgrund von Ergebnissen

wie der Legalisierung in Kanada und den guten Erfahrungen in den USA

schneller gehen. In den USA war der Tipping Point, ab dem man wusste es

ist nur eine Frage des „Wann“ nicht des „Ob“ die gescheitere Abstimmung um

California Proposition 19 im Jahr 2010. Ich denke wir hatten unseren

„Tipping Point“ als Christian Linder die Verhandlungen mit CDU, CSU und

Grünen über eine mögliche Jamaika Koalition aufgekündigt hat.

Denn zu diesem sehr späten Zeitpunkt der Verhandlungen war die Cannabis – Reform

weiterhin im Spiel, zwar als strittiger Punkt, aber ganz klar auch von der CDU

als Verhandlungsmasse angesehen.

Hanfverband Hamburg: Gab, oder gibt es Momente in deinem Aktivistenleben, wo du an deiner Überzeugung gezweifelt hast? Wenn ja, was motiviert dich weiterzumachen?

Maximilian: Ich mache weiter weil ich überzeugt bin auf der richtige Seite der

Geschichte zu stehen. Zeit und Wahrheit sind auf unserer Seite. Mit

meiner Arbeit im Bereich Cannabis als Medizin kann ich ganz konkret das

Leben von Menschen lebenswerter machen. Für meine persönliche

Karmabilanz glänzende Voraussetzungen.

Hanfverband Hamburg: Hatte der Cannabis-Konsum – auch ob des gesellschaftlichen Stigmas – Auswirkungen auf Partnerschaften/Freundschaften ?

Maximilian: In meinem „grünlinksversifften“ Milieu war das kein Problem 😉

Hanfverband Hamburg: Wie stehst du zum Umgang mit Cannabis im

familiären Umfeld?

Maximilian: Ich bin froh, dass ich frühzeitig mit meiner Ausnahmeerlaubnis

ein legaler Patient wurde und in Berlin wohne. Damit konnte ich immer

offen und ehrlich damit umgehen und es nicht verheimlichen wie so viele

es tun (auch wenn nicht alle es so müssten).

Hanfverband Hamburg: Ab welchem Alter würdest du das Thema mit deinen Kindern besprechen und wie?

Maximilian: Deutlich bevor sie alleine mit Drogen in Kontakt kommen – womit wir im

Kindergartenalter sind. Wie? Gute Frage. Das würde hier zu weit führen.

Damit ließe sich sicherlich ein ganzer Ratgeber füllen, es wäre auch mal

an der Zeit für einen eben solchen….

1. „Nein“ ist keine Antwort, wenn es um Fragen zu Drogen geht.

2. Ich empfehle die Bücher von Carl Hart und David Nutt.

3. Für Sens Media habe ich in der Infused dazu einen Beitrag

geschrieben: https://in.fused.eu/just-say-know/

Hanfverband Hamburg: Welche Altersgrenze für die Abgabe von Cannabis findest du sinnvoll?

Maximilian: Ich denke wir sollten hier ähnlich wie bei Alkohol nicht nur legale

Angebote an über 18 Jährige haben. Es ist durchaus möglich gefährlichere

und weniger gefährliche Formen von Cannabis zu definieren und

entsprechend unterschiedlich zu regulieren – so wie wir Bier nicht mit

Strohrum gleichsetzen.

Hanfverband Hamburg: Wie stellst du dir die Legalisierung vor, bzw. wie wünschst du sie dir?

Maximilian: Ich denke ein ganz wesentliches Element eines funktionieren Marktes ist

dass – so wie in Uruguay – sowohl der kommerzielle Handel, als auch der

Eigen- sowie der Gemeinschaftsanbau legal sind. Der Anbau für sich

alleine oder in einer Gemeinschaft wird nie einen großen Marktanteil

besitzen, ist aber ein wichtiges und wirksames Instrument um die

Qualität des kommerziellen Handels zu beeinflussen. Wenn Konsumenten

eine Alternative bei ihrer Versorgung haben und engagierte Hanffreunde

zeigen was möglich mit Cannabis ist, dann ist der kommerzielle Handel

deutlich mehr im Zwang ordentliche Produkte anzubieten.

Im gemeinsamen Anbau und Konsum in Social Clubs oder anderen

Gemeinschaften sehe ich auch ein großes Potenzial für die Prävention.

Der Einfluss meiner Peers, meiner Kollegen im Club auf mein

Konsumverhalten ist viel größer, als der von Gesetzen oder staatlichen

Maßnahmen. Dort können Erfahrungen weitergegeben und aktiv

Drogenmündigkeit vorgelebt werden.

Hanfverband Hamburg: Hast du eine Lieblingsgenetik/Sorte? Warum?

Maximilian: Ich brauche mit meinen zahlreichen Symptomen eigentlich eine Vielzahl

unterschiedlicher Sorten. Wenn ich mich auf eine Sorte festlegen müsste,

nachdem ich das erste Mal in der Apotheke war und alle Bedrocan Sorten

durchprobieren konnte, fand ich das Bedica bemerkenswert anders war als vieles

was ich kannte. Es hat mich beruhigt und ich konnte ein Gang runterschalten

ohne dass ich davon müde wurde. Insgesamt sind die Sorten die auch CBD

enthalten für viele Patienten im Alltag empfehlenswert, auf dem

Schwarzmarkt gibt es diese leider nur selten.

Hanfverband Hamburg: Viele Leute haben Bedenken, sich aktiv für die Legalisierung zu engagieren, weil sie fürchten, Probleme im Job, usw. zu bekommen. Was würdest du diesen Leuten sagen, bzw. welche Tipps würdest du ihnen geben, damit sie trotzdem aktiv werden?

Maximilian: Für politisches Engagement alleine bekommt man keinen Ärger. Wenn man

Regeln übertritt, sollte man dies bewusst tun und sich der Konsequenzen

davor klar sein. Lasst die Finger von illegalen Geschäften mit Cannabis

oder sonstigen Scheiss – der ist meiner Erfahrung nach der häufigste

Grund warum Aktivisten heftigen Ärger bekommen haben.

Hanfverband Hamburg: Wenn Cannabis legal wäre, würdest du lieber anbauen oder in einem Shop einkaufen gehen?

Maximilian: Sowohl als auch. Growen kann für Patienten eine sehr positive

Ergotherapie darstellen.

Hanfverband Hamburg : Was würdest du jemandem mit auf den Weg geben, (Vielleicht gerade Jugendlichen) wenn er/sie zum ersten mal Cannabis konsumieren möchte?

Maximilian: Wenn du Drogen gebrauchst, sei dir klar wieso und warum du es tust.

Hanfverband Hamburg: Hast du zum Abschluss noch eine lustige, oder spannende Cannabis – Anekdote?

Maximilian: Nein, spontan gerade leider nicht.

Aber vielleicht passt das hier:

Als ich vor 2 Jahren beim Deutschen Hanfverband nach über 10 Jahren

Tätigkeit aufgehört habe, davor war ich noch einmal so lange

ehrenamtlich im Bereich Drogenpolitik aktiv, dachte ich, ich hätte eine

ganz solide Kenntnisse darüber was Cannabis ist, wie es wirkt, welche

Gefahren und Möglichkeiten es mit Cannabis gibt. Heute weiß ich, dass

ich damals kaum etwas wusste. Seitdem ist mein Wissen ebenso gewachsen

wie das „Dunkelfeld“, also das, was ich nur erahnen kann. Es gibt noch soviel mehr zu wissen…

Wir bedanken uns recht herzlich für das spannende Interview! Danke für deine Arbeit und weiterhin alles Gute!